Crash Bandicoot 4: It’s About Time – TEST

Crash Bandicoot 4: It’s About Time ist der direkte Nachfolger der bekannten gleichnamigen Trilogie, der nun auch auf der Switch erschienen ist. Mit neuen Charakteren, neuen Fähigkeiten und altbekanntem Gameplay, versucht es, im Jahr 2021 zu überzeugen.


Speedruns sind eine Meisterschaft für sich. Ein Spiel so gut beherrschen zu können, dass die Level nur so dahinfliegen, dafür braucht es viel Übung und gute Methoden. Wer nicht weiß, wie eine Karriere auf dem Gebiet überhaupt zu beginnen ist, der braucht einfach nur Crash Bandicoot 4 einzulegen und lernt alles während des Spielens.

Anleitung für Speedrunner: Steuerung verinnerlichen

Zunächst ist es wichtig, viel Zeit einzuplanen, um sich der Aufgabe zu widmen. Wir beginnen mit den einfachen Grundlagen in der Steuerung. In Crash Bandicoot 4 – wie auch in den Vorgängern – laufen, springen, hangeln und wirbeln wir durch die linearen Level der verschiedenen Welten. Hierbei wird uns genügend Unterhaltung geboten über den Spielverlauf hinweg, denn es gibt durch Masken freigeschaltete Fähigkeiten, die uns an ausgewählten Stellen in den Leveln zur Verfügung stehen. Vom Zeit-Anhalten über eine Dauer-Wirbel-Attacke, mit der wir große Abgründe überwinden können, bis zu einer Fähigkeit, Gegenstände in zwei Phasen an- oder ausschalten zu können, ist alles dabei.

Zu beachten sind die wenigen Level, in denen wir alternative Charaktere spielen. Grundsätzlich können wir zwischen Crash und Coco wechseln, die sich fast identisch spielen. Manche Level bieten uns jedoch andere Protagonisten, etwa die coole Piratin Tawna oder das mit einer Schrotflinte bewaffnete Krokodil Dingodile.

Im Spiel begegnen uns Passagen, die gründlich gelernt sein wollen. Hier kommen wir nur mit sorgfältig gelernten minutenlangen Choreografien von Tastenklicks und Richtungswechseln in einer respektablen Geschwindigkeit von einem Checkpoint zum nächsten. Wichtig für das Speedrunning ist auch die richtige Wahl der Schwierigkeit, schließlich soll es auch etwas bedeuten, dass wir es geschafft haben. Crash Bandicoot 4 bietet hierfür zwei Optionen an. In einer gibt es wenige Checkpoints und die Level sind sehr herausfordernd. In der zweiten gibt es noch weniger Rücksetzpunkte und zudem noch eine beschränkte Anzahl an Versuchen.

Anleitung für Speedrunner: Spielaufbau

Ebenso wichtig ist es, die Level kennenzulernen. In diesem 3D-Jump-n-Run können wir die Kamera nicht drehen, das übernimmt sie automatisch für uns. Meist bestreiten wir die Level von vorn nach hinten, also gewissermaßen in den Bildschirm hinein. In seltenen Passagen müssen wir auch von hinten nach vorn, also auf die Kamera zu, dies meist unter Zeitdruck. Es gibt aber auch seitliche Level, die sehr an Spiele wie Donkey Kong Country erinnern. Das liegt sicher auch am gelungenen Wiki-Thema mit seinen Masken und seiner passenden Musik, die dem Vorbild ebenbürtig ist, wenn auch nicht mit so viel Finesse geschrieben. Ebenfalls wie der moderne Donkey Kong ist Crash Bandicoot etwas kopflastig dimensioniert und sehr behände unterwegs.

Genügend Gelegenheit, die Level auswendig, wirklich auswendig zu lernen, bietet uns das so häufige wie einfache Ableben unseres Charakters. Wir fallen in einen der vielen Abgründe, lassen uns von einem Gegner berühren oder sterben in einer Explosion. Manchmal macht es uns das Spiel hier besonders einfach, denn bei der Kamera von hinten sind Sprungpassagen wirklich schwierig zu erkennen und die Sprungweite schlecht abzuschätzen. Hier passiert es wirklich leicht, dass wir den Abschnitt einfach erneut spielen dürfen, wenn wir daneben gesprungen sind.

Eine weitere Möglichkeit hierfür sind die häufig vorkommenden schmalen Stege mit Richtungswechseln, die das frühzeitige Ableben erheblich vereinfachen, oder die versteckten explodierenden Boxen, die wir überraschend zünden. Solange wir die Geschwindigkeit des Charakters bestimmen dürfen, können wir unsere Bestzeiten verbessern. Doch es gibt einige Abschnitte, an denen wir mit blanken Händen an einer Metallschiene entlang rutschen. Hierbei ist die Geschwindigkeit vorgegeben und wir bekommen häufig durch überraschende Hindernisse die schnelle Gelegenheit, ein weiteres Mal zu üben. Leider lässt sich Crash hier nicht beschleunigen.

Anleitung für Speedrunner: 100 % oder any %?

An den Schienen und in den restlichen Leveln auch gibt es viele Gegenstände zu ergattern. Für einen 100-%-Speedrun oder in diesem Fall eher 106 %, also einen, in dem wir sämtliche Sammelobjekte gefunden und eingesackt haben, müssen wir uns hier ziemlich anstrengen. Dafür werden wir mit neuen Leveln belohnt, auch welche mit dem Titel ‚Flashback‘, die besonders schwierige Sprungpassagen bieten – welche Speedrunnerin könnte hier widerstehen? Zusätzlich gibt es neue Kostüme, die in einer geschickt gewählten Reihenfolge unseren Speedrun einzigartig machen können.

Für den ersten erfolgreichen Durchlauf durch die Level ist es allerdings nicht nötig, alles einzusammeln. So ist es kein Problem, wenn wir beim zwanzigsten, dreißigsten Versuch keine Motivation mehr haben, alle Kisten zu zerstören, alle Wumpa-Früchte zu sammeln, die sowohl wie Äpfel als auch wie Mangos aussehen, oder alle Gegner zu besiegen. Das wäre dann der any%-Run, in dem die Anzahl der gesammelten Gegenstände egal ist.

Anleitung für Speedrunner: Bonus-Herausforderungen

Es gibt neben den Bonus-Abschnitten in manchen Leveln zusätzlich noch diverses anderes in der Welt zu entdecken. Neue Level mit den Sondercharakteren, besonders schwierige Level mit besonders vielen Gelegenheiten zum Üben durch Wiederholung durch Tod. Und die Möglichkeit, jeden der 43 regulären Level innerhalb der zehn Welten im „N. verted Mode“ zu starten, wodurch der Level gespiegelt wird und neue Sammelobjekte präsentiert.

Für besonders aufwendige Speedrun-Herausforderungen eignen sich die Mehrspieler-Modi des Spiels. Der lokale Mehrspieler ordnet das Wechseln eines Controllers zwischen allen Mitspielerinnen an, wodurch beide selbstverständlich die hohe Kunst des Speedrunning lernen und beherrschen müssen. Gewechselt wird hier wahlweise bei den Checkpoints oder nach einem Charakter-Ableben. Für einen Wettstreit eignen sich hier die beiden Möglichkeiten ‚Checkpoint Race‘ und ‚Crate Combo‘, in der wahlweise die Zeit der anderen geschlagen werden muss oder mehr Punkte durch Sammeln erreicht werden müssen. All diese Möglichkeiten gibt es aber, ganz dem Vorbild der Vorgänger entsprechend, nur lokal vor einem Bildschirm.

Anleitung für einen Speedrunner: Handlung vernachlässigen

Für echte Speedrunner ist die Geschichte, die wunderbar deutsch vollvertont in schicken Zwischensequenzen erzählt wird, selbstverständlich belanglos und sollte möglichst schnell übersprungen werden. Auch der Hintergrund an sich, die Bedrohung der Welt durch ein Dimensionstor, das von Uka Uka und Neo Cortex, aus den Vorgängern bekannten Schurken geschaffen wurde, ist für das schnelle Durchspielen der Level natürlich ohne Belang.

Zusammengefasst lässt sich also sagen, dass es uns Crash Bandicoot 4 wirklich leicht macht, Speedrunning zu lernen, weil wir am laufenden Band sterben und meistens minutenlange Teile des Spiels wiederholt wiederholen müssen, um voranzukommen. Hier wäre es wirklich schade gewesen, direkt vor die Hindernisse zurückgesetzt zu werden, oder mehr als einen Versuch zu haben. Manchmal haben wir zwar ein Schutzschild, das uns eine Gegnerberührung überleben lässt, doch meist sind wir glücklicherweise in der Position, unser gerade gelerntes Können direkt in einer Wiederholung unter Beweis zu stellen. So wird’s gemacht!

Geschrieben von Arne Ruddat

Fazit:

Crash Bandicoot 4: It’s About Time ist mein erster Teil der Reihe. Ich hatte keine Playstation und habe keine Kindheit mit Freunden vor den Vorgängern verbracht, keine Controller abschnittsweise getauscht. Vor allem habe ich keine Stunden um Stunden damit verbracht, die bockschweren, schnellen Passagen der Vorgänger mit genau der richtigen Tastenkombination zu absolvieren. Hier macht Crash Bandicoot 4 der Trilogie alle Ehre, denn es ist ebenso unnachgiebig und ebenso schwierig zu bezwingen, dass es fast an Frustration reicht. Oft habe ich müde lachend vor dem Bildschirm gesessen, weil ich den nächsten Rücksetzpunkt oder das Ende des Levels direkt vor mir sehe, während ich sterbe. Das erscheint nicht mehr wirklich zeitgemäß, findet aber sicher seine Fans.