Tales of Xillia Remastered – TEST
Am 31. Oktober 2025 erschien mit Tales of Xillia Remastered eine Neuauflage des ursprünglich im Jahr 2011 exklusiv für die PlayStation 3 erschienenen japanischen Rollenspiels für alle gängigen Konsolen und den PC. Das Remaster bietet dabei neben grafischen Verbesserungen auch einige willkommene Quality-of-Life-Verbesserungen.

Der neueste Teil von Bandai Namcos bekannter Tales-of-Rollenspielreihe, Tales of Arise, erschien 2021 für die PlayStation 4 und 5, Xbox-Konsolen und den PC. Da von einem neuen Serienteil bisher jede Spur fehlt, versorgt Entwickler Bandai Namco darbende Fans der Reihe in der Zwischenzeit mit Neuauflagen älterer Serientitel. Nach Tales of Symphonia Remastered (Februar 2023) und Tales of Graces f Remastered (Januar 2025) ist nun mit Tales of Xillia Remastered der ursprünglich 2011 in Japan und zwei Jahre später im Westen exklusiv für die PlayStation 3 erschienene fünfzehnte Serienteil an der Reihe für eine Frischzellenkur. Veröffentlicht am 31. Oktober 2025 bietet das Spiel neben den für Remaster üblichen grafischen Verbesserungen auch einige Quality-of-Life Verbesserungen, welche die aufgehübschte Reise durch die Welt von Rieze-Maxia einfacher gestalten sollen. Leider ist die direkte Fortsetzung Tales of Xillia 2, auch zum Erstaunen vieler Fans, nicht enthalten. Vielleicht spart sich Bandai Namco diese ja für ein weiteres Remaster auf. Tales of Xillia Remastered erschien neben PlayStation 5, Xbox-Konsolen und dem PC für die Nintendo Switch, eine Switch-2-Version gibt es nicht.
Fantasy-Geschichte aus zwei unterschiedlichen Perspektiven

Tales of Xillia spielt auf der Fantasy-Welt Rieze-Maxia, in der Menschen und Naturgeister in einem fragilen Gleichgewicht zusammenleben. Beherrscht wird die Welt von zwei Königreichen, Rashugal und Auj Oule, welche beide augenscheinlich in Frieden leben, aber eigentlich nur auf den passenden Moment warten, den anderen zu schwächen und Rieze-Maxia unter ihrer Herrschaft zu vereinen. Das Spiel beginnt, als Jyde Mathis, seines Zeichens Medizinstudent an der Talim-Universität in Rashugal sich auf der Suche nach seinem Proferssor in eine geheime Einrichtung verirrt und eine mächtige magische Waffe, die „Lanze von Kresnik“ entdeckt. Diese absorbiert Naturgeister als Energie mit dem Namen Spyrix und soll die Machtverhältnisse auf Rieze-Maxia zugunsten von Rashugal verschieben. Hier macht er Bekanntschaft mit Milla Maxwell, einer mysteriösen jungen Frau, welche sich als Herrin der Geister ausgibt und die Waffe zerstören will. Damit beginnt ein wendungsreiches und spannendes Abenteuer mit viel Herz und Humor, in dem die Beiden auf weitere interessante Charaktere treffen, die sich ihnen anschließen. Wie für die Reihe üblich liegt der Fokus auf den unterschiedlichen Charakteren und deren Interaktion untereinander, welche durch die serientypischen „Skits“, kleineren Dialogen, die an bestimmten Stellen des Spiels geführt werden können, vertieft werden.
Das Besondere jedoch ist, dass wir bei Tales of Xillia Remastered nicht nur einen Protagonisten vorgesetzt bekommen, sondern uns direkt am Anfang entscheiden können, ob wir das Abenteuer aus der Perspektive von Jyde Mathis oder der von Milla Maxwell erleben möchten. Über weite Strecken des Spiels macht die Charakterwahl dabei keinen großen Unterschied, es gibt allerdings ein paar Stellen während des Abenteuers, in denen sich die Wege der Protagonisten trennen. Wer also die ganze Geschichte erleben und wirklich alles sehen möchte, kommt nicht darum herum, Tales of Xillia Remastered ein zweites Mal durchzuspielen. Wir empfehlen für den Anfang aber, das Abenteuer das erste Mal aus der Perspektive von Jyde Mathis zu spielen, da seine Geschichte ein wenig früher beginnt als die von Milla Maxwell und etwas mehr Kontext zur Spielwelt bereithält.
Traditionelles Rollenspiel mit actionreichem Kampfsystem

Wie üblich in japanischen Rollenspielen folgen wir der Geschichte und reisen dabei durch die Welt von Rieze-Maxia, besuchen Städte, Dörfer und diverse Gegenden wie Wälder, Ebenen oder Wasserfälle. Interessanterweise gibt es in Tales of Xillia keine Oberwelt, die einzelnen Dörfer und Städte sind duch relativ offene Landschaftsabschnitte getrennt. Erst später im Spiel schalten wir eine Landkarte frei, auf der wir zu bisher besuchten Orten zurückreisen können. In den Dörfern und Städten können wir genre-üblich einkaufen gehen, wobei die Geschäfte in Tales of Xillia allesamt die gleichen Waren führen, neue Ausrüstungsgegenstände und Items müssen wir erst durch das Aufleveln der Geschäfte freischalten. Dies geschieht entweder, indem wir in der Wildnis gefundene Materialien benutzen, oder Geld einzahlen. Neben der Hauptstory gibt es diesmal auch zahlreiche Nebenquests zu absolvieren, die allerdings allesamt recht unspektakulär ausgefallen sind. Außer Aufgaben der Marke „Bringe mir Gegenstand X“ oder „Besiege die folgende Monstergruppe“ gibt es leider nichts komplexeres.
Apropos Monster. Bei unserer Reise durch die Wildnis von Rieze-Maxia treffen wir, wie es für ein Rollenspiel typisch ist, auf zahlreiche fiese Kreaturen. Diese laufen sichtbar durch die Landschaft und lösen bei Berührung einen Kampf aus. Das Kampfsystem trägt in Tales of Xillia den komplizierten Namen „Dual-Raid-Linear-Motion-Battlesystem“, eine Variation des aus der Serien bekannten, actionreichen Linear-Motion-Kampfsystems. Will heißen, dass die vielen unterschiedlichen Monster wie Riesenskorpione, monströse Vögel oder wandelnde Bäume serientypisch auch hier in Echtzeit verhauen werden. Wir können die verschiedenen Gegner einzeln anvisieren, auf sie zusprinten, in die dritte Dimension ausweichen oder Blocken. Wir können das Geschehen aber auf Wunsch auch Pausieren und Befehle wie beispielsweise zum Benutzen von Gegenständen eingeben. Mit einem Druck auf den B-Knopf in Verbindung mit den Richtungstasten lösen wir die in der Serie als „Artes“ bekannten Magieattacken aus. Das Besondere des Kampfsystems hier ist der Zusatz „Dual Raid“, mit dem wir zwei beliebige Charaktere der Gruppe miteinander verbinden können. Die beiden verbundenen Charaktere halten sich dabei gegenseitig den Rücken frei und können ihre Zauberkräfte zu mächtigeren Attacken kombinieren und Kombos auslösen.
Charakterentwicklung im Spinnennetz

Neben den genretypischen Erfahrungsleveln findet die Charakterentwicklung in Tales of Xillia Remastered mit dem sogenannten Lilliumkugel-System statt. Dieses sieht optisch aus wie ein Spinnennetz und ist dem aus Final Fantasy X bekannten Sphärobrett nicht unähnlich. An den Knotenpunkten des „Netzes“ schalten wir die namensgebenden Kugeln mit sogenannten Wachstumspunkten frei, die wie bei Levelaufstiegen erhalten und steigern so unsere Statuswerte wie Stärke, Trefferpunkte oder Schnelligkeit. Schalten wir alle Kugeln an vier Knotenpunkten frei und schließen damit ein Fragment, wird zusätzlich in der Mitte ein weiterer Orb freigeschaltet, der oftmals neue Spezialfähigkeiten oder Artes für unsere Charaktere bereithält.
Remaster mit Quality-of-Life-Verbesserungen

Optisch bietet Tales of Xillia Remastered wie für ein Remaster üblich eine höhere Auflösung und schärfere Texturen. Gerade die sehr bunten Charakterdesigns von Kosuke Fujishima und Mutsumi Inomata stechen dabei ganz besonders hervor, die Hintergründe beziehungsweise Landschaften sind allerdings leider ein wenig farbarm und können ihre PlayStation-3-Vergangenheit nicht verleugnen. Da Tales of Xillia Remastered keine native Switch-2-Version spendiert bekommen hat, läuft das Spiel per Abwärtskompatibilität auf Nintendos neuer Hybrid-Konsole. Auf der Switch 1 hat Tales of Xillia Remastered im angedockten Modus eine Auflösung von 1080p, im Handheld-Modus 720p. In beiden Modi läuft das Spiel mit einer Bildrate von 30 Bildern pro Sekunde. Das Gleiche gilt für die Switch 2, auch wenn das Bild hier etwas detaillierter aussieht, sind die Charaktermodelle auch hier ein wenig verwaschen und können leider nicht mit den Versionen des Spiels auf den anderen Konsolen und dem PC mithalten, welche dauerhaft mit 60 Bildern pro Sekunde laufen.
Tales of Xillia Remastered wartet zudem mit einer ganzen Reihe kleiner und größerer Quality-of-Life-Verbesserungen auf. So gibt es nun zum Beispiel automatisches Speichern abseits der festen Speicherpunkte, was besonders später im Spiel, wo die Speicherpunkte schon einmal weiter auseinanderliegen können, sehr willkommen ist. Hinzu kommt, dass nun Kämpfe auf Knopfdruck wiederholt werden können. Die augenscheinlichste Neuerung bei diesem Remaster ist allerdings, dass der sogenannte Grade-Shop, der im Original erst nach einmaligem Durchspielen verfügbar war, direkt von Anfang an freigeschaltet ist. Im Grade-Shop können wir nach Belieben bestimmte Parameter des Spiels regulieren und dürfen beispielsweise einstellen, wie viel Geld und Erfahrungspunkte wir nach Kämpfen erhalten, wieviel die Gegenstände in den Shops kosten oder ob wir im Kampf mehr Schaden verursachen möchten. So können wir nach Belieben unser Spielerlebnis anpassen und eignet sich besonders für Spieler, die Tales of Xillia damals schon einmal durchgespielt haben oder solche, die einfach nur die Story des Spiels genießen möchten. Tales of Xillia Remastered enthält zudem fast alle DLC, der hauptsächlich aus Kostümen für die Charaktere besteht. Lediglich einige lizensierte Kostüme sind nicht enthalten. Die Sprachausgabe ist wahlweise auf Japanisch oder Englisch, deutsche Untertitel können hinzugeschaltet werden.
Geschrieben von Markus Schoenenborn
Fazit:
Tales of Xillia habe ich damals zum Release des Originals auf der PlayStation 3 gespielt, allerdings nie beendet. Das vorliegende Remaster bietet mir nun die Gelegenheit dazu, diesen Teil der Tales-of-Reihe nachzuholen und kommt dazu mit zahlreichen kleinen aber feinen Quality-of-Life-Verbesserungen daher. Die Geschichte ist wie üblich bei der Reihe wendungsreich und spannend aufgebaut, sticht aber nicht besonders hervor. Der Fokus liegt bei Tales of Xillia serientypisch auf den Charakteren und ihren Beziehungen zueinander. Die Figuren sind dabei allesamt sehr sympathisch und durch die bekannten „Skits“ kommt auch der Humor nicht zu kurz. Das Kampfsystem, immerhin ein zentraler Bestandteil eines jeden Rollenspiels, ist dabei wie immer bei den Tales-of-Spielen sehr flott und actionreich, die bei diesem Spiel zu Tragen kommenden Eigenheiten wie die Verbindungen von Charakteren, kommt der taktischen Tiefe der Kämpfe noch zugute. Auf der technischen Seite kommt Tales of Xillia Remastered leider etwas schwächer als die Versionen auf anderen Konsolen daher. Die Charaktermodelle sind auch auf der Switch 2 ein wenig verschwommen und das Spiel läuft konstant mit 30 Bildern pro Sekunde, was etwas verwunderlich ist, da das Original damals 2013 auf der PlayStation 3 schon durchweg mit 60 Bildern pro Sekunde lief. Hier hätte sicher eine native Switch-2-Version Abhilfe geschaffen, die es aber leider nicht gibt. Insgesamt ist Tales of Xillia Remastered auch heute noch ein spannender Genre-Vertreter und lässt mich viele Stunden in die Welt von Rieze-Maxia eintauchen. Leider ist die direkte Fortsetzung, Tales of Xillia 2 nicht enthalten. Ich hoffe, dass diese mit einem weiteren Remaster noch nachgereicht wird.







