Gecko Gods – TEST
Ein winziger Gecko, ein wackeliges Holzboot und ein weites Archipel voller verwitterter Ruinen: Gecko Gods schickt uns auf eine ruhige Entdeckungsreise durch eine versunkene Zivilisation. Kämpfe bleiben die Ausnahme, stattdessen warten kletterbare Klippen, altertümliche Apparaturen und der Auftrag, längst schlafende Gecko-Götter zu wecken.
Mit Gecko Gods legt das kleine Studio Inresin sein Debüt vor, herausgebracht von Super Rare Games. Jahrelang geisterte das Projekt als The Gecko Gods durch diverse Indie-Showcases, nun ist es endlich auf der Nintendo Switch angekommen. Im Kern ist es ein kleines 3D-Zelda-Like: Wir erkunden, klettern, lösen Tempel-Rätsel und segeln per Boot zur nächsten Insel. Fans der entspannten Wanderung aus A Short Hike oder eines Segeltörns à la The Legend of Zelda: The Wind Waker sind hier genau richtig. Wir schlüpfen in einen winzigen Gecko, den ein Sturz weit weg von seinen Artgenossen verschlägt. Eine alte Tafel weist ihm die Aufgabe zu: die schlafenden Gecko-Götter wecken und den vergessenen Ort wiederbeleben. Was wir dabei finden, ist kein großes Heldenepos, sondern eine ruhige Erkundungstour.

Klettern, haften, staunen
Herzstück des Spiels ist die Fortbewegung. Als Gecko haften wir adhäsiv an nahezu jeder Oberfläche: Wände, Decken, Säulen, umgestürzte Statuen. Kein Winkel des Archipels bleibt uns verwehrt. Wo andere Spiele unsichtbare Mauern errichten, sagt Gecko Gods schlicht ja. Wir klettern, weil wir es können, erklimmen den höchsten Turm nur für die Aussicht und lassen uns danach ins Gras fallen. Ganz reibungslos ist das aber nicht. Die Kamera schwenkt munter mit, wenn wir kopfüber durch einen Tempel krabbeln. Gerade an Decken verlieren wir dann leicht die Orientierung. Wohin wir den Analogstick drücken müssen, um zur Kamera oder von ihr wegzulaufen, ist oft nicht klar. Das sorgt immer wieder für Verwirrung und kleine Fehltritte. Die Reise ruiniert das nicht, aber ein Stolperstein bleibt es, an den wir uns nie ganz gewöhnen.

Überall erzählt die Inselwelt von einer Zivilisation, die es nicht mehr gibt. Verfallene Tempel ragen aus dem Dschungel, verborgene Höhlen öffnen sich im Fels, und die Natur hat sich längst alles zurückgeholt. In den Wandreliefs deuten sich die namensgebenden Gecko-Götter an, die hier einst verehrt wurden. Inresin verzichtet auf viel Text und überlässt uns die Deutung größtenteils selbst. Jede Ruine ist ein Puzzlestück, jedes Relief eine Ahnung. Diese stille Erzählweise erinnert an Genreverwandte wie Journey und legt einen melancholischen Unterton über die Reise. Schön, wie das mit unserem niedlich-fröhlichen Gecko kontrastiert. Während wir Schrein um Schrein erwecken, setzt sich allmählich ein größeres Bild zusammen, behutsam und unaufdringlich.
Rätsel einer versunkenen Welt
In versteckten Tempeln warten die eigentlichen Prüfungen. Wir folgen gemeißelten Linien über Wände und Decken, drehen an Kurbeln und Hebeln oder rollen eine Kugel an ihren Platz. Clever: Fast jedes Rätsel nutzt unsere Gecko-Natur. Lösungswege verlaufen über Decken und Wände, und manch ein Schalter liegt hinter einem fingerbreiten Spalt, durch den wir uns zwängen. Geübte Rätselfans bringt das selten ins Schwitzen. Es will nicht fordern, sondern unterhalten, und nett ausgedacht sind die Aufgaben allemal. In dieser Sanftheit liegt sein Charme. Gekämpft wird kaum: Nur vereinzelt stellen sich uns Kreaturen in den Weg, manche stürmen heran, andere feuern Geschosse. Ein, zwei Spurt-Angriffe erledigen sie, der Fokus bleibt klar auf Erkunden und Tüfteln.

Zwischen den Inseln steigen wir in unser kleines Holzboot und steuern gemächlich übers Wasser. Diese Segelpassagen sind herrlich unaufgeregt: Wind in den Segeln, Sonne über dem Horizont, irgendwo die nächste unentdeckte Bucht. Sechs größere Inseln bilden den Kern, dazu eine Handvoll kleinerer, die wir in beliebiger Reihenfolge ansteuern. Jeder Halt bringt frische Rätsel, versteckte Relikte und allerlei Insekten, die wir per Zungenschnalzer aus der Luft schnappen. Wer der Hauptroute folgt, steht schon nach wenigen gemütlichen Abenden vor dem Finale. Wirklich umfangreich ist das Abenteuer nicht, und Komplettisten kreuzen kaum länger durchs Archipel, weil das meiste ohnehin am Weg liegt. Sackgassen kennt die offene Welt nicht: Jede Richtung führt irgendwohin, wo es etwas zu entdecken gibt.
Stille See, sanfter Klang
Optisch gehört Gecko Gods zu den stimmungsvolleren Indie-Produktionen auf der Switch. Inresin setzt auf einen weichen Cel-Shading-Look mit kräftigen Farben, ganz in der Tradition von The Wind Waker. Besonders die Tageszeitenwechsel können sich sehen lassen: Wenn die Abendsonne die Ruinen in warmes Orange taucht oder nachts der Sternenhimmel über dem Meer aufzieht, halten wir gern einmal inne. Dazu kommt ein zurückhaltender, leicht mystischer Soundtrack, der mit dem Fortschritt an Tiefe gewinnt und die richtige Mischung aus Fernweh und Geborgenheit trifft. Wasserplätschern, Insektenzirpen, das Tapsen unserer kleinen Echsenfüße: All das fügt sich zu einer stimmigen Klangkulisse. Mit Kopfhörern entfaltet sie abends ihre volle Wirkung, wenn drinnen wie draußen die Welt zur Ruhe kommt.

Technisch zeigt sich das Abenteuer von seiner soliden Seite, ganz makellos ist es aber nicht. Zum Start vertauschte Gecko Gods die Bestätigungs- und Abbrechen-Taste entgegen der Nintendo-Norm, was Inresin inzwischen per Patch korrigiert hat. Vereinzelt bleiben wir an der Geometrie hängen, blicken durch Clipping-Fehler hinter die Kulissen oder sehen Vegetation am Horizont aufploppen. Auch die Texturen geraten ungleichmäßig: An manchen Gegenständen sind sie so grob aufgelöst, dass sie beinahe zu fehlen scheinen, an anderen sehen sie durchaus nett aus. Solche Stolperer unterbrechen das entspannte Spielgefühl kurz, trüben es aber nie ernsthaft, zumal Inresin bereits fleißig nachpatcht. Erfreulich außerdem: Das Spiel ist komplett auf Deutsch. Gerade im Handheld-Modus wird Gecko Gods zum idealen Feierabend-Begleiter für die Couch, mit einer Tasse Tee in Reichweite. In kleinen Häppchen können wir es genauso genießen, wie am Stück.
Frische Insel, doppelte Fassung
Inresin lässt das Spiel nach dem Launch nicht links liegen, sondern bessert es mit Patches und neuen Inhalten kontinuierlich nach. Frühe Updates entschärften Softlocks und verbesserten das Klettern an Decken. Steigt ihr auf eine Nintendo Switch 2 um, solltet ihr eine Eigenheit kennen: Inzwischen gibt es eine eigene Switch-2-Fassung, und Besitzer der Switch-Version dürfen sie sich kostenlos herunterladen. Schön gedacht, in der Praxis aber bislang unübersichtlich gelöst. Es ist kein Update der bestehenden Version, sondern ein separater Download, der als komplett eigenständiges Spiel installiert wird. Unsere Spielstände wandern nicht mit, wir beginnen also von vorn.

Im Home-Menü liegen anschließend beide Fassungen nebeneinander, und weil sie sich dasselbe Titelbild teilen, sind sie kaum auseinanderzuhalten. Vor dem Wechsel lohnt ein genauer Blick, welches der beiden identischen Symbole wir antippen — sonst spielen wir aus Versehen in der falschen Fassung weiter und wundern uns über den leeren Spielstand. Aktuell hat die Switch-2-Version die niedrigere Versionsnummer, aber ob das auch später noch gilt, wissen wir zu diesem Zeitpunkt nicht. Zusammen mit der Switch-2-Fassung erschien das kostenlose Forgotten-Cove-Update, das beiden Versionen eine neue Insel samt zweier kleiner Zusatz-Eilande, frische Sammelgegenstände und eine spürbar verbesserte Kugelsteuerung spendiert.
Geschrieben von Arne Ruddat
Fazit:
Cozy Games mag ich grundsätzlich. Es gibt inzwischen nur schlicht zu viele davon, und ein einzelnes hat es schwer, aus der Masse herauszustechen. Gecko Gods ist ein schönes, einfaches, nettes Spiel, das absolut zurecht um Aufmerksamkeit buhlen darf. Bei mir kommt es damit nur leider nicht lange durch. Das mag bei euch anders laufen, denn am Ende hängt viel vom Thema ab, und ein kletternder Gecko trifft eben nicht jeden Nerv. Mir gefällt trotzdem, wie konsequent Inresin auf Druck verzichtet: kaum Kämpfe, kein Zeitlimit, kein schlechtes Gewissen. Getrübt wird das vor allem von der Steuerung an Wänden und Decken. Kopfüber ist oft Glückssache, wohin ich den Stick drücken muss. Auch die Rätsel hätten eine Spur kniffliger sein dürfen, und die technischen Stolperer fallen auf. Unterm Strich macht Gecko Gods aber viel richtig. Wer nach einem stressigen Tag ein Spiel zum Durchatmen sucht oder Perlen wie A Short Hike liebt, sollte einen Blick riskieren. Ich selbst bleibe nicht allzu lange auf dem Archipel.







