Dead Or School – TEST

In einer Welt unter Tokio, von Mutanten überrannt, spielen wir ein junges Mädchen. Hisako zieht ihre Motivation aus dem Wunsch, an die Oberfläche zurückzukehren, um dort mit ihren Freunden in eine Schule gehen zu können, wie es einst ihre Großmutter noch getan hatte. Im actiongeladenen Dead or School ist der Name Programm.


In der japanischen Comic-Literatur haben Schulmädchen offenbar einen besonderen Reiz, denn sie tauchen auch in westlichen Kreisen häufig genug auf. Dass der Gründer von Studio Nanafushi vor dessen Gründung erotische Mangas schrieb, erklärt auch für Dead or School einiges. Dennoch ist es keine spielfreie Fleischbeschau geworden, sondern hat einige interessante Spielideen zu bieten, leider keine davon neu.

U-Bahn-Geschichten

Mit ihren ca. 16 Jahren hat Hisako offenbar bislang sehr wenig Erfahrung gesammelt. Sie lebt in dritter Generation nach der Apokalypse unter der Erde und beginnt ihren Weg nach draußen an die Oberfläche mit einem der seltsamsten Ziele, die ein Spiel bieten kann: Sie will eine Schule gründen, um ihren jüngsten Traum zu verwirklichen, nämlich dort ein luxuriös-harmloses Leben führen zu können.

Warum innerhalb von drei Generationen sämtliches Wissen über alle weltlichen Dinge vor der Apokalypse verloren gegangen sind, wird im Spiel nicht erklärt. Hisakos Großmutter hält sich mit ihren Erzählungen offenbar zurück, doch sie kann ja nicht die einzige Quelle für Wissen sein. Während des Spiels treffen wir als Hisako auf die gewöhnlichsten Dinge, die sie beinahe so ahnungslos in ihre Welt aufnimmt wie es Captain Olimar in Pikmin mit seinen Fundstücken tut.

In der Welt wimmelt es von Mutanten, die uns alle an den Kragen wollen. Diese hektisch vernichtend, ziehen wir von Ort zu Ort, wobei jedes Gebiet einen Endboss bietet, dessen Angriffsmuster zumindest interessant sind. Nach einem Boss geht es mit dem Zug, der unsere Residenz wird, in das nächste Gebiet. Auf dem Weg begegnen wir nicht nur Dingen, sondern auch interessanten Orten wie Einkaufspassagen oder anderen Leuten, von denen sich uns manche sogar anschließen. Das zeigt sich aber nicht dadurch, dass wir fortan nicht mehr allein wären, sondern sie helfen uns nur an bestimmten Stellen. So hilft uns der kräftige Daiba beispielsweise, Wände aus dem Weg zu räumen, ist also gewissermaßen ein personifizierter Schlüssel.

Drei Waffen, eine Meinung

Dead or School ist ein Jump ’n’ Run, das uns in einer Seitenansicht das Spielgeschehen zeigt. Hisako kann springen und rollen, Gegenstände durch Bücken einsammeln und vor allem: angreifen. Ihr stehen sehr viele Waffen zur Verfügung, die sich über diverse Mods anpassen lassen. Mods und Waffen haben jedoch ein Gewicht, wodurch wir nicht alles nehmen und einbauen können, sondern etwas taktieren und haushalten müssen.

Wir können je ein Schwert, eine Schnellfeuerwaffe und eine großkalibrige Waffe bei uns tragen und benutzen. All diese haben nur eine bestimmte Haltbarkeit, sodass wir abwechseln müssen, bevor wir den nächsten Speicherpunkt und Schnell-Reisepunkt erreichen und sie wieder aufladen können. Was die Waffen und Mods angeht, gibt es durchaus einiges an Abwechslung in der Benutzbarkeit. So benehmen sich die verschiedenen Waffen alle ein bisschen unterschiedlich, ähnlich denen von Borderlands. Auch die Mods können wir unseren Vorlieben entsprechend wählen.

In Läden in den Levels können wir Waffen und Mods einkaufen, und – auch wieder wie bei Borderlands zeitlich begrenzte – Spezialangebote wahrnehmen. Wir finden aber auch genügend Optionen, wenn wir herumlaufen und uns durch die Monsterhorden schnetzeln. Einige der Mutanten sind schnell, andere stark, andere widerstandsfähig, hier gibt es ebenfalls einiges an Abwechslung.

Leben am Limit

Wenn wir in den Levels auf Gegner treffen, wird ein ca. anderthalb Bildschirme breites Areal durch Barrieren abgesperrt und aus dem Vordergrund springen Gegner in die Spiel-Ebene, die wir dann bekämpfen müssen. Wir überwinden alle Wellen von Gegnern, die Barrieren werden aufgehoben und wir dürfen wieder unseres Weges ziehen.

Manche Passagen von Dead or School sind ziemlich anspruchsvoll, auch auf den leichteren Schwierigkeitsgraden, wenn wir nicht unsere Möglichkeiten ausnutzen und die Waffen und Mods richtig wählen. Sämtliche Gegner haben das Zeug dazu, uns umzubringen, wenn wir nicht aufpassen. Das hält uns bei der Stange und macht unser Abenteuer eher zu einem Geschicklichkeitsspiel mit Gedächtnisaufgaben, denn wir müssen die Taktiken jedes Gegners im Kopf haben, wenn wir geschickt ausweichen wollen.

Neben den Mods für unsere Waffen gibt es noch eine weitere Möglichkeit, unsere Schwächen in der Handhabung des Spiels auszubügeln: Es gibt einen Fertigkeiten-Baum, in dem wir unsere Erfahrungspunkte für Fähigkeiten ausgeben können, die uns aktuell helfen könnten. Ob wir hier mehr auf Schwert-Fähigkeiten eingehen, eher unser Gewehr stärken oder unsere Lebensenergie erhöhen, bleibt uns frei überlassen und kann jederzeit im Zug, also unserem Spiel-Hub, gewechselt werden.

Gruß aus den 2000ern

Sowohl grafisch als auch musikalisch erinnert Dead or School an die 2000er. Sämtliche Levelgebiete sind zwar in Polygon-Grafik gehalten, aber die Texturen sind niedrig aufgelöst und die Polygone sind recht simpel. Sämtliche Rundungen sind als Ecken klar zu erkennen und somit wirkt der gesamte Stil des Spiels etwas altbacken. Dazu passen die recht simplen Animationen, die Hisako und die Gegner für uns bereithalten. In den Zwischensequenzen gibt es hübsche 2D-Grafik, gezeichnet im Manga-Stil. Das ist nett und trägt viel zur Atmosphäre bei.

Klanglich ist Dead or School eher simpel gehalten. Die dahinplätschernden Musikstücke entspringen anscheinend alle einem einfachen Synthesizer, was nicht schlecht ist, aber auch nicht besonders beeindruckend. Auch die Soundeffekte stechen nicht positiv hervor.

Bleibt die Frage, was Dead or School eigentlich spielenswert macht. Die Geschichte des Spiels ist nett und unterhaltsam genug. Viele der Figuren, die wir treffen, haben eigene Story-Elemente und geben uns Aufgaben, die das recht lineare Spiel etwas sinnvoller wirken lassen. Das Sammeln der Waffen und Mods ist unterhaltsam, und wer gern Min-Maxing betreibt, also in Menüs wühlt, um die allerbesten Prozente aus seinem Equipment herauszuholen, der findet hier sicher etwas Freude.

Letztlich ist das Spiel aber recht monoton, darüber können auch die verschiedenen Gegner und Gebiete nicht hinwegtäuschen. Wir erkunden Gebiete, wir treffen auf Gegner, die uns in einer Art Arena gegenüberstehen, bevor wir die nächsten Gegner treffen. Treppauf, treppab, mal ein paar simple Sprungpassagen, am Ende gibt’s einen Endgegner. Das unterhält eine Weile, ist aber auch kein Aha-Erlebnis.

Geschrieben von Arne Ruddat

Fazit:

Mir hat das Konzept von Dead or School schon ganz gut gefallen, aber das ewig gleiche Hack-and-Slay-Spielprinzip ist auf Dauer nicht spannend genug. Es kommt keine Loot-Spirale auf wie bei etwa Borderlands oder Diablo III Eternal Collection, es gibt keine tiefgründige Story wie etwa bei Bioshock Infinite. Dead or School ist einfach etwas stumpfsinnige Unterhaltung. Nett, aber kein Meilenstein.