Shining Resonance Refrain – TEST

Fans japanischer Rollenspiele dürfen sich auf Nintendos Switch derzeit über gleich mehrere Spiele freuen. Darunter auch Segas Shining Resonance Refrain, den ersten Ableger der Shining-Reihe seit über zehn Jahren, der in Deutschland erschienen ist. Das Remake des 2014 nur in Japan veröffentlichten PS3-Titels wurde für die Neuveröffentlichung um einen gänzlich neuen Modus erweitert.


Angesiedelt ist die Geschichte von Shining Resonance Refrain in der Fantasy-Welt Alfheim. Einst lebten Elfen und Drachen friedlich zusammen und kommunizierten mit Hilfe von Rune Songs. Seit dem Ragnarök-Krieg gelten die Drachen jedoch als ausgestorben. Hunderte Jahre später beginnt das Spiel selbst. Als Sonia Blanche, Ritterin und Prinzessin des Menschenkönigreichs Astoria, dringen wir in ein Gefängnis des kriegstreibenden Imperiums Lombardia ein, um den Jüngling Yuma Illvern zu befreien. Dabei erhalten wir Unterstützung von der elfischen Diva Magica Kirika. Der Grund für die Rettungsaktion: In Yuma soll die Seele des mächtigen und heiligen Shining Dragon schlummern. Nach einer Konfrontation mit der imperialen Prinzessin Excella und ihren drei künstlichen Dracomachina, dürfen wir als Yuma Marga, die Hauptstadt von Astoria erkunden und langsam mehr über Welt, Krieg und Charaktere erfahren.

Zäher Einstieg

Bereits während des Prologs zeigt sich, dass die Geschichte von Shining Resonance Refrain fast komplett ohne Zwischensequenzen auskommt. Stattdessen wird die Handlung mittels Textboxen und den wenig animierten In-Game-Charaktermodellen vorangetrieben. Dadurch wirkt die Präsentation oft etwas hölzern und veraltet. Ähnliches gilt für die Grafik, der die PS3-Herkunft an Umgebungen, Effekten und NPCs deutlich anzusehen ist. Weitaus schwerwiegender ist aber der zähe Einstieg ins Spiel. Fällt der Prolog durch viele Kämpfe und die Tutorials noch ordentlich aus, zieht sich die Handlung anschließend etwas. Überaus langsam wird uns Marga vorgestellt und es dauert einige Zeit, bis wichtige Funktionen wie Waffenanpassung oder die simplen Nebenquests zur Verfügung stehen. Sind diese ersten schleppenden Stunden aber überwunden, kann Shining Resonance Refrain etwas mehr Spaß entfalten.

Im Kern erinnert das Rollenspiel an eine Mischung aus Bandai Namcos Tales-of-Reihe und Eternal Sonata. Ein actionreiches Echtzeitkampfsystem wird durch eine wichtige Musikkomponente erweitert. Dabei durchstreift ihr die Welt aus der Third-Person-Perspektive und seht Feinde direkt im Feld. Allerdings bekämpft ihr sie nicht direkt dort, sondern ähnlich wie in Tales-of-Spielen nach Berührung in einer innerhalb der Umgebung festgelegten Arena. Normale Angriffe werden durch die langsamen Break-Attacken ergänzt. Auf diese Weise können die Gegner zu einem „Break“ geführt werden, was uns Vorteile im Kampf bringt. Jeder Angriff verbraucht Aktionspunkte, die als Halbkreisleiste unterhalb unserer aktiven Spielfigur angezeigt wird. Ist die Anzeige leer, müssen wir warten bis sie sich automatisch wieder füllt. Außerdem können bis zu vier Spezialaktionen festgelegt werden, die wir jederzeit im Kampf einsetzen können. Neben starken Angriffen können diese Magiepunkte verbrauchenden Aktionen auch Zauber sein.

Musikalische Kämpfer

Ein wichtiger Aspekt von Shining Resonance Refrain ist Musik. Bereits in der Geschichte zeigt sich dies durch die Rune Songs. Doch auch die Waffen einiger eurer Mitstreiter spielen hierbei eine Rolle. Diese sogenannten Armonics sind gleichzeitig Waffe und Musikinstrument. So ist beispielsweise Kirikas Bogen eine Harfe und Agnums Axt eine Gitarre. Mittels sogenannter Tunes lassen sich die Werte der Waffen anpassen und durch Aspects genannte Waffenjuweln verbessern. Sind genügend Armonics tragende Mitstreiter in eurer Gruppe, steht uns das B.A.N.D.-Feature zur Verfügung. Dieses wird durch eine Leiste am linken Bildschirmrand dargestellt. Aktivieren wir es, interpretiert unsere Gruppe einen der Rune Songs, wodurch spezielle Boni im Kampf gewährt werden. Zusätzlich lässt sich dies mit Yumas Shining-Dragon-Gestalt kombinieren.

Früh im Spiel lernen wir, wie wir uns als Yuma jederzeit in den mächtigen Drachen verwandeln können. Ähnlich wie eine Beschwörung agieren wir dann im Kampf direkt, müssen jedoch auf unsere MP achten. Sind diese aufgebraucht, gerät der Shining Dragon in Rage und greift auch unsere Kameraden an. Spaßig ist diese Funktion trotzdem und selbst die schwammige Steuerung, die für das gesamte Kampfsystem gilt, weshalb ein wenig Eingewöhnungszeit nötig ist, schadet dem nicht.

Beziehungskiste

Eine weitere Rolle in den Kämpfen spielen die Titel und Bindungen der Figuren. Mittels Bonds-System können im Laufe des Abenteuers gefundene Titel vergeben werden. Diese haben wiederum Einfluss auf die Beziehung der Gruppenmitglieder zueinander. Auf einem kreisförmigen Diagramm können wir unsere Begleiter und Yuma frei platzieren und auf diese Weise zusätzlich die Verbindungen beeinflussen. Im Kampf zeigt sich das wiederum durch Unterstützung, die dem gerade aktiven Charakter durch eure Mitstreiter gewährt werden.

Allerdings ist das noch nicht alles in Sachen Beziehungen. Fast schon erinnert Shining Resonance Refrain zeitweise an eine Dating-Sim. In Marga, wo sich unser Hauptquartier befindet und an Lagerfeuern, können wir mit unseren Gruppenmitgliedern sprechen und sie zu nächtlichen Gesprächen einladen. Übernachten wir dann, kommt es zu diesen speziellen Unterhaltungen. Durch diese erfahren wir mehr über die Charaktere, vertiefen unsere Bindung und können sogar Dates für den nächsten Tag auslösen. Im Zuge der Dates laufen wir zu zweit umher und lösen an bestimmten Punkten in der Stadt kleiner Events aus. Hierbei trennt das Spiel nicht zwischen Männern und Frauen. Dates und nächtliche Unterhaltungen, die nicht alle romantischer Natur sind, sind also mit allen Begleitern möglich. Genauso wie optionale kleine Szenen, die wir entdecken können, sorgen die Gespräche für einige entspannte und witzige Momente.

Refrain-Besonderheit

Shining Resonance Refrain verfügt nicht nur über sämtliche DLCs, die in Japan für das PS3-Original erschienen sind, sondern auch über den Refrain-Modus. In diesem schließen sich uns mit Excelle und Jinas zwei weitere Begleiter an. Da der Refrain-Modus allerdings einige Spoiler bereithält, ist es ratsam das Spiel erst im Original-Modus zu beenden und sich anschließend für einen weiteren Durchgang dem Refrain-Modus zu widmen. Sofern die entsprechende Motivation dazu aufgebracht werden kann. Denn Shining Resonance Refrain mag insgesamt ein ordentliches und durchaus unterhaltsames Rollenspiel sein, nutzt aber zahlreiche Genre-Standards und -Klischees. Originell ist etwas anderes, kurzweilige Spaß macht das Abenteuer aber trotzdem. Erfahrene JRPG-Fans dürften jedoch bessere Alternativen finden.

Geschrieben von Alexander Geisler

Fazit:

Weder sonderlich einfallsreich, noch neu präsentiert sich Shining Resonance Refrain. Bereits früh habe ich so manches JRPG- und Anime-Klischee entdeckt und trotzdem hatte ich nach dem zähen Einstieg Spaß mit dem Rollenspiel. Die Charaktere sind sympathisch genug, um interessant zu sein und die Drachen-Elfen-Story kann trotz der einfachen Präsentation unterhalten. Ein wenig Besonderheit erhält das Spiel aber durch die Musikkomponente, die letztlich auch meine Neugier geweckt hat, aber nicht ausreicht, um Shining Resonance Refrain aus der Masse hervorstechen zu lassen. Mangels Tales-of-Spiel auf der Switch, können Fans ebendieser aber einen Blick wagen und die Wartezeit mit Segas Rollenspiel überbrücken.