Star Fox – TEST

Fox McCloud kehrt auf die große Bühne zurück – und bringt kein neues Abenteuer mit, sondern sein ikonischstes in frischem Gewand. Star Fox auf der Nintendo Switch 2 ist Remake und Reboot zugleich, das seinen Arcade-Kern nicht nur bewahrt, sondern ihn mit orchestraler Wucht, lebendiger Inszenierung und neuen Modi in die Gegenwart holt. Ob sich die Rückkehr ins Lylat-System lohnt, klären wir im Test.


Nicht jeder kommt als Lylat-Wars-Veteran zu Star Fox auf der Nintendo Switch 2. Wer die N64-Ära verpasst oder nur bruchstückhaft mitgenommen hat, kennt Fox McCloud vielleicht eher aus Starlink: Battle for Atlas oder Super Smash Bros. als aus seinen eigenen Abenteuern. Velan Studios, das amerikanische Studio hinter Mario Kart Live: Home Circuit und Knockout City, hat sich genau dieser Ausgangslage angenommen und ein Remake geschaffen, das Rückkehrende wie Neulinge gleichermaßen abholen will. Bereits die Demo vor Release machte deutlich, dass dieses über dreißig Jahre alte Spielprinzip noch funktioniert – vorausgesetzt, es wird in den richtigen Rahmen gesetzt. Genau das ist Velan Studios in weiten Teilen gelungen, auch wenn nicht jede Entscheidung restlos überzeugt

Arcade mit Ambition

Ein Durchgang durch das Lylat-System dauert ungefähr eine Stunde. Wer an dieser Stelle zusammenzuckt, hat Star Fox noch nie gespielt, oder nicht verstanden. Dieses Spiel ist kein lineares Abenteuer mit einmaligem Spannungsbogen, sondern ein Arcade-Shooter, dessen ganzer Reiz in der Wiederholung liegt. Alternative Routen, versteckte Abzweigungen, Medaillen und Highscores sorgen dafür, dass jeder neue Durchlauf anders aussehen kann. Beim ersten Abspann haben wir noch lange nicht alles gesehen, sondern nur eine von vielen möglichen Varianten durch das Lylat-System. Wer bereit ist, Routen zu lernen, Combos zu optimieren und immer sauberer durch die Level zu fliegen, findet ein erstaunlich dichtes Spielerlebnis, das mit jeder Wiederholung an Tiefe gewinnt.

Gerade die Taktung der einzelnen Missionen überrascht. Corneria, der erste Planet, wirkt nicht mehr wie eine Abfolge grober Klötze, sondern wie eine tatsächlich angegriffene Stadt mit herabstürzenden Trümmern, Schiffen, die den Horizont kreuzen, und Wasserflächen, die den Gefechten Tiefe und Weite geben. Jedes Level ist dicht gepackt mit Ereignissen, Gegnerwellen und kleinen Inszenierungsmomenten, die beim ersten Durchlauf überwältigen und beim dritten Mal nach Strategie verlangen. Zwischen On-Rails-Passagen und offenen Arealen wechselt das Spiel geschickt hin und her, ohne dabei seinen treibenden Rhythmus zu verlieren. So entsteht ein Spielfluss, der regelrecht süchtig machen kann.

Glanz und Grenzen der Inszenierung

Visuell hat Velan Studios das Lylat-System gründlich modernisiert. Hintergrunddetails, Partikeleffekte, dynamische Beleuchtung und Wasserreflexionen geben den bekannten Schauplätzen eine Atmosphäre, die das N64-Original nicht einmal andeuten konnte. Besonders die orchestralen Arrangements des Soundtracks verdienen eine eigene Erwähnung: Sie verleihen Star Fox eine cineastische Größe, die hervorragend zur Space-Opera-Seite des Spiels passt. Schon das Menüthema kann über Stunden laufen, ohne zu ermüden, und in den Bosskämpfen steigert sich die Musik zu einer Intensität, die wirklich mitreißt. Präsentation und Klang tragen gemeinsam dazu bei, dass sich diese Version nie wie ein bloßer Neuaufguss anfühlt, sondern wie ein Spiel, das seinen Stoff endlich so erzählen darf, wie er gedacht war.

Allerdings hat die Modernisierung auch ihren Preis. Durch den deutlich höheren Detailgrad fällt es gelegentlich schwerer zu erkennen, was Gegner, was Kulisse und was spielerisch relevant ist. Besonders bei Bosskämpfen und in offenen Arealen kann die alte N64-Klarheit fehlen, wenn Schwachpunkte zwischen Partikeleffekten und detaillierter Geometrie verschwimmen. Weil Star Fox stark über Wiederholung funktioniert, lernen wir diese Situationen zwar mit der Zeit lesen – im ersten Anlauf aber kostet die hübschere Darstellung mitunter Übersicht. Schön und lesbar zugleich zu sein, gelingt dem Spiel nicht in jeder Sekunde, und das ist einer der wenigen Fälle, in denen die Treue zum Original dem Remake besser gestanden hätte.

Fliegen, Zielen, Fluchen

Fliegen und Zielen sind an denselben Stick gekoppelt – ein bewusstes Designerbe, das zum klassischen Star-Fox-Gefühl gehört. Wie selbstverständlich fühlt sich das heute nicht immer an, besonders für alle, die aus modernen Twin-Stick-Shootern kommen und eine klare Trennung zwischen Bewegung und Fadenkreuz gewohnt sind. Nach einer Eingewöhnungsphase funktioniert das System durchaus, aber der Charge Shot kann frustrieren, wenn er hartnäckig den falschen Gegner anvisiert und eine geplante Kombo zunichtemacht. Spielbar ist die Steuerung allemal, elegant in jeder Situation aber nicht. Velan Studios bietet mit dem Mausmodus eine alternative Variante an, bei der wir ein Joy-Con 2 wie eine Maus auf dem Tisch bewegen. Technisch funktioniert das überraschend sauber, bleibt für klassische Couch-Sessions mit dem Pro Controller aber eher ein Kuriosum als die neue Idealsteuerung.

Spannender fällt die Fahrzeugabwechslung aus. Landmaster-Einsätze fühlen sich wuchtig und angenehm anders an, ohne das Tempo zu verschleppen. Aquas als U-Boot-Level polarisiert stärker – atmosphärisch reizvoll, spielerisch aber träger und bewusst als Tempowechsel inszeniert, der nicht jedem gefallen wird. Beim lokalen Koop fliegt eine Person, die andere schießt: eine nette Beigabe, die zum Spielaufbau passt, einen vollwertigen Kampagnenmodus mit mehreren Cockpits aber nicht ersetzt. Im kompetitiven Multiplayer überrascht vor allem die Kamera-Integration der Switch 2, weil die Umsetzung der Gesichter in animierte Star-Fox-Porträts erstaunlich überzeugend gelingt. Umfang und Kartenanzahl wirken allerdings begrenzt und dürften nur eine Weile tragen.

Mehr als Schulhofwissen

Zu den sinnvollsten Ergänzungen gehört der Challenge-Modus. Früher waren versteckte Manöver, alternative Wege und Medaillenanforderungen Schulhofwissen oder Fan-Magazin-Material; jetzt macht das Spiel sie sichtbar und gibt Anreize, seine eigene Tiefe zu erkunden. Gerade für Neulinge ist das eine wertvolle Brücke zwischen erstem Abspann und echtem Meistern der Routen. Ebenso gelungen sind die neuen Zwischensequenzen: Slippy wirkt weniger wie der ewige Trottel und mehr wie ein tatsächlicher Ingenieur, Falco bekommt Kanten, Peppy Wärme, und das Star-Fox-Team fühlt sich insgesamt greifbarer an. Kleine Details wie veränderte Star-Wolf-Porträts nach früheren Begegnungen oder zusätzliche Dialoge auf alternativen Routen geben dem Universum mehr Charakter.

Schade bleibt, dass die Zwischensequenzen nicht konsequent auf vorherige Ereignisse reagieren. Wenn Teammitglieder in einer Mission ausfallen, wäre es stark gewesen, das in den folgenden Szenen stärker zu spiegeln – gerade weil so viel neu inszeniert wurde, fallen solche verpassten Möglichkeiten auf. Das Figurenredesign hingegen funktioniert: Fox, Falco, Peppy und Slippy sehen realistischer aus, ohne falsch zu wirken, und passen zur hochwertigeren Inszenierung. Amiibo-Boni sind so belanglos, dass sie kaum ins Gewicht fallen – gut so, denn spielerisch relevante Vorteile stecken nicht dahinter. Positiv fällt zuletzt der Preis auf: Mit einer UVP von 49,99 Euro ordnet Nintendo das Spiel bewusst unter dem Vollpreis ein, was zum kompakten Arcade-Charakter passt und die Umfangsdiskussion entschärft.

Geschrieben von Arne Ruddat

Fazit:

Arne Ruddat

Ich komme nicht als Star-Fox-Veteran zu diesem Spiel. Meine erste, recht enttäuschende Erfahrung mit dem Universum war ein Kauf des SNES-Titels in der Nintendo Virtual Console. Ich hatte mit der Grafik des N64 gerechnet und wurde überrascht. Eine echte Berührung mit Fox McCloud und dem Arwing war dann Starlink: Battle for Atlas auf der Switch, und ohne die Demo hätte ich Star Fox auf der Switch 2 vermutlich nicht gekauft. Umso bemerkenswerter ist, was Velan Studios hier geschaffen hat. Star Fox ist ein Spiel, das sein Alter nicht versteckt, sondern sein Arcade-Prinzip behält und selbstbewusst modernisiert: mit einem orchestralen Soundtrack und Zwischensequenzen, die das Lylat-System zur echten Space Opera erheben. Die Inszenierung gibt den bekannten Schauplätzen endlich die Atmosphäre, die sie verdienen, und der Challenge-Modus macht die versteckte Tiefe des Spiels nun zugänglicher, als sie es früher war. Nicht alles gelingt perfekt – die gekoppelte Steuerung fühlt sich nicht ganz zeitgemäß an. Die hübschere Grafik kostet gelegentlich Übersicht, und Multiplayer wie Koop bleiben eher Zugaben als tragende Säulen. Wer eine lange, wendungsreiche, ausufernde Storykampagne erwartet, wird wohl enttäuscht. Wenn ihr aber Lust habt, Routen zu lernen, Medaillen zu jagen und euch Durchlauf für Durchlauf zu verbessern, findet ihr in Star Fox eines der besten Arcade-Erlebnisse der jüngsten Zeit. Vielleicht ist dies sogar der richtige Einstieg in eine Serie, die lange auf genau diesen Neuanfang gewartet hat.