The Gardens Between -  – TEST

The Gardens Between ist eines der Spiele, die beim bloßen Anblick nicht zu verstehen sind, denn wer nur die beiden Kinder sieht, die sich durch die Welt bewegen, weiß nicht, was eigentlich gespielt wird. Was wir steuern können, sind nicht die zwei Figuren, sondern die Zeit. Das macht dieses Puzzlespiel so besonders.


Nach einigen Verzögerungen wurde das Rätselspiel The Gardens Between am 20.9.2018 veröffentlicht. Das 2009 in Melbourne gegründete Entwicklungsstudio The Voxel Agents hatte es zunächst im Februar 2015 als „Project Time“ bzw. „Adventures with Time“angekündigt, sich dann aber vor der Veröffentlichung doch entschieden, den Namen auf den aktuellen Titel zu ändern. Auch in den frühen Entwürfen lässt sich das Konzept aber schon erkennen: Zwei Kinder reisen auf traumhafte Inseln und erleben Zeiträtsel. Zu der verspäteten Veröffentlichung könnte die Version für die Switch geführt haben, die zeitgleich mit den Fassungen auf PS4 und Windows erschien.

Zwei Kinder
Wir werden vom Spiel mit einem Startbildschirm begrüßt, der einen Blick zwischen zwei Siedlungshäusern auf einen kleinen Garten zeigt. Unsere einzige Option ist der Start-Knopf. Mit einem Klick darauf fährt die Kamera auf den Garten zu und auf ein Baumhaus, das zwei Kinder zeigt, Arina und Frendt. Zunächst sehen wir sie kaum, bis der Junge Frendt das Licht anschaltet. Plötzlich verändert sich das Bild und wird zu einer Traumwelt der Erinnerungen, in der nur das Baumhaus mit den zwei Kindern bleibt. Von dort werden wir direkt in das erste Rätsel-Level geworfen.

In sehr kurzen ebenfalls von uns per Zeit gesteuerten Zwischensequenzen erleben wir Szenen aus dem Leben der beiden Kinder. Diese Szenen und die Interaktionen der beiden in den Levels zeigt ihre Persönlichkeit und die Freundschaft, die sie verbindet, und die das eigentlich interessante Element an der Geschichte des Spiels ist. Warum die zwei diese Traumwelten durchstreifen, wird erst ganz am Ende aufgelöst und hier natürlich nicht verraten.

Zeit löst alle Rätsel
Die Levels sind kompakte bergige Inseln mit überdimensional großen Alltagsobjekten, in der unsere Protagonisten die Spitze erreichen müssen, sobald wir das Spiel starten. Arina und Frendt spielen in dieser Geschichte die Hauptrolle, und das beschreibt das Gameplay ziemlich gut, denn wir sind im Grunde nur Zuschauer. Wir steuern die Zeit und die Aktionen der Kinder, wobei wir bei der Zeit nur vor und zurück können und bei der Aktion nur dann eine jeweils festgelegte Handlung durchführen können, wenn der Junge oder das Mädchen an einer Stelle im Level sind, die uns das erlauben.

Das Ziel jedes Levels ist es, einen Lichtball auf die Spitze des zu erklimmenden Berges zu bringen. Hierfür kann Arina in einer aus Lichtstrahlen bestehenden Laterne diesen Lichtball an bestimmten Stellen im Level einsammeln, muss ihn aber an manchen Stellen auch benutzen, um weiterzukommen. Wenn sie mit dem Lichtball in die Nähe eines schwarzen Balls kommt, nimmt dieser ihr das Licht wieder weg, das gilt es also meist zu vermeiden. Es gibt in vielen der Levels springende Würfel, die für Arina nicht selten das Licht samt Laterne transportieren müssen.


Frendt hat die Aufgabe, mit Objekten zu interagieren, etwa eine Glocke zu läuten, um den Lichtball aus seinem Spender freizugeben oder einen Knopf auf einer Fernbedienung zu drücken. Komplexität kommt langsam ins Spiel, wenn wir mit Frendt über eine Aktion einen zweiten Zeitstrahl aktivieren, der sich nur auf bestimmte Objekte auswirkt und unabhängig vom Hauptzeitstrahl agiert. Neben den beiden Zeitstrahlen, die unabhängig voneinander existieren und so Wege freiräumen oder versperren können, ist der Lichtball ein Element, das nicht von der Zeit beeinflusst wird. In späteren Levels kommen weitere Spiel-Elemente hinzu, etwa Nebel, der uns am Zurückkommen hindert.

Jedes Level ist Teil einer kleinen Gruppe von Levels und hat einen oder wenige mehrere Alltagsgegenstände, um die sich die Rätsel drehen, etwa ein Videorekorder und eine Videospielkonsole, eine Säge, ein Sofa oder ein Dinosaurier-Skelett. Was es mit all diesen Objekten aus dem echten Leben der beiden Kinder auf sich hat, wird uns nach den Level-Gruppen in einer Szene aus dem Leben von Arina und Frendt gezeigt, bevor es in das erste Level der nächsten Gruppe geht.

Ein kurzer atmosphärischer Ausflug
Glücklicherweise ist das Spiel so entspannend, wie es nur sein kann. Wir haben keinerlei Zeitdruck oder Not, etwas schnell zu erledigen, denn die Zeit ist mit uns, und so können wir alle Fehler problemlos rückgängig machen. Manche Rätsel erfordern gar ein Still- und Innehalten in bestimmten Momenten, um eine Aktion auszulösen. Bleiben wir zu lang untätig, springt das Spiel ins Pausenmenü, das wir über einen Druck auf die Aktionstaste wieder beenden können.

Zeitreisen ist in The Gardens Between ein langwieriges Element, da die beiden nicht sehr schnell gehen, und wir das auch nicht beschleunigen können. Bei manchen Rätseln, in denen wir durch Vor- und Zurückreisen die Lösung erproben wollen, ist das nah an der Grenze zur Nervigkeit. Doch zum Aufregen ist das Spiel insgesamt zu gemächlich und auf Entspannung des Spielers ausgelegt. Das zeigt sich schon daran, dass es problemfrei mit einem einzelnen Joy-Con einhändig gespielt werden kann. So können wir während des Spiels gemütlich Kaffee trinken und uns unter eine Decke kuscheln, was mit dem stürmisch-gewittrigen Wetter, das im Spiel hauptsächlich vorherrscht, auch prima in diese herbstliche Jahreszeit passt. Da wir einhändig spielen können, können wir den zweiten Joy-Con auch problemlos einem Mitspieler geben und gemeinsam rätseln, uns absprechen und abwechselnd steuern.

The Gardens Between ist sehr hübsch durch seinen dezenten Comic-Stil. Die Atmosphäre wird durch die Wettereffekte gut rübergebracht und das macht das Rätseln sehr gemütlich. Dazu passt auch die Soundkulisse aus Regen, Gewitter, und dem seichten Soundtrack. Die musikalische Untermalung besteht aus atmosphärischen Synthesizer-, Klavier- und Gitarren-Klängen, die dahinplätschern und sich leicht den Geschehnissen anpassen. Etwas schade ist, dass das hochpolierte Spiel mit zwei bis fünf Stunden recht kurz ist. Die leichten Ruckler in den Ladebildschirmen fallen da kaum ins Gewicht. Dafür ist auch die gesamte Grafik zu hübsch und das Spiel ist zu wenig auf Geschwindigkeit ausgelegt.

Geschrieben von Arne Ruddat

Fazit:

Insgesamt ist The Gardens Between ein schönes Spiel. Optisch ist es äußerst gelungen, auch die Sounduntermalung bietet viel für den angesetzten Preis von zwanzig Euro. Leider ist das Spiel viel zu kurz und bietet keinen Wiederspielwert. Dafür stimmt die Atmosphäre jedoch und nimmt uns über die Spielzeit mit in eine entspannend gemütliche Welt, die zudem noch eine leicht melancholische Geschichte um zwei Kinder bietet. Meine Empfehlung für alle, die den Herbst und kurze, nicht all zu schwierige Rätselspiele mögen.