The Last Case of John Morley – TEST
Der Letzte Fall des Privatdetektivs John Morley verlief nicht ganz wie geplant. Wir erwachen im Krankenhaus und erfahren von der Kündigung unserer Sekretärin, da sie die letzten Monate kein Gehalt bekommen hat. Immerhin hat sie uns noch die Kontaktdaten einer Klientin dagelassen, die auch direkt unser Büro betritt, sobald wir das Krankenhaus verlassen haben. Vor zwanzig Jahren geschah ein Mord, der von der Polizei für erledigt erklärt wurde. Die gute, alte Dame hat hier jedoch ihre Zweifel. Können wir den mysteriösen Fall im Stile eines Walking Simulators aus der First-Person-Ansicht aufklären?
Die Story von The Last Case of John Morley entfaltet sich wie ein klassischer Krimi. Wir wandern durch die drei großen Abschnitte des Spiels und sammeln Hinweise. Es geht zunächst durch ein verlassenes Herrenhaus, über ein Sanatorium bis hin zu einem alten Krankenhaus. Dabei wird uns die Geschichte Stück für Stück in Form von Notizen und Akten entfaltet. Als Detektiv müssen wir natürlich Hinweise sammeln. Manche davon leuchten in einem recht unheimlichen Grün. Diese Hinweise führen dann zu einer „Erscheinung der Vergangenheit“, anhand derer John Morley seine Schlussfolgerungen zieht. Dabei führt ein Hinweis zum nächsten, bis die Beweiskette abgeschlossen ist. Ansonsten gibt es die üblichen „Finde ein Passwort hier“ und „Besorge dir einen Code dort“-Aufgaben. Manche Rätsel sind jedoch sehr fordernd und können auch schnell für Frust sorgen. Wenn z. B. vier Schalter in einer bestimmten Reihenfolge gedrückt werden müssen, einer davon aber im Dunkeln hinter Kisten versteckt ist, wird es eher anstrengend. Die Story könnt ihr dabei locker in knapp drei Stunden abschließen. Das ist grundsätzlich auch okay für ein Spiel, das weniger als 15 € kostet – wenn da nicht technische Mängel den Spielspaß massiv beeinträchtigen würden.
Fragwürdige Untertitel

Was uns sehr gut gefallen hat, ist die englische Synchronisation. Diese bewegt sich durchweg auf einem sehr hohen Niveau. Dagegen wirken die animierten Gesichter der Figuren eher steif. In den Vergangenheitsmomenten von Morleys Deduktionen sind die Figuren, auch wenn sie Dialoge haben, durchgehend nur als Standbilder vorhanden. Wenn ihr der englischen Sprache nicht so mächtig seid, bietet euch das Spiel Untertitel in einigen Sprachen. Diese sind allerdings oft unfreiwillig komisch, da die Sätze hin und wieder keinen Sinn ergeben und auch einige Schreibfehler enthalten. Auch die Anrede wechselt innerhalb eines Satzes zwischen „du“ und „Sie“. Zumindest haben die Untertitel keinen Einfluss auf die Rätsel. Diese lassen sich dennoch einwandfrei bewältigen. Die Frage, die wir uns hier allerdings gestellt haben, ist, woher solch schwache Texte kommen. Wurde das Spiel hier einfach durch einen simplen Autoübersetzer gejagt?
Grafische Mangelerscheinungen

Direkt zu Beginn des Spiels befinden wir uns in einem Wald. Dieser könnte glatt einem Wii-Spiel entsprungen sein. Schlechte Texturen, massenweise aufploppende Objekte und teilweise fehlende Texturen prägen das Bild. Stellenweise steht ihr einfach nur vor einem schwarzen Haufen aus irgendetwas und seid nicht in der Lage zu erkennen, was das genau sein soll. Der erste Baum, dem ihr begegnet, wirkt wie eine Mangrove, da seine Wurzeln scheinbar in der Luft wachsen. Solche grafischen Probleme gibt es leider zahlreich, und sie sind deutlich wahrnehmbar. Die Pistole von Morley wird zur Untersuchung herangezoomt, doch die Texturen werden nicht geladen. Das wirkt tatsächlich eher wie Grafik aus der N64- oder GameCube-Ära. Gespielt haben wir dabei auch die aktuellste Version. Leider wurden die genannten Probleme hierbei nicht behoben.
Starke Atmospähre

Wo das Spiel hingegen punkten kann, ist die Atmosphäre. Diese ist über den gesamten Spielverlauf hinweg sehr gelungen und spannend. Überall gibt es leise Atemgeräusche und kleinere Jumpscares. Das erzeugt eine durchgehend hohe Spannung und motiviert dazu, den Fall aufzuklären. Natürlich bekommt ihr die absoluten Klassiker geboten: sich selbst öffnende Türen, Geistererscheinungen und plötzlich klingelnde Telefone. Aber es passt alles wunderbar zusammen. Die Orte sind so gestaltet, dass ihr permanent das Gefühl habt: Ja, ich bin hier gerade in einem alten Sanatorium. Das hat uns sehr motiviert.
Fragwürdige Alterseinstufung

Gerade die Atmosphäre des Spiels und die oftmals durchaus gruseligen Jumpscares lassen eine Alterseinstufung ab 6 Jahren doch sehr fragwürdig erscheinen. Solltet ihr euch für diesen Titel entscheiden und davon ausgehen, dass ihr hier mit der ganzen Familie – ob groß oder klein – rätseln könnt wie beim Tatort am Sonntag, dann sagen wir euch: Hier ist Vorsicht geboten. Die Story behandelt Inhalte wie Mord, gespaltene Persönlichkeiten und dergleichen. Auch sind die Schauplätze durchweg gruselig, dunkel und stellenweise blutig gestaltet. Eine Freigabe ab 6 Jahren würden wir daher nicht empfehlen. 12 Jahre sollten hier das absolute Minimum sein.
Geschrieben von Kim Kaiser
Fazit:
Schöne Story und stimmige Schauplätze. Leider sind für mich die technischen Mängel viel zu gravierend, um dem Spiel eine uneingeschränkte Empfehlung auszusprechen. Wer nur Wert auf den Inhalt legt und die Optik ausblenden kann, wird hiermit sicherlich glücklich werden. Ich habe die Story beendet, gehe aber davon aus, dass ich das Spiel so schnell nicht noch einmal spielen werde. Aufgrund der Alterseinstufung dachte ich zudem, dass es ein ideales Spiel wäre, um es auch mit Jüngeren als Rätselspiel zu spielen. Das kann ich jedoch überhaupt nicht empfehlen, da die Anspannung, die der Titel vermittelt, sehr hoch ist und die Jumpscares ihrem Namen alle Ehre machen.







