World to the West -  – TEST

Das zweite Spiel des Entwicklerstudios Rain Games wurde bereits für jede gängige Konsole, außer der Wii U, veröffentlicht. Mit dem Erscheinen der Switch-Version sind wir nun erstmals in der Lage das Puzzle-Adventure World to the West sowohl auf einer Nintendo-Konsole, als auch unterwegs zu spielen.

 


Wer das Erstlingswerk von Rain Games mit dem Namen Teslagrad gespielt hat, der wird sich in der Präsentation von World to the West sofort heimisch fühlen. Die Engines unterscheiden sich zwar spürbar, die Gestaltung der Charaktere ähnelt sich jedoch deutlich. In beiden Spielen dominieren sehr rundliche Charaktermodelle, die sich comicartig fortbewegen. In Zusammenspiel mit den farbenfrohen Umgebungen entsteht hierdurch ein sehr stilsicherer Look.

Zelda mit mehr Puzzles
Was die eigentliche Spielmechanik angeht, bricht World to the West allerdings deutlich mit seinem geistigen Vorgänger. Dieser Unterschied ist schon bei der Kameraperspektive bemerkbar, denn in World to the West steuern wir unsere Charaktere aus einer schrägen Vogelperspektive, wie wir sie beispielsweise aus den zweidimensionalen The-Legend-of-Zelda-Teilen kennen. Auch im Gameplay lassen sich durchaus Parallelen zu Nintendos Flagschiff ziehen: Die entscheidenden Spielmechaniken lassen sich auf das Bekämpfen von Gegnern, das Sammeln von Gegenständen und das Lösen von Rätseln runterbrechen. Letzteres dominiert den Spielverlauf von World to the West.

Wir spielen allerdings nicht einen Charakter, sondern vier: Das Minen-Kind Knaus, die Elektrizitässteuerin Lumina, den muskulösen Lord Clonington und die Gedankenbendigerin Terri. Jeder dieser Charaktere bringt eigene Fähigkeiten mit sich, die im Laufe des Spiels erweitert werden. Knaus kann beispielsweise aufgrund seiner Größe Schächte durchdringen und ist in der Lage sich unter Felsen durchzugraben, während Lumina sich über eine kurze Distanz teleportieren und Clonington, neben seiner Stärke im Kampf, auch Klippen hinaufklettern kann. Terri kontrolliert wiederum mittels einer speziellen Brille ihre Gegner. Besagte Fähigkeiten werden zum Lösen von Rätseln benötigt. Generell nimmt dieser Aspekt einen beachtlichen Teil der Spielzeit in Anspruch. Die Knobelaufgaben sind in den meisten Fällen allerdings recht simpel, wenn auch recht abwechslungsreich ausgefallen. Lediglich in den ersten Spielstunden wollen die Mechaniken der einzelnen Charaktere noch nicht wirklich in Fleisch und Blut übergehen, was das Lösen der ein oder anderen Aufgabe zu einem frustrierenden Hindernis verkommen lässt.

Erst allein und später im Rudel
Besagte Rätsel haben meist das übergeordnete Ziel, den Charakter von Punkt A nach Punkt B zu bewegen. An den Zielen erwartet uns ein Totem, der als Checkpoint dient. Zu erwähnen sei hierbei, dass wir jeden Charakter separat zum Totem bewegen müssen, um uns künftig dorthin teleportieren zu können. Daraus entsteht der Umstand, dass wir oftmals die gleichen Areale auf unterschiedlichen Pfaden mit unterschiedlichen Charakteren durchstreifen müssen. Mit diesem Feature wird bewusst in World to the West gespielt, um uns die gleichen Wege auf andere Weise erleben zu lassen. Leider gelingt dieses Kunststück nicht immer, wodurch unnötige Längen entstehen. Allerdings muss in diesem Zusammenhang auch erwähnt werden, dass jeder Charakter seine eigenen Ziele und Handlungsstränge verfolgt. Diese kreuzen sich innerhalb der ersten Spielstunden oft, bis sich im späteren Verlauf ein gemeinsames Ziel herauskristallisiert. Auch im Bezug auf das Lösen von Rätseln müssen die Fähigkeiten der jeweiligen Personen oftmals geschickt miteinander kombiniert werden.

Fazit:

World to the West lässt mich mit gemischten Gefühlen zurück. Zum einen ist die Musik, wie schon in Teslagrad, exzellent und unterstreicht die jeweilige Situation perfekt. Generell ist an der Präsentation nur wenig Raum für Kritik. Die Charaktere sind ebenfalls durchdacht und interessant geschrieben, auch wenn die Handlung etwas flach ausfällt und das Fehlen jeglicher Sprache bei der Anzahl an Dialogen ein Versäumnis darstellt. Auf der anderen Seite wurde ich mit dem Konzept, dass jeder Charakter eigenständig seinen Weg finden muss, nie wirklich warm, da dadurch für mich störende Längen entstanden sind. Wer sich davon nicht abschrecken lässt, den erwartet mit World to the West ein sehr stilsicheres und unterhaltsames Abenteuer mit Rätselfokus.