Violett -  – TEST

Das Point-n-Click-Adventure Violett erschien nun für die Nintendo Switch, einige Jahre nach dem Original-Release auf anderen Systemen. Das skurril-phantastische Spiel mit dem jugendlichen Mädchen in einer bizarren Welt hinterlässt bei uns der Steuerung wegen jedoch einen gemischten Eindruck, wie ihr in Arnes Test lesen könnt.


Das Spiel beginnt mit einem Hinweis, dass wir mit dem Touchscreen der Switch spielen sollten. Aus gutem Grund, wie wir bald feststellen. Danach startet das Intro, das die jugendliche Violett zeigt, die mit ihren Eltern in ein Haus aufs Land zieht. Das Intro kommt ohne Sprache aus, wie auch ein Großteil des gesamten Spiels. Die musikalische Untermalung hingegen sorgt für viel Atmosphäre. Der Vorspann endet damit, dass Violett ein Amulett in einem Loch in der Wand ihres Zimmers findet und davon in eine andere Welt entführt wird. Diese Welt ist sehr anders als unsere und überrascht mit einer von Insekten bevölkerten Szenerie. Violett ist hier ungefähr so groß wie eine Zahnbürste, allerdings passen manche Objekte nicht ganz in diesen Maßstab. Die Optik ist stilistisch an Salvador Dalí angelehnt – manches davon ebenso verwirrend wie bei Dalí – und zeigt Violett in einer 2,5D-Darstellung.

Touch gegen Sticks: Beides nix

Violett lässt sich theoretisch über die Joy-Cons spielen. Der linke Analog-Stick dient der direkten Steuerung von Violett. Die linken Richtungstasten lassen den Cursor auf manche interessante Punkte des Screens springen, mit denen Violett interagieren kann. Diese Auswahl bietet jedoch nicht alle benutzbaren Objekte, was für Verwirrung sorgt. Die im ganzen Spiel verteilten Perlen etwa, die eine Art Sammelbonusspiel sind, werden nicht selektiert. Auch andere Objekte, die für Puzzles gebraucht werden, etwa doppelte Wände, sind nicht hierüber auswählbar. Zum Glück gibt es noch noch den rechten Analogstick, über den ihr denCursor frei steuern könnt. Die rechten Tasten öffnen das Inventar, dienen zur Objektnutzung und ab und zu für situative Aktionen.

Das Spiel über die Knöpfe zu steuern wird aus gutem Grund nicht empfohlen, denn es funktioniert nicht sonderlich gut. Das liegt vor allem an manchen Rätseln, die eine eigentümliche Interaktion erfordern: Wischen, Drehen oder ähnliches. Das lässt sich auch über die Joy-Cons machen, aber es ist unbequem, zum Beispiel den A-Knopf und den rechten Analogstick gleichzeitig zu bedienen. Für eine Steuerung am Fernseher, die die wunderschöne, handgezeichnete Grafik ins beste Licht rückt, ist dennoch diese Steuerung die einzige Wahl.

Spielmechanik

Der Touch-Screen hingegen funktioniert als Eingabe sehr gut. Adventures sind in den meisten Fällen für eine Touchsteuerung wie geschaffen. Etwas unangenehm ist, dass die Objekte auf dem Switch-Screen ziemlich klein im Vergleich zum Finger sind, und so in diesem Fall einige Aktionen unpräzise und schwammig werden. Außerdem hat diese Eingabemethode – wie bei allen anderen Spielen auf der Switch ebenfalls – das Problem, dass sie nur im Handheld-Modus existiert. In diesem Spiel fehlen im Touchmodus zusätzlich die Indikatoren, welche Objekte auf dem Bildschirm überhaupt interaktiv sind und welche nur Deko. Hier macht das Spiel es zu Beginn gerade Anfängern nicht leicht. Die Bequemlichkeit von zu verwendenden Items entspricht hier mehr den alten Sierra- als den LucasArts-Titeln. Es gibt zwar nicht Unmengen Gegenstände, aber deren Verwendung ist aufgrund des bizarren Settings des Spiels alles andere als eindeutig.

Das Setting macht auch anderes schwierig. So wissen wir anfangs nicht, was die vielen Kreaturen von uns wollen. Sie reden in Symbolen, was die Übersetzung in andere Sprachen zwar leichter macht, aber nicht sehr verständlich ist. Gleiches gilt für das Hilfe-System, das die Rätsel mit Bildern zu vereinfachen versucht, daran aber teils grandios scheitert, weil die Bilder nicht eindeutig sind. Viele der Hilfen funktionieren zwar genug, die Ausnahmen frustrieren jedoch. Jeder Raum bietet vier Hilfestufen für verschiedene Aspekte seiner Rätsel, verrät uns jedoch nicht, welche Teile der Lösung wir schon erledigt haben und welche nicht. So suchen wir teils recht lange nach den Objekten der Hilfezeichnung, die aber nicht mehr existieren, weil wir sie ganz zu Anfang des Raums schon benutzt haben.

Technik aus dem Untergrund

Während die Grafik des Spiels in allen Bereichen, ob im comicartigen Intro oder in den gezeichneten Spielszenerien, äußerst hübsch und aufwendig ist, auf dem Bildschirm der Switch fantastisch aussieht und viel zur Atmosphäre des Spiels beiträgt, macht das fragwürdige Rätselsystem einiges durch Frustrationen wieder kaputt. Ständig fragen wir uns, ob die Rätsel so bewusst nicht lösbar sind, ob wir uns nur blöd anstellen, oder ob die Steuerung uns erschwert, die Rätsel zu lösen. Das ist für ein Adventure beinahe der Todesstoß, doch hat Violett eine so schöne Atmosphäre, dass wir über die schwierigen, tutorialfreien Anfangsrätsel hinwegsehen können, wenn wir uns später daran gewöhnt haben.

Die Umsetzung der Switch-Version von Violett hat eine einzigartige Macke, die uns beim Spielen negativ auffiel. Die Musik läuft wunderschön im Hintergrund und liefert dem sprachausgabenfreien Spiel ein zur Optik der Szene passendes Ambiente. Doch wenn alle paar Minuten das Autosave-Feature des Spiels anspringt, wird die Musik ohne Ankündigung während des Speicherns abrupt unterbrochen und erst nach Abschluss des Speichervorgangs wieder wiedergegeben. Da das abrupte Ausbleiben der Musik normalerweise ein Zeichen ist, dass etwas von Belang passiert, ist das ziemlich verwirrend. Dieser Bug ist bedauerlich und wir hoffen auf einen Patch. Aufgrund der seit etlichen Plattformen trotz massiver Kritik behaltenen fehlerhaften Steuerung ist mit einem Patch hier jedoch nicht zu rechnen. Ferner ist die Switch-Variante ungefähr um dreimal teurer als dasselbe Spiel auf anderen Plattformen. Wer ausschließlich eine Switch besitzt, freut sich so natürlich über die Möglichkeit, Violett zu spielen. Es gibt jedoch viele besser geeignete Touchscreengeräte für diesen Titel.

Geschrieben von Arne Ruddat

Fazit:

Das Spiel besticht durch seine Grafik und seine Musik, perforiert jedoch sein reizvolles Erscheinungsbild mit einer unvorteilhaften Steuerung und einem harten Einstieg. Wer ein skurriles Adventure sucht, ist mit diesem Spiel gut bedient. Ich war anfangs äußerst verwirrt, weil es so ohne Tutorial zu Steuerung, Objekthandhabung, Rätselweise und Welt doch recht frustrierend ist.