Kid Tripp -  – TEST

Es gibt Spiele, die wollen über Monate fesseln. Dann gibt es Titel, für die wir immerhin ein paar durchzechte Nächte brauchen, um sie durchzuspielen. Kid Tripp gehört zu den Spielen, die innerhalb von einer Spielstunde unterhalten und einmalig durchgespielt werden wollen.


Eine großartige Geschichte wird in Kid Tripp nicht erzählt. Der titelgebende Held ist auf einer einsamen Insel gestrandet und will von dieser entkommen. Gehindert wird er daran von der hartnäckigen Fauna, die ihm am Strand, in Höhlen, am Eismeer und in einer Vulkanlandschaft das Leben erschweren möchte. Wirklich spannend ist das nicht, zumal selbst Titel wie Super Mario World oder Donkey Kong Country schon zu Beginn der 1990er Jahre eine – wenn auch nur leicht – ausgetüfteltere Handlung erzählt haben. Dennoch sollte man Kid Tripp deswegen nicht verurteilen, da ohnehin nur wenige Jump ’n’ Runs Wert darauf legen und man Kid Tripp aufgrund der eingeschränkten Bewegungsfreiheit sowieso zum Geschicklichkeitsgenre zählen müsste.

Jede der vier aufgezählten Themenwelten besteht aus fünf kurzen Levels, die summa summarum zwanzig Spielabschnitte ergeben. In jedem der vierzig Levels läuft unser Held automatisch los und wir müssen im richtigen Moment auf den Knopf drücken, um ihn über Abgründe oder Hindernisse springen zu lassen. Kollidieren wir mit einem Hindernis oder landen in einer Grube, verlieren wir einen von zehn wertvollen Versuch und starten das Level gänzlich neu. Aufgestockt wird unsere Versuchsanzahl, wenn wir einhundert Goldmünzen einsammeln, die in den Levels verteilt sind. Sind alle Leben eingebüßt, heißt es „Game Over“.

Starke Spielwelt, faule Gegner

Der Game-Over-Bildschirm ist allerdings nur für die Hardcore-Fans des Titels tragisch, denn bei diesem Bildschirmtod verlieren wir alle Münzen, von denen wir ohnehin nur eintausend Stück für einen Erfolg sammeln müssen. Andere Herausforderungen, wie das Sammeln aller Münzen sämtlicher Welten oder das Beenden eines Levels ohne einen Gegner aus dem Weg zu räumen, erledigen wir fast schon im Alleingang. Feinde werden im Übrigen ganz klassisch besiegt, indem wir auf sie hüpfen oder etwas brutaler, wenn wir sie mit Steinen aus unserem nimmerleeren Steinvorrat bewerfen. Hauptsächlich geht es in Kid Tripp allerdings darum, ein Level so gut es geht abzuschließen und dazu gehören unweigerlich das Auswendiglernen der Spielwelt und der Positionen aller Gegner.

Sehr oft kommt es nämlich auf millimetergenaue Sprünge an, die noch dazu auch korrekt zeitlich abgestimmt werden wollen, da nicht selten ein Sprung auf den nächsten und ein Feind nach dem anderen folgt. Während die Spielwelt recht vielseitig ausfällt und mit Palmen, Felsen, Eisblöcken und Lavaseen durchgehend sehr viel Abwechslung bietet, fallen die Feinde recht abwechslungsarm aus. Hasen, Schlangen, oder Spinnen lassen sich problemlos mit einem Hüpfer aus dem Weg räumen – nur Krabben wollen unbedingt mit einem Steinwurf erledigt werden. Da wäre viel mehr möglich gewesen!

Kurz, kürzer, Kid Tripp

Wer sich mit zwanzig Levels auf ein halbwegs umfangreiches Spiel freut, der irrt an dieser Stelle zumindest teilweise. Jeder Spielabschnitt ist in der Regel innerhalb von zwanzig bis dreißig Sekunden durchgespielt, doch aufgrund des Auswendiglernens wird die Spielzeit bei einem Durchlauf für durchschnittliche Spieler auf maximal sechzig Minuten gestreckt. Wer dann auch noch alle Erfolge sammeln will, kann auf die Spielzeit noch zwei bis drei Stunden draufrechnen. Die Steuerung funktioniert in den meisten Fällen hervorragend, denn nur selten hatten wir das Gefühl, dass ein Befehl per Knopfdruck nicht ausgeführt wurde.

Grafisch erinnert das Geschicklichkeitsspiel stark an 8- und 16-Bit-Hüpfspiele. Während die Level-Architektur den Super-Mario- und Kirby-Spielen ähnelt, erinnert das hohe Spieltempo ein wenig an Sonic The Hedgehog. Spielfigur Kid Tripp selbst verweist mit seinem Aussehen hingegen wiederum auf Nintendos Allround-Talent Super Mario. Die akustischen Merkmale lassen uns an Game-Boy-Spiele erinnern und sorgen in jedweden Level für ein nostalgisches Gefühl. Soundtrack und Optik ergeben zusammen ein stimmiges Gesamtbild, das bei jedem Spieldurchlauf begeistert. Die Zeit bei kurzen Bus- und Bahnfahrten lässt sich mit Kid Tripp definitiv wunderbar vertreiben, doch mehr als einen Abend wird der Titel kaum füllen können.

Geschrieben von Eric Ebelt

Fazit:

Kid Tripp ist in meinen Augen ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite mag ich die kurzen Spielabschnitte, da sie sowohl intelligent gestaltet sind, als auch sehr, sehr viel Abwechslung bieten. Auf der anderen Seite ist das Spiel innerhalb einer Stunde viel zu rasch durchgespielt. Selbstverständlich habe ich dann noch nicht alle Erfolge freigeschaltet, doch auch dieses Unterfangen kann ich innerhalb von zwei bis drei weiteren Spielstunden erreichen. Aufgrund des recht geringen Preises sollten sich Fans von Geschicklichkeitsspielen den Titel aber auf jeden Fall einmal genauer anschauen, da besonders jene Spieler, die öfters kürzere Wartezeiten überbrücken müssen, schnell ins Geschehen eintauchen können und so die Zeit wie im Flug vergehen lassen. Wer sich auf ein mehr als abendfüllendes Abenteuer einlassen will oder sich für den Titel aufgrund ähnlich aufgebauter Smartphone-Spiele ohnehin nicht interessiert, sollte lieber ältere Jump ’n’ Runs der Super-Nintendo-Ära hervorkramen.