Yo-kai Watch 3 -  – TEST

Gerade einmal drei Monate nach Yo-kai Watch Blasters sind die Geistwesen Anfang Dezember in Yo-kai Watch 3 zum letzten Mal in einem 3DS-Hauptteil zurückgekehrt. Statt drei Versionen wie in Japan, wurde das Rollenspiel für den Westen in einer Variante zusammengefasst. Wir haben uns ins Abenteuer gestürzt und uns all die Neuerungen und Änderungen angesehen.


Zwei Städte, zwei Protagonisten, neues Kampfsystem, zahlreiche Nebenbeschäftigungen. Yo-kai Watch 3 ist nicht nur der umfangreichste Teil von Level-5s Rollenspiel-Reihe, sondern bringt auch einige Änderungen mit sich. Das fängt bereits zum Spielstart an. Statt wie bisher zwischen einem Jungen und einem Mädchen zu wählen, erleben wir das Abenteuer mit zwei Spielfiguren. Dabei ist der Junge bereits aus den Vorgängern bekannt. Das Mädchen hingegen hat ihren ersten Auftritt. Für diesen Test haben wir uns bei den Namen für die englischen Varianten Nathan und Hailee entschieden. Natürlich besteht wie in den Vorgängern die Möglichkeit, beide Charaktere frei zu benennen.

Zwei Städte, zwei Abenteuer

Haben wir die Namen festgelegt, geht es auch schon los. Mit einem sehr knappen Einstieg wird vermittelt, dass Nathan nach zwei Yo-kai-Abenteuern in Lenzhausen und Umgebung wegen der Arbeit seines Vaters umzieht. Neuer Handlungsort ist St. Peanutsburg in den USA. Dort werden uns in einem gelungenen Tutorial, das auch die Geschichte einleitet, noch einmal in die Grundlagen des Spiels erklärt. Anschließend geht es mit Hailee in Lenzhausen mit weiteren Erklärungen sowie der Vorstellung des neuen Stadtviertel Nerdeck weiter. Wir lernen Usapyon, der in etwa die Rollen von Whisper und Jibanyan bei Hailee einnimmt, kennen und befassen uns mit den Anfängen der Story. Langsam erschließen sich uns so Steuerung, Welt, Städte und Spielsysteme. Allerdings fügt Yo-kai Watch 3 auch noch nach zahlreichen Spielstunden neue Funktionen hinzu, so dass es immer wieder etwas Neues zu entdecken gibt. Das bringt nicht nur Abwechslung, sondern motiviert uns regelmäßig weiterzuspielen.

Unabhängig voneinander erzählt, weisen die beiden Geschichten gemeinsame Themen auf und drehen sich unter anderem um Übersinnliches wie Aliens. Das bringt den gewohnt leichtgängigen Humor mit sich und nutzt sogar Verweise auf die Popkultur. Gerade dank der nerdigen Hailee und dem Stadtviertel Nerdeck fällt das noch einmal ein bisschen mehr auf. Ab einem bestimmten Punkt im Spiel dürfen wir frei zwischen den beiden Spielfiguren wechseln. Obwohl die beiden Geschichten eher unabhängig parallel zueinander laufen, greifen sie gelegentlich ineinander. Darauf werden wir hingewiesen und so zu einem Wechsel angehalten, um Verknüpfungen besser zu erkennen. Manchmal ist es sogar erforderlich im jeweils anderen Abenteuer einen bestimmten Punkt zu erreichen, um bei der parallelen Geschichte voranzuschreiten. Das bringt uns dazu, uns nicht nur auf Nathan oder Hailee zu konzentrieren. Da beide Charaktere und ihre Geschichten sympathisch sind, die erneut in mehr oder weniger zusammenhängende Kapitel unterteilt sind, fällt uns das aber nicht schwer. Besonders Hailee und Usapyon haben schnell unsere Sympathie erweckt und wir sind gerne mit dem nerdigen Mädchen, das unter anderem eine Vorliebe für Anime und Games hat, losgezogen.

Taktisches Yo-kai-Leben

Wie aus den Vorgängern gewohnt erkunden wir St. Peanutsburg und Lenzhausen aus einer isometrischen Sicht. Wir durchforsten Wälder, ziehen von einem Geschäft oder Gebäude zum nächsten, durchstreifen die Straßen der beiden Städte und führen zahlreiche Unterhaltungen oder lösen eher einfache Rätsel. An Bäumen, in hohem Gras, unter Autos und an allerlei anderen Orten können wir dank unserer Yo-kai-Watch die namensgebenden Geistwesen finden. Statt wie bisher mittels Lupe und Verfolgung bis eine Anzeige gefüllt ist, schießen wir nun auf die Yo-kai und müssen sie oft genug treffen, um einen Kampf auslösen. Natürlich wehren sich die Yo-kai auch und sollten wir zu oft von einer Energiekugel, die wir abschießen können, getroffen werden, entkommt unser Ziel. Das ist angenehm eingängig und weniger nervig als die Yo-kai-Suche in den Vorgängern.

Eine der größten Neuerungen sind dann die Kämpfe selbst. Statt wie bisher mittels Rad auf dem Touchscreen über die aktiven Yo-kai zu bestimmen, befindet sich dort nun ein Raster. Drei mal Drei groß können wir die Münzen von drei unserer Yo-kai auf den neun Feldern platzieren. Die inaktiven zusätzlichen drei Gruppenmitglieder warten unterhalb des Kampffeldes auf ihren Einsatz und können durch einfaches Ziehen mit einer aktiven Münze getauscht werden. Weiterhin agieren unsere Yo-kai selbstständig und führen gemäß ihrer Persönlichkeit Aktionen aus. Beeinflussen können wir dank des Rasters aber die Positionierung unserer kleinen Freunde. Das ist auch unbedingt notwendig, weil wir dadurch Boni erhalten oder mächtigen Angriffen der Gegner ausweichen können. So wird angezeigt welche Felder von einer Spezialattacke getroffen wird. Die Farbe dieser Markierung weist uns zudem darauf hin, wie weit fortgeschritten die Durchführung des Angriffs bereits ist. Bringen wir unsere Yo-kai zu früh in Sicherheit, kann der Gegner die Aktion noch abbrechen und schneller erneut starten. Da unserer Yo-kai nach einer Bewegung erst einige Sekunden pausieren müssen, kann das bei falscher Planung zu harten Treffern führen. Allerdings können wir uns diese Taktik auch selbst zu Nutze machen und die Gegner zu Bewegungen animieren und schnell zu einem anderen Ultiseelschlag wechseln.

Die mächtigen Spezialangriffe führen wir weiterhin mittels kleinen Mikrospielen auf dem Touchscreen aus. Mal müssen wir einen Kreisel schnell drehen, Kugeln zum Platzen bringen oder wie bei Glücksspielautomaten drei Anzeigen beim richtigen Symbol anhalten. Das ist intuitiv, simpel und zwingt uns neben dem taktischen Anspruch zu aktiver Teilhabe an den Kämpfen. Ebenfalls mit Mikrospielen können wir unsere Yo-kai von feindlichen Beseelungen, die unsere Freunde schwächen, befreien. Später erhalten wir sogar die Möglichkeit noch etwas direkter in den Kampf einzugreifen. Dabei können wir sogar Einfluss auf die Befreundungsrate nehmen. Wollen wir einen Yo-kai für unser Team gewinnen, heißt es wie schon in den Vorgängern wieder gegen sie zu kämpfen, ihnen das richtige Essen zu geben und zu hoffen. Der Zufallsfaktor spielt weiterhin eine große Rolle und kann – trotz eingesetzten Boni und Hilfsmaßnahmen – nervig werden, wenn wir für die Lösung einer Haupt- oder Nebenaufgabe einen bestimmten Yo-kai benötigen.

Beschäftigung bis zum Abwinken

Yo-kai Watch 3 ist ein Umfangsmonster. Das beginnt bei den in Sachen Spielzeit recht ordentlichen Geschichten und geht über die über 600 (!) Yo-kai bis hin zu zahlreichen Nebenbeschäftigungen. Darunter auch wieder einige Nebenquests, die mit interessanten kleinen Geschichten und bekannten sowie neuen Figuren aufwarten. Hier verbirgt sich so manch amüsante oder spannende kleine Episode, die zusätzliche Abwechslung bringt. Außerdem dürfen wir wieder geheimnisvolle Yo-kai-Orte finden, Yo-kai-Verbrecher jagen, Insekten fangen, Angeln, gegen Freunde kämpfen oder Yo-kai tauschen. Auch die Portale der Launen sind wieder vorhanden und laden ein einen skurrilen Dungeon zu erkunden. Fehlen darf natürlich auch die Schreckenszeit nicht in der wir vor Gargaros und seinen Schergen flüchten müssen. Neu ist, dass wir für die Tür, die als Ausgang dient, erst einen Schlüssel finden müssen. In der Schreckenszeit gesammelte Oni-Kugeln dürfen wir anschließend in einem besonderen Yo-kaimaten für spezielle Belohnungen einsetzen. Etwas frustrierend ist, dass Gargaros uns recht schnell besiegt und wir an diversen Stellen erst weiterspielen konnten, nachdem wir die Schreckenszeit erfolgreich absolviert hatten.

Neu ist hingegen die Zombienacht, die wir als Nathan in St. Peanutsburg erleben. Erklingt nachts ein ominöser Glockenklang, erwachen wir in einer Stadt, die von Zombies überrannt wurde. Hier gilt es einen bestimmten Ort zu erreichen an dem sich ein Ausgang und damit die rettende Rückkehr ins normale St. Peanutsburg befindet. Bewaffnet sind wir lediglich mit einem Hammer mit dem wir die Zombies umhauen können. Am besten von hinten, da die wandelnden Toten sofort ihre Kameraden rufen, wenn sie uns sehen – und das endet schnell im Scheitern. Ergänzt wird das Rollenspiel zusätzlich vom „Bau-‘nen-Nyan!“-Modus, der es uns ermöglicht einen eigenen Katzen-Yo-kai zu erschaffen. Im Laufe des Spiels finden wir Muster, Farben, Stimmen und allerlei mehr, dürfen unseren Katzen-Yo-kai trainieren und einen eigenen Stamm festlegen. Spielerisch vielleicht nicht unbedingt notwendig, aber ein kurzweiliger Spaß.

Weitaus größer fällt Blasters T aus. Wie der Name schon erahnen lässt orientiert sich diese Nebenbeschäftigung an dem Spin-off Yo-kai Watch Blasters. Von einem Blasters-Feldlager in der Atlahara-Wüste ziehen wir genauso wie in dem Ableger mit einem vierköpfigen Yo-kai-Team los, um Ruinen nach Schätzen zu durchforsten und dem Geheimnis eines mysteriösen Kontinents auf die Spur zu kommen. Blasters T ist fast schon ein eigenes Spiel und bietet für sich schon einen ordentlichen Umfang. Damit wird Yo-kai Watch 3 enorm erweitert und erhält eine Abwechslungsmöglichkeit, die wirklich etwas anderes bietet. Zusätzlich besteht die Möglichkeit Blasters T lokal oder online mit Freunden zu spielen, was den Eindruck eines Spiels-im-Spiel nur noch mehr verstärkt. Eine der vielleicht besten Neuerungen, Ergänzungen und Nebenbeschäftigungen in dem sowieso bereits spaßigen und abwechslungsreichen Yo-kai Watch 3.

Alte Bekannte

Weniger verändert hat sich Yo-kai Watch 3 bei der Technik. Die Grafik erinnert an den direkten Vorgänger und hat sich seit diesem höchstens marginal verändert. Negativ ist das aber nicht, da Yo-kai Watch 3 trotzdem wirklich schick ist und mit einem schön bunten Anime-Stil aufwarten kann. Nahe Kamerafahrten und -einstellungen bringen zusätzlich zu Gebieten, die wir aus anderen Perspektiven erkunden neue Einblicke und werden von einer wunderbaren Musikuntermalung ergänzt. Dazu gesellen sich die bekannten deutschen Stimmen, die weiterhin Geschmackssache sind. Da aber vieles nicht vertont ist, spielen die deutschen Texte eine wesentlich größere Rolle. Diese weisen überraschend mehr Fehler auf als von der Reihe erwartet. Wirklich häufig tritt das jedoch nicht auf, so dass es kaum ins Gewicht fällt und dem durchweg positiven Eindruck von Yo-kai Watch 3 nicht schadet. Besonders weil die Dialoge wieder schön geschrieben sind und den Figuren gekonnt Leben einhauchen. Nicht selten haben wir etwa bei den Unterhaltungen zwischen Hailee und Usapyon grinsen müssen. Das unterstreicht noch einmal wie spaßig das Konzept mit zwei Hauptfiguren und Geschichten ist, da auch hier immer genau die richtige Abwechslung garantiert ist, so dass uns nicht langweilig wird und wir auch nach zahlreichen Spielstunden noch weiterspielen wollen. Und zur Not wechseln wir einfach und widmen uns dem jeweils anderen Charakter oder tauchen in Blasters T ein.

Geschrieben von Alexander Geisler

Fazit:

 

Yo-kai Watch 3 ist wahrscheinlich der bisher beste Hauptteil der Rollenspiel-Reihe. Und das liegt nicht nur am riesigen Umfang mit über 600 (!) Yo-kai, sondern vor allem auch an den zwei Spielfiguren, zwei Städten und zwei ineinandergreifenden Geschichten. Es ist immer für die nötige Motivation gesorgt und sollte mir doch einmal langweilig werden, kann ich entweder zwischen Nathan und Hailee wechseln oder mich mit den zahlreichen Nebenbeschäftigungen befassen. Vor allem Blasters T bringt Abwechslung und ist fast schon ein eigenes Spiel. Die Erkundung von Ruinen mit einem Yo-kai-Team macht Spaß und ist angenehm kurzweilig, so dass der Spielmodus auch nur für einen kleinen Ausflug in die Wüste geeignet ist. Damit bietet Yo-kai Watch 3 so viel, dass ich auch nach etlichen Spielstunden noch etwas zu tun habe und mich immer wieder gerne nach Lenzhausen und St. Peanutsburg begebe. Als letztes großes 3DS-Yo-kai-Watch ist Yo-kai Watch 3 der perfekte Abschluss, den sich Fans der Reihe sowie 3DS-Rollenspieler nicht entgehen lassen sollten.