Dementium: The Ward – TEST

Mit Dementium: The Ward konnte das Studio Renegade Kid auf dem Nintendo DS ein gelungenes Debüt feiern. Technisch, atmosphärisch und spielerisch überzeugte das First-Person-Shooter-Survival-Horror-Spiel, dessen Nintendo-Switch-Umsetzung am 12. Oktober erschienen ist.


Als Dementium: The Ward, in Deutschland auch als Dementium: Die Anstalt bekannt, am 31. Oktober 2007 in den USA und im April 2009 in Europa erschien, überzeugte das First-Person-Survival-Horror-Spiel vor allem mit einer für den Nintendo DS herausragenden Technik. Renegade Kid zeigte, welche grafischen und spielerischen Möglichkeiten auf dem Nintendo-Handheld möglich waren. Eine ähnliche Wirkung kann die von Atooi entwickelte und veröffentlichte Umsetzung für Nintendo Switch zwar nicht mehr erfüllen, dennoch handelt es sich bei Dementium: The Ward im Kern noch immer um ein atmosphärisches Survival-Horror-Spiel. Als Grundlage für die Nintendo-Switch-Portierung dient das 2015 für Nintendo 3DS veröffentlichte Dementium Remastered.

Stimmungsvoller Horror

Wer Dementium: The Ward oder Dementium Remastered bereits kennt, sollte von der Nintendo-Switch-Version des Survival-Horror-Spiels keine großen Veränderungen erwarten. Gerade bei der Grafik setzt die Fassung für die Hybrid-Konsole lediglich auf die minimal auf das System angepasste Nintendo-3DS-Fassung. Entsprechend unscharf sind manche Umgebungen und auch die pixeligen Kanten und Linien lassen sich kaum verbergen. Hier wäre sicher mehr drin gewesen, wirklich negativ wirkt sich das dank der durchgängigen sechzig Bilder pro Sekunde und der dichten, düsteren Atmosphäre jedoch nicht aus. Dementium: The Ward weiß noch genauso wie auf den Handhelds zu packen und zu gruseln. Dennoch wäre ein bisschen mehr Aufwand in Sachen Grafik wünschenswert gewesen.

In Sachen Gameplay setzt Dementium: The Ward ebenfalls auf die Grundlagen des Originals, erweitert diese aber um ein paar Quality-of-Life-Funktionen. So wurde eine für moderne Systeme und die First-Person-Perspektive sinnvolle Zwei-Analog-Stick-Steuerung eingeführt. Entsprechend können wir uns nun frei bewegen, während wir uns gleichzeitig umsehen beziehungsweise mit unseren Waffen zielen können. Ein wirklich großer Vorteil, der ein schnelleres und flüssigeres Spielgefühl zur Folge hat. Bedauerlicherweise wurde jedoch das im Original noch praktische und essenzielle Notizbuch gestrichen. Dieses erhalten wir auch auf der Nintendo Switch direkt zu Beginn und tragen es in unserem Inventar, können es aber nicht nutzen. Auf dem Nintendo DS und Nintendo 3DS war es möglich, hier Notizen anzufertigen, um etwa Hinweise für Rätsel festzuhalten. Eine Möglichkeit, die uns wirklich fehlt und der wir mit Screenshots entgegenwirken müssen.

Altbewährtes Gameplay

Abgesehen davon bietet Dementium: The Ward klassisches First-Person-Survival-Horror-Gameplay. Aufgrund der dunklen Umgebung des Krankenhauses, in dem wir uns als an Amnesie leidender Hauptcharakter befinden, sind wir auf eine Taschenlampe angewiesen. Nur so können wir in den blutverschmierten, von Gegnern überrannten Korridoren und Räumen der namensgebenden Anstalt wirklich etwas erkennen. Gleichzeitig machen wir Gegner jedoch mit dem Licht der Taschenlampe auf uns aufmerksam. Wir müssen also gut überlegen, wann wir lieber auf Helligkeit verzichten, zumal wir bei aktivierter Taschenlampe keine Waffe tragen können. Ein Umstand, der etwas unsinnig wirkt und Kämpfe unnötig erschwert. Nicht nur müssen wir immer wieder zwischen Taschenlampe und Waffen wie Schlagstock, Pistole oder Schrotflinte wechseln, wir sehen auch noch fast nichts von unseren Gegnern. Dazu kommt eine gerade beim Schlagstock etwas schwammige Steuerung, die immerhin bei Schusswaffen keine allzu großen Auswirkungen hat.

Auch in Sachen Abwechslung kann Dementium: The Ward heutzutage nicht mehr vollends überzeugen. Die Level des Krankenhauses sind sich zu ähnlich, weitgehend linear und auch hinsichtlich Gegner wird zu wenig Variation geboten. Selbst die gelegentlichen Rätsel bringen nur bedingte Auflockerung. Da bringen die Bosse immer etwas Unterschied ins Spiel. Die Auseinandersetzungen mit den Bossen können allerdings frustieren, was jedoch nicht am Schwierigkeitsgrad sondern Gameplay und Steuerung liegt. Immerhin hat die Nintendo-Switch-Version Checkpoints spendiert bekommen, so dass wir nicht mehr immer – wenn auch meistens – am letzten Speicherpunkt oder Levelstart neu beginnen müssen, wenn wir sterben.

Düstere Atmosphäre

Überzeugen kann Dementium: The Ward bei der durchaus spannenden Geschichte über den erinnerungslosen Patienten, der sich seinen Weg durch das finstere Krankenhaus bahnen muss. Regelmäßige Zwischensequenzen gewähren uns einen Blick auf die Schrecken und liefern Hinweise darauf, was vor sich geht und dass wir keineswegs sicher sind. Vor allem aber punktet das Horror-Survival-Spiel mit einer düsteren, dichten Atmosphäre. Diese sorgt für ein fesselndes Spielerlebnis, das uns so manche Schwäche gerne vergessen lässt. Dazu trägt auch die stimmungsvolle Soundkulisse bei. Besonders, wenn uns bewusst ist, dass es sich bei Dementium: The Ward im Kern um ein sechzehn Jahre altes Spiel handelt, kann der Survival-Horror-Titel noch immer packende Genre-Unterhaltung bieten.

Geschrieben von Alexander Geisler

Fazit:

Dementium: The Ward gilt bis heute als eines der technisch beeindruckensten Nintendo-DS-Spiele. Dabei hat das Horror-Survival-Spiel auch hinsichtlich des Genres und der First-Person-Perspektive auf dem Nintendo-Handheld einen besonderen Status. Die auf dem Nintendo-3DS-Remaster basierende Switch-Version mag nicht mehr genauso begeistern können wie 2009, dennoch kann sich die düstere Atmosphäre auch auf der Hybrid-Konsole entfalten. Gerade einige sinnvolle Quality-of-Life-Funktionen sorgen dafür, dass Dementium: The Ward trotz offensichtlicher Schwächen, die teilweise auf das Alter des Spiels zurückzuführen sind, auch heute noch angenehm spielbar ist. Ein neuer Genre-Meilenstein ist Dementium: The Ward auf der Nintendo Switch nicht, dafür aber ein spannender Geheimtipp für alle, die sich an einer etwas veralteten Grafik nicht stören.