Sally’s Law -  – TEST

Das Genre Jump’n’Run ist bekannt, aber dass Springen und Laufen auf zwei Spielfiguren verteilt wird, kommt selten vor. In Sally’s Law spielen wir zwei Kugeln im selben Level nacheinander, für die Protagonisten jedoch gleichzeitig. Das Spiel hat ein spannendes Konzept, das zudem noch stilistisch überzeugen will.


Die Geschichte von Sally‘s Law tut im Grunde nichts zur Sache für das Spiel selbst, ist aber gleichzeitig das Kernstück des Spiels. Während wir uns durch die Level rollen, erzählen zwei japanische Stimmen die Geschichte von Sally und ihrem Vater, jeweils aus ihrer Sichtweise. Für die Spieler, die des japanischen nicht mächtig sind, gibt es Untertitel in mehreren Sprachen, unter anderem Englisch und Deutsch. Diese scrollen als Wandtattoo im Spiel mit, während sie gesprochen werden. Wen das nicht interessiert, der kann sich auch völlig auf das Spiel konzentrieren.

So wird während des gesamten, recht kurzen Spiels die Geschichte erzählt, wie sich nach dem Tod von Sallys Mutter Sally und ihr Vater auseinanderlebten. Die gesamte Aufmachung des Spiels ist melancholisch, mit sanften Klavierklängen, sanft erzählenden Stimmen und einem malerischen Zeichen-Grafikstil. Der Clou ist bei der Geschichte, dass beide Figuren zwei unterschiedliche Darstellungen derselben Sachverhalte bieten, die beide nachvollziehbar sind, aber trotzdem zu diesem Auseinanderleben führten. Es ist kein lustiges Spiel.

Immer nur Springen und Rollen

Das Spielprinzip ist simpel, denn Sally wird mit nur einem Knopf gesteuert. Sie rollt automatisch durch die Level und wir müssen sie nur springen lassen, um über Abgründe zu kommen oder kleinere Anhöhen zu meistern. Während wir spielen, öffnen sich vor uns einige Tore oder es verschwinden Stacheln. Die Level bestehen aus mehreren überschaubaren Abschnitten. Nachdem Sally sie durchrollt hat, wechselt unsere Spielfigur zu ihrem Vater, ebenfalls eine Kugel, der auf einer anderen Ebene zeitgleich dasselbe Level durchrollt, und im richtigen Moment Tore öffnen oder Stacheln wegrollen muss. Der Vater kann sich nach links oder rechts rollen und springt nur, wenn er mit Sally in Berührung kommt.

Das Prinzip bietet wenig Platz für komplexe Rätsel und so ist das Spiel insgesamt recht leicht. Da unser Weg mit Sally aufgezeichnet und während des Spielens vom Vater wiedergegeben wird, wissen wir schon meist, was uns erwartet. Ab und zu gibt es links-rechts-Entscheidungen, deren Ergebnis wir raten müssen. Das ist unbefriedigend, da im Grunde eher nervig als spaßig. Ohne diese Abzweigungen jedoch wäre das Spielen mit dem Vater jedoch nur wenig interessant.

Leichte Verwirrung bei der Steuerung

An manchen Stellen lässt sich bei Sallys Durchlauf erkennen, dass wir springen müssen oder den schwierigeren Weg wählen, um es beim Spielen mit dem Vater leichter zu haben. Es gibt an vielen Orten Erinnerungen in Form von kleinen Sammelemblemen, die wir manchmal nur durch dieses vorausschauende Spielen später mit dem Vater erreichen können.
Der Geschichte zu folgen erfordert manchmal viel Multitasking, denn es gibt durchaus zeitkritische hektische Momente, in denen parallel Texte zu lesen viel Konzentration erfordert. Hier wäre eine deutsche Sprachausgabe nett gewesen.

Die Steuerung klingt zunächst simpel, jedoch lässt uns das Spiel nicht mit den getrennten Joy-Cons im Joy-Con-Grip spielen, sondern verlangt eine Steuerung mit nur einem, quer gehaltenen Joy-Con. Mit an der Switch angeschlossenen Joy-Cons jedoch ist die Steuerung problemlos möglich. Das ist so unverständlich wie verwirrend, weil die Richtungstasten im Menü plötzlich in falsche Richtungen führen und der Bestätigungsbutton zum Zurück-Button wird. Wer jedoch über diese Hürde hinwegsehen kann, nur im Handheld-Modus spielt oder einen Pro-Controller hat, der wird mit der Steuerung keine Probleme haben, denn das Spiel ist präzise und eingängig. Schön an der Variante für die Switch ist, dass Sally‘s Law simultan von zwei Spielern gespielt werden kann.

Geschrieben von Arne Ruddat

Fazit:

Zunächst faszinierte mich das Prinzip der getrennten Wege im zeitgleich stattfindenden selben Level, aber das ließ recht schnell nach. Zum Glück ist das Spiel jedoch so kurz, nämlich in vier Stunden problemlos durchzuspielen, dass das nicht sehr ins Gewicht fällt. Insgesamt macht Sally‘s Law Spaß, aber durch die Geschichte keine gute Laune, sondern eher nachdenklich, ist manchmal stressig, aber nie schwierig und insgesamt eher nett als brillant.