Octopath Traveler – TEST

Mit Octopath Traveler legte Square Enix 2018 den Grundstein zur HD-2D-Grafikrevolution. In diesem Stil folgten Nachfolger, Remakes, Interpretationen und sogar neue Spielideen. Seit Oktober 2026 ist Octopath Traveler in einer angepassten Version für die Switch 2 erhältlich.


Obwohl Nintendo mit der Switch ein unfassbar erfolgreiches Konsolenkonzept am Markt etabliert hat, haftete der Hybridkonsole über die gesamte Lebensdauer das Image an, eine zu geringe Hardware-Power zu haben. So liefen Multiplattformspiele bei der Konkurrenz oft deutlich besser. Mit der Switch 2 hat das japanische Traditionsunternehmen jedoch einen kräftigen Sprung nach vorne hingelegt, wodurch nicht nur Nintendo selbst, sondern auch Dritthersteller auf die Idee kamen, bereits veröffentlichte Spiele noch einmal mit einem technischen Update zu versehen. Da Octopath Traveler sehr beliebt ist und Ende 2025 mit Octopath Traveler 0 bereits ein Prequel zur Reihe erschienen ist, hat sich Square Enix wohl gedacht, die Serie auf der Switch 2 zu komplettieren.

Am 1. Oktober 2026 war es soweit und sowohl der erste als auch der zweite Teil fanden ihren Weg als digitale Versionen in den eShop und als nur leicht weniger digitale Variante als Software-Schlüsselkarte in den analogen Handel. Acht Jahre nach der Erstveröffentlichung werfen wir erneut einen Blick auf den ersten Teil der traditionellen Rollenspielreihe. Dabei müssen wir feststellen, dass das Spiel aus technischer Sicht zwar ein deutlich besseres Bild abzeichnet, inhaltlich jedoch Modernisierungen fehlen, die wir uns schon bei der ursprünglichen Veröffentlichung gewünscht hätten.

Spannende Story, unterstützt von Statisten

In Octopath Traveler schlüpfen wir in die Rolle eines von acht Helden, der einer ganz persönlichen Bestimmung folgt. Unter anderem können wir uns für den Pfad des Ritters Olberic entscheiden, dessen Heimatkönigreich längst untergegangen ist. Ebenfalls zur Auswahl steht die Händlerin Tressa, die auf Weltreise gehen möchte. Auch Therion, bei dem es sich um einen gewieften Dieb handelt, kann von uns gespielt werden. Es ist jedoch egal, für welche Figur wir uns am Anfang entscheiden. Sobald wir den Prolog eines Charakters abgeschlossen haben, können wir frei umherreisen und auch die anderen Akteure für unsere Gruppe rekrutieren.

Das erinnert ein wenig an Trials of Mana, ist aber bei Weitem nicht so durchdacht aufgebaut. So führen die Charaktere untereinander keinerlei Gespräche. Kommt es zu einer Storysequenz, diskutiert lediglich die handlungsbezogene Spielfigur mit den unzähligen Nicht-Spieler-Charakteren. Bei der Neuveröffentlichung hätten die Entwickler von Square Enix respektive Acquire, welche für die ursprüngliche Version verantwortlich waren, das Spiel ruhig um Inhalte erweitern können. So verspielt Octopath Traveler selbst im Jahr 2018 noch sehr viel Potenzial. Schlecht ist das Rollenspiel deswegen nicht, doch fühlt es sich einfach nur albern an, wenn alle inaktiven Mitstreiter innerhalb der Handlung einfache Statisten bleiben.

Spaßiges Gameplay inner- und außerhalb von Kämpfen

Wesentlich gelungener fällt das Gameplay aus, denn je nachdem, welche Charaktere wir in unserer Gruppe haben, eröffnen sich uns neue Möglichkeiten. Beispielsweise können wir Nicht-Spieler-Charaktere zum Duell herausfordern oder ihnen per Taschendiebstahlbefehl wertvolle Items aus den Taschen ziehen. Das macht Laune und erweitert die typische Erkundung der Spielwelt, die Suche nach Schatztruhen und den Einkauf von neuer Ausrüstung mehr als sinnvoll. In den rundenbasierten Kämpfen ist wiederum Taktik gefragt, denn jeder Gegner verfügt über seine eigenen Schwächen.

So müssen wir weitestgehend selbst herausfinden, gegen welche Waffentypen oder Zaubersprucharten er anfällig ist. Haben wir die Schwächen entdeckt, lockert dies seine Verteidigung, sodass wir gleich daraufhin verheerenden Schaden anrichten können. Ähnlich wie in Bravely Default können wir mit einer Spielfigur in Octopath Traveler auch gleich mehrfach angreifen und die Verteidigung des Gegners so schneller durchbrechen. Das Rollenspiel ähnelt in seinem Kern demnach stark den Genrevertretern der 1990er-Jahre, ist aber an den richtigen Stellen modernisiert worden. So haben wir in puncto Gameplay trotz der Schwächen in der Story sehr viel Spaß. Dennoch gilt auch hierbei, dass keinerlei Neuerungen oder Änderungen Einzug ins Spiel hielten.

Kleine Freuden für Technikfans

Schlussendlich stellt sich die Frage, was die Neuauflage von Octopath Traveler bietet und an wen sie sich richtet. Während es inhaltliche keine Überarbeitungen gibt, fallen im Verhältnis zur ursprünglichen Switch-Fassung aber massive technische Sprünge auf. So läuft das Rollenspiel mit bis zu sechzig Bildern pro Sekunde doppelt so flüssig wie auf der Switch. Ebenfalls fallen die Ladezeiten etwa dreißig Prozent kürzer aus. Zudem ist die Auflösung höher, wodurch mehr Platz für visuelle Details bleibt. Auch so manche Grafikeffekte wirken auf der Switch 2 hübscher, obwohl hier deutlich mehr möglich gewesen wäre. Immerhin wirken Schatten kräftiger und entfernte Objekte verschwimmen nicht mehr so stark wie noch im Jahr 2018. An der Musik hat sich zum Glück ebenfalls nicht geändert, denn diese ist grandios wie eh und je.

Absolute Grafik- und Technikfetischisten erfreuen sich an diesen Anpassungen, doch wer die Spiele teilweise oder gänzlich kennt, wird weniger Freude an der Neuauflage haben. Das liegt nicht nur daran, dass Square Enix keine inhaltlichen Überarbeitungen angestrebt hat, sondern auch an einem weiteren Punkt. Es gibt beispielsweise kein separates Update zu erwerben – ihr müsst das Spiel zum Vollpreis einzeln oder im Bundle mit dem zweiten Teil erwerben. Eine physische Version des Bundles ist Japan und Asien vorbehalten. Hier kommt ihr um den Import nicht herum. Ausschlaggebend ist jedoch, dass Besitzer der Ursprungsversion von Octopath Traveler nicht auf ihre Spielstände zurückgreifen können. Autsch!

Geschrieben von Eric Ebelt

Fazit:

Eric Ebelt

Octopath Traveler hat mit dem HD-2D-Grafikstil eine kleine Revolution ausgelöst, denn seither sind etliche Spiele in diesem visuellen Korsett erschienen. Das Werk hat spielhistorisch somit einen ganz besonderen Wert. Inhaltlich geht das Rollenspiel aus dem Jahr 2018 ebenso noch in Ordnung, denn vor allem die taktisch angereicherten Kämpfe, die Interaktionsmöglichkeiten mit den Nicht-Spieler-Charakteren und die motivierende Erkundung der Spielwelt wissen auch fast ein Jahrzehnt später noch zu überzeugen. Sowohl in der Ursprungsversion als auch in der Neuauflage waren und sind meines Erachtens jedoch die fehlenden Gespräche innerhalb der Gruppe ein Unding. So wirkt die Story für mich zuweilen aufgesetzt, wenn nur der betroffene Held der jeweiligen Storyline spricht und seine Mitstreiter stumme Statisten bleiben. Wer darüber hinwegsehen kann, kommt nach wie vor in den Genuss eines soliden Rollenspiels. Wer den Titel noch nicht gespielt hat, kann gerne direkt zur technisch besseren Switch-2-Fassung greifen oder das Spiel auf einer anderen technisch versierten Plattform angehen. Auf der Switch 2 hat Square Enix noch einiges aus der Hybridkonsole herausgeholt, denn gerade die meist flüssige Framerate von sechzig Bildern pro Sekunde und die zusätzlichen Details machen Grafikfetischisten richtig froh. Schade ist jedoch, dass Besitzer der ursprünglichen Switch-Version zum Vollpreis erneut zur Kasse gebeten werden – und dann sind nicht einmal die Savegames von früher kompatibel. Das ist nicht gerade kundenorientiert, Square Enix!