Laysara: Summit Kingdom – TEST
Ihr mochtet Anno 1602 und mögt Hochgebirge? Laysara: Summit Kingdom ist für euch. Hier gibt es Städtebau als logistisches Bergpuzzle mit Werkstätten und Wohnhäusern, Trägerinnen und Trägern und Yaks. Dabei schützen wir uns vor Lawinen und kleben unser Dorf wie ein Diorama an den Berghang. Egal, ob ihr einen Hang zum Bauen habt, Laysara hat immer einen Hang zum Bauen.
Höhenluft ist in Laysara zwar auch romantisch, aber vor allem ein logistisches Puzzle. Gerade läuft unsere Planung glatt: Yaks schaukeln über einen schmalen Pfad, Vorratslager sind gut gefüllt. Im nächsten Moment gibt es Drama, Wünsche unserer Bewohner, Naturkatastrophen. Dann funktioniert unser Dorf nicht mehr, weil Infrastruktur fehlt oder ein Zwischenlager zu weit weg sitzt. Spätestens wenn unsere Staatskasse plötzlich rote Zahlen schreibt, merken wir: Hier gewinnt nicht die schönste Stadt, sondern der sauberste Ablauf. In solchen Momenten zeigt Laysara sein Gesicht. Klassischer Städtebau wird zum Bergpuzzle, in dem Wege, Waren und Wetter untrennbar zusammenhängen und jede Abkürzung über Versorgung, Stimmung und Tempo entscheidet. Entspannung entsteht aber dennoch, weil wir Fehler nicht aussitzen müssen, sondern sie umbauen dürfen. Laysara hat hier noch ein Ass im Ärmel.

Auf dem Grat beginnt der Städtebau
Quite OK Games schickt uns nicht einfach in die Berge, sondern erzählt unseren Aufstieg in Comic-Dialogen als erzwungene Flucht: Ein geheimnisvoller weißer Nebel soll das Tiefland unbewohnbar gemacht haben. Also wachsen unsere neuen Siedlungen dort, wo die Wolken hängen und der Boden in Terrassen den Berg hinabfällt. Damit unterscheidet sich das Spiel vordergründig im Setting vom offensichtlichen Vorbild und Aufbau-Klassiker Anno 1602. Die Kampagne mit 15 Missionen gibt dem Aufbau einen roten Faden, daneben stehen freie Modi und Herausforderungen bereit. Das Spiel verteilt Aufgaben über mehrere Berge, teils mit Rückkehr zu bereits aufgebauten Orten, damit Handel nicht nur ein Menü bleibt, sondern ein Netz aus echten Dörfern. Kämpfe und Militär erspart uns Laysara komplett, die Aufgaben entstehen allein aus Wirtschaft, Wetter und Naturgefahr.

Unangenehmer Platzmangel begleitet jede Siedlung und zwingt ständig zu neuen Layout-Überlegungen, weil die Plateauflächen schnell voll sind und selbst ein einzelnes Lagerhaus eine ganze Produktionslinie blockieren kann. Wir setzen Gebäude deshalb nicht für immer, sondern behandeln sie wie Teile eines Plans, der ständig umgeschrieben wird. Der große Clou bei Laysara: Alle Häuser, Werkstätten und Märkte lassen sich jederzeit kostenlos versetzen. Dadurch können ganze Dörfer Stück für Stück neu geordnet werden, ohne dass wir alles abreißen und neu kaufen müssen. Die Pausenfunktion ist dabei mehr als Komfort. Mit dem Zeitstopp erlaubt uns Laysara, völlig entspannt zu reagieren. Wir können Lieferketten in Ruhe neu planen, Wege verschieben und aus einem verwinkelten Hang wieder eine korrekte Logistik machen. Statt in die Breite zu wachsen, entfaltet sich unser Dorf nach oben, manchmal über Brücken, manchmal durch Schächte.
Lieferketten in der Vertikalen
Alle unsere Lieferketten, Wege und Gebäude greifen eng ineinander, und auf dem Berg ist Transport von Ressourcen nie Nebensache. Straßen, Brücken und Bergschächte verbinden verstreute Plateaus. Diese gibt es in verschiedenen Höhenlagen mit unterschiedlichen Produktionseigenschaften. Weiter unten wächst Getreide besser, weiter oben etwa Honig. Wir müssen also beachten, welche Felder überhaupt Nahrung tragen und wo seltene Erze warten. Trägerinnen und Träger ziehen die Waren. Allerdings begrenzen ihre Transportkapazitäten den Fluss, sodass wir ständig prüfen, ob ein Umweg die Produktion rettet oder nur Zeit frisst. Neue Infrastruktur wie bessere Wege oder Hebewerke ist somit vorrangig ein Ventil gegen Stau. Es ist ein Puzzle: Unsere Entscheidungen entstehen weniger aus Baukosten, sondern aus der Frage, wie unser Markt, unser Lager und die Werkstatt so zusammenrücken, dass sie einander erreichen, ohne den letzten Bauplatz zu fressen.

Handel zwischen unseren Gebieten hält dabei die Kampagne zusammen, weil jeder Berghang andere Rohstoffe liefert und kein Bereich alles kann. Wir gründen Siedlungen über mehrere Gipfel hinweg und verbinden sie über Routen. Drei Gesellschaftsstufen stellen dabei unterschiedliche Ansprüche an Nahrung, Wohlstand und spirituelle Versorgung. Die Ansprüche öffnen wiederum zusätzliche Produktionsketten, die sofort neue Abhängigkeiten erzeugen. Wetter und Lawinen halten uns zudem auf Trab: Schneemassen können Dorfviertel unter sich begraben und reißen dann nicht nur Häuser, sondern ganze Wegketten aus dem System. Aufforstung, Geländeformen und Schutzwälle geben uns zwar Werkzeuge gegen das Chaos, doch das Geld bleibt knapp, weil Unterhalt und Strafen Fehlplanung schnell verdeutlichen. Doch ist die Spannung nie hektisch, da wir ja im Pause-Modus jederzeit umbauen können.

Switch-Fassung im Alltag
Wolken, Nebel und Schneefall verändern bisweilen die Stimmung, während Wind, Glocken und Naturgeräusche eine herrliche, ruhige Hochgebirgsatmosphäre tragen. Aus der wählbaren Vogelperspektive wirken die Siedlungen wie kleine Dioramen im Gebirge, mit Yaks, Händlerinnen und Trägern, und niedlichen Häuschen, die Leben in die Umgebung bringen. Die Switch-Fassung bleibt dabei angenehm übersichtlich, sowohl im Handheld- als auch im TV-Modus. Auch die Steuerung über den Controller arbeitet präzise mit Cursor und Zoom. Neben Deutsch gibt es noch mehrere Sprachen zur Auswahl, hier bietet das Spiel viel bei recht niedrigem Platzverbrauch von nur 1,4 GB Daten. Laysara lässt sich insgesamt unterwegs genauso gut spielen wie am großen Bildschirm.

Geschrieben von Arne Ruddat
Fazit:
Ich habe kein anderes Aufbaustrategiespiel gespielt, dessen Motto wie hier ist: Mach, was du willst, aber das wirkliche Puzzle ist Platz. Diese Logistikplanung hebt Laysara: Summit Kingdom für mich hervor. Jeder Berg ist hier nicht nur Kulisse, sondern bringt unterschiedliche Regeln mit. Schmale Plateaus zwingen mich, Wege, Märkte, Lager und Werkstätten anders zu verteilen. Zwischendurch sehe ich Produktionen und Träger so laufen, wie ich es geplant habe. Für eine Weile bin ich glücklich beim Zusehen, bis die nächste Aufgabe mich zum Umplanen treibt. Besonders gut gefällt mir dabei, dass Gebäude jederzeit versetzt werden dürfen und die Spielpause einen radikalen Umbau erlaubt. Statt Frust über Fehlplanung bekomme ich ein befriedigendes Gefühl beim Problemlösen ohne Zeitdruck. Es ist nett, wenn eine einzige Brücke oder ein neu gesetztes Lager den Warenfluss rettet und die Staatskasse wieder schwarz wird. Die himmlische Atmosphäre trägt ihr Übriges dazu bei: Nebel, Schnee, Wind und die wuseligen Bewegungen im Dorf machen aus jeder Siedlung ein Diorama. Wer extremes Micromanagement oder freie Megastädte ohne Layout-Zwang sucht, dürfte Laysara eher als zu strikt empfinden. Meine Empfehlung geht an euch, wenn ihr Aufbauspiele als Logikaufgabe mögt, wenn ihr damals schon Anno 1602 mochtet, wenn ihr das Thema Hochgebirge mögt, wenn ihr gern an Lieferketten tüftelt und wenn ihr euch vom ständigen Umräumen nicht abschrecken lasst.







