Hellpoint – TEST

Über ein halbes Jahr nach der Erstveröffentlichung haben Publisher TinyBuild und Entwicklerstudio Cradle Games den Titel Hellpoint für die Nintendo Switch veröffentlicht. Das Action-Rollenspiel vereint Soulslike-Gameplay mit einem Science-Fiction-Horror-Szenario, kann aber nicht die Brillianz der großen Vorbilder erreichen.


Seit From Software mit Demon’s Souls und den Dark-Souls-Spielen das danach benannte Soulslike-Genre geprägt haben, sind zahlreiche Spiele mit ähnlichem Gameplay erschienen. Das kanadische Entwicklerstudio Cradle Games hat sich für Hellpoint nicht nur von Dark Souls und Bloodborne, sondern auch von Dead Space und Alien beziehungsweise Hans Rudolf „HR“ Giger beeinflussen lassen. Als Abkömmling, den wir mangels Charaktereditor nicht selbst erstellen dürfen, erwachen wir zu Beginn von Hellpoint auf einer verlassen Raumstation, die sich um ein schwarzes Loch bewegt. Auf unserem Weg zum Architekten, dessen Auffinden unsere erste Aufgabe ist, begegnen wir recht bald altbekannten Untoten, die sich uns in anspruchsvollen Kämpfen entgegenstellen. So weit, so vertraut, kann Hellpoint allerdings nur in den wenigsten Disziplinen wirklich überzeugen.

Düstere Science-Fiction-Stimmung

Optisch kann Hellpoint mit einer düsteren und scheinbar heruntergekommenen Raumstation auf den ersten Blick durchaus unser Interesse wecken. Wir sind interessiert daran zu erfahren, was es mit uns auf sich hat. Auch das Schicksal der Station Irid Novo und was sich sonst alles hinter dieser verbirgt, übt einen gewissen Reiz aus. Leider überzeugt die Geschichte nicht sonderlich und verliert sich recht bald in einer kryptischen Erzählweise, die eindeutig von den From-Software-Spielen inspiriert ist, in diesen aber deutlich besser funktioniert.

Ähnliches gilt auch für die Atmosphäre, die im Gegensatz zu Bloodborne nur selten wirkliche Horrorstimmung aufkommen lässt. Zu verdanken ist das neben der grafisch eher durchschnittlichen Gestaltung und dem teils nervigen Sound auch dem uninspiriert wirkenden Gameplay. Sicher, die Kämpfe erinnern uns an Dark Souls und Co, fühlen sich aber einfach nicht gut an. Es liegt keine Wucht in unseren Schlägen und auch beim Einsatz der Schusswaffen fehlt es an spürbarem Rückstoß. Zusätzlich wiederholen wir viel zu schnell und viel zu oft immer gleiche oder ähnlich aussehende Abschnitte. Auf einer Raumstation mögen graue und triste Gänge dazu gehören, aber diese sehen teilweise so identisch aus, dass wir uns auch mangels Karte verlaufen. Da hilft auch die recht gut verzahnte Levelstruktur inklusive Abkürzungen wenig.

Einfallslos

Obwohl Szenario und Geschichte durchaus eigene Ansätze erahnen lassen, fühlt sich Hellpoint oft zu inspirationslos an. Die Kämpfe zeigen keine wirklich eigenen Ideen. Wir führen leichte und harte Schläge aus und müssen auf unsere Ausdauer achten. Gesammelte Axionen, das Pendant zu den Seelen aus Demon’s Souls, können wir an Rissen für Levelaufstiege in bekannte Statuswerte investieren. Dass es unterschiedliche Schadensarten gibt, hilft genauso wenig wie das durchaus gelungene Crafting und Ausrüstungssystem. Eine kleine Eigenheit präsentiert Hellpoint bei unserem Ableben: Wie bekannt verlieren wir unsere Axionen und müssen diese wieder einsammeln, allerdings wartet an unserem Todesort auch ein Geist von uns, der sofort angreift. Nett, aber auch nicht mehr.

Wie erwähnt, durchstreifen wir zudem immer ähnlich aussehende Gänge. An manchen Stellen zeigt Hellpoint jedoch, dass es auch anders geht. Hier wird das vorhandene Potenzial ausgespielt und sowohl Umgebungsdesign als auch Gegnergestaltung überzeugen. Leider kommt es viel zu selten zu solchen Situation. Selbst die wirklich schaurigen Bossgegner können nicht immer überzeugen. Das liegt allerdings vor allem an ihren entweder viel zu durchschaubaren oder viel zu wirren Verhaltensweisen. Beides macht wirklich strategisches Vorgehen zunichte.

Misslungene Ansätze

Als wäre das nicht genug, zerstören die Entwickler zwei ihrer besten Ideen mit misslungenem Spieldesign. Schon bei unseren ersten Schritten in Hellpoint fällt auf, dass wir wesentlich agiler, fast schon akrobatisch, unterwegs sind als in anderen Genre-Vertretern. Das ist auch notwendig, weil der Levelaufbau auch das vertikale Erkunden belohnt. Lifte, gestapelte Container und Vorsprünge laden dazu ein, alles genau zu untersuchen und gezielte Sprünge anzubringen. Mit Anlauf überqueren wir sogar Abgründe. Um so bedauerlicher ist, dass sich das viel zu schwammig spielt. Gerade in den teils riesigen Räumen kann das sogar noch nerviger sein, weil wir schon mit minimalem Misserfolg Schaden nehmen oder sogar in den Tod springen.

Ebenfalls interessant ist außerdem die sogenannte Hell Hour. Da sich die Raumstation stets um das schwarze Loch bewegt, wird sie gelegentlich von diesem beeinflusst. Neben Erschütterungen bedeutet das regelmäßig die erwähnte Höllenstunde. Zu diesem Zeitpunkt sind sonst verschlossene Areale erreichbar, was zu zusätzlichem Erkunden einlädt. Gleichzeitig tummeln sich dann aber auch besonders schwere Gegner auf Irid Novo. Diese sind sogar so stark, dass sie uns gerade zu Beginn mit einem Schlag besiegen. Das ist nicht anspruchsvoll, sondern oft einfach nur frustrierend und ärgerlich.

Zweisamer Schrecken

Wollen wir uns den Gefahren von Irid Novo nicht alleine stellen, können wir – vorausgesetzt wir haben bereits einen weiteren Charakter angelegt – Hellpoint auch im Splitscreen-Coop-Modus zu spielen. Alternativ können wir auch online gegen andere Spieler antreten. Beides sind nette Ergänzungen, die Hellpoint jedoch zu keinem besseren Spiel machen. Besonders, weil gelegentliche Ruckler und Framerate-Einbrüche auch alleine auftreten. Technisch überzeugt Hellpoint aber sowieso nicht. Unerklärliche Tode, weil Gegner durch Wände angreifen, eine eher karge Optik mit matschigen Texturen und lediglich ordentlichem und teilweise nervigem Sound unterstützen die Horrorstimmung wenig. Komplett misslungen ist Hellpoint zwar nicht, aber mehr als ein durchschnittliches Science-Fiction-Soulslike mit interessanten, aber ausbaufähigen Ansätzen wird auch nicht geboten.

Geschrieben von Alexander Geisler

Fazit:

Düstere Science-Fiction spricht mich schnell an und so hat Hellpoint mit wenigen Screenshots und einem Trailer fast sofort mein Interesse geweckt. Leider versagt das Soulslike in zu vielen Punkten. Misslungenes Spieldesign, eine schwammige Steuerung, uninspirierte Kämpfe, unfaire Abschnitte und eine zwar interessante, aber zu kryptische Story trüben die anfänglich durchaus positiven Eindrücke recht schnell. Letztlich ist Hellpoint der Versuch misslungen, sich an den großen Vorbildern von From Software zu orientieren. Überzeugte Soulslike-Fans, die unbedingt einen weiteren Genre-Vertreter auf der Switch suchen, können aber trotzdem einen Blick wagen. Immerhin funktioniert Hellpoint grundsätzlich, ist aber reichlich ideenlos und damit ein uninspirierter Genre-Vertreter.