Sizeable – TEST
Eine kleine Welt, ein paar winzige Dioramen und eine ziemlich große Macht: In Sizeable dürft Ihr unterschiedliche Objekte nach Herzenslust vergrößern und verkleinern, um dadurch Veränderungen zu erzeugen. Mal wird der Mond geschrumpft, um die Flut zu senken, mal eine Wolke vergrößert, damit ordentlich Wind aufkommt. Dazu gibt es liebevoll gestaltete Miniaturwelten, versteckte Gegenstände und natürlich jede Menge kleine Schildkröten. Klingt gemütlich? Ist es auch. Doch reicht eine einzige Spielmechanik aus, um ein komplettes Puzzle-Spiel zu tragen?
Vergesst epische Geschichten, riesige Open Worlds und Charaktere, die Euch erst einmal drei Stunden lang erklären müssen, warum Ihr die Welt retten sollt. Sizeable möchte etwas völlig anderes sein. Ihr landet in kleinen, handgefertigten Dioramen und bekommt eigentlich nur eine Aufgabe: Schaut Euch genau um und findet heraus, was Ihr mit der Umgebung anstellen könnt. Dabei ist die namensgebende Mechanik schnell erklärt: Ihr könnt bestimmte Gegenstände innerhalb der Dioramen vergrößern oder verkleinern. Klingt zunächst nach einem simplen Gimmick, eröffnet aber überraschend viele Möglichkeiten. Ein kleiner Mond beeinflusst beispielsweise die Gezeiten, während eine vergrößerte Wolke für ordentlich Wind sorgen kann. Euer Ziel ist es, in jedem Diorama versteckte Monolithe zu finden und die entsprechenden Aufgaben zu lösen. Drei Stück davon wollen in jedem Level gefunden werden. Und wer wirklich ganz genau hinschaut, entdeckt zusätzlich noch eine kleine Schildkröte. Also nicht lange überlegt, einmal kräftig an der Welt gedreht und schauen wir mal, was passiert.

Klein, aber oho
Sizeable macht bereits beim ersten Start deutlich, dass es sich nicht um ein Spiel handelt, welches Euch mit möglichst vielen Mechaniken erschlagen möchte. Stattdessen konzentriert sich Business Goose Studios auf eine einzige Idee und zieht diese konsequent durch. Das funktioniert erstaunlich gut. Die Dioramen wirken wie kleine Modelle, die jemand liebevoll auf einen Tisch gestellt hat. Wüste, Eislandschaften, Unterwasserwelten oder sogar Bereiche im Weltall – die einzelnen Szenarien unterscheiden sich optisch deutlich voneinander und laden dazu ein, sie zunächst einmal in aller Ruhe zu betrachten. Und genau dieses Betrachten ist wichtig. Denn häufig liegt die Lösung nicht irgendwo offensichtlich vor Euch. Ihr müsst Euch überlegen, welches Objekt mit welchem anderen Element der Umgebung zusammenhängt. Was passiert, wenn der Mond kleiner wird? Was verändert sich, wenn die Sonne größer wird? Kann ich diesen Gegenstand bewegen und anschließend noch seine Größe verändern? Sizeable belohnt dabei vor allem Neugier. Vieles funktioniert nach dem Prinzip „Probieren wir es einfach mal aus“. Und genau daraus entstehen die kleinen Aha-Momente, die ein gutes Puzzlespiel ausmachen.

Eine Mechanik, viele Möglichkeiten
Die größte Stärke von Sizeable ist gleichzeitig auch seine größte Gefahr: Das komplette Spiel basiert lediglich auf dem Vergrößern und Verkleinern von Objekten. Anfangs ist das richtig spannend. Ihr entdeckt eine neue Welt, probiert verschiedene Dinge aus und versteht langsam, wie die einzelnen Elemente miteinander funktionieren. Habt Ihr beispielsweise erkannt, dass eine Veränderung des Mondes Auswirkungen auf das Wasser hat, fühlt sich die Lösung eines Rätsels tatsächlich verdient an. Allerdings entwickelt sich die Grundmechanik nur begrenzt weiter. Das Spiel versucht nicht, plötzlich noch ein Kampfsystem, ein Inventar oder irgendwelche RPG-Elemente einzubauen. Stattdessen bleibt es konsequent bei seinem Grundprinzip. Das ist einerseits angenehm, weil Sizeable dadurch niemals unnötig kompliziert wird. Andererseits kann sich das Spiel dadurch nach einer gewissen Zeit etwas vorhersehbar anfühlen. Wer ein Puzzlespiel sucht, das seine Mechaniken ständig erweitert und Euch irgendwann vor richtig komplexe Kopfnüsse stellt, könnte sich hier unterfordert fühlen. Wer dagegen einfach abschalten und ein wenig herumprobieren möchte, bekommt genau das, was auf der Verpackung steht.

Dioramen statt riesiger Spielwelten
Was uns besonders gut gefällt, ist die Art und Weise, wie Sizeable seine Spielwelt präsentiert. Statt Euch eine riesige Landschaft vor die Füße zu werfen, bekommt Ihr kleine, überschaubare Dioramen. Dadurch wirkt jedes Level fast wie ein eigenes kleines Spielzeug. Ihr könnt die Umgebung aus verschiedenen Perspektiven betrachten, Euch auf Details konzentrieren und Stück für Stück herausfinden, welche Elemente miteinander interagieren. Das passt hervorragend zum entspannten Grundton des Spiels. Auch optisch macht das Ganze einiges her. Der Low-Poly-Stil passt perfekt zu den kleinen Miniaturwelten und sorgt dafür, dass die einzelnen Dioramen trotz ihrer überschaubaren Größe abwechslungsreich wirken. Dabei sollte man allerdings keine technische Meisterleistung erwarten. Sizeable möchte nicht mit hochauflösenden Texturen oder spektakulären Effekten beeindrucken. Der Charme entsteht vielmehr durch das Design der kleinen Welten. Und das funktioniert richtig gut.

Die Sache mit den Schildkröten
Neben den eigentlichen Rätseln gibt es noch einen weiteren Grund, sich die Dioramen etwas genauer anzusehen: Schildkröten. In jedem Level versteckt sich eine davon. Wer also nicht einfach nur von Rätsel zu Rätsel springen möchte, bekommt damit einen zusätzlichen Anreiz, wirklich jede Ecke der kleinen Welten abzusuchen. Das klingt zunächst nach einer Kleinigkeit, passt aber hervorragend zum Spielprinzip. Denn während Ihr auf der Suche nach den eigentlichen Objekten seid, entdeckt Ihr immer wieder kleine Details, die Ihr beim ersten Durchgang übersehen habt. Plötzlich wird aus einem simplen „Ich muss hier drei Dinge finden“ ein kleines Suchspiel. Und wer gerne komplettiert, dürfte mit den versteckten Schildkröten durchaus einige zusätzliche Minuten verbringen.
Entspannung statt Frust
Wenn Ihr bei „Puzzle“ sofort an Schweißperlen auf der Stirn und eine Wand denkt, gegen die der Controller nach einer Stunde fliegen soll, könnt Ihr ganz beruhigt sein. Sizeable ist kein Spiel, das Euch fertig machen möchte. Die Rätsel sind überwiegend so gestaltet, dass Ihr durch Beobachten und Ausprobieren auf die Lösung kommen könnt. Es gibt keine hektischen Zeitlimits und keine Gegner, die Euch während des Nachdenkens auf die Nerven gehen. Dazu gesellt sich die entspannte Musik von Jamal Green, die sich angenehm zurückhaltend in die Dioramen einfügt. Das Ergebnis ist ein Spiel, bei dem Ihr Euch tatsächlich einfach zurücklehnen könnt. Eine Runde Sizeable funktioniert wunderbar nach einem langen Arbeitstag. Noch ein Diorama. Noch eine Schildkröte. Noch schnell dieses eine Rätsel lösen. Und plötzlich ist wieder eine halbe Stunde vorbei.

Wie groß ist „Sizeable“ wirklich?
Hier liegt allerdings auch einer der größten Kritikpunkte. Sizeable ist kurz. Sehr kurz. Das ist grundsätzlich nichts Schlechtes. Gerade bei einem kleinen Indie-Puzzlespiel kann eine kompakte Spielzeit sogar ein Vorteil sein. Niemand möchte, dass ein Konzept, das eigentlich für zwei oder drei Stunden funktioniert, künstlich auf zehn oder zwanzig Stunden gestreckt wird. Trotzdem bleibt nach dem Abschluss der einzelnen Dioramen ein wenig das Gefühl zurück, dass man gerne noch mehr gesehen hätte. Denn die Grundidee funktioniert. Die kleinen Welten machen Spaß und die Suche nach Lösungen hat ihren eigenen Charme. Da wäre durchaus noch Raum für weitere, vielleicht komplexere Dioramen gewesen. Wer sich also ein riesiges Puzzle-Abenteuer für mehrere Wochenenden erwartet, wird enttäuscht sein. Wer dagegen ein kleines Spiel für zwischendurch sucht, bekommt genau das.
Technik und Bedienung
Technisch gibt sich Sizeable auf der Nintendo Switch angenehm unkompliziert. Die kleinen Dioramen laufen sauber und der überschaubare Grafikstil kommt auch auf dem Handheld gut zur Geltung. Besonders gut passt das Spiel natürlich zum mobilen Charakter der Switch. Eine kurze Runde auf dem Sofa? Kein Problem. Noch ein Rätsel im Zug? Ebenfalls kein Problem. Sizeable ist eines dieser Spiele, die man problemlos für zehn Minuten starten kann, nur um anschließend festzustellen, dass man doch etwas länger geblieben ist.

Ist Sizeable nun das richtige Spiel für Euch?
Das kommt darauf an, was Ihr sucht. Erwartet Ihr ein anspruchsvolles Puzzle-Spiel, das Euch mit komplexen Mechaniken über Stunden beschäftigt, dann dürfte Sizeable vermutlich zu einfach und zu kurz sein. Wollt Ihr dagegen ein charmantes, ruhiges Spiel, bei dem Ihr Euch entspannt durch kleine Dioramen rätselt, dann macht Ihr mit Sizeable wenig falsch. Gerade für jüngere Spieler ist das Konzept ebenfalls interessant. Die Regeln sind schnell verstanden und das Spiel belohnt Neugier und Ausprobieren. Gleichzeitig können Erwachsene durchaus ihren Spaß daran haben, weil die kleinen Welten einfach zum Herumprobieren einladen. Und genau darin liegt die Stärke des Spiels: Es will Euch nicht stressen. Es will, dass Ihr Euch eine kleine Welt anschaut, etwas ausprobiert und irgendwann dieses kleine „Ahhh, natürlich!“ im Kopf habt.
Fazit:
Sizeable ist kein Spiel, das mit seiner Größe beeindrucken möchte. Im Gegenteil. Es nimmt seine kleinen Dioramen, eine einzige zentrale Mechanik und macht daraus ein überraschend charmantes Puzzle-Abenteuer. Die Möglichkeit, Gegenstände zu vergrößern und zu verkleinern, funktioniert hervorragend und sorgt für einige wirklich schöne Aha-Momente. Die Dioramen sind liebevoll gestaltet, die Musik passt perfekt zum entspannten Spielgefühl und die versteckten Schildkröten laden zum genaueren Hinsehen ein. Allerdings sollte Euch bewusst sein, worauf Ihr Euch einlasst. Die Spielzeit ist überschaubar und die zentrale Mechanik wird nicht unendlich erweitert. Wer nach immer komplexeren Rätseln sucht, könnte deshalb irgendwann unterfordert sein. Für eine kleine Auszeit zwischendurch ist Sizeable aber genau richtig. Besonders mit einem Preis für deutlich unter 10€. Mein Lieblingsdiorama war übrigens „Minigolf“. Es ist gemütlich, charmant und angenehm unkompliziert. Für mich muss manchmal ein Spiel eben nicht größer werden. Manchmal reicht es, wenn es einfach Sizeable ist.







