Indiana Jones und der Große Kreis – TEST
Am 9. Dezember 2024 erschien Indiana Jones und der Große Kreis exklusiv für die aktuellen Xbox-Konsolen, am 17. April 2025 folgte die PS5-Version, und seit dem 12. Mai 2026 können auch Besitzer der Nintendo Switch 2 das neueste Abenteuer von Indiana Jones selbst erleben. Eine schier unmögliche Portierung für Nintendos kleinen grauen Kasten. Also: Nichts wie ran an die Peitsche, Hut aufgesetzt und auf in ein neues, großes Abenteuer!
Wir werden direkt zu Beginn unseres Abenteuers in ein sehr vertrautes Setting gebracht. Das Spiel beginnt nämlich mit einer spielbaren Version des Cold Openings aus Jäger des verlorenen Schatzes. Im tiefen Dschungel von Peru müssen wir uns mit unseren Begleitern den Weg zu einem verlassenen Tempel bahnen. Kenner des Films fühlen sich sofort zu Hause und die Nostalgie schlägt voll ein. Die ganze Passage dient hierbei als Tutorial, um uns Steuerung und Rätseleinlagen näherzubringen. Nach unserem Aufenthalt in Peru schlägt das Spiel jedoch seine völlig eigene und komplett neue Richtung ein. Wir befinden uns von der Story her zwischen den Ereignissen aus Jäger des verlorenen Schatzes und Der letzte Kreuzzug. Immer wieder finden sich Anspielungen auf die Erlebnisse des ersten Abenteuers von Indy sowie auch der Serie Young Indiana Jones. Das ist sehr nett für Fans, lässt allerdings Neulinge im Franchise nicht mit Fragezeichen zurück.

Im weiteren Spielverlauf verschlägt es uns in den Vatikan, nach Gizeh, auf den Himalaya und in den Irak. Dabei gibt es drei große Hauptgebiete und kleinere Abschnitte dazwischen. Besonders die großen Gebiete wie der Vatikan und Gizeh laden zum exzessiven Erkunden ein. Natürlich sind alle diese Gebiete, serientypisch, von Nazis besetzt. Je nach Schwierigkeitsgrad reagieren diese auch sehr aggressiv und schnell auf euch, wenn ihr euch in einem Sperrgebiet aufhaltet. Diese Sperrzonen können etwas verkleinert werden, da in jedem der großen Abschnitte eine passende Verkleidung angelegt werden kann. Aber dennoch gibt es Aufseher und Anführer, die eure Verkleidung durchschauen. Dann liegt es an uns, selbst zu wählen, ob wir über Dächer und durch Büsche versteckt an den Wachen vorbeischleichen oder ob wir vollends in den Kampfmodus übergehen. Hier lasst euch aber gesagt sein: Wer den Kampf sucht, der wird je nach Gebiet regelrecht überrannt. Es ist daher ratsam, vorsichtig und behutsam vorzugehen. Gegner lassen sich mit geworfenen Gegenständen ablenken und dann hinterrücks heimlich ausschalten.
Ungewohnte Perspektive für ein Action-Adventure
Was jedem Spieler sofort auffällt, ist die ungewöhnliche Perspektive von Indiana Jones und der Große Kreis, aus der heraus gespielt wird. Im Laufe der letzten Jahrzehnte hatten Indy-Spiele so ziemlich alles bedient: Sidescrolling-Plattformer, 3D-Plattformer, Point-&-Click-Adventures und Puzzlespiele. Jetzt erleben wir zum ersten Mal, wie es ist, Indy selbst zu sein, da uns das Spiel die Geschichte aus der First-Person-Perspektive erleben lässt. Diese gewählte Ansicht war für viele sicherlich ein kleiner Schock, als das Spiel zum ersten Mal präsentiert wurde, doch wir müssen sagen: Es funktioniert einwandfrei.

Die Inszenierung des Spiels verfolgt hierbei eine eher cineastische Schiene. Das bedeutet: In Zwischensequenzen, die untypisch für ein Videospiel wie ein echter Film geschnitten sind, sehen wir Indy ganz normal als Figur; sobald diese Sequenzen vorbei sind, geht es direkt wieder in die First-Person-Ansicht über. Plattformer-typisch müssen wir natürlich auch klettern und springen. Wenn wir uns hierzu unserer Peitsche bedienen, dann wechselt die Ansicht sehr flüssig in eine Third-Person-Ansicht und anschließend wieder zurück. Dass die gewählte Perspektive so hervorragend funktioniert, kommt aber nicht von ungefähr, wurde das Spiel doch von MachineGames entwickelt. Die haben sich in der Vergangenheit vor allem durch die Entwicklung der neueren Wolfenstein-Teile einen Namen gemacht. Und das merkt man hier deutlich – im positiven Sinne, selbstverständlich. Alles fühlt sich flüssig und immersiv an.
Eventuell an manchen Stellen sogar zu immersiv: Müssen wir z. B. beim Öffnen von Türen nicht nur den Schlüssel einsetzen, sondern ihn auch noch manuell drehen, bevor die Tür sich öffnet? Das kann man jetzt mögen oder auch nervig finden, im ersten Moment wirkte es auf jeden Fall ungewohnt. Generell wird in diesem Spiel sehr viel auf Realismus gesetzt. Alles, was eingesammelt werden kann an Verbrauchsgegenständen, ist limitiert. In seiner Abenteurertasche ist eben nur Platz für drei Äpfel und fünf Bandagen. Nervig wird es dann, wenn wir klettern müssen. Überall in der Welt kann sich Indy mit Behelfswaffen ausstatten – seien dies Kerzenleuchter, Schlagstöcke der Gegner oder auch Schaufeln. Sobald wir damit versuchen, eine Leiter zu verwenden oder einen Vorsprung hinabwollen, lässt Indy diese einfach fallen. Ihr seid in einer Höhle unterwegs und müsst euch mit der Peitsche über einen Abgrund schwingen? Vergesst besser nicht, vorher die Fackel über den Abgrund zu werfen, sonst ist es auf der anderen Seite sehr schnell sehr dunkel. Realistisch ja, nervig allerdings auch ein klein wenig.
Für Jäger und Sammler
Indiana Jones und der Große Kreis ist genau das, was im Namen steckt: groß. Es bietet viel – viel von allem. Es gibt unzählige Sammelgegenstände und Notizen sowie Berichte, dass selbst dem Resident Evil-Franchise schwindelig wird. Allerdings sind die meisten dieser Objekte komplett optional. Relativ früh im Spiel bekommen wir eine Kamera und können fortan wie bei Legend of Zelda: Wind Waker, Objekte und Personen fotografieren. Manchmal benötigen wir dies für die Lösung von Rätseln; zusätzlich dazu können wir durch das Ablichten von historischen Werken und relevanten Spielfiguren Erfahrungspunkte sammeln.

Diese Erfahrungspunkte können dann verwendet werden, um aufgesammelte Bücher zu lesen, die Indy-Eigenschaften für den Kampf und Weiteres verbessern. Das ist ein sehr nettes Prinzip, um einen Skilltree zu integrieren, ohne dafür in aufgesetzten, komplizierten Menüs herumzuspielen. Allerdings sind diese Skill-Erweiterungen, zumindest auf einem leichteren Schwierigkeitsgrad, komplett unerheblich. Das Spiel lässt euch die ganze Story einwandfrei erleben, ohne auch nur ein einziges dieser Bücher gelesen zu haben. Gegen Geld könnt ihr in den größeren Gebieten auch Schatzkarten kaufen, die euch die Sammelgegenstände in Indys Notizbuch anzeigen. Dieses Notizbuch ist ebenfalls etwas, das zur großen Immersion beiträgt
So werden sämtliche Menüs, Informationen und Karten in eben diesem Notizbuch aufbewahrt. Eine Minimap? Fehlanzeige. Aber Indy kann mit aufgeklapptem Notizbuch umherlaufen, auf dem ihr dann die Karte sehen könnt. Wir finden in dem Buch ebenfalls die Notizen zu unseren geschossenen Fotos, um Rätsel lösen zu können. Diese gespeicherten Hinweise entpuppten sich aber hin und wieder, zumindest in der deutschen Version, als fehlerhaft, was das Lösen von Rätseln unmöglich machte. Hier sei besonders das Rätsel des Jesusbildes im Vatikan zu erwähnen. Ihr müsst unbedingt die Hinweise abseits des Notizbuchs beachten, ansonsten bleibt euch nur der Griff zu einer Komplettlösung oder stupides Ausprobieren. Ebenfalls könnt ihr Unmengen an Nebenmissionen sammeln. Diese ergeben sich meistens aus dem Beobachten und Interagieren mit eurer Umgebung.

Das einfachste Beispiel ist relativ schnell zu Beginn im Vatikan: Dort gibt es eine Nonne, an der wir einfach vorbeigehen. Hören wir allerdings, was sie sagt, fällt uns auf, dass sie ein Buch möchte, welches zu weit oben im Regal liegt. Also drehen wir kurzerhand um, begeben uns zu ihr und holen das Buch für sie aus den oberen Regalreihen. Dafür werden wir mit ein paar Erfahrungspunkten belohnt. Dies soll lediglich ein Beispiel sein, wie ihr Nebenmissionen annehmen, gleichzeitig aber auch verpassen könnt. Das Spiel setzt hier voll und ganz auf den Entdeckerdrang bei uns Spielern.
Optischer Augenschmaus, mit technischen Abstrichen
Wie eingangs schon erwähnt, sieht Indiana Jones und der Große Kreis auf der Nintendo Switch 2 hervorragend aus. Alles wirkt stimmig und vor allem flüssig. Doch bleibt die Grafikpracht, so schön sie auch ist, nicht ohne Nebenwirkungen. Die Schatten werden zuweilen unruhig dargestellt und besonders im ersten Gebiet, dem Dschungel von Peru, bekommt man den Eindruck, dass die dortige Botanik permanent einen digitalen Herzinfarkt erleidet. Überall gibt es unmittelbar vor einem Pop-ups und nachladende Texturen. Spieler der letzten Pokémon-Titel mögen sich hier direkt heimisch fühlen, denn es ist sehr, sehr auffällig.

Was ebenfalls auffällt, ist der Einsatz der DLSS-Technologie. Dabei werden Objekte in eurer Umgebung schärfer und deutlicher dargestellt und alles, was weiter weg ist, wird etwas vernachlässigt. Dies mag am Anfang, in Peru und im Vatikan, nicht weiter störend wirken, sobald die Gebiete jedoch auch optisch weitläufiger werden, wie in Gizeh, dann seht ihr Figuren im Hintergrund nur mit 10 FPS laufen und Schatten bzw. Rauchwolken wirken so, als stammten sie aus Minecraft. Das mögen hin und wieder auftretende Kleinigkeiten sein, trüben jedoch den ansonsten hervorragenden, optischen Eindruck. Davon verschont bleibt auch die zuvor erwähnte, cineastische Inszenierung nicht.
Die Schnitte innerhalb der Sequenzen wirken zuweilen unruhig und fast schon ruckelig, stümperhaft. Hier wären weichere Übergänge ansehnlicher gewesen, da es so wie Jumpscares wirkt, wenn plötzlich auf das erschrockene Gesicht eines Begleiters gewechselt wird. Die Charaktermodelle sehen dabei durchweg hübsch aus; sogar Harrison Ford ist als junger Indiana Jones zu erkennen, gesprochen wird er allerdings von Troy Baker. Dieser ist einigen vielleicht als Synchronsprecher diverser Animes wie Dragon Ball, Naruto oder auch One Piece bekannt.
Erstklassige Vertonung garantiert
One Piece ist hierbei ein gutes Stichwort, denn die Synchronisation des Antagonisten Emmerich Voss wird im Deutschen sowie auch im Englischen von Marios Gavrilis übernommen. Dieser ist vor allem durch die Figur des Katakuri aus One Piece einer breiteren Masse bekannt geworden. Alles in allem lässt sich sagen, dass sowohl die deutsche als auch die englische Vertonung einwandfrei funktioniert. Indiana Jones und der Große Kreis bildet hier auch einen der letzten großen Auftritte von Tony Todd. Der Schauspieler ist sowohl optisch als auch akustisch in der Rolle des Locus vorhanden, bevor er Ende 2024 verstarb.

Ansonsten gibt es Soundtechnisch nichts Großes zu erwähnen. Alles wirkt stimmig und wie aus einem Guss. Die bekannten Melodien sind einwandfrei umgesetzt worden und auch das obligatorische Abklingen von Kampfmusik, sobald Gegner aufhören euch zu jagen, ist vorhanden. Die Peitsche knallt eindrucksvoll und jede noch so kleine Nebenfigur wurde komplett vertont.
Kleine Besonderheiten
Das, was bei Indiana Jones und der Große Kreis auf der Nintendo Switch 2 am meisten hervorsticht, ist die Tatsache, dass es die einzige Version ist, die es euch erlaubt, das Spiel komplett zu besitzen. Wo andere Konsolen nur eine Key-Disc bekommen haben, ist hier das vollständige Spiel auf dem Modul enthalten. Wir empfinden dies als massiven Pluspunkt gegenüber den anderen Versionen. Von der Möglichkeit, das Spiel mobil zocken zu können, ganz zu schweigen. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass sich Indiana Jones und der Große Kreis auf der Nintendo Switch 2 nicht vor den anderen Versionen verstecken muss. Wir haben hier eine vollwertige Portierung eines absolut erstklassigen AAA-Titels bekommen. Wenn ihr wirklich auf die erwähnten Kritikpunkte achtet, ja, dann werdet ihr sie auch bemerken, doch tut es dem Spielspaß keinen Abbruch.
Wir haben hier ein Spiel bekommen, was sicherlich viele Fans lieber statt des Kristallschädels im Kino gesehen hätten. So haben wir aber die Chance bekommen, in ein unvergleichbares Indy-Abenteuer abtauchen zu können, das sich von Story und dem Erlebnisgefühl nahtlos in die Filmreihe einfügt. Und wer nicht genug von Indy bekommen kann, dem steht auch das DLC-Paket zur Verfügung, was neue Inhalte innerhalb der Story bringt.
Geschrieben von Kim Kaiser
Fazit:
Indiana Jones und der Große Kreis war ein unfassbar tolles Erlebnis. Die Story war von Anfang an fesselnd und gespickt mit Anspielungen auf den ersten Film und auch die Serie. Etwas frustriert war ich von der Steuerung. Es hat einige digitale Tode benötigt, bis ich verstanden habe, wie ich in Kampfhandlungen die Kamera weglege und dafür die Fäuste hochbekomme. Auch gehöre ich zur Fraktion, die Immersion zwar sehr schätzt, aber das Verlieren von Waffen und das Drehen von Schlüsseln eher nervig findet. Dennoch hat es dem Spiel nicht geschadet und ich bin mir sicher, immer mal wieder in diese Welt abzutauchen. Immerhin habe ich noch nicht alle Missionen erledigt. Und es macht Spaß, den Nazis heimlich das Geld aus den Zelten zu stibitzen. Gerne möchte ich mich auch mal an einem höheren Schwierigkeitsgrad versuchen, da ich meist einen moderaten zu Beginn wähle, da ich erst einmal die Story und das Gameplay genießen möchte. Die Challenge kommt dann später.







