Keep Driving – TEST

Ein eigenes Auto, ein langer Sommer und dazu noch ein Festival am anderen Ende des Landes. Was klingt wie der Beginn eines klassischen Roadmovies, wird in Keep Driving zu einem ungewöhnlichen Rollenspiel, in dem uns nicht nur die Frage herum treibt, welche Route wir nehmen sollen, sondern auch, ob unser Geld für die nächste Tankfüllung noch reicht.


Auf unserer Reise erwarten uns nicht nur schöne Landschaften und interessante Bekanntschaften, sondern auch liegengebliebene Autos, langsame Traktoren und jede Menge andere Probleme. Das schwedische Entwicklerstudio YCJY Games schickt uns mit Keep Driving auf einen Roadtrip, der uns in die frühen 2000er-Jahre zurückversetzt. Dabei verzichtet das Spiel auf rasante Rennen und spektakuläre Verfolgungsjagden und setzt stattdessen auf strategische Entscheidungen und Ressourcenmanagement. Eine ordentliche Portion Nostalgie darf dabei auch nicht fehlen, doch kann dieses ungewöhnliche Konzept auch auf der Nintendo Switch überzeugen, oder bleibt uns am Ende nur der Blick auf die nächste Tankstelle?

Ein Roadtrip, der selten nach Plan verläuft

Die Geschichte von Keep Driving ist schnell erzählt: Wir haben unser erstes Auto gekauft, befinden uns in den frühen 2000er-Jahren und erfahren durch einen Brief von einem Festival, dass auf der anderen Seite des Landes stattfindet. Also packen wir unsere Sachen, steigen in unser Gefährt und machen uns auf den Weg. Was wir unterwegs alles erleben werden, liegt allerdings ganz bei uns, denn Keep Driving ist kein klassisches Rennspiel, bei dem wir möglichst schnell von A nach B kommen müssen. Vielmehr handelt es sich um ein Management-Rollenspiel, das uns die kleinen und großen Herausforderungen einer längeren Autofahrt näherbringen möchte.

Dabei ist die Reise keineswegs immer so geradlinig, wie wir es uns vielleicht wünschen würden. Auf der generierten Landkarte entscheiden wir selbst, welche Orte wir ansteuern und welche Strecken wir dafür in Kauf nehmen. Mal führt uns der Weg über eine gut ausgebaute Straße, ein anderes Mal müssen wir uns mit abgelegenen Landstraßen zufriedengeben. Natürlich können wir unterwegs auch einmal falsch abbiegen oder uns für einen Umweg entscheiden, der sich später als weniger sinnvoll herausstellt. Das Spiel versteht es dabei erstaunlich gut, aus eigentlich alltäglichen Situationen kleine Geschichten zu machen. Wir treffen dabei immer wieder auf fremde Menschen, müssen spontane Entscheidungen treffen und erleben Ereignisse, die unsere Reise in eine völlig andere Richtung lenken können. Dabei geht es nicht immer darum, das eigentliche Ziel möglichst schnell zu erreichen. Manchmal ist es sinnvoller, einen Abstecher zu machen oder sich erst einmal um die eigenen Bedürfnisse zu kümmern, denn obwohl wir jung sind und den ganzen Sommer vor uns haben, sind unsere Ressourcen keineswegs unendlich.

Ressourcenmanagement statt Vollgas

Wer bei Keep Driving an ein klassisches Fahrspiel denkt, dürfte zunächst etwas überrascht sein. Unser Auto steuern wir nicht selbst. Stattdessen sehen wir es aus der Seitenansicht über die Straßen fahren, während die Landschaft im Hintergrund an uns vorbeizieht. Unsere eigentliche Aufgabe besteht nun darin, die Reise zu planen und dafür zu sorgen, dass uns unterwegs nicht die Mittel ausgehen, die wir benötigen. Dabei spielen gleich mehrere Faktoren eine wichtige Rolle. Wir müssen unseren Tank im Auge behalten, auf den Zustand des Fahrzeugs achten und ebenso dafür sorgen, dass unsere Spielfigur ausreichend Energie hat, denn Hunger und Müdigkeit können uns zu schaffen machen. Wenn wir zu lange unterwegs sind, ohne sich um diese Bedürfnisse zu kümmern, werden wir früher oder später mit den Konsequenzen leben müssen.

Zum Glück gibt es entlang unserer Route zahlreiche Möglichkeiten, uns auf die nächste Etappe vorzubereiten. An Tankstellen können wir neue Vorräte kaufen und in Werkstätten lassen sich Schäden reparieren und unser Auto kann mit verschiedenen Verbesserungen ausgestattet werden. Darüber hinaus können wir an bestimmten Orten Arbeiten verrichten, um unser knappes Budget aufzubessern. Das kostet allerdings Zeit, die uns an anderer Stelle fehlen kann – und genau hier liegt der Reiz des Spiels. Jede Entscheidung hat ihre Vor- und Nachteile, und nicht immer lässt sich im Voraus abschätzen, welche Folgen eine bestimmte Handlung haben wird. Geben wir unser Geld lieber für eine Reparatur aus oder riskieren wir, dass das Auto noch ein Stück durchhält? Nehmen wir einen längeren Umweg in Kauf, um an einem bestimmten Ort vorbeizukommen, oder bleiben wir auf unserer ursprünglichen Route? Und lohnt es sich wirklich, für ein paar zusätzliche Einnahmen einen weiteren Job anzunehmen, wenn wir eigentlich längst unterwegs sein sollten?

Diese Fragen sorgen dafür, dass wir unsere Reise ständig neu bewerten müssen. Dabei ist Keep Driving kein besonders hektisches Spiel. Vielmehr verlangt es von uns, einen Schritt vorauszudenken und auch einmal mit den Konsequenzen einer weniger guten Entscheidung zu leben. Das kann durchaus motivierend sein, setzt allerdings voraus, dass wir uns auf die verschiedenen Systeme einlassen möchten. Daher müssen wir immer die heiligen drei Dinge im Auge behalten: Geld, Energie (unsere eigene und die des Fahrzeuges) und die Uhrzeit.

Traktoren, Pannen und andere Hindernisse

Ein ganz besonderer Bestandteil, des ungewöhnlichen Gameplays, sind die Begegnungen, die uns während der Fahrt erwarten. Obwohl wir unser Auto nicht direkt steuern, bleibt die Straße keineswegs ereignislos. Immer wieder tauchen Hindernisse und Situationen auf, bei denen wir selbst aufmerksam sein und eingreifen müssen. Dazu gehören beispielsweise langsame Traktoren, Verkehrskontrollen oder andere Fahrzeuge und auch Tierherden, die uns die Weiterfahrt erschweren. Diese Situationen funktionieren nach einem rundenbasierten System, das sich in gewisser Weise wie ein kleiner Kampf spielt. Dabei werden die jeweiligen Probleme durch Symbole dargestellt, auf die wir mit passenden Fähigkeiten und Gegenständen reagieren müssen. Je nachdem, welche Möglichkeiten uns zur Verfügung stehen, können wir eine Situation auf unterschiedliche Weise lösen.

Hier kommen unser Inventar und die erlernbaren Fähigkeiten unserer Figur ins Spiel. Wir können Gegenstände mitführen, die uns in bestimmten Situationen helfen, und müssen uns überlegen, welche davon wir tatsächlich benötigen. Schließlich ist der Platz begrenzt. Was zunächst nach einer simplen Verwaltungsaufgabe klingt, kann sich im Laufe der Reise zu einer durchaus kniffligen Angelegenheit entwickeln, denn wenn wir ein Hindernis nicht vernünftig überwinden, müssen wir mit den Folgen leben. Das kann sich negativ auf unsere Energie auswirken oder Schäden am Auto verursachen. Wer glaubt, solche Probleme einfach ignorieren zu können, wird spätestens dann eines Besseren belehrt, wenn der Wagen endgültig den Geist aufgibt und wir auf einen Abschleppdienst angewiesen sind. Das kostet natürlich Geld, das wir an anderer Stelle vielleicht dringender benötigen würden.

Das System ist durchaus kreativ. Wir müssen die Faktoren wie Autoschäden und Geld berücksichtigen. Unsere Aktionen müssen zu den Gefahren passen, die uns im Autoradio angezeigt werden. Nach dem Einsetzen einer Fähigkeit, kommt die Schadensrunde. Wo wir Schäden erleiden, wird dabei durch ein Blitzsymbol angezeigt. Hier sollten wir immer versuchen, mit den Fähigkeiten die potenziellen Schäden zu erst zu beseitigen. Das alles passt gut zum restlichen Spiel, allerdings kann es sich mit der Zeit auch etwas wiederholen. Gerade wenn wir bereits mehrere ähnliche Situationen erlebt haben, verlieren manche Begegnungen ihren Überraschungseffekt. Hinzu kommt, dass nicht immer alle Entscheidungen gleich nachvollziehbar sind und der Zufall gelegentlich stärker ins Geschehen eingreift, als uns lieb sein dürfte.

Anhalter, Bekanntschaften und kleine Geschichten

Neben den mechanischen Herausforderungen sind es aber vor allem die Menschen, die wir unterwegs treffen, die Keep Driving seinen besonderen Charakter verleihen. Immer wieder begegnen wir Anhaltern, die wir in unserem Auto mitnehmen können, wenn wir es wollen. Dabei handelt es sich keineswegs nur um zusätzliche Figuren, die uns Gesellschaft leisten sollen, sondern vielmehr bringen sie eigene Geschichten, Persönlichkeiten und Fähigkeiten mit, die unsere Reise beeinflussen können. Einige dieser Mitfahrer unterstützen uns bei den Herausforderungen, die auf der Straße auf uns warten, andere wiederum bringen uns mit Situationen in Kontakt, die wir ohne sie vielleicht nie erlebt hätten. Dadurch fühlt sich jede Reise ein wenig anders an, selbst wenn wir bestimmte Orte oder Ereignisse bereits kennen.

Besonders schön ist dabei, dass Keep Driving nicht versucht, jede Begegnung zu einem großen dramatischen Moment aufzublasen. Manchmal sind es die kleinen Gespräche und beiläufigen Erlebnisse, die uns in Erinnerung bleiben. Zum Beispiel, wenn wir einen Anhalter mit Autopanne dabei helfen, in der nächsten Stadt einen Termin beim Arbeitsamt wahrnehmen zu können. Schließlich besteht ein echter Roadtrip nicht nur aus dem Ziel, sondern auch aus den Menschen, die uns auf dem Weg dorthin begegnen. Der Weg ist das eigentliche Ziel, wie es so schön heißt. Gleichzeitig sorgen die Mitfahrer dafür, dass unsere Entscheidungen nicht ausschließlich auf Zahlen und Ressourcen reduziert werden. Wir müssen überlegen, wen wir mitnehmen, wie wir mit bestimmten Situationen umgehen und welche Konsequenzen sich daraus ergeben könnten, denn selbst die Sitzplätze sind in unserem Fahrzeug begrenzt. Das verleiht dem Spiel eine erzählerische Ebene, die gut zum ruhigen Grundton passt.

Ein Auto mit Charakter

Unser Fahrzeug ist in Keep Driving weit mehr als nur ein schnödes Mittel zum Zweck. Es begleitet uns über die gesamte Reise hinweg und muss von uns – beziehungsweise einer Werkstatt – entsprechend gepflegt werden. Schäden, Verschleiß und fehlende Verbesserungen können uns das Leben schwer machen, weshalb wir regelmäßig einen Blick auf den Zustand unseres Wagens werfen müssen. In besagten Werkstätten können wir Reparaturen durchführen lassen und verschiedene Komponenten wie Reifen oder Bremsen verbessern. Darüber hinaus dürfen wir unser Auto auch optisch anpassen. Das ist zwar kein besonders umfangreiches Tuning-System, passt aber gut zum Grundgedanken des Spiels. Schließlich geht es nicht darum, den schnellsten Wagen auf der Straße zu besitzen, sondern mit dem eigenen Gefährt irgendwie ans Ziel zu kommen.

Dabei entsteht mit der Zeit durchaus eine gewisse Bindung zu unserem Auto. Was zu Beginn vielleicht noch ein einfaches Fortbewegungsmittel ist, wird im Laufe der Reise zu einem wichtigen Bestandteil unseres Abenteuers. Was in anderen Spielen ein treues Reittier ist, ist hier eben unser treuer Mustang. Jeder überstandene Zwischenfall und jede erfolgreiche Reparatur gehören zu unserer ganz persönlichen Geschichte. Allerdings kann das Management auch hier etwas anstrengend werden. Wir müssen ständig abwägen, welche Ausgaben sinnvoll sind und welche wir uns lieber sparen sollten. Wer zu großzügig mit seinem Geld umgeht, kann sich später in einer unangenehmen Situation wiederfinden. Und wer zu sehr auf Sparsamkeit setzt, riskiert, dass aus einer kleinen Panne ein deutlich größeres Problem wird. Zum Glück können wir auf oft genug bei Fahrzeugen am Straßenrand Ersatzteile oder auch Verpflegung einsacken.

Pixel-Art und eine Reise durch die Landschaft

Optisch setzt Keep Driving auf eine bewusst einfache, aber derzeit im Indipendent-Bereich sehr beliebte Pixel-Art-Grafik. Das Geschehen wird überwiegend in einer zweidimensionalen Seitenansicht dargestellt, während die Landschaften an uns vorbeiziehen. Dabei setzt das Spiel weniger auf technische Effekte als vielmehr auf eine stimmungsvolle Gestaltung, die hervorragend zum nostalgischen Setting der frühen 2000er-Jahre passt. Die einzelnen Umgebungen sind liebevoll gestaltet und vermitteln das Gefühl, tatsächlich unterwegs zu sein. Mal fahren wir durch ruhige ländliche Gegenden, ein anderes Mal führen uns unsere Wege über größere Straßen oder durch besiedelte Gebiete. Dabei sind es gerade die kleinen Details und die vorbeiziehenden Landschaften, die der Reise ihren Charme verleihen. Selbst die Nachtfahren versprühen hier einen ganz besonderen Charme.

Natürlich dürfen wir hier keine grafischen Wunder erwarten. Keep Driving möchte weder mit aufwendigen Animationen noch mit einer besonders detaillierten Spielwelt beeindrucken. Stattdessen nutzt es seinen Pixel-Look gezielt, um eine ganz bestimmte Atmosphäre zu erzeugen – und das funktioniert erstaunlich gut. Gerade weil wir viel von unserer Zeit auf der Straße verbringen, ist die Gestaltung der Umgebung extrem wichtig. Würden wir ständig auf dieselben eintönigen Hintergründe blicken, könnte unsere Reise schnell langweilig werden. Zwar wiederholen sich bestimmte Landschaften und Situationen, doch die verschiedenen Orte sorgen für ausreichend Abwechslung, um das Gefühl einer längeren Fahrt aufrechtzuerhalten. Wer im echten Leben viel Autofahrt, hat auch hin und wieder ähnliche Ansichten zu seinen Seiten.

Der passende Soundtrack für eine lange Fahrt

Was wäre ein echter Roadtrip ohne die passende Musik? Richtig: vollkommen langweilig. Schließlich gehört es für viele Menschen einfach dazu, während einer längeren Autofahrt das Radio einzuschalten und sich von den Liedern begleiten zu lassen. Genau dieses Gefühl möchte Keep Driving einfangen, und der Soundtrack ist dabei ein wichtiger Bestandteil des gesamten Spielerlebnisses. Musikalisch setzt das Spiel auf Indie-Bands, die hervorragend zum nostalgischen Setting passen. Dabei reicht die Auswahl von ruhigeren Stücken bis hin zu etwas flotteren Alternative- und Pop-Rock-Titeln. Der Soundtrack wirkt bewusst weniger glattpoliert als die Musik, die wir aus großen Produktionen kennen. Stattdessen vermittelt er das Gefühl, eine selbst zusammengestellte CD im Autoradio liegen zu haben, die man während eines Sommers immer wieder hört.

Passend dazu können wir unterwegs neue Musikstücke sammeln und unsere eigene Playlist erweitern. So wächst die musikalische Auswahl im Laufe unserer Reise, und wir können selbst entscheiden, welche Lieder uns auf den nächsten Etappen begleiten sollen. Das passt nicht nur hervorragend zum Setting der frühen 2000er-Jahre, sondern verstärkt auch das Gefühl, dass wir tatsächlich mit unserem eigenen Auto unterwegs sind. Besonders gelungen ist dabei, dass sich die Musik nicht ständig in den Vordergrund drängt. Sie macht genau das, was sie soll: sie begleitet die Fahrt, ohne von den eigentlichen Spielmechaniken abzulenken. Während wir über die nächste Route nachdenken, unsere Vorräte überprüfen oder einfach nur die vorbeiziehende Landschaft betrachten, sorgt der Soundtrack für die passende Stimmung.

Natürlich ist die musikalische Auswahl Geschmacksache. Wer mit Indie-Musik und Alternative Rock wenig anfangen kann, wird hier vermutlich nicht jedes Lied lieben. Dennoch fügt sich die Musik sehr gut in das Gesamtbild ein und gehört zu den Elementen, die Keep Driving von einem gewöhnlichen Management-Spiel abheben. Auch die übrige Geräuschkulisse bleibt eher zurückhaltend. Das Spiel setzt nicht auf spektakuläre Soundeffekte oder eine besonders aufwendige akustische Inszenierung. Stattdessen unterstützt der Sound das Geschehen, ohne sich euch dabei unnötig aufzudrängen. Für ein Spiel, dessen größte Stärke in seiner Atmosphäre liegt, ist das die einzig richtige Entscheidung.

Wiederspielwert mit kleinere Schwächen

Eine einzelne Reise dauert je nach Verlauf und gewähltem Ende ungefähr ein bis vier Stunden. Damit ist Keep Driving kein besonders langes Spiel, zumindest wenn wir uns ausschließlich auf einen Durchgang konzentrieren. Der eigentliche Umfang ergibt sich vielmehr daraus, dass wir nach einer beendeten Reise erneut starten und andere Entscheidungen ausprobieren können. Durch die immer neu generierte Karte, die unterschiedlichen Begegnungen und die verschiedenen möglichen Enden gibt es durchaus Gründe, sich ein weiteres Mal auf den Weg zu machen. Vielleicht wählen wir eine andere Route, nehmen andere Mitfahrer mit oder konzentrieren uns stärker auf bestimmte Ereignisse. Dadurch können sich unsere Reisen spürbar voneinander unterscheiden, zumal uns im weiteren Spieldurchgängen auch andere Fahrzeuge mit anderen Werten zur Verfügung stehen.

Allerdings stößt auch dieses Konzept irgendwann an seine Grenzen. Viele der grundlegenden Herausforderungen bleiben gleich, und wer bereits mehrere Durchgänge absolviert hat, wird bestimmte Situationen schnell wieder erkennen. Die anfangs spannende Mischung aus Ressourcenmanagement und zufälligen Ereignissen kann dadurch mit der Zeit etwas von ihrem Reiz verlieren. Hinzu kommt der vergleichsweise langsame Einstieg. Keep Driving erklärt seine verschiedenen Systeme nicht immer so ausführlich, wie es gerade am Anfang hilfreich wäre. Wer sich mit den Zusammenhängen zwischen Geld, Energie, Fahrzeugzustand und Reiseplanung noch nicht auskennt, muss zunächst einiges ausprobieren. Das gehört zwar teilweise zum Spielkonzept, kann aber auch frustrierend sein. Dafür belohnt uns das Spiel mit einer ungewöhnlichen Mischung aus Strategie, kleinen Geschichten und entspannter Roadtrip-Atmosphäre. Wer sich darauf einlässt, entdeckt nach und nach, wie die verschiedenen Mechaniken ineinandergreifen und warum es manchmal sinnvoller ist, einen Umweg zu nehmen, als stur am ursprünglichen Plan festzuhalten. In diesem Sinne: Gang einlegen, CD in den Player schieben und… keep driving!

Geschrieben von Kim Kaiser

Fazit:

Kim Kaiser

Als jemand, der seinen Führerschein Anfang der 2000er gemacht hat und selbst von Festival zu Festival gefahren ist, habe ich einen großen Gefallen an Keep Driving gefunden. Anhalter mitnehmen ist für mich dabei ebenso wenig fremd, wie eine Tierherde, die meine Straße kreuzt oder eben ein langsamer Traktor. Dazu kommt meine Vorliebe für den Pixel-Artstyle, Indiegames und einen gut gewählten Soundtrack. Keep Driving bietet mir alles, was mein Herz höher schlagen lässt und lädt mich immer wieder zu einer neuen Runde ein. Ein Spiel muss nicht immer eine bombastische Grafik oder mitreißende Story besitzen. Oft sind es die kleinen Dinge, die am Ende zu etwas Großem werden können. Genau das passiert auch fast hier. Etwas mehr Story und Abwechslung in den Ereignissen hätten dem Spiel noch gut getan. Dennoch, lasst euch einfach mal darauf ein, wenn ihr mit dieser Art von Gameplay umgehen könnt und mal ein Spiel haben wollt, das mitunter auch etwas ruhiger abläuft und euch nicht permanent an der Hand nimmt.