Asdivine Hearts II – TEST

2014 veröffentlichte Kemco erstmals das Rollenspiel Asdivine Hearts, das 2018 sogar auf die Switch portiert wurde. Das Spiel sorgte für gemischte Gefühle bei der Fachpresse – und auch der zweite Serienteil wird daran aus schwerwiegenden Fehlern leider nichts ändern können.


Asdivine Hearts II knüpft inhaltlich an die Geschehnisse der ersten Episode an. Zwei Jahre nachdem Celine, Felix, Stelle, Uriel und Zack das Multiversum gerettet haben, treffen sich die Freunde wieder und werden in einen neuen Kampf zwischen Licht und Schatten geschickt. Dieses Mal verschlägt es sie in die Parallelwelt Archelio, in der Schneestürme wüten und drohen, das Land ins ewige Eis zu hüllen. Das klingt zwar durchaus aufregend, wird aber nicht ansatzweise spannend erzählt. Im Grunde werden die Charaktere nur von einem Ort zum anderen geschickt, ohne dabei die Beweggründe dahinter genauestens zu schildern.

Diese seichte Erzählweise überträgt sich zugleich auf die Darstellung der einzelnen Figuren. So fühlen sich die Persönlichkeiten sehr flach und keinesfalls tiefgründig an, auch wenn sich die Figuren im Verlauf des Spiels aufgrund diverser Entscheidungsfindungen unterschiedlich entwickeln können. Die zwischenmenschlichen Beziehungen fühlen sich hingegen echt und vor allem nachvollziehbarer an. Wenn die Helden beispielsweise in Archelio ankommen und zum ersten Mal in ihrem Leben Schnee sehen, ist es ihnen nicht zu verdenken, in den feinen Eiskristallen herumzutollen und sich mit Schneebällen zu bewerfen. Leider kommen solche Szenen zu oft vor, sodass die Story ein paar Stunden braucht, um ins Rollen zu kommen.

Klassisches Rollenspiel mit frischen Ideen

Wer bereits irgendein Rollenspiel aus dem Hause Kemco gespielt hat, wird sicherlich hier und da ein Dé-jà-vu erleben. Verwunderlich ist dies nicht, denn schließlich ist der Publisher darauf spezialisiert, Elemente klassischer japanischer Rollenspiele neu aufleben zu lassen. Im Spiel reisen wir über eine Oberweltkarte von einem Ort zum anderen, erledigen eine Quest nach der anderen, sammeln in Kämpfen Erfahrungspunkte und investieren gefundenes Gold in den Städten in bessere Ausrüstung. Dennoch hat sich Entwicklerstudio Exe Create ein paar neue Kniffe einfallen lassen, um das Gameplay frisch zu halten.

Beispielsweise belegen in Asdivine Hearts II gleich zwei Charaktere einen gemeinsamen Slot auf dem Kampfbildschirm. Während eine Spielfigur im rundenbasierten Kampf den eigentlichen Akteur mimt, unterstützt der sekundäre Charakter den primären Angreifer im Kampf mit zusätzlichen Attacken oder Magie. Das ist anfangs zwar ungewöhnlich, aber schnell verinnerlicht. Ebenso können viele Zaubersprüche mehrfach aufgestuft und somit verbessert werden, indem wir sie wiederholt einsetzen. Dementsprechend ist es vor allem in den ersten Spielstunden jederzeit motivierend, nicht zum Standardangriff zu greifen und stattdessen lieber Spezialtechniken und Magie zu entfesseln. Hier macht Asdivine Hearts II im Grunde vieles, aber leider nicht alles richtig.

Komplexe und überladene Spielsysteme

Ein großes Problem, unter dem Asdivine Hearts II leidet, sind die verhältnismäßig komplexen Zusammenhänge der einzelnen Spielsysteme. In viel zu kurzen Zeitabständen kommen neue Elemente hinzu, die erst einmal durchschaut und verinnerlicht werden wollen. Beispielsweise können wir im Ausrüstungsbildschirm der einzelnen Charaktere in einem Tetris-ähnlichen Baukastensystem Kristalle anordnen, die diverse Boni auf die Statuswerte spendieren. Ohne Zack, Stella und Co aus dem ersten Teil zu kennen, ist diese Verteilung eine recht knifflige Angelegenheit. Hinzu kommt, dass die Bildschirmanzeigen im Kampf an allen vier Bildschirmrändern besonders für Genre-Neulinge viel zu verwirrend sein können.

Zwar gibt es im Spiel eine elektronische Bedienungsanleitung, diese erklärt die meisten Dinge aber nur kurz und knapp, sodass sie neben den informativen Einblendungen im eigentlichen Spielverlauf nur eine schwache Hilfe ist. Andere Elemente, wie der Garten, sind jedoch eine willkommene Abwechslung. Gefundene Samen, die auch im Rohzustand den Statuswert eines Charakters erhöhen, können jederzeit im – über das Menü aufrufbaren – Garten eingepflanzt werden, um ein paar Minuten später ein paar Früchte ernten zu können, die für noch stärkere permanente Boni sorgen. Über die Logik des Gartens lässt sich streiten, doch ist er eine spaßige Ergänzung im Spiel.

Switch-Portierung mit heftigen Makeln

Optisch erinnert Asdivine Hearts II an die goldene Ära der japanischen Rollenspiele. Orte und Charaktermodelle sind an diverse 16- und 32-Bit-Titel wie das 1995 veröffentlichte Suikoden angelehnt. Allerdings können nicht alle Grafiken durchweg punkten. Manchmal überzeugen selbst Nicht-Spieler-Charaktere mit ihrer visuellen Ausarbeitung, enttäuschen aber dafür mit ihren Animationen. Auch ein paar Umgebungen wirken so, als seien sie zu hastig oder mit einem zu simplen Editor entworfen worden. Akustisch trällern zwar wunderbare Stücke aus den Lautsprechern, doch wiederholen sich diese schon zu Beginn des Abenteuers viel zu oft.

Am ärgerlichsten dürfte aber wohl die überaus schwammige und mit zahlreichen Fehlern belastete Steuerung sein. Egal ob wir die Gruppe mit dem Steuerkreuz oder dem linken Analog-Stick bewegen, häufig bleibt sie einfach stehen oder schlägt eine ganz andere Richtung ein. Das sorgt für unnötigen Frust und zeugt von einer fehlenden Qualitätssicherung. Auch der Umstand, dass Kemco die Mikrotransaktionen der kostenlosen Mobile-Version mit in die Switch-Fassung hat packen lassen, ist eine Dreistigkeit. Wer die doppelte Menge an Erfahrungspunkten haben möchte, darf sich dieses Feature für fünf Euro hinzubuchen. Ganz so spielentscheidend wie beispielsweise bei Chronus Arc sind die Mikrotransaktionen zwar nicht, ein äußerst bitterer Beigeschmack bleibt somit allerdings auch bei Asdivine Hearts II.

Geschrieben von Eric Ebelt

Fazit:

Asdivine Hearts II ist unterm Strich ein durchschnittliches Rollenspiel, das mit einigen interessanten Ideen punktet, die aber von den für Kemco fast schon üblichen Kritikpunkten überschattet werden. Die Kämpfe machen vor allem aufgrund der doppelten Slot-Belegung und der verbesserbaren Magie stets sehr viel Spaß, auch wenn die zahlreichen und überladenen Bildschirmanzeigen am Anfang selbst Genre-Kenner erschrecken. Ebenfalls ist das Garten-System eine nette Abwechslung und die ulkigen Zwischensequenzen, in denen die Protagonisten auf zwischenmenschlicher Ebene miteinander harmonieren, gehören zu den Highlights des Spiels. Leider verhindern diese viel zu oft, dass sich die Story entfalten kann. Bis diese ins Rollen gekommen ist, vergehen gut und gerne ein paar Stunden. In dieser Zeit nimmt der Spielspaß aber vor allem aufgrund der äußerst schwammigen und fehlerhaften Steuerung, der repetitiven Musik und der manchmal viel zu einfach gestalteten Spielwelt stark ab. Asdivine Hearts II richtet sich daher in erster Linie an Fans des Vorgängers, alle anderen sollten sich nach Alternativen umschauen.