Next of Kin: Epiphany – TEST

Nachdem 2024 und 2025 bereits zwei Serienteile der Next-of-Kin-Reihe für die Switch erschienen sind, folgte im November 2026 die inzwischen dritte Episode. Diese dreht sich um einen Serienkiller, dem wir als Privatdetektiv ein für alle Male das Handwerk legen müssen.


Massenmörder faszinieren die Menschen seit jeher. Dabei ist es egal, ob sie die schrecklichen Taten in der Tageszeitung nachlesen, das Treiben über Wochen in den Fernsehnachrichten verfolgen oder ihrer Inszenierung in der Populärkultur ihre Aufmerksamkeit schenken. Berüchtigte Serienkiller wie Theodore Robert „Ted“ Bundy oder Jeffrey Lionel Dahmer machen empathische Menschen fassungslos, aber doch locken sie durch Dokumentationen regelmäßig vor die Mattscheibe. Dies gilt auch für Täter wie Jack the Ripper oder den Zodiac-Killer, deren wahre Identität bis heute ungeklärt ist.

Einem solchen Phantom ist der dreißigjährige wie fiktive Privatdetektiv Dennis Monroe dicht auf den Fersen. Seit Jahren jagt er den Killer – als eines Wintermorgens kurz vor Weihnachten das Telefon klingelt und seine Informantin Gertrud von der Polizei von einem neuen Mord berichtet, macht er sich auf ins ländliche Ravensund. Eine winterliche Kulisse, die entfernt an Filme wie Fargo: Tödlicher Schnee mit einem leichten Einschlag der Fernsehserie Twin Peaks erinnert, dient als Handlungsort des Verbrechens. Eine junge Frau in ihren besten Jahren wird mit 27 Stichen in ihrem Körper tot aufgefunden. Der Leichnam ist bis auf ihre Haare völlig durchgefroren. Mit der Zeit kommen mehr und mehr merkwürdige Ereignisse ans Tageslicht, die wir als Dennis Monroe aufdecken.

Ermittlungsarbeit im Pixel-Look

Ob wir am Ende von Next of Kin: Epiphany den Mörder überführen, möchten wir an dieser Stelle nicht verraten – das solltet ihr schon selbst herausfinden. Es ist jedenfalls ein Spiel, das sich die Zeit für seine Charaktere nimmt, ohne jedoch den Bogen zu überspannen. Hauptsächlich bestehen unsere Aufgaben darin, die verschiedenen Tatorte zu untersuchen, Beweise und Indizien zu sammeln und Verdächtige zu verhören. So setzt sich das Puzzle in bester Kriminalromanmanier schrittweise zusammen.

Haben wir das entsprechende Material gesammelt, ist es uns möglich, eine Anschuldigung auszusprechen – sei es auch nur, um die Wahrheit aus einem Menschen herauszubekommen. Hierbei müssen wir dann eine Aussage dem jeweiligen Beweismittel gegenüberstellen. Das ist zwar nicht immer anspruchsvoll inszeniert, unterstützt aber gegenüber vergleichbaren Adventures die relativ hohe Spielgeschwindigkeit. Dies liegt mitunter auch an der Pixel-Grafik, die wie eine Mischung aus Mother 3 und der zweiten Generation der Pokémon-Rollenspiele auf uns wirkt. Obwohl gerade Innenräume hier und da in der Architektur etwas unfertig oder unglaubhaft wirken, überzeugt uns vor allem die hohe Dichte an Details. Zudem kann unser Protagonist mit vielen Objekten interagieren. Er kommentiert die Situation verständlich, sodass wir den Sachverhalt stets gut erfassen können.

Zwischen Fachvokabular und Wortwitz

Auffällig ist, dass Next of Kin: Epiphany nicht am Humor spart. Der Wortwitz springt dabei zwischen seichten Bemerkungen und sarkastischen bis zynischen Beanstandungen hin und her, verliert aber auch hierbei nicht das Wesentliche aus den Augen. Leider ist das oft nicht sehr subtil, sodass wir wie bei schlechten Krimis im Fernsehen direkt wissen, dass der Kommentar von essenzieller Bedeutung ist. Hier hätten wir uns etwas mehr Feinschliff erhofft, was das Spielerlebnis aber nur minimal schmälert.

Um alles verstehen zu können, solltet ihr aber gute Englisch- oder Schwedischkenntnisse mitbringen, denn obwohl sich der Story recht einfach folgen lässt, kann sich ein vorhandenes Vokabular im Fachbereich der Forensik durchaus auszahlen. Deutsche Bildschirmtexte fehlen ebenso wie eine Vertonung, was in Anbetracht des Retro-Looks nicht verwunderlich ist. Dafür überzeugt jedoch die Musik, die uns einerseits an den Film noir, andererseits aber auch die beruhigenden, aber nichtsdestotrotz spannungsgeladenen Klängen von Nachtclubs längst vergangener Tage erinnert. Es ist eine sehr dichte Atmosphäre, die uns das schwedische Entwicklerstudio Spelkväll Games vorsetzt und uns so schnell nicht mehr loslässt. Wer ein entschleunigtes, aber dennoch spannendes Abenteuer erleben will, ist gut beraten, Next of Kin: Epiphany eine Chance zu geben.

Geschrieben von Eric Ebelt

Fazit:

Eric Ebelt

Die ersten beiden Teile der Next-of-Kin-Reihe habe ich tatsächlich noch nicht gespielt, möchte diesen im Nachhinein aber eine Chance geben. Es ist zwar nicht nötig, die vorherigen Titel gespielt zu haben, dort gibt es zwischen den einzelnen Spielen inhaltliche Verbindungen, die ich gerne noch aufdecken möchte. Hieraus ist sehr wohl abzuleiten, dass mir Next of Kin: Epiphany sehr gut gefällt. Die Charaktere sind schön schrullig, das Ermitteln an den Tatorten macht Spaß und die Dialoge sind gut geschrieben. Lediglich das zu starke Hindeuten auf entscheidende Hinweise hätte für meinen Geschmack etwas subtiler vonstatten gehen können. Trotzdem spielt sich das Abenteuer recht rund und ist in meinen Augen auch leicht verständlich, wenngleich ein bestimmtes Fachvokabular recht hilfreich sein kann. Wer sich für Serienkiller interessiert und dem Grauen am liebsten selbst ein Ende setzen will, wird mit Next of Kin: Epiphany auf seine Kosten kommen.