Resident Evil Requiem – TEST
Grace Ashcroft ist eine junge FBI-Agentin, die damit beauftragt wird, einen mysteriösen Todesfall zu untersuchen. Ihre Ermittlungen führen sie nach Wrenwood, wo sich ein verlassenes Hotel befindet, das eng mit ihrer eigenen Vergangenheit verknüpft ist. Währenddessen ermittelt Leon S. Kennedy auf der anderen Seite der Stadt gegen den undurchsichtigen Dr. Viktor Gideon, der ein düsteres Geheimnis verbirgt. Getrennt und doch miteinander verbunden müssen beide die Wahrheit ans Licht bringen, Rätsel lösen, Überlebende retten und den Ausbruch einer neuen Virus-Epidemie verhindern.
Resident Evil Requiem ist der neunte Teil der Hauptreihe. Er erschien rechtzeitig zum dreißigsten Jubiläum der Spielserie. Capcom hat uns hier eine Mischung seiner bewährten Spielmechaniken des Franchise aufgeboten. Während wir mit Grace eher schleichend unterwegs sind und mehr aus dem Schatten heraus agieren müssen, sucht Leon S. Kennedy in seinen Abschnitten die direkte Konfrontation. Das ist insofern besonders, da wir beide Figuren abwechselnd spielen. In vergangenen Ablegern der Reihe, wie zum Beispiel Resident Evil 2 oder auch Resident Evil 6, waren die Abschnitte der einzelnen Figuren in vollständige, voneinander getrennte Kampagnen aufgeteilt. Hier hingegen erleben wir eine einzige größere Kampagne, die zwischen den beiden Protagonisten wechselt. Dadurch entsteht vor allem eines: Abwechslung im Gameplay. Statt ein reines Actionfeuerwerk darzustellen, wie es Resident Evil 6 tat, besinnt sich dieser Teil auch auf die Stärken der Ursprünge: beklemmende Atmosphäre, Munitionsknappheit und überlegene Gegner.

Vielfalt
Besonders die Gegner können hier in den Fokus gestellt werden. Sie sind so zahlreich und unterschiedlich wie schon lange nicht mehr. Allein im ersten Abschnitt des Spiels, dem Sanatorium von Wrenwood, bekommen wir es mit einer Vielzahl verschiedener Gegner zu tun. Dabei hat jeder einzelne seine eigenen Verhaltensweisen.
Wir treffen auf Reinigungskräfte, die permanent am Putzen sind, singende Witwen im Hochzeitskleid sowie eine Vielzahl an Ärztinnen und Patientinnen. Und das sind nur die Gegner aus den ersten Stunden des Spiels, da wir aus Spoilergründen nicht zu viel vorwegnehmen wollen.
Festzuhalten ist allerdings, dass sich die Gegner alle organisch und dynamisch abwechslungsreich verhalten – genauso wie das Gameplay selbst. Ihr werdet sogar einigen bekannten Gegnern der Serie wiederbegegnen. Auch auf Bossgegner treffen wir selbstverständlich mehrfach. Manche davon sind zunächst gar nicht als solche zu erkennen, wie zum Beispiel der Koch. In Anlehnung an Resident Evil Village bekommen wir es auch wieder mit einem blobähnlichen Monster zu tun, bei dem wir uns nicht ganz sicher waren, ob es überhaupt zu besiegen ist.

Die Schauplätze von Resident Evil Requiem sind gewohnt abwechslungsreich, laufen aber in dem gewohnten Schema ab. So landen wir irgendwann auch wieder in einem obligatorischen Laborbereich. Dafür führt uns das Spiel auch an bereits bekannte Orte der Reihe. Hier wird die Nostalgiekeule ordentlich geschwungen, hätte aber ruhig noch ein kleines bisschen mehr sein können. Selbst eine motorisierte Verfolgungsjagd fehlt nicht, ebenso wenig wie eine ganz kurze Eskortmission, wo wir mit Leon den Rücken von Grace freihalten müssen. Leon macht eben das, was er am besten kann.
Ebenfalls vielfältig ist die Wahl eurer Perspektive. In Resident Evil Requiem können wir nämlich frei zwischen der First-Person und der Third-Person Perspektive wählen. Das hat auch einen Einfluss auf das Gameplay, da wir in der First-Person Perspektive z.B. nicht stolpern oder falle können. Wer das Spiel noch gruseliger möchte, greift ebenfalls zur Fist-Person Perspektive, da hier ein Blick zurück über die Schulter nur möglich ist, wenn ihr euch generell umdreht. Auch ein kurzes „Um die Ecke schauen“ ist hier nicht drin. Das steigert die Immersion und verstärkt die beklemmende Atmosphäre.

Gameplay Unterschiede
Mit Grace ist es ratsam, Gegner durch das Werfen von Glasflaschen aufeinander zu hetzen, um selbst ungehindert vorbeiziehen zu können. Später finden wir einen Blutanalysierer. Dieser bietet uns die Möglichkeit, Blutreste besiegter Gegner aufzusammeln und in bester Resident-Evil-Manier mit anderen Objekten zu Munition und Heilgegenständen zu kombinieren.
Dadurch ist Grace in der Lage, eine Spritze zu erzeugen, die als „stiller Killer“ eingesetzt werden kann, um Gegner hinterrücks zu erledigen. Selbst Bossgegner können damit niedergestreckt werden, benötigen allerdings häufig mehr als nur eine Injektion. Das Beseitigen der Gegner auf diese Art ist besonders nützlich, da serientypisch besiegte Gegner im späteren Verlauf als stärkere Version wieder auferstehen. Durch die Injektion bleibt jedoch nicht viel übrig, was erneut auferstehen könnte.
Grace wird während ihrer Passagen von einer persistenten Monsterfigur gejagt – einer übergroßen, mutierten Frau, die uns ans Leder will. Glücklicherweise verträgt sie Licht nicht besonders gut, sodass wir uns durch geschicktes Schleichen und das Betätigen von Lichtschaltern vor ihr verteidigen können.
Die Rätseleinlagen, die mit Grace absolviert werden müssen, könnten durchaus auch etwas fordernder sein. Zu oft ist es lediglich ein: Besorge A hier und bringe nach B um um zu C zurückzukehren. Dabei werden einen Vielzahl an relevanten Gegenständen aufgesammelt, die auch verstaut werden müssen. Ihre Ausrüstung verstärkt Grace beispielsweise durch das Verwenden alter Münzen, bekannt aus Resident Evil 7: Biohazard. Ihr Inventar wird dabei durch das Taschensystem abgebildet, welches aus Resident Evil 2 und Resident Evil 3 bekannt ist. Das macht das Itemmanagement etwas schwieriger als bei Leon.

Mit Leon S. Kennedy hingegen greifen wir auf einen bewährten Aktenkoffer zurück, in dem wir in bester Tetris-Manier Waffen, Munition und weitere Gegenstände platzieren können. Es erwartet uns das bewährte Spielprinzip, das mit Resident Evil 4 etabliert wurde: Action und das Management größerer Gegnergruppen.
Leon hat es deutlich häufiger mit mehreren Gegnern gleichzeitig zu tun als Grace. Der erfahrene Profi weiß sich allerdings mit zahlreichen Schusswaffen zur Wehr zu setzen. Im Nahkampf kann Leon zudem auf kleine Äxte zurückgreifen, die auch als Wurfgeschosse fungieren. Hilfreich ist dabei, dass Leon sich vor dem Wurf automatisch zu einem Gegner dreht. Leider fixiert das Spiel dabei nicht immer den Gegner, den wir als Spieler eigentlich anvisieren wollten. Das führt gelegentlich zu Frust, gefolgt von einem übertrieben inszenierten Ableben.
Besonders praktisch hat sich außerdem erwiesen, dass wir Waffen besiegter Gegner aufnehmen können. Ihr wolltet schon immer einmal den Zombies zeigen, wie es sich anfühlt, von einem kettensägeschwingenden Irren verfolgt zu werden? Dann ist das hier eure große Chance.

Besonderheiten der Switch 2 Version
Optisch ist das Spiel eine absolute Wucht. Hier wird nahezu alles herausgeholt, was derzeit möglich ist. Die Switch-2-Version nutzt DLSS-Upscaling, um trotz geringerer nativer Auflösung ein sehr gutes Bild zu liefern. Die Texturen sind zwar niedriger aufgelöst als beispielsweise auf einer PlayStation 5, kleinere, feinere Details wie etwa Zäune erscheinen auf der Switch 2 hingegen teilweise schärfer. Haare sind und bleiben jedoch ein leidiges Thema der verwendeten RE Engine, was auf der Switch 2 besonders auffällt.
Auch die Framerate bleibt nicht durchgehend konstant. Dies tritt allerdings nur in Momenten auf, in denen besonders viel auf dem Bildschirm passiert. Wirklich störend war dies für uns jedoch nicht. Für ein Spiel dieser Art auf einer mobilen Konsole ist es beeindruckend zu sehen, was Capcom aus dem kleinen, grauen Kasten herausholen konnte.
Beim Sound hingegen gibt es keinerlei Abstriche. Durchgehend wird eine gruselige und stimmige Atmosphäre erzeugt. Glassplitter, die auf dem Boden knirschen, Zombies, die in den hinteren Ecken des Sanatoriums singen, sowie Waffen, die jeden Schuss kraftvoll untermalen – all das trägt zum Gesamtbild bei. Es ist letztlich das Zusammenspiel aller Elemente, das eine überzeugende und dichte Stimmung entstehen lässt.
Geschrieben von Kim Kaiser
Fazit:
Resident Evil Requiem konnte mich voll und ganz überzeugen. Ich habe 12 Stunden für meinen ersten Durchlauf gebraucht und jede Sekunde davon genossen. Aufgrund zahlreicher, freispielbarer Inhalte, wie es in der Reihe üblich ist, werden weitere Durchläufe folgen. Mich hat besonders die Mischung der beiden Gameplay Elemente überzeugt. Ja, Grace jammert oft und viel. Das mag für für den ein oder anderen anstrengend sein, mich hat es aber eher in alte Resident Evil Momente zurück geworfen. Die Story selbst ist typisch für Resident Evil. Sie macht Spaß, bietet auch die ein oder andere Überraschung, ist im Kern aber das gleiche wie so oft. Hier darf beim nächsten mal ruhig etwas mehr und weniger vorhersehbar sein.







