Candle: The Power of the Flame -  – TEST

Bezaubernde handgezeichnete Grafik, eine mysteriöse Naturwelt, eine umfassende Hintergrundgeschichte und stimmungsvolle Musik machen noch kein gutes Adventure. Candle: The Power of the Flame hat aber neben all diesem auch noch charmante Charaktere und knackige Rätsel zu bieten.


Im August 2013 wurde ein Kickstarter-Projekt namens Candle erfolgreich finanziert, in dem das spanische Entwicklerstudio Teku Studios ein Spiel zu entwickeln versprach, das ein dynamisches Grafikabenteuer werden sollte. Die Finanzierungsstufe für eine Wii-U-Umsetzung wurde damals nicht erreicht, doch die Teku Studios gaben dennoch an, für die Wii U zu entwickeln. Lange Zeit und viele Entwickler-Updates später wurde Candle: The Power of the Flame im November 2016 für den PC veröffentlicht, seit Juli 2018 können auch Switch-Spieler dieses Spiel erleben. Für die Wii U ist Candle hingegen nie erschienen. An der Entwicklung interessierte Leser finden dessen komplette Historie in den Updates bei Kickstarter.

Unterdrücker und Unterdrückte

Candle: The Power of the Flame bietet jedoch nicht nur außerhalb, sondern auch im Spiel selbst eine unterhaltsame Geschichte. In der Welt von Candle gibt es Götter, die diese Welt geschaffen haben. Darin wohnen Volksstämme, die alle ein Stück Holz als Maske tragen, mit Schamanen, die die Wünsche der Götter an ihr Volk bringen. Das können sie jedoch nicht allein, sie brauchen dafür die Hilfe von „Lichtträgern“. Manchmal, wenn eines der Wesen dieser Stämme geboren wird, erkennt der Schamane des Dorfes anhand einer Sternenbefragung, dass es ein Lichtträger wird, und dieses Kind bekommt dann eine Fackel statt einer linken Hand.

Natürlich ist nicht alles friedlich in der Welt von Candle, denn es gibt auch Stämme, die das Licht dazu nutzen, andere zu unterjochen. Diese bösen Wesen heißen Wakcha und eines Tages greifen sie gesammelt das Dorf unseres Helden Teku an, einem Lichtträger. Da ein Lichtträger immer auf seinen Schamanen aufpassen muss, wird Teku seine Aufgabe sofort klar, als er in einem leeren, brennenden Dorf aufwacht: Er muss seinen entführten Schamanen Yaqa suchen, finden und zurückbringen. Damit beginnt die Geschichte von Candle: Power of the Flame.

Das Spiel mit dem Feuer
Besagte Fackel am linken Arm von Teku ist die Besonderheit des Spiels und das Werkzeug für etliche Rätsel. Teku kann sie nicht überall entzünden, sondern braucht dafür eine Feuerquelle, kann sie aber zu jedem Zeitpunkt löschen. Letzteres ist manchmal unerwünscht, wenn wir etwa überraschend in Wasser fallen oder es regnet, manchmal aber auch nötig, denn ohne die Flamme sind wir weniger auffällig. Ein Kämpfer ist Teku nicht, doch Gefahren gibt es zuhauf. Manchen von denen, nämlich die Wakcha-Krieger, patrouillieren hier und da, und unsere beste Vorgehensweise ist meist, an ihnen vorbeizuschleichen oder sie in einen Abgrund zu schubsen. Während Teku gern einige Zeit im Wasser verbringt, sind die Wakcha-Krieger sofort des Todes, wenn sie hineinfallen.

Ertränken ist aber bei weitem nicht unsere einzige Möglichkeit, uns zu wehren. Auf Knopfdruck können wir unsere Flamme aufleuchten lassen, was etwa dazu nützlich sein kann, Schatten an Wände zu werfen und damit die Wakcha zu vergraulen. Aber auch manche anderen Rätsel lassen sich darüber lösen. Wir steuern Teku direkt über Analogstick oder Richtungstasten, können laufen und springen. An vielen Orten gibt es eine kontext-sensitive Aktion, die etwa bei Konversationen zum Tragen kommt oder wenn wir mit Objekten interagieren können. Das funktioniert gut, und auch das Inventar ist übersichtlich.

Hinweise durch Tod
Die Welt von Teku ist zwar wunderschön, denn sie sieht aus wie mit Pastellfarben handgemalt, aber auch sehr tödlich. Es ist nicht immer selbsterklärend, welche Teile der wie Kunstwerke anmutenden Grafiken zur Spiel-Ebene der in Seitenansicht gezeigten 2D-Weltgehören und welche zum Hintergrund. Dadurch werden wir ab und zu durch spontane Tode überrascht, die uns jedoch meist etwas über das Spiel lehren. Teku wird nach seinem Bildschirmtod direkt wenige Sekunden zuvor wiederbelebt und kann die Gefahr ein weiteres Mal angehen. Nicht selten müssen wir für sein Fortkommen ein Rätsel lösen, und hier scheiden sich die Geister.

Viele dieser Rätsel sind unerwartet schwierig und nur einige bieten den Luxus einer unmittelbaren Lösung. Einige geben zwar einen Hinweis, etwa in einer Wandmalerei, doch manche Lösungen können für Frust sorgen. Das liegt letztlich am Gamedesign selbst. Für jedes Rätsel gibt es nur einen Lösungsweg, und der ist manchmal so abstrus, versteckt oder unauffällig, dass wir zum Teil viel Zeit mit Herumirren verbringen. Bei unserem Spieldurchgang wurden wir zum Beispiel an einer Stelle durch einen mutigen Sturz in einen Abgrund blockiert, was wir nur zufällig durch Ausprobieren entdeckten, und von dem wir nicht hätten voraussehen können, ihn zu überleben oder gar zu brauchen. Das ist schade.

Im Grunde ist Candle kein langes Spiel, aber durch Frust und unschlüssiges Hin- und Herlaufen können aus den drei minimalen Spielstunden auch schon mal acht werden. Leider machen nicht alle dieser acht Stunden dann gleich viel Spaß, sondern bestehen eben teils aus Grübeln und motivationslosem Ausprobieren. Hierbei die beiden Fähigkeiten Tekus Lichtexplosion und das Schubsen nicht zu vergessen, hilft zwar manchmal beim Lösen, dennoch macht es Candle den Spielern an einigen Stellen nicht gerade leicht. Einen variablen Schwierigkeitsgrad gibt es in den Optionen nicht, schade auch für manche schwierigen Jump-’n’-Run-Passagen.

Zu viele Möglichkeiten?

Die Optionen des Spiels lassen uns einige unerklärte Freiheiten. So können wir beispielsweise die Sättigung und die Helligkeit des Bildes einstellen, außerdem die Effekte Rauschen und Bloom an- oder abwählen. Dies sind überraschende Möglichkeiten, sollte man doch meinen, die Entwickler hätten eine exakte Vision der Optik ihres Spiels gehabt. Zusätzlich gibt es eine Wahl für klassische Steuerung, uns wird aber erst im Spiel erklärt, dass sich diese Einstellung auf nichts als das Sprungverhalten unseres Helden auswirkt. Um die Option einzusehen müssen wir ins Spiel, um sie zu ändern, müssen wir es wieder bis ins Hauptmenü verlassen – unnötig umständig.

Im Optionsmenü lassen sich auch die Sprachen einstellen. Als Audiosprachen stehen hier Spanisch und Englisch zur Verfügung, beide außerordentlich gut umgesetzt. Für die Untertitel gibt es erheblich mehr Varianten, unter anderen Deutsch. Die Zwischensequenzen und manche Spielelemente sind vertont, indem sie von einem Sprecher aus dem Off kommentiert werden, was gut zur Stimmung beiträgt und sehr gut ins Spielgeschehen passt. Die Sprachen kommen abseits des Erzählers aber nicht zum Tragen, denn sämtliche Erklärungen und Erzählungen im Spiel finden in niedlichen Grafik-Animationen statt, die an Legetechnik erinnern und in sämtlichen Sprachen funktionieren, da sie nur in einer Phantasiesprache vertont sind.

Ein wahres Meisterwerk sind neben den Grafiken des Spiels die musikalischen Kompositionen, die uns stets die Atmosphäre versüßen. Südamerikanisch inspirierte Klänge führen zu eingängigen, aber nie langweiligen Musikstücken, die die Präsentation von Candle zusammen mit den Umgebungsgeräuschen auch akustisch zu einem Genuss machen.

Geschrieben von Arne Ruddat

Fazit:

 

Arnes Fazit:
Candle: The Power of the Flame sieht phantastisch aus und klingt sehr gut. Ungewöhnliche Animationen stören das Bild da nicht, die knackigen Rätsel da schon eher. Meist sind sie fair und logisch, manchmal dauert aber der Weg zur Lösung lange, weil das Teil, das wir brauchen, erst durch weitere Rätsel erlangt werden muss, die wiederum nicht ganz einfach zu knacken sind. Insgesamt macht Candle aber eine gute Figur und unterhält sehr gut, was auch an der im ganzen Spiel auftretenden Erzählerstimme und den passenden Zwischensequenzen liegt. Für eine Wertung in den höchsten Regionen sind die Rätsel zwar zum Teil zu unausgegoren, doch wer auf Point ’n’ Click á la Monkey Island oder Rätselspiele steht, ist mit Candle: The Power of the Flame gut beraten.