Dispatch – VORSCHAU
Ein Superheld ohne Anzug, ein Büro voller Ex-Schurken und Entscheidungen, die mehr bewirken als jeder Faustschlag: Dispatch erzählt von einem Abstieg, der sich wie ein Aufstieg anfühlt. Statt Explosionen und Bosskämpfen stehen Gespräche, Einschätzungen und zwischenmenschliche Reibung im Mittelpunkt. Ende Januar landet das gefeierte Episoden-Adventure auf der Switch 2 – mit Humor, Herz und einer ungewöhnlichen Mischung aus Erzählkunst und leiser Strategie.
Dispatch ist ein erzählerisches Adventure im Superhelden-Setting, entwickelt von AdHoc Studio, einem Team aus ehemaligen Telltale-Autoren und -Regisseuren. Namen wie Tales from the Borderlands oder The Wolf Among Us sind hier keine bloßen Referenzen, sondern prägen Ton und Aufbau des Projekts. Figuren, Dialoge und Entscheidungen stehen im Mittelpunkt, nicht Reaktionsgeschwindigkeit oder Systemtiefe. Bereits die PC- und PS5-Veröffentlichung im Herbst 2025 machte deutlich, dass Dispatch kein klassisches Actionspiel im Superheldengewand sein will, sondern eine Geschichte erzählt, die sich bewusst auf Zwischenräume konzentriert: auf Gespräche, Abwägungen und die Folgen scheinbar kleiner Entscheidungen.

Im Zentrum steht Robert Robertson III, einst als Mecha Man ein gefeierter Held. Nach dem Verlust seines Anzugs endet diese Karriere abrupt. Statt selbst Schurken zu jagen, arbeitet Robert nun in einer Einsatzzentrale und koordiniert ein Team aus ehemaligen Bösewichten, die als Helden auf Bewährung unterwegs sind. Büroalltag trifft auf Superkräfte, persönliche Eitelkeiten auf reale Gefahr. Dispatch erzählt nicht vom nächsten großen Kampf, sondern vom Dazwischen: von Einsatzplänen, Personalproblemen und der Frage, wie viel Verantwortung jemand tragen kann, der nicht mehr selbst eingreift. Der Perspektivwechsel verschiebt das Superheldenmotiv weg vom Spektakel hin zu Struktur und Konsequenz.
Entscheidungen statt Fäuste
Spielerisch knüpft Dispatch an klassische narrative Adventures an, ergänzt diese Struktur jedoch um ein taktisches Element. Dialoge bestimmen den Verlauf der Geschichte, formen Beziehungen und verändern Figuren. Parallel dazu verlangt ein Einsatzsystem, passende Heldinnen und Helden für Notrufe auszuwählen. Jede Figur bringt eigene Stärken, Schwächen und Eigenheiten mit, die bei diesen Entscheidungen berücksichtigt werden müssen. Erfolg entsteht hier nicht durch Reflexe, sondern durch Einschätzung und Planung. Aus Erzählung, Team-Management und langfristigen Konsequenzen entwickelt sich ein ungewöhnlicher Genre-Mix, der bekannte Adventure-Formen in ein neues Umfeld überträgt.

Nach der zeitexklusiven Veröffentlichung auf PC und PlayStation 5 erscheint Dispatch nun auch für Nintendo-Systeme. Auf der ursprünglichen Switch läuft das Spiel mit 720p und 30 Bildern pro Sekunde, die Switch-2-Version soll 1440p und stabile 60 FPS erreichen. Für ein stark inszeniertes, dialoglastiges Spiel verspricht das eine ruhige und klare Darstellung. Alle acht Episoden sind zum Start enthalten, deutsche Texte und Untertitel sind bestätigt, die Sprachausgabe bleibt englisch. Eine physische Version ist bislang nicht angekündigt, der Release erfolgt digital am 29. Januar 2026.

Dispatch bringt damit ein erzählerisches Format auf die Switch 2, das weniger auf Tempo als auf Übersicht, Struktur und Konsequenz setzt. Ein Superheldenspiel ohne Fokus auf Kampf bleibt ungewöhnlich, gerade auf einer Plattform, die oft mit unmittelbarer Zugänglichkeit und Action assoziiert wird. Genau diese Verschiebung macht das Projekt interessant. Nicht als Versprechen eines bestimmten Erlebnisses, sondern als Einladung, eine bekannte Idee aus einer neuen Perspektive zu betrachten. Dem Erfolg auf den anderen Plattformen nach zu urteilen, könnte uns hier ein Hit ins Haus stehen.
Geschrieben von Arne Ruddat
Prognose:
Superhelden sind eines dieser Themen, die nie verschwinden, sich aber ständig neu erfinden müssen. Comics, Filme und Serien haben jede Spielart einmal durchgespielt, vom strahlenden Vorbild bis zur völligen Dekonstruktion. Serien wie The Boys haben gezeigt, wie viel frischer Wind entstehen kann, wenn jemand den Mut hat, vertraute Bilder aufzubrechen. Dispatch scheint genau an dieser Stelle anzusetzen, nur auf eine leichtere, zugänglichere Weise, eher wie ein Samstagmorgen-Cartoon für Erwachsene, der hinter der bunten Oberfläche leise Fragen stellt: Wer trägt Verantwortung? Wer entscheidet über andere? Was bleibt vom Heldentum, wenn niemand zusieht? Gerade das Zwischenmenschliche macht dieses Projekt für mich so reizvoll. Kämpfe lassen sich in Spielen gut darstellen, Gespräche und Abwägungen deutlich seltener. Wenn Dispatch tatsächlich dort ansetzt, wo viele Spiele ausweichen – bei Beziehungen, Unsicherheiten und den Folgen kleiner Entscheidungen –, könnte das dem übernutzten Genre eine Perspektive geben, die bislang selten Raum bekam.







