Eine Kamera an der Switch 2 – Lohnt sich das? – SPECIAL

Mit der Nintendo Switch 2 hat Nintendo die Kamera zurück ins eigene Ökosystem geholt, als optionales USB-C-Zubehör für GameChat und eine wachsende Zahl von Spielen. Ein Jahr nach dem Launch ziehen wir Bilanz: Welche Titel nutzen die Linse wirklich gut? Eine Bestandsaufnahme mit den besten Kamera-Spielen, einem kurzen Für und Wider und einer Empfehlung, die davon abhängt, wie ihr spielt.


Seit dem Start der Nintendo Switch 2 vor genau einem Jahr steht im Zubehörregal eine stille Frage: Braucht unsere Hybrid-Konsole wirklich eine Kamera? Nach der Game Boy Camera, DSi und 3DS kehrt die Linse jedenfalls ins Nintendo-Universum zurück, diesmal als optionales Zubehör statt fest verbaut. Die Konsole gibt sich dabei erfreulich offen: Grundsätzlich versteht sich die Switch 2 mit handelsüblichen USB-C-Kameras, ein Kompatibilitätstest wartet direkt in den Systemeinstellungen. Niemand muss also zu einem bestimmten Modell greifen. Zeit für einen Überblick, welche Spiele sich das Kamera-Auge nach zwölf Monaten wirklich verdient haben.

Wer dennoch passend zur Konsole einkaufen will, hat seit Start der Konsole zwei eigens dafür entwickelte Modelle zur Auswahl. Nintendos eigene Switch-2-Kamera glänzt mit Full-HD-Auflösung, einem lichtempfindlichen Sensor und vor allem einem weiten Bildwinkel von rund 110 Grad. Damit passt die komplette Couch ins Bild, nicht nur eine Person in der Mitte. Horis Piranha-Pflanzen-Kamera wiederum, bei uns liebevoll nur „die Piranha-Pflanze“ genannt, wächst aus ihrem Röhren-Topf, als wäre sie frisch aus dem Pilz-Königreich verpflanzt, und macht auf dem Schreibtisch schon im ausgeschalteten Zustand gute Laune. Ihre bescheidene VGA-Auflösung reicht für die kleinen Gesichts-Porträts im Spiel locker aus. Der Clou: Sie lässt sich aus ihrem Topf pflücken und ohne Kabelwust oben in die Switch 2 stecken. Mit gleicher Technik bietet Hori zudem seit jüngstem eine kompakte schwarze Kamera an.

Für und Wider in Kürze

Womit wir bei der Grundsatzfrage wären. Für die Kamera spricht ein einziger Moment: das erste Mal, wenn ein echtes, lachendes Gesicht über einem Kart durch den Staub fliegt. Schadenfreude, Entsetzen und Jubel landen mitten im Spiel statt nur daneben auf der Couch. Dagegen sprechen die Anschaffungskosten für ein Zubehör, das viele Spiele schlicht ignorieren, und der Umstand, dass GameChat seit April 2026 ein Nintendo Switch Online-Abo voraussetzt. Wen die Linse im Wohnzimmer grundsätzlich stört, den überzeugt ohnehin kein Argument; Nintendo und Hori wissen das und spendieren den eigenenen Modellen einen Sichtschutzverschluss. Für alle anderen folgt jetzt der Kern dieser Bestandsaufnahme: die Spiele, in denen sich die Kamera wirklich lohnt.

Mario Kart World

Mario Kart World macht mit CameraPlay vor, wie beiläufig Kamera-Integration sein kann. Einmal eingerichtet, schwebt unser Gesicht als kleines Porträt über dem eigenen Kart, wahlweise freigestellt ohne Hintergrund. Lokal reicht eine einzige Kamera für bis zu vier Gesichter, online dürfen bis zu acht Gesichter aus vier Konsolen gleichzeitig durchs Rennen fliegen. Gerade auf der Couch entsteht so eine zweite Ebene aus Spott und Jubel, die kein Voice-Chat ersetzt.

Super Mario Party Jamboree

Super Mario Party Jamboree – Nintendo Switch 2 Edition + Jamboree TV geht einen Schritt weiter und macht die Kamera selbst zum Spielgerät. Im Modus Bowser Live treten zwei Teams vor laufender Show an, während die Linse unsere Köpfe und Bewegungen erfasst: Wir stapeln Gumbas auf unseren Köpfen, weichen mit dem ganzen Oberkörper Hindernissen aus und liefern zum Abschluss eine Performance ab, die Bowser gnädig stimmen soll. Alberner wird Kamera-Einsatz auf der Switch 2 nirgends, und genau das ist hier als Kompliment gemeint.

Animal Crossing: New Horizons

Animal Crossing: New Horizons – Nintendo Switch 2 Edition holt die Kamera seit Januar 2026 auf die Insel. Besuchen wir uns online gegenseitig, schweben die Gesichter aller Beteiligten über ihren Inselbewohnerinnen und Inselbewohnern, vorausgesetzt, die Runde trifft sich in einem GameChat-Raum. Gerade hier entfaltet das Feature seinen Charme: Inselführungen, gemeinsames Sternschnuppen-Schauen oder schlichtes Beisammensein fühlen sich mit echten Gesichtern deutlich persönlicher an. Wer New Horizons ohnehin wieder ausgegraben hat, bekommt mit der Kamera das fehlende Stück Geselligkeit dazu.

Goodnight Universe

Goodnight Universe schlägt den ungewöhnlichsten Weg ein und macht unser Gesicht gleich zum Controller. In dem Erzähl-Abenteuer steuern wir Isaac, ein sechs Monate altes Baby mit übersinnlichen Kräften, seit einem Update im Februar 2026 wahlweise komplett über die Kamera. Blinzeln, Lächeln und Stirnrunzeln lösen Isaacs Fähigkeiten aus, während die Linse unsere Augen verfolgt. Als einziges Spiel dieser Liste zeigt der Titel damit, was jenseits von Gesichts-Porträts möglich wäre: Kamera als Eingabegerät statt als Spiegel. Genau in diese Richtung darf es gern weitergehen.

Kurz notiert: Overcooked, Puyo Puyo und Co.

Vergleichbar ähnlich fällt der Kamera-Einsatz bei einigen weiteren Titeln aus, weshalb wir sie bündeln. Overcooked! 2 – Nintendo Switch 2 Edition blendet die Gesichter aller Köchinnen und Köche über ihren Spielfiguren ein, was das Küchenchaos noch einmal menschlicher macht. Puyo Puyo Tetris 2S ersetzt auf Wunsch das Charakter-Porträt im Duell durch unser Live-Gesicht, inklusive ehrlicher Verzweiflung beim Blick auf den wachsenden Puyo-Berg. Overcooked und Puyo Puyo werden mit Kamera schlicht geselliger; das Lagerfeuer-Kuriosum Chillin‘ by the Fire kommt ohne sie für gemeinsame Runden gar nicht erst in Fahrt.

GameChat – auch ganz ohne Spiel

GameChat funktioniert ebenso ohne laufendes Spiel. Ein Druck auf die C-Taste genügt, und die Switch 2 wird zum Videotelefon: bis zu zwölf Personen in einer Lobby, das eigene Gesicht wahlweise freigestellt, fokussiert oder im Vollbild. Wer mag, teilt zusätzlich den eigenen Bildschirm. Für verabredete Spieleabende über Distanz ist das Gold wert, etwa wenn die eine Hälfte der Runde Mario Kart fährt und die andere einfach nur zuschauen und lästern will.

Wünsche für die Zukunft

Bleibt der Blick nach vorn, und der ist auch nötig: Diese Liste fällt nach einem Jahr kürzer aus, als wir sie uns erhofft hätten. Auf unserer Wunschliste steht dennoch eine fest verbaute Kamera in einer künftigen Switch-2-Revision, wie DSi und 3DS sie selbstverständlich an Bord hatten: gern klein, gern mit physischem Schalter. Das würde die Akzeptanz erheblich erhöhen. Software-seitig liegt ebenfalls noch viel brach: Ein Fitness-Nachfolger im Geiste von Ring Fit Adventure könnte unsere Bewegungen direkt über die Linse erfassen, AR-Spielereien in der Tradition der 3DS-AR-Karten warten auf ihre Rückkehr, und ein WarioWare, das unsere Grimassen zum Spielelement erhebt, schreibt sich fast von selbst. Jetzt sind die Entwicklungsstudios – und Nintendo selbst – am Zug.

Fazit

Lohnt sich die Kamera an der Switch 2? Das liegt ganz daran, wie multiplayer-affin ihr seid, und ob ihr eines der genannten Spiele oder GameChat wirklich regelmäßig nutzt. Nach einem Jahr bin ich verhalten ernüchtert: Ohne Mario Kart World, Jamboree TV und Co. bleibt die Linse schlicht ein Staubfänger, denn darüber hinaus gibt die Spielebibliothek bislang wenig her. Hier dürfen Nintendo und die anderen Hersteller gern nachlegen, von Fitness bis WarioWare wäre Platz genug. In GameChat allein ist die Kamera sehr nützlich und bringt die Spielenden über das Internet angenehm nah zusammen. Bei mir haben daher gleich zwei Modelle einen festen Platz gefunden: Im Wohnzimmer steht die Nintendo-Kamera, deren weiter Bildwinkel seine Stärke vor allem ausspielt, sobald mehr als zwei Personen auf der Couch sitzen. Am Schreibtisch wacht derweil die Piranha-Pflanze über meine GameChat-Abende, und ihre geringe Auflösung verzeihe ich ihr gern, weil sie dort auch dekorativ meinen Monitor schmückt. Für GameChat sind beide absolut großartig. Wer überwiegend allein spielt und den Videochat selten öffnet, kann das Geld guten Gewissens in ein Spiel investieren. Allen anderen verspreche ich: Das erste, hoffentlich eigene, lachende Gesicht über dem eigenen Kart ist eine Anschaffung schon wert.