Plungeez – TEST
Videospiel-Klempner retten sonst Königreiche und Prinzessinnen, nur ihr eigentliches Handwerk ruht dabei meistens. Plungeez nimmt den Beruf endlich wörtlich: Klempnerin Bonnie stürzt in die Kanalisation der brasilianischen Stadt Salvador und rätselt sich durch ein Labyrinth aus Wasser, Licht und Röhren. Warum uns dieser Abstieg so erfrischt hat, lest ihr hier.
Hinter Plungeez steht Team Zeroth, ein kleines Entwicklerteam aus Brasilien, zu dem unter anderem Felipe Sousa als Director, Game Designer und Illustrator, Felipe Nanni für Programmierung und Prototypenbau sowie Tharcísio Vaz für Audio, Komposition und Kommunikation gehören. Schon seit Dezember 2024 steht eine kostenlose Demo auf PC bereit, 2025 präsentierte sich der Titel außerdem als Indie-Spiel auf der Gamescom Latam, dem lateinamerikanischen Pendant zu unserer Gamescom. Für den Sprung auf die Konsole sorgt nun Publisher QUByte Interactive: Am 13. August 2026 erscheint Plungeez als digitaler Download für die Nintendo Switch. Spielerisch verspricht das Team eine Mischung aus Puzzle-Plattforming und Metroidvania-Strukturen – ob sie aufgeht, schauen wir uns genauer an.

Abstieg in die Bildröhre
Bonnie verdient ihr Geld als Klempnerin und beginnt das Spiel mit einem Auftrag. Währenddessen lässt ein Arbeitsunfall sie weit in die Tiefe stürzen: Unter den Straßen der historischen Stadt Salvador erstreckt sich ein weitläufiges, verzweigtes Kanalsystem. Dort verirrt sich unsere lila gelockte Heldin prompt und muss nun daraus zurück ans Tageslicht finden. Wasser spielt hierbei natürlich eine große Rolle und übernimmt derweil eine Doppelrolle: Mal stellt sie sich uns als Hindernis in den Weg, mal wird sie selbst zum Werkzeug, mit dem wir neue Bereiche erreichen. Aus vielen kleinen Handgriffen und Erfolgen setzt sich so Stück für Stück der Weg nach oben zusammen.

Optisch weckt Plungeez sofort Erinnerungen an das Spielen auf einem Röhrenmonitor, und das liegt nicht allein an der deutlichen Verzerrung, die wir in den Einstellungen auch ausstellen können. Pixelig, rau und düster präsentiert sich die Unterwelt, die Entwickler selbst bezeichnen ihren Stil als „Puxel Art“, eine eigens erdachte Kunstform. Sobald wir aber die ersten Meter durch die Kanäle zurücklegen, wird schnell klar: Hier läuft kein Spiel aus früher Vorzeit, sondern ein hochmoderner Titel, der sich geschickt bei den Genres Metroidvania und Puzzle bedient. Bonnie flitzt in rasantem Tempo durch die Gebiete, und genau von diesem Kontrast lebt das Spiel: außen nostalgische Hülle, innen modernes Spieldesign. So genießen wir die gute alte Zeit, ohne auch nur einen ihrer Nachteile zu erleben.
Licht holen, Boiler heizen
In jedem Gebiet wartet dieselbe elegante Grundaufgabe auf uns. Zunächst spüren wir eine Lampe auf, mit der Bonnie Licht einsammeln kann, und diese kostbare Fracht bugsieren wir anschließend teils mühsam und trickreich bis zu einem Boiler. Einmal entfacht, dient er als Aktivierung für die nächste Tür oder andere Mechaniken. Was simpel klingt, verlangt einiges von uns: räumliche Wahrnehmung und ein Gespür dafür, wie sich die Umgebung manipulieren lässt. Denn Wasser bringt auf dem Weg reichlich Hürden mit, an denen wir unsere leuchtende Ladung sicher vorbeimanövrieren müssen. Schön dabei: Plungeez spielt sich so flott, dass wir nur bedingt vorausplanen müssen. Statt jede Wechselwirkung aus Wasserläufen, Wegen und Mechanismen vorab zu durchdenken, probieren wir einfach aus, und nach ein paar Versuchen und Irrwegen stehen wir am Ziel.

Wir entzünden Fackeln und reparieren Rohre, ganz wie es sich für eine Klempnerin gehört. Sogar vor dem Sprung ins kalte Wasser schreckt Bonnie nicht zurück und so tauchen wir kurzerhand durch geflutete Passagen, wenn der Weg es verlangt. Ein nützlicher Begleiter und frühes Equipment ist dabei ein Pömpel*, der beim Klettern hilft. Aus den einfachen Elementen Laufen, Zünden, Hüpfen und Tauchen komponiert Team Zeroth seine Aufgaben, und gerade diese Bodenständigkeit macht für uns den Reiz aus: Jede Lösung fühlt sich nach Handarbeit an, befriedigend wie das Einsetzen des letzten Puzzleteils. Wer gern beobachtet, kombiniert und tüftelt, findet in diesen Gewölben ein reiches Betätigungsfeld.
Hin und wieder zurück
Apropos Steßl*: Wie auch in vielen anderen Vertretern der Gattung Metroidvania stoßen wir in den Katakomben immer wieder auf nützliche Gegenstände, die Bonnie neue Fähigkeiten verleihen. Ein Sammelobjekt ist die Saughilfe aber nicht. Mit dem ersten Klostampfer* hält sich unsere Heldin an Wänden und Decken fest, später findet sich ein zweiter Plümper*. So öffnen sich zuvor unerreichbare Bereiche, und in bekannten Gängen erkennen wir plötzlich Wege, wo wir vorher Sackgassen vermuteten. Dieser Sog aus Freischalten, Zurückkehren und Entdecken ist der Kern eines guten Metroidvania, und Plungeez beherrscht ihn erstaunlich souverän für ein Studio dieser Größe. Versteckte Schätze landen nach dem Fund auf der Karte, Abkürzungen ersparen uns weite Rückwege. Selbstverständlich fehlt auch ein Schnellreisesystem nicht, bei dem Bonnie in Röhren springt und andernorts wieder auftaucht – das schnauzbärtige Nintendo-Maskottchen lässt grüßen.

Kein Kampf, kein Stress
So bedrohlich die Kulisse auch wirkt und so schnell Bonnie unterwegs ist: Nach den ersten Spielstunden verblüfft uns Plungeez mit einer bemerkenswerten Erkenntnis, denn Gefahren existieren hier schlicht nicht. Keine Fallen, keine Gegner, keine Kämpfe. Übrig bleibt ein reiner Geschicklichkeitspuzzler ohne Stressfaktor, der uns in aller Ruhe ans Werk gehen lässt und sich damit wohltuend von Genre-Kollegen abhebt, die ihre Rätsel mit Kampfeinlagen strecken. Mehrspieler-Optionen gibt es keine, das Abenteuer bleibt ein Erlebnis für eine Person – wer mitraten möchte, tut das am besten direkt daneben auf der Couch. Sprachlich müssen wir hierzulande ebenfalls Abstriche machen: Die charmant geschriebenen Texte gibt es nicht auf Deutsch, zur Auswahl stehen lediglich Englisch, Spanisch, Portugiesisch sowie vereinfachtes und traditionelles Chinesisch. Auf der Nintendo Switch 2 ist die Fassung uneingeschränkt lauffähig und sieht genauso gut aus wie auf der Switch. Sonderlich lang dauert der Ausflug ohnehin nicht, der Umfang fällt recht kompakt aus.
Geschrieben von Arne Ruddat
*Ob Pömpel, Steßl, Klostampfer oder Plümper – der Volksmund kennt viele Namen für das Werkzeug, das Fachleute Saugglocke nennen und mit dem Klempnerinnen und Klempner verstopfte Abflüsse per Druckveränderung von Unrat befreien.
Fazit:
Metroidvanias haben es mir seit jeher angetan, doch fast immer gehört dazu, dass ich mich durch fordernde Kämpfe beiße. Plungeez beweist mir nun, dass der Sog des Genres auch ganz ohne Gegner funktioniert, und hat mich damit völlig überzeugt. Bonnies Abstieg ist Nostalgie, Kopfarbeit und Entspannung zugleich: Der Röhrenmonitor-Look weckt Erinnerungen, die Licht-Rätsel fordern meine grauen Zellen, und weil weder Fallen noch Feinde lauern, bleibt der Stress einfach aus. Dazu kommt eine Unterwelt, die mich mit neuen Fähigkeiten, Abkürzungen und versteckten Schätzen fesselt. Oh, nur noch bis zum nächsten Speicherraum, denke ich oft. Dann erkunde ich wieder, obwohl Bonnie hier eigentlich nur entkommen will. Dass die charmanten Texte nicht eingedeutscht wurden, ist das einzig Störende, besonders für jüngere Spielerinnen und Spieler. Wer Rätsel liebt und auf Kämpfe gern verzichtet, bekommt mit diesem Spiel trotzdem einen echten Geheimtipp für die Switch. Lasst Bonnie bitte noch viel mehr erfrischende Abenteuer erleben, denn ich habe noch lange nicht genug!







