Sonic Forces -  – TEST

Als Sonic Mania im August 2017 veröffentlicht wurde, staunten Sonic-Fans nicht schlecht – obwohl sich die Entwickler viele Ideen trauten und mit Details und Feinheiten überraschten, blieb im Kern der alte Geist der Serienanfänge erhalten. Sonic Forces geht einen anderen Weg.


Jump ’n’ Runs leiden oft unter dem Problem, keine spannende Geschichte erzählen zu wollen oder zu können. Sonic Forces ist glücklicherweise ein Hüpfspiel, das mit seiner Story durchgehend motivieren und unterhalten kann. Dr. Eggman, belächelt und gefürchtet, kann seine Niederlagen nicht verdauen und sinnt auf Rache. Zusammen mit seinem neuen Kompagnon Infinite gelingt es ihm, Sonic zu besiegen und innerhalb eines halben Jahres den ganzen Planeten zu erobern. Kurz vor der endgültigen Errichtung des Eggman Empires erfahren Sonics verzweifelte Freunde, dass ihr Kamerad noch am Leben ist. Sie beschließen, ihn aus den Fängen des durchtriebenen Wissenschaftlers zu befreien und den Planeten vor dessen bösen Machenschaften zu schützen.

Just in diesem Moment tauchen wir auf – relativ zu Beginn des Spiels dürfen wir uns einen Avatar zusammenbasteln und als Rekrut bei den titelgebenden Streitkräften anheuern. Zur Auswahl stehen verschiedene Tierarten, beispielsweise Hunde, Kaninchen, Wölfe und Vögel. Jede Art hat dabei ihre Eigenheiten. Wölfe ziehen Gegenstände magisch an, Hasen behalten nach einer Gegnerkollision ein paar Ringe und Vögel können Doppelsprünge ausführen. Weitere Grundindividualisierungsmöglichkeiten sind überschaubar gehalten und beschränken sich auf Augen und Ohren, sowie auf Augen- und Fellfarbe. An spaßiges Herumdoktern an Körperproportionen haben die Entwickler leider nicht gedacht.

Drei Spielarten

Wer über die Jahre hinweg verschiedene Sonic-Titel gespielt hat, wird sich über die gelungene Mixtur aus verschiedenen Gameplay-Arten freuen. In alternierender Reihenfolge spielen wir in Sonic Forces sowohl den modernen Sonic, sein klassisches Alter Ego und unseren Avatar. Verkörpern wir den modernen Sonic verfolgen wir das Geschehen meist aus der Verfolgerperspektive und rasen mit hoher Geschwindigkeit durch die Levels. Unterwegs sammeln wir Ringe ein, die zugleich auch die Lebensenergie unseres Helden darstellen. Wenn uns die Attacke eines Gegners trifft oder wir mit lebensfeindlicher Level-Architektur in Berührung kommen, verlieren wir sämtliche Ringe.

Eine Kollision mit keinem Ring im Gepäck sorgt schließlich dafür, dass wir beim letzten Kontrollpunkt wieder ins Spiel einsteigen müssen. Diese sind einerseits fair gesetzt, für Rekordjäger andererseits ein Ärgernis. Da die Zeit weiterläuft und die verlorenen Ringe, die am Level-Ende die Punktzahl erhöht hätten, unwiderruflich verloren sind, werden Perfektionisten diverse Levels dutzende Male neu beginnen müssen. Ähnlich verhält sich das Gameplay mit dem klassischen Sonic, mit dem Unterschied, dass wir hier ausschließlich aus der zweidimensionalen Seitenansicht zum Ziel sausen. Wenn wir allerdings unseren Avatar mimen, dürfen wir mit den so genannten Wispons beispielsweise Feuersalven und Peitschenhiebe auf die Gegner entfesseln. Ganz schön abwechslungsreich!

Kurzer Genuss

Sobald wir einen Level abgeschlossen haben, erhalten wir für unsere Leistungen neue Wispons, Kleidungsstücke zum weiteren Individualisieren unseres Avatars oder Zugriff auf neue Bonuslevels. Letztere ergänzen die dreißig regulären Spielabschnitte, in denen es auf Schnelligkeit oder auch Geschick bei Bossgegnern ankommt, um weitere Herausforderungen. So umfangreich wie in Sonic Mania fallen die verschiedenen Levels allerdings nicht aus. Meistens rasen wir schon in unter fünf Minuten durch einen Level, selbst wenn wir dabei mehrere Versuche benötigen. Um wirklich alle Geheimnisse in einem Spielabschnitt zu lüften, wird es allerdings nötig sein, ihn mehrere Male durchzuspielen. Ein Glück, dass Rettungsmissionen von diversen Charakteren die Rückkehr in bereits durchgespielte Regionen genauso legitimieren wie das Erreichen neuer Bestleistungen. So erhöht sich die Einmalspielzeit von etwa vier Stunden auf das Doppelte bis Dreifache.

Wer den Titel auf der Switch spielen möchte, sollte sich im Klaren darüber sein, dass es sich dabei um die schwächste aller Versionen handelt. Neben einer unhandlichen Bedienung im Handheld-Betrieb fällt bei auf, dass Details fehlen, Texturen matschig sind und zudem die Auflösung genauso reduziert ist wie die Bildwiederholungsrate. Bei einem schnellen Spiel wie Sonic Forces empfiehlt es sich also, bei Möglichkeit zur PC-, PlayStation-4- oder Xbox-One-Fassung zugreifen. Inhaltlich sind alle Versionen jedoch identisch, sodass auch alleinige Switch-Nutzer das volle Erlebnis genießen dürfen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Fazit:

Als ich Sonic Forces vor einigen Monaten auf der Gamescom spielen durfte, war ich noch ein wenig begeistert. Von der Euphorie ist nach einigen abgeschlossenen Levels aber nicht sehr viel übrig geblieben. Das alternierende Gameplay funktioniert dank unterschiedlicher Spielfiguren im Kern sehr gut, doch fehlt es mir an vielen Stellen an Überraschungen und Abwechslungsreichtum. In Anbetracht dessen, dass ich jeden Abschnitt – teilweise mehrfach – innerhalb von nur vier Spielstunden sehen kann, ist dies sehr ärgerlich. Ich rase lediglich von einem Ort zum anderen, bekämpfe kurz ein paar Gegner und nutze bei manchen Spielpassagen nach dem Auswendiglernen schon die Reflexe eines Jedi, wenn die Steuerung mir persönlich mal wieder nicht zu schwammig erscheint. Sonic Mania hat wunderbar bewiesen, dass nicht nur Nintendos Klempner Super Mario innovativ sein kann – mit Sonic Forces ist man leider wieder einen Schritt zurückgegangen. Dennoch gehört Sonic Forces zu den besseren Titeln der Reihe und bereichert das Genre um einen zumindest überdurchschnittlichen Titel, den man sich für verregnete Nachmittage aufheben kann.