Dynasty Warriors Origins – TEST

Nachdem Dynasty Warriors Origins bereits 2025 für die PlayStation 5, die Xbox Series X und den PC veröffentlicht wurde, blieb die Switch außen vor. Ein Jahr nach dem ursprünglichen Release hat Publisher Koei Tecmo Anfang 2026 das Spiel für die Switch 2 nachgereicht – leider mit technischen Abstrichen.


Anfang des Jahres 2025 wurde die Dynasty-Warriors-Reihe zurück auf Anfang gestellt. Soll heißen, dass das Konzept der von Omega Force entwickelten Videospielserie nach dem katastrophalen neunten Serienteil von 2018 nochmals überdacht wurde. Damit meinen wir keine Schadensbegrenzung wie im Spin-off Dynasty Warriors 9: Empires aus dem Jahr 2022, das sich deutlich besser und ähnlicher wie vorherige Serienteile spielt, sondern einen wirklichen Neustart.

Anstatt eine Schlacht nach der anderen aus der Sicht historischer Persönlichkeiten zu erleben, schlüpfen wir in Dynasty Warriors Origins in die Haut eines zunächst namenlosen Charakters, der wie in klassischen Rollenspielen unter Amnesie leidet, offenbar aber eine bewegte Vergangenheit hat. Im Spielverlauf erfahren wir peu à peu die Hintergründe über diesen Krieger, mit dem wir uns in bester Serientradition übers Schlachtfeld metzeln. Angesiedelt im späten 2. Jahrhundert unserer Zeitrechnung begleiten wir den standardmäßig als Wanderer zu bezeichnenden Helden bei seinem Werdegang. Zum Beispiel lernen wir daraufhin bekannte historische Figuren wie Liú Bèi oder Cáo Cāo kennen, die wir im Kampf gegen die religiös-sozial motivierten Gelben Turbane unterstützen. Im späteren Handlungsverlauf geht es dann auch noch den zehn Eunuchen und nicht zuletzt General Dǒng Zhuó an den Kragen.

Romantisiertes Actionspiel

Obwohl all das nach Geschichtsunterricht klingt, dürfte der Wahrheitsgehalt in der Story von Dynasty Warriors Origins zumindest in Teilen angezweifelt werden. Das liegt daran, dass sich die Entwickler auch an der ersten Hälfte der Geschichte der drei Reiche bedient haben, einem der vier Klassiker der chinesischen Literatur, der erst im 14. Jahrhundert entstand. Dementsprechend ist die Story wie zuletzt im Remake von Romance of the Three Kingdom 8 größtenteils romantisiert, was der Dramaturgie aber keinen Abbruch tut. Tatsächlich gelingt es dem Actionspiel besser als den vorherigen Serienteilen, die Geschichte zu inszenieren, auch wenn die Dialoge abseits von den vorgerenderten Zwischensequenzen sehr statisch und rudimentär verlaufen.

Wer im Spiel direkt ins Gefecht hüpfen will, kommt um diese manchmal etwas langatmigen Storyabschnitte nicht herum. Haben wir jedoch ein bis zwei Stunden ins Spiel investiert, öffnet sich die Spielwelt immer mehr. So können wir neben den großen Schlachten auch an kleineren Scharmützeln teilnehmen oder Missionen erfüllen, die kurzweiligen Spaß für zwischendurch mit sich bringen. Dabei konzentriert sich das Spiel allen voran auf den Protagonisten und seine Charakterentwicklung, doch in manchen Momenten übernehmen wir die Rolle von historischen Persönlichkeiten wie Guān Yǔ oder Sūn Shàngxiāng.

Aufleveln mal anders

Beim eigentlichen Gameplay hat sich aber auch in Dynasty Warriors Origins nichts getan. So werfen wir uns in bester Musō-Manier in die Schlacht und bekämpfen fast schon im Vorbeigehen hunderte bis tausende Gegner mit Waffen wie Schwertern, Speeren oder Doppeläxten. Noch dazu erlernen wir verschiedene Spezialfähigkeiten und aktivieren diese im Verlauf der Gefechte, um beispielsweise feindliche Angriffe von Kommandanten zu unterbrechen.

Das Aufstufen funktioniert im Spiel allerdings anders als in vorherigen Serienablegern. Bekämpfen wir genügend Feinde mit einem bestimmten Waffentyp, kommt es zum Level-up und wir erhalten unter anderem Boni auf Attribute wie Gesundheit und Angriffswert. Das motiviert ungemein, die Waffen im Spiel auch mal zu wechseln, zumal es ja auch keine Charakterauswahl wie in den früheren Episoden der Dynasty-Warriors-Reihe gibt. Kommen wir mit einer Waffe aber partout nicht klar, kann das Aufleveln eine wirklich mühselige Angelegenheit sein. Auch manche Kämpfe können sich schon auf dem mittleren der drei Schwierigkeitsgrade als anstrengend entpuppen. Gerade die Kämpfe gegen größere Gegner nerven, da attackieren, verteidigen, ausweichen und Spezialfähigkeiten einsetzen trotz Anvisierfunktion häufig unzureichend ausgeführt werden. Das lässt ein leicht unbefriedigendes Gefühl bei uns zurück.

Stimmungsvolle Action mit technischen Abstrichen

Wer mit Dynasty Warriors Origins seinen ersten Kontakt mit der Serie knüpft, wird bestimmte Makel auch gar nicht erkennen. Hierzu zählt zum Beispiel das begrenzte Moveset pro Waffe, das nur auf den Hauptcharakter selbst zugeschnitten ist. In früheren Episoden wie dem achten Serienteil wirken diese Movesets bei den unterschiedlichen Charakteren mit ihren Attributen jeweils anders. Daher kann dem Reboot durchaus ein wenig Abwechslungsarmut oder Eintönigkeit attestiert werden. Nichtsdestotrotz ist das Spiel keineswegs anspruchslos, denn auch hier müssen wir stets im Auge behalten, welche Basen wir erobern und welche Verbündeten wir beschützen oder unterstützen müssen, was den taktischen Anspruch zumindest in den großen Schlachten nach oben schraubt.

Unterlegt wird alles mit chinesisch angehauchter, teils auch etwas rockig interpretierter Musik. Obwohl die Präsentation auf der Switch 2 im Gegensatz zu der Version auf PlayStation 5 und Co visuell leichte Abstriche macht, ist das Geschehen dank des Soundtracks von Koike Masato jederzeit stimmungsvoll inszeniert. Ärgerlich ist aber, dass das Spiel auf Nintendos Hybridkonsole entweder mit in unseren Augen zu langsamen dreißig Bildern oder mit einer instabilen Framerate zu kämpfen hat. In Zeiten, in denen selbst Hyrule Warriors: Chronik der Versiegelung flüssig läuft, ist das inakzeptabel. Wer Dynasty Warriors Origins spielen will, sollte also eher zu einer anderen Version greifen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Fazit:

Eric Ebelt

Nachdem ich mit Hyrule Warriors: Chronik der Versiegelung im Jahr 2025 richtig viel Spaß dank flüssig laufender Musō-Action auf der Switch 2 hatte, habe ich mir von Dynasty Warriors: Origins sehr viel erhofft. Unter technischen Gesichtspunkten kann ich die Version für die Switch 2 aber nicht empfehlen, da mir persönlich dreißig Bilder pro Sekunde inzwischen zu wenig sind und eine instabile Framerate alles ist, nur eben kein Kompromiss. Dabei bietet das Spiel wirklich ein paar tolle Ansätze, die es gerade für Einsteiger ins Franchise interessant macht. So blöd namenlose Charaktere in einem historischen Setting auch sind, bietet der an Gedächtnisschwund leidende Protagonist doch eine gute Ausgangslage, um die verschiedenen Persönlichkeiten der chinesischen Geschichte von Grund auf kennenzulernen. Auch ist das Spiel nicht mit Umfang im Sinne von spielbaren Charakteren und Szenarien vollgestopft, sodass es für die ersten Gehversuche in der Reihe wie gemacht zu sein scheint. Kinderleicht lassen sich die diversen Angriffsmanöver erlernen und verinnerlichen, auch wenn der Schwierigkeitsgrad selbst auf der mittleren Stufe zuweilen überraschend hoch ausfällt. Auch wenn ich aufgrund des zu geringen Abwechslungsreichtums in puncto Charaktere und Movesets eher zu früheren Serienteilen raten würde, ist das Spiel dennoch ein passabler Einstieg. Habt ihr die Möglichkeit, solltet ihr das Spiel jedoch eher auf PlayStation 5 und Konsorten nachholen, denn da läuft das Spiel zumindest in technischer Hinsicht nahezu durchgehend rund.