Tasukete Tako-san – Save me Mr. Tako! -  – TEST

Wenn heutzutage neue Spiele im Retro-Look veröffentlicht werden, dann wollen die Entwickler mit einem 8- oder 16-Bit-Grafikstil meistens an NES und Super Nintendo erinnern. Tasukete Tako-san – Save me Mr. Tako! holt jedoch den Game Boy zurück in unser Gedächtnis.


In Tasukete Tako-san schlüpfen wir in die Rolle des titelgebenden Herrn Tako, der ins Deutsche übersetzt so viel wie Herr Oktopus heißt. Dieser befindet sich im Auftakt des Spiels mit seinem Bruder und vielen weiteren Oktopussen auf einem Kreuzzug gegen die Menschen, die einmal zu viel aus seinen Artgenossen Takoyaki gemacht haben. Beim einleitenden Kampf auf einem Segelschiff wird Tako allerdings von Gewissensbissen übermannt und entscheidet sich, eine über Bord geworfene Menschenfrau zu retten und an den nahegelegenen Strand zu bringen.

Obwohl die anderen Oktopusse und vor allem sein Bruder nicht verstehen können, warum er so gehandelt hat, lässt er sich von der teilweisen Ausgrenzung aus der Gesellschaft nicht entmutigen. Er beschließt, einen anderen Weg zu finden, damit Menschen und Oktopusse in Frieden und Harmonie koexistieren können. Relativ früh im Spiel erhält Tako für seine gute Tat von einer mysteriösen Fee die Fähigkeit, oberhalb des Meeresspiegels atmen zu können, sodass seine Reise ihn nicht nur durch die Unterwasserwelt, sondern somit auch an Land führt. Er möchte nichts sehnlicher, als seinen größenwahnsinnigen Bruder und den Rest der Schergen zu stoppen. Dies ist aber nicht das einzige Problemchen, dass Tako lösen muss. Im Handlungsverlauf kommen weitere und nicht weniger interessante Nebengeschichten hinzu.

Großartige Jump-’n’-Run-Vorbilder

Eine dieser Nebengeschichten ist das Aufspüren der Oktopusprinzessin, die sicher zurück ins Schloss eskortiert werden soll. An Land muss hingegen eine gemeingefährliche Hexe besiegt und entführte Menschenkinder gerettet werden. Hier macht das Spiel seinem Titel alle Ehre, denn „Tasukete Tako-san“ heißt auf Deutsch nichts anderes als „Rette mich, Herr Tako!“. In puncto Gameplay hat das Spiel aber nur wenig mit Rettungen zu tun, viel mehr wollen knifflige Sprungpassagen überwunden und fiese Gegner aufgehalten werden. Gespielt wird Tasukete Tako-san durchweg aus der zweidimensionalen Seitenansicht.

Schon bei den allerersten Schritten durch die zahlreichen Levels werden Erinnerungen an Spiele wie Kirby’s Dream Land 2, Super Mario Land 2: 6 Golden Coins, The Legend of Zelda: Link’s Awakening oder Wario Land: Super Mario Land 3 wach. Auf Knopfdruck springt Tako in die Höhe oder verschießt Tinte auf die Gegner, um sie einerseits kurzzeitig zu lähmen und sie andererseits als Sprungbrett auszunutzen, damit er sonst nicht erreichbare Stellen erreichen kann. Unterwegs sammeln wir viele Juwelen ein, von denen einhundert Stück summiert eine Feder ergeben, die wiederum als 1-up fungiert. Durch die Begrenzung auf neun Stück entpuppen sich die zusätzlichen Versuche im Gegensatz zu anderen Jump-’n’-Runs nicht als inflationärer Überrest.

Nostalgische Erinnerungen an die 1990er-Jahre

Weiterhin lassen sich im Spiel insgesamt fünfzig Kopfbedeckungen finden, die Tako neue Fähigkeiten spendieren. Anstatt Tinte kann er auf einmal Pfeile schießen oder verfügt über einen Trefferpunkt mehr. Ein wenig schade ist jedoch, dass die Hüte bei einem Fehler sofort verloren sind und danach umständlich an einem Kontrollpunkt oder gar außerhalb der Levels erneut aktiviert werden müssen. Immerhin bestehen unter optischen Gesichtspunkten große Ähnlichkeiten zu Nintendos alten Game-Boy-Klassikern. Einzelne Blöcke, die Formen von Türdurchgängen, Gesichtsanimationen oder gar der pure Aufbau der Spielwelt inklusive versteckter Abkürzungen oberhalb des Bildschirmausschnitts erinnern liebevoll an die Spiele für Nintendos Handheld.

Entwickler Christophe Galati hat sich aber noch weitere Ideen einfallen lassen, denn im Spiel ist es mit einem Tippen auf die Schultertasten jederzeit möglich, die Farbpalette komplett auszutauschen. So ist der monochrome Look des Spiels auch mit dem Grünstich des Game-Boy-Bildschirms auswechselbar, was für viele weitere nostalgische Momente sorgt, beispielsweise an Experimente mit dem Super Game Boy. Auf Wunsch lässt sich der Titel auch im 4:3-Format spielen und der Chiptune-Soundtrack tut sein Übriges, um die Illusion eines frühen 1990er-Jahre-Titels aufrechtzuerhalten. Schade nur, dass es zu wenige Tracks gibt, die das gute und durchaus etwas längere Abenteuer malerisch unterstreichen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Fazit:

Beim Spielen von Tasukete Tako-san: Save me Mr. Tako! fühle ich mich sofort in die 1990er-Jahre und damit in meine Kindheit versetzt. Spiele wie Wario Land: Super Mario Land 3 oder Kirby’s Dream Land 2 habe ich rauf und runter und immer wieder gerne gespielt. Genau dieses Gefühl kommt auch bei Christophe Galatis Werk auf, das mich von der ersten Minute mit seinem Retro-Game-Boy-Charme magisch in seinen Bann zieht. Die Levels sind zwar allesamt sehr überschaubar gestaltet, weisen aber genau die Merkmale auf, die ich an Nintendos Klassiker mochte: Erinnerungswürdige Level-Strukturen und ein verspieltes Gegnerdesign reichen sich hier freundschaftlich die Hände. Schade finde ich nur, dass die interessanten Kopfbedeckungen bei einem einzigen Fehler sofort verloren sind und dann an Kontrollpunkten oder außerhalb der Levels neu aktiviert werden müssen. Ansonsten ist das Spiel, das sich klar an Nostalgiker und ältere Spieler richtet, die mit dem Game Boy aufgewachsen sind, sehr empfehlenswert. Jüngere Spieler, die schon beim Anblick der Screenshots laufen gehen, sollten jedoch lieber zu Super Mario Odyssey und Co greifen.