Dark Souls: Remastered -  – TEST

Dark Souls: Remastered wurde erstmalig auf einer Nintendo-Direct-Präsentation angekündigt und dass, obwohl die Reihe bisher nichts mit Nintendo-Plattformen am Hut hatte. Das damals positive Zeichen eines Third-Party-Supports hat heute leider einen bitteren Nachgeschmack, denn die Switch-Version des Multiplattform-Titels wurde mit knapp fünfmonatiger Verspätung veröffentlicht.


Bei der Nintendo-Switch-Version handelt es sich sozusagen um eine eigenständige Portierung der Versionen für PlayStation 4, Xbox One und PC. Technisch erinnert der Titel damit eher an die ursprüngliche Veröffentlichung im Jahre 2011, allerdings bietet die neue Fassung auch einige inhaltliche Verbesserungen. Nicht zu vergessen ist natürlich die spielerische Mobilität, die Dark Souls auf der Nintendo Switch erlaubt. Allerdings muss gesagt werden, dass trotz Titel das Spiel weniger einem Remaster, als tatsächlich nur einer Portierung ähnelt. Frische Texturen oder gar ein Wechsel der Engine, also ein technischer Sprung auf Augenhöhe mit Dark Souls III, gibt es nicht – erst recht nicht auf der Switch.

Somit bleibt das Meiste beim Alten: Die Spielwelt Lordran erreicht mit einem heruntergekommenen europäischen Mittelalter-Setting, bestehend aus verwinkelten Burgen, tiefen Grüften und finsteren Wäldern. Die gewohnten Maßstäbe setzen mit besonders bedrohlichen und gefährlichen Gebietsabschnitten aber immer wieder neue Akzente, die auch heute noch überzeugen. Eine Karte gibt es nicht, dafür ist die vertikal aufgebaute Welt mit vielen Abkürzungen gesegnet, sodass wir nach und nach ein immer besser werdendes Gespür für die natürlich gewachsene Welt bekommen. Dark Souls besitzt zwar eine Struktur, die Open-World-Spielen ähnlich ist und die durch clevere Abkürzungen und Geheimgängen sehr zugänglich wird, aber trotzdem werden alle wichtigen Ereignisse und Bossgegner in einer festgelegten Reihenfolge erledigt.

Stimmungsvolle Stille

Egal ob Gegner oder Nicht-Spieler-Charakter, viel zu sagen haben die meisten Figuren nicht, denn oftmals sinnieren sie über sich selbst und verraten dabei aber den einen oder anderen Hinweis über die Umgebung oder unserer Aufgabe. Insgesamt gibt Dark Souls auch in der Remastered-Version nicht gerade viel von sich preis und die gute alte Regel „Probieren geht über Studieren“ steht ein weiteres Mal an der Tagesordnung. Deswegen wird eigentlich niemand ohne einem Lösungsbuch oder ausführlichen Interneteinträgen die sehr verwobenen und mysteriösen Hintergründe zur Spielwelt erfahren.

Viele Spieler sehen aber genau hier den Reiz, den das Spiel ausmacht. Vor Spielbeginn wird eine von zehn sehr unterschiedlichen Klassen gewählt, die sowohl im Nahkampf als Ritter und Bandit, als auch aus der Ferne als Pyromant, Kleriker oder Waldjäger, unterschiedlich viel austeilen und einstecken kann. Trotz ihrer unterschiedlichen Vor- und Nachteile sind die Berufe jedoch ausgeglichen, denn alle Klassen können sämtliche Waffen und Ausrüstungsgegenstände tragen. Relevant sind nur Attribute wie Stärke, Geschicklichkeit oder die Intelligenz-Stufe, mit denen die einzelnen Waffen skaliert werden. Ein leichtfüßiger Waldjäger mit einer hohen Basis-Beweglichkeit wird somit völlig automatisch mit Bögen besser zurechtkommen, als mit einer Breitaxt.

Seelenloser Held

Zusätzlich konzentriert sich das Spiel auf nur eine einzige Währung – die Seelen verschiedener Lebewesen. Der Seelen-Counter steigt, wenn Gegner besiegt oder Leichen gefallener Menschen am Wegesrand geplündert werden. Sie stellen sowohl die wertvollen Erfahrungspunkte als auch Geld in einem dar. Gefordert werden die Seelen vom Spiel für einen neuen Stufenaufstieg, von Händlern im Tausch gegen überlebenswichtige Waren und zuletzt vom Tod selbst. Dies, wie die Tatsache, dass nach einem Ableben der gesamte Seelenvorrat bis zum nächsten Tod bei den Überresten auf uns wartet, sind klassische Elemente der Reihe, die inzwischen auch von vielen anderen Spielen aufgegriffen werden. Seien es moderne Vertreter wie Nioh, Hollow Knight oder Lords oft the Fallen, bis heute sorgt dieses System auch in Dark Souls: Remastered für eine stets angespannte Grundhaltung. Schließlich will jeder seinen teils stundenlangen Spielfortschritt nicht wegen Unachtsamkeit verlieren.

Neben der Waffe in der rechten ist das Schild in der linken Hand der wichtigste Schutz. Ein guter Schild sollte bei einem gegnerischen Angriff nicht nur den kompletten Schaden eindämmen und so wenig Ausdauer wie möglich abziehen, sondern auch den Charakter auf den Beinen halten. Mit gehobenem Schild hat sich aber leider noch kein Monster besiegen lassen, sodass für leichte und schwere Angriffe die mehr oder weniger sichere Deckung verlassen werden muss.

Brachiales Bossgegner-Design

Ausdauer-Management ist dabei das A und O: Sprinten, Zuschlagen und Blocken kostet alles etwas von dem anfangs noch verdächtig kleinen grünen Balken in der oberen linken Bildschirmecke. Er regeneriert sich konstant von selbst, solange er vollständig geleert wurde, denn dann steht die Spielfigur erst einmal einige Sekunde teilnahmslos in der Gegend herum und benötigt eine Verschnaufpause. Da das nicht selten zum Tod führt, ist die Ausdauer fast wichtiger als der rote Energiebalken.

Die absoluten Highlights im Spiel sind aber auch heute noch die zahlreichen Bossgegner, die auf den Spieler in regelmäßigen Abständen warten. Nur in Ausnahmen besitzen diese Gegner explizierte Schwachstellen, die erst einmal von uns fokussiert werden müssen. Es geht in den Kämpfen eher um das tatsächliche Auswendiglernen der Kampfmuster, was allein schon einige Versuche beanspruchen wird, denn bevor der Spieler nicht weiß, wann er angreifen sollte, ist der Kampf, besonders mit langsamen Waffen, sehr schnell entschieden. Untermalt wird das Ganze von kraftvollen und rhythmischen Chören, die noch einmal auf den Ernst der Lage aufmerksam machen wollen. Im restlichen, eigentlich musikalisch eher ruhigen Spiel versprüht Dark Souls eine geheimnisvolle, abendliche und nicht selten auch eine melancholische Atmosphäre.

Absurde Steuerungsprobleme

Mit dem Zusatzinhalt Artorias of the Abyss erweitert Bandai Namco die Remastered-Version. Das Spiel läuft in dreißig Bildern pro Sekunde, also wie im Original, allerdings um einiges stabiler. Texturen und Modelle sind großteilig dieselben, Lichteffekte wurden dafür ansehnlich geschönt. Im Handheld-Modus wirkt das Ganze aufgrund des kleineren Bildschirms der Switch noch einmal um einiges hübscher. Dazu gibt es einige kleinere Verbesserungen, die die Dark-Souls-Reihe im Laufe der letzten Jahre durchgemacht hat. Namentlich sind das kleine Steuerungsbefindlichkeiten und eine vereinfachte und ausgebaute Online-Komponente, sodass sich nun bis zu sechs Spieler in den Gebieten von Lordran treffen können.

Im Menü können nun endlich auch mehrere Items auf einen Schlag konsumiert werden. Neu ist eine freie Tastenbelegung. In Anspruch müssen wir diese im Grunde nicht, allerdings wurden die Zuständigkeiten der A- und B-Knöpfe der Switch-Variante vertauscht. Damit orientiert sich das Button-Layout an den anderen Konsolen-Varianten, dennoch ist es mehr als nur etwas verwirrend, den B-Knopf zur Bestätigung zu nutzen und mit dem A-Knopf Befehle abzubrechen. Dieses Steuerungselement ist so tiefgründig im Spiel verankert, dass sie sich auch durch eine Umbelegung der Tasten nicht vollständig beseitigen lässt. Irgendwie absurd!

Geschrieben von Jonas Maier

Fazit:

 

Dark Souls: Remastered kann in der Switch-Fassung technisch ohne Frage kaum mit den anderen Versionen mithalten, das ändert aber nichts an der vorhandenen Qualität des Spiels. Wer den Titel bis heute nicht nachgeholt hat und mit dem größten Unterschied, also eine um die Hälfte reduzierte Bildwiederholungsrate, leben kann, wird mit dem Titel ganz bestimmt eine einmalige Zeit erleben. Spieler, die den Titel bereits kennen, dürfen sich aber nicht auf irgendwelche nennenswerten Neuerungen oder Inhalte freuen. Die gnadenlose und doch ungeheuer motivierend zu erkundende Welt sucht auch nach Abschluss der Dark-Souls-Trilogie noch immer ihres Gleichen und begeistert auch auf dem kleinen Bildschirm der Switch im Handheld-Modus sehr. Das Gefühle, einen Bossgegner nach unzähligen vergeblichen Versuchen besiegt zu haben, wird einfach nicht alt, egal auf welcher Plattform.