River City Saga: Journey to the West – TEST
Wer kennt sie nicht, klassische Beat-‚em-ups wie Double Dragon oder Batlletoads. Mit River City Saga: Journey to the West meldet sich der Ur-Vater moderner Beat-em-ups zurück. Nekketsu Kōha Kunio-kun, oder im Westen besser bekannt als Renegade kam 1986 in die Spielhallen und auch als Umsetzung für das NES. 1989 erschien dann River City Ransom und kombinierte erstmals Prügeleien mit klassischen RPG-Elementen wie z. B. Erfahrungspunkten. Ganz streng genommen zählt sogar Nintendo World Cup zu der Reihe, was unschwer am Design der Figuren zu erkennen ist. Das ist für die Serie nicht ungewöhnlich, da die Figuren regelmäßig in komischen und auch witzigen anderen Spielen und Situationen auftauchten. Mit River City Saga: Journey to the West steht uns auf der Nintendo Switch nun der neueste Ableger der Reihe zur Verfügung.
Seiche Story einer klassischen, chinesischen Folklore
Die erzählte Geschichte orientiert sich dieses Mal recht lose am chinesischen Literaturklassiker „Die Reise nach Westen“ und versetzt die bekannten Figuren der River-City-Reihe in die Rollen der berühmten Helden. Als Wukong begeben wir uns mit einem magischen Stab auf die Reise nach Jianzhou, treffen unterwegs auf neue Verbündete und stellen uns zahlreichen Dämonen, mystischen Kreaturen und mächtigen Bossgegnern. Dabei führt uns die Reise durch abwechslungsreiche Schauplätze, die sich an der chinesischen Mythologie orientieren und immer wieder neue Herausforderungen bereithalten.
Kenntnisse der literarischen Vorlage sind dabei keineswegs erforderlich. Das Spiel greift zwar bekannte Motive und Figuren auf, erzählt seine Geschichte aber auf seine ganz eigene Art und bleibt dem typischen Humor der River-City-Reihe treu. Dialoge und Zwischensequenzen lockern das Geschehen regelmäßig auf und sorgen mit ihrem augenzwinkernden Ton immer wieder für kleine Schmunzler.

Die Handlung selbst bleibt insgesamt eher leichtgewichtig und verzichtet auf große erzählerische Überraschungen oder tiefgründige Charakterentwicklungen. Stattdessen bildet sie einen stimmigen roten Faden, der die einzelnen Abschnitte miteinander verbindet und die Motivation liefert, immer weiter Richtung Westen vorzudringen. Im Mittelpunkt steht dabei jedoch klar das Gameplay – die Geschichte schafft vor allem einen unterhaltsamen Rahmen für die zahlreichen Kämpfe und den Roguelite-Spielablauf.
Modernisiertes Gameplay
Im Mittelpunkt steht ganz klar das Gameplay. River City Saga: Journey to the West verbindet das klassische Beat-‚em-up-Kampfsystem der Reihe mit einem modernen Roguelite-Aufbau. Jeder Durchlauf führt uns durch zufällig zusammengestellte Kampfarenen, in denen wir Gegner besiegen, Ressourcen sammeln und unseren Charakter kontinuierlich verbessern.
Zu Beginn kämpfen wir als Wukong mit seinem magischen Stab und verfügen zunächst über eine überschaubare Auswahl an Angriffen. Neben einer normalen Angriffskombination stehen ein stärkerer Spezialangriff, verschiedene Zauberfähigkeiten sowie ein Dash zur Verfügung. Gerade der Dash spielt eine zentrale Rolle, denn viele Gegner verfügen über kraftvolle Angriffe oder Flächenattacken, denen wir nur durch geschicktes Ausweichen entkommen können. Gleichzeitig lässt sich der Dash später durch entsprechende Verbesserungen sogar offensiv einsetzen und fügt Gegnern zusätzlichen Schaden zu.
Während eines Runs erweitern wir unser Arsenal Schritt für Schritt. Durch Alchemie lassen sich Waffen verbessern und neue, besonders mächtige Fähigkeiten freischalten, die das Kampfgefühl spürbar verändern. Den größten Einfluss auf den eigenen Spielstil haben jedoch die sogenannten Segnungen der Götter. Diese fungieren als zufällige Verbesserungen und können beispielsweise die Angriffsgeschwindigkeit erhöhen, den verursachten Schaden steigern, Elementareffekte wie Feuer oder Blitz hinzufügen oder Spezialangriffe verstärken. Manche Segnungen verändern sogar ganze Spielmechaniken und eröffnen völlig neue Build-Möglichkeiten. Mit etwas Glück erhalten wir zudem mächtige Ultimativfähigkeiten, die große Gegnergruppen auf einmal ausschalten können, allerdings wertvolle Geisterpunkte verbrauchen.

Ergänzt wird das Ganze durch Händler, bei denen wir während eines Runs gefundene Münzen gegen hilfreiche Gegenstände oder weitere Verbesserungen eintauschen können. Zusätzliche Ressourcen ermöglichen es außerdem, Segnungen weiter aufzuwerten und besonders starke Builds noch effektiver zu machen.
Nach einem gescheiterten Versuch gehen zwar die meisten temporären Verbesserungen verloren, permanente Upgrades in der Basis sorgen jedoch dafür, dass jeder Run einen langfristigen Fortschritt mit sich bringt. Dort schalten wir unter anderem neue Talismane, weitere Zauber und zusätzliche Verbesserungen frei, die unsere Erfolgschancen für den nächsten Durchlauf erhöhen. Dadurch entsteht ein motivierender Gameplay-Loop aus Kämpfen, Belohnungen und stetiger Charakterentwicklung. Verschiedene spielbare Charaktere mit individuellen Kampfstilen, unterschiedliche Build-Möglichkeiten und herausfordernde Bosskämpfe sorgen zudem dafür, dass sich auch mehrere Durchläufe abwechslungsreich anfühlen und immer wieder zum nächsten Run motivieren.
Grafisch erwartbares
Optisch setzt River City Saga: Journey to the West nicht auf technische Schauwerte, sondern auf einen charmanten Retro-Stil. Die Figuren sind detailliert animiert, die Gegner lassen sich jederzeit gut voneinander unterscheiden und die verschiedenen Umgebungen greifen die chinesische Mythologie mit Tempeln, Bergen und Dämonenwelten stimmig auf. Moderne Beleuchtung oder aufwendige Partikeleffekte sucht man dagegen vergeblich – der Fokus liegt klar auf Übersicht und Lesbarkeit während der schnellen Kämpfe. Zwischensequenzen gibt es nicht, die Story wird dafür in charmant präsentierten Standbildern präsentiert, die den beliebten Humor der Serie mit verzogenen Gesichtern und lockeren Sprüchen gut einfängt.

Auch beim Sound bleibt das Spiel seiner klassischen Ausrichtung treu. Der Soundtrack kombiniert eingängige, überwiegend flott gehaltene Melodien mit fernöstlich angehauchten Klängen und unterstreicht die Atmosphäre der verschiedenen Schauplätze, ohne sich dabei zu sehr in den Vordergrund zu drängen. Passende Soundeffekte verleihen Treffern und Spezialfähigkeiten ausreichend Wucht und sorgen dafür, dass die Kämpfe jederzeit dynamisch wirken. Eine vollwertige Sprachausgabe gibt es ebenfalls nicht, die humorvoll inszenierten Dialoge funktionieren dank der stimmigen Musikuntermalung und der charakteristischen Soundeffekte aber dennoch gut und runden die Präsentation insgesamt gelungen ab.
Multiplayer und Lokalisierung
Im Gegensatz zu vielen anderen River-City-Titeln setzt Journey to the West vollständig auf das Einzelspieler-Erlebnis. Einen lokalen oder Online-Koop gibt es nicht. Stattdessen ist das Roguelite-Gameplay konsequent auf Solo-Spieler ausgelegt. Angesichts des Gameplays und der permanenten Charakterentwicklung funktioniert dieses Konzept jedoch gut und wirkt in sich stimmig. Wer dagegen Multiplayer möchte, muss hier auf einen der anderen River City Teile umschwenken, wie z.B. River City Girls 1 & 2 oder auch River City Saga: Three Kingdoms Next. Was auch fehlt ist leider eine deutsche Lokalisierung. Ihr müsst also des Englischen mägchtig sein um das Spiel und auch den Humor voll genießen zu können.

River City Saga: Journey to the West ist eine gelungene Weiterentwicklung der traditionsreichen Beat-‚em-up-Reihe und schlägt mit seinem Roguelite-Ansatz erfolgreich neue Wege ein. Die Kombination aus klassischen Prügeleinlagen, zufallsbasierten Runs und permanenten Fortschrittssystemen sorgt für einen motivierenden Spielfluss, der immer wieder zu einem weiteren Durchlauf einlädt. Besonders die Vielzahl an freischaltbaren Fähigkeiten, Segnungen und spielbaren Charakteren bringt viel Abwechslung ins Gameplay und eröffnet unterschiedliche Spielstile.
Die Geschichte dient dabei zwar eher als lockerer Rahmen und erreicht keine erzählerischen Höhenflüge, unterhält mit ihrem humorvollen Ton und den Anleihen an die chinesische Mythologie aber dennoch gut. Auch die charmante Pixelgrafik weiß zu gefallen und passt hervorragend zur langen Geschichte der Reihe. Technisch überzeugt das Spiel auf der Nintendo Switch 2 mit einer flüssigen Performance und kurzen Ladezeiten, auch wenn die Grafik gegenüber den anderen Plattformen kaum Unterschiede zeigt.
Der Verzicht auf einen Koop-Modus dürfte Fans früherer River-City-Spiele zwar etwas enttäuschen, gleichzeitig ist das gesamte Spielkonzept klar auf das Solo-Erlebnis zugeschnitten und funktioniert in dieser Form ausgesprochen gut. Vor allem das stetige Gefühl, selbst nach einem gescheiterten Run Fortschritte zu erzielen, motiviert langfristig und gehört zu den größten Stärken des Spiels.

Wer bereits Roguelites wie Hades schätzt, wird viele vertraute Mechaniken wiedererkennen. River City Saga: Journey to the West kopiert diese jedoch nicht einfach, sondern verbindet sie mit der klassischen River-City-DNA und schafft dadurch eine angenehm eigenständige Spielerfahrung. Zwar erfindet das Spiel das Genre nicht neu, liefert aber ein rundes Gesamtpaket mit viel Charme, abwechslungsreichen Kämpfen und einer motivierenden Progression. Für Fans der Reihe und Liebhaber klassischer Action-Roguelites ist River City Saga: Journey to the West daher eine klare Empfehlung und auf der Nintendo Switch eine rundum gelungene Umsetzung.
Fazit:
Ich gehöre wohl zu denjenigen, die bei den River City Spielen Koop-Multiplyer bevorzugen. Wir haben hier ein sehr solides Rougelite Spiel, welches sich hinter den anderen Vertretern des Genres nicht verstecken muss. Ich hatte meinem Spaß mit dem Spiel, ja, werde aber doch lieber zu den Vorgängern greifen um gemeinsam in den Kampf zu ziehen. Es ist ein moderner Take einer langlebigen Spielereihe, der es weiß zu überzeugen, mich aber nicht ewig vor die Konsole fesseln wird. Ich bin zwar recht gut in Englisch, bevorzuge bei meinem Spielen dann aber doch eine lokalisierte Fassung.







