Lou’s Lagoon – TEST
Ein Wasserflugzeug, ein Staubsauger und ein verschwundener Onkel: Mehr braucht Lou’s Lagoon nicht für ein charmantes Inselabenteuer auf Nintendo Switch und Switch 2. Ob unser Flug ins tropische Limbo-Archipel glatt verläuft oder in Turbulenzen gerät, lest ihr in unserem Test.
Hinter Lou’s Lagoon steckt das Hamburger Studio Tiny Roar, das mit Into the Emberlands bereits ein gemütliches Erkundungsspiel abgeliefert hat. Als Publisher fungieren Megabit Publishing und rokaplay. Erschienen ist das Spiel am 27. August 2026, für die Switch 2 als eigene Nintendo Switch 2 Edition. Wer in den Neunzigern Käpt’n Balu und seine tollkühne Crew geguckt hat, erkennt die Vorlage sofort: Das Team nennt die Zeichentrickserie ganz offen als Inspiration. Spielerisch landen wir irgendwo zwischen Animal Crossing: New Horizons und Disney Dreamlight Valley. Wir sammeln, bauen, dekorieren und helfen, ganz ohne Zeitdruck und ohne Lebensleiste.

Onkel Lous Erbe
Nach einem schweren Sturm liegt das Limbo-Archipel in Trümmern, und überall ist Schrott verstreut. Und Namensgeber Onkel Lou? Von dem fehlt jede Spur. Kurzerhand übernehmen wir seinen Lieferservice samt Wasserflugzeug und beliefern die Inselbewohnerinnen und -bewohner. Erzählerisch bleibt das geradlinig: Wiederaufbau und Familiengeheimnis statt großer Wendungen. Charmant, aber keine Offenbarung. Im Charakter-Editor toben wir uns mit reichlich Frisuren, Kleidung und Accessoires aus. Schön finden wir, dass unsere Spielfigur androgyn angelegt ist und dass wir sie wahlweise mit einer helleren oder dunkleren Stimmfarbe versehen können. Damit bricht Lou’s Lagoon ganz nebenbei aus dem üblichen binären Geschlechterdenken aus.

Unser Wasserflugzeug, das wir nach kurzer Inselphase freischalten, steuert sich angenehm und lässt sich mit Lackierungen und Teilen anpassen. Ring-Herausforderungen und treibende Kisten lockern die Lieferflüge auf. Im Mittelpunkt steht aber der Swirler. Er funktioniert wie ein Staubsauger, und Luigi’s Mansion stand hier ganz offensichtlich Pate: Statt Geistern landen bei uns Schrott, Pflanzen und Materialien im Sauger. Im Laufe des Spiels wächst das Gerät zum Schweizer Taschenmesser heran: Angelrute, Gleiter, Metalldetektor und Baumodus kommen hinzu. Wir fangen Fische, spüren Vergrabenes auf und erreichen Stellen, die vorher außer Reichweite lagen.

Sammeln, bauen, warten
Gesammelte Rohstoffe wandern in eine Recyclingstation und dann in den Fabrikator, der daraus Waren und Baumaterial herstellt. Allerdings fertigt der Fabrikator immer nur ein Stück auf einmal. Bei größeren Aufträgen stehen wir also daneben und warten. Und warten. Wie vor einem Toaster, der eine einzige Scheibe fasst. Dazu ist unser Inventar anfangs sehr knapp, und manche Materialien gibt es ausschließlich auf bestimmten Inseln. Also fliegen wir hin und her, her und hin, bis es leicht nach Grinding riecht. Erst die Sammeldrohnen, die wir später freischalten, nehmen uns einen guten Teil dieser Arbeit ab.

Parallel bauen wir die Inselgemeinschaften wieder auf. Das öffnet neue Wege und Läden, fühlt sich aber nicht immer so belohnend an, wie wir es uns nach all dem Sammeln wünschen würden. Auf der Heimatinsel wartet zudem ein begrenzter Bauplatz auf unsere eigene Strandhütte: Mit Möbeln und Deko richten wir uns einen Rückzugsort zwischen zwei Lieferflügen ein. Wer in Animal Crossing ganze Inseln umgestaltet hat, stößt hier schnell an Grenzen. Langweilig wird uns trotzdem nicht, denn Nebenquests, Schatztruhen und Sammelziele locken uns immer wieder abseits der Hauptgeschichte quer über das Archipel. Nach dem Abspann dürfen wir zwar weiterspielen, neue Ziele oder Belohnungen warten dann aber kaum noch.

Knuffig, aber unrund
Jede Insel hat ihre eigene Landschaft und ihre eigenen tierartigen Bewohner, von Eulenbär-Dörflern über Pilzkorallen bis zu Steingremlins. Optisch ist das hübsch: Lou’s Lagoon setzt auf eine bunte Pixar-Ästhetik, die Cel-Shading und realistische Beleuchtung kombiniert. Nicht alle Inseln hinterlassen allerdings gleich viel Eindruck. Eine Sprachausgabe gibt es nicht, die Musik bleibt unauffällig. Weniger knuffig sind die leichten Kampfeinlagen mit Piraten, die sich in der ansonsten recht friedlichen Inselwelt wie ein Fremdkörper anfühlen. Auch das Platforming wirkt etwas ungenau, weil Kamera und Kollisionsabfrage nicht immer zusammenpassen.

Am meisten ärgert uns aber die Technik. Auf der Switch 2 hat Lou’s Lagoon regelmäßig mit Rucklern zu kämpfen, gedockt genauso wie im Handheld-Modus. Ladezeiten zwischen den Inseln unterbrechen zusätzlich den Spielfluss. Und das Kuriosum: Sogar die Animationen auf den Ladebildschirmen laufen beeindruckend unrund. In manchen Gesprächen zeigt das Spiel zudem die Figuren unscharf und den Hintergrund scharf, bis die Darstellung nach einigen Textfeldern plötzlich umspringt. Manche Tests berichten außerdem von Abstürzen. Die konnten wir jedoch nicht feststellen. Dabei verspricht die Switch 2 Edition ausdrücklich eine bessere Leistung als die Fassung für die erste Switch. Wir hoffen sehr, dass Tiny Roar mit Updates nachlegt.
Geschrieben von Arne Ruddat
Fazit:
Cozy Games und ich, ne? Mal so, mal so. Animal Crossing: New Horizons hat mich sehr lange begleitet, doch von solchen Welten falle ich häufig ab, ohne es zu merken. Schon im Charakter-Editor zeigt sich, wie inklusiv Lou’s Lagoon ist. Im Kern ist es ein schönes Ressourcen-Sammel- und Auftrags-Abenteuer, knuffig von vorn bis in die letzte Koralle. Umso mehr bedauere ich, dass es durch sein Ruckeln so viel an Geschmeidigkeit verliert. Zusammen mit dem Fabrikator im Schneckentempo, reichlich Pendelei und Kämpfen, die wie ein Fremdkörper wirken, dämpft das mein Gesamtbild eines eigentlich liebenswerten Spiels. Wer Animal Crossing mag und über technische Holpersteine hinwegsehen kann, findet hier trotzdem einen gemütlichen Inselurlaub. Bis Onkel Lous Wasserflugzeug ohne Turbulenzen abhebt, braucht es aber noch deutlichen Feinschliff. Ach so: Die Geschichte von Lou’s Lagoon bleibt dabei ein charmanter Rahmen, letztlich aber vor allem ein netter Vorwand für den nächsten Lieferflug.







