Elliot Quest -  – TEST

Action-Adventures wie The Legend of Zelda oder Metroid haben bereits in den 1980er Jahren das Genre definiert. Auch heute noch gibt es viele Nachahmer, die das Spielkonzept mal mehr und mal weniger gut einfangen. Elliot Quest gehört definitiv zu den besten Titeln seiner Zunft.


Ein Fluch kann durchaus lästig sein, wie der titelgebende Held Elliot leidlich am eigenen Leib feststellen muss. Nachdem ihn der böse Dämon Satar verflucht hat, wird unser Protagonist Tag für Tag schwächer und büßt somit nach und nach seine Lebenskraft ein. Unsere Aufgabe ist es, mit Elliot das Inselreich Urele zu bereisen, nach einem Heilmittel zu suchen und am Ende Satar ins ewige Nirwana zu katapultieren. Bis wir dieses Ziel jedoch erst einmal erreicht haben, vergehen gut und gerne um die zehn Spielstunden, die allerdings mit reichlich Abwechslung gespickt sind. Das liegt daran, dass es nicht unbedingt den roten Pfaden durchs Spiel gibt, denn der Titel lässt uns sehr häufig die Wahl, in welche Richtung wir als nächstes unseren Weg einschlagen.

Über eine optisch übersichtliche, aber eigentlich doch verwinkelte Weltkarte können wir die Insel aus der Vogelperspektive relativ frei erkunden und sobald wir Wälder, Höhlen, Städte, Bergpässe oder Tempel entdecken, dürfen wir diese auf Knopfdruck rasch betreten. Anschließend wechselt die Ansicht in die zweidimensionale Seitenperspektive, die uns unter anderem an den Genre-Klassiker Zelda II: The Adventure of Link erinnert. In dieser Ansicht erforschen wir aber nicht nur im dichten Fichtendickicht oder in Ruinen die Spielwelt, sondern müssen auch gegen Monster kämpfen und meist einfache Rätsel lösen.

Freie Charakterentwicklung

Ausgerüstet sind wir von Beginn an nur mit Pfeil und Bogen. Zu Spielbeginn müssen wir mit der Schusswaffe nämlich nicht nur den Gegnern, sondern auch der Schwerkraft trotzen. Die Pfeile fallen nämlich physikalisch korrekt zu Boden, sodass wir den Abschusspunkt ebenfalls mit in unsere Berechnung beim Kampf gegen die Feinde aufnehmen sollten. Hinzu kommt, dass die Monstervielfalt durchaus groß ist und so gut wie jeder Feind anders agiert. Skelette setzen sich wieder zusammen, ein Schleim teilt sich nach mehreren Treffern in zwei Blobs auf, Riesenschildkröten ziehen sich in ihren Panzer zurück, Fledermäuse nehmen schnell unsere Verfolgung auf und andere Gegner spucken unaufhaltsam Geschosse auf uns.

Die Kämpfe bleiben dadurch spannend und abwechslungsreich und belohnen uns mit Erfahrungspunkten, die schließlich kumuliert unseren Level um eine Stufe anheben. Mit jedem Stufenaufstieg winkt zudem ein Fertigkeitspunkt, den wir auf unsere Attribute wie Stärke oder Geschick verteilen dürfen. So kommen wir in den vielfältigen Genuss von neuen Talenten, die Elliot Quest leichter beziehungsweise angenehmer machen. Beispielsweise können wir schneller Pfeile schießen oder regenerieren automatisch unsere Wunden. Wie die freie Welterkundung dürfen wir unseren Helden beliebig anpassen. Dennoch bleibt der Titel stets herausfordernd.

Spannendes Action-Adventure

Das liegt zum einen daran, dass wir einen gehörigen Teil unserer Erfahrungspunkte verlieren, wenn unsere Lebensenergie auf Null fällt. Es empfiehlt sich also vor allem in den ersten zähen Spielstunden Heiltränke oder Teleportfedern für die Rückkehr zur Stadt mitzuführen. Zum anderen könnte die freie Welterkundung für den einen oder anderen Spieler eher zur Qual als zur Freude werden. Items wie ein Schild, um feindliche Geschosse abzuwehren oder ein Amulett, um Blöcke verschieben zu können, sind nämlich hin und wieder obligatorisch für den Fortschritt. Dennoch hatten wir nie das Gefühl, dass die Laufwege dadurch in die Länge gezogen werden.

Nur das Fehlen von Hinweistexten beim (erstmaligen) Finden eines Gegenstandes stößt uns bitter auf. Hier fängt der Titel zu stark den Aufbau seiner Vorbilder aus den 1980er Jahren ein. Technisch macht das Spiel seinen Vorbildern hingegen alle Ehre. Mit dem fantastischen Retro-Grafikstil, der sich stark an der römisch-griechischen Mythologie orientiert, und der dazugehörigen Musik, wird eine dichte Atmosphäre erzeugt – vor allem wenn parallel in der Erzählung erwachsene Themen wie Suizid oder Tod behandelt werden. Toll! Fans von Action-Adventures müssen Elliot Quest aufgrund seiner Spielwelt und der Vielzahl an Hommagen auf bekannte Videospielserien unbedingt spielen!

Geschrieben von Eric Ebelt

Fazit:

Elliot Quest macht nicht nur auf den Heimkonsolen und dem PC, sondern auch auf dem 3DS jede Menge Spaß. Auch wenn der Publisher den Titel erst mit dem Patch einige Wochen nach Release vernünftig spielbar gemacht hat, handelt es sich bei Elliot Quest nach wie vor um ein sehr gutes Action-Adventure. Die freie Erkundung der Spielwelt gefällt mir sehr gut, die Monster sind vielfältig gestaltet, die Kämpfe anspruchsvoll und die Gegenstände abwechslungsreich. Einen Blumentopf für Ideenreichtum verdienen die Entwickler aber nicht, da man das Spielkonzept so schon vor zwanzig bis dreißig Jahren kannte und in Elliot Quest im Grunde nur ein Best-of abgefeiert wird. Davon sollte man sich aber nicht abschrecken lassen, da die Entwickler die Elemente wirklich gut kombiniert haben und jeder der einmal ein Spiel erleben will, das sich an klassischen Genre-Größen orientiert, muss hier zuschlagen!