Nicktoons & The Dice of Destiny – TEST

Spongebob Schwammkopf, helfende Elfen, Ninja Turtles, Loot, Dungeons und die Würfel der Macht. Das alles in einem Nintendo-Switch-2-Spielinklusive Couch-Koop für bis zu vier Spieler. Animationen direkt wie aus einer Zeichentrickepisode gepaart mit dem typischen Humor der alten Nickelodeon Trickserien. Was kann da bei Nicktoons & The Dice of Destiny schon schiefgehen?


Ausgangssituation

Timmy Turner ist ein begeisterter Spieler von „Kreaturen und Kavernen“, einer nickelodeonifizierte Version von Dungeons & Dragons. Seine helfenden Elfen zaubern ihm stets die besten Kampagnen aus denen Timmy auch jedes Mal als Sieger hervorgeht. Doch genau diese Siegesserie ist es, die Timmy beginnt zu langweilen. So kommt es wie es kommen muss: Der Wunsch, selbst in die Kampagne eintauchen zu können, geht dank der Würfel, welche Cosmo sich von einem sehr mächtigen Zauberer hat andrehen lassen (oder in einer Cornflakes-Schachtel gefunden hat), gehörig schief. Und so landet nicht nur Timmy Turner, sondern auch zahlreiche weitere Figuren des Nickeloden-Zeichentrickuniversums, in einer Welt voller Kreaturen und Kavernen und es liegt an uns, die Würfel der Macht zurückzuerlangen und alle wieder nach Hause zu schicken. Ein Plan der Timmy zwar so gar nicht gefällt, aber der Gruppenzwang durch Spongebob Schwammkopf, den Turtles und Co ist letzten Endes doch zu groß. Also nicht lange gequatscht und auf ins Getümmel gestürzt.

Gänzlich neue Wege

Die Entwicklerstudios Petit Fabrik und Fair Plays Labs sind spezialisiert auf Lizenzversoftungen, besonders was Spiele basierend auf Nickelodeon-Figuren betrifft. Statt dem üblichen Fun-Racer oder Brawler mit den Nicktoons hat man dieses Mal etwas Neues gewagt. Ein Dungeon Crawler mit Timmy Turner, den Turtles und Spongebob Schwammkopf. Dies bietet allen Fans dieser Charakter einen frischen Wind im Videospielbereich, die einfach genug haben von Mario Kart- und Smash Bros-Klonen. Es gibt jede Menge Loot wie Ausrüstungsgegenstände, Pfannenwender und Artefakte. Viel Geld und Kristalle helfen uns dabei, Waffen und Ausrüstungsgegenstände zu verbessern. Doch wer genau ist die Zielgruppe von solch einem Spiel? Dieser Frage wollten wir nachgehen und haben uns durch die komplette Hauptkampagne gewühlt. Ob das Spiel etwas für euch ist, das erfahrt Ihr hier.

Looten und Leveln

Ihr erlebt die Kampagne verteilt über 8 Welten, alle angelehnt an bestimmte Nickeloden-Serien, sowie dem Knoten, welcher als Hubwelt dient. Innerhalb des Knotens sammeln sich Stück für Stück Figuren wie Perla Krabs, die Turtles oder auch Karl Keucher von Jimmy Neutron, Karai und Zuko aus Avatar: Der Herr der Elemente und einige mehr. Sie fungieren vorrangig als Questgeber oder zum Aufleveln eures Inventars. Standardmäßig spielt Ihr erst einmal mit Timmy Turner, könnt allerdings direkt zu Beginn auch zwischen Spongebob, Leonardo, Katara und Sandy wählen. Dabei hat jede spielbare Figur Ihre eigenen Besonderheiten. So Sind Spongebob, Sandy und Leonardo als Kämpfer, Barbarin und Samurai eher für den Nahkampf geeignet, während Timmy und Katara als Zauberer und Magierin eher auf Distanz bleiben. Spielerische Unterschiede gibt es allerdings kaum. Und das ist etwas, was Euch recht schnell auffallen wird: Ihr könnt eurem Charakter Rüstungen verpassen, verstärkte Waffen geben oder auch buffgebende Artefakte anlegen, einen großen Einfluss haben diese allerdings nicht. Euer Charakterbogen weist zwar RPG typische Attribute auf wie z. B. Intelligenz, Schaden, Gesundheit, Mana, Verteidigung, etc., aber intensiv damit beschäftigen müsst Ihr Euch nicht. Ihr habt eine Rüstung, bei der die Werte grün statt rot sind, zieht sie an. Ihr habt eine epische oder seltene Waffe gefunden? Kauft euch bei Karl Keucher einfach die normale Waffe, welche zu eurem Level passt. Ihr müsst euch nicht einmal sorgen, dass Ihr kein Geld habt um Euch die Ausrüstung zu kaufen, da euch das Spiel von Beginn an mit Loot in Form von Geld, Kristallen und Bufftränken erschlägt.

Copy and Paste beim Leveldesign

Etwas anderes wird Euch ebenfalls sehr schnell auffallen, das recht langweilige Leveldesign. Dabei ist gar nicht einmal die Optik gemeint. Alles wirkt so als könnte es direkt aus einer Trickfilmfolge sein. Auch thematisch passen sich die entsprechenden Abschnitte gut den Vorlagen an. Doch wenn Ihr Abschnitt 1-2 spielt, kommt Euch das ganze doch irgendwie seltsam vertraut vor. Es wirkt fast so als hätten die Entwickler hier einfach mal kurz den Spiegelmodus von Level 1-1 angehauen und fertig war das nächste Level. Davon gibt es in jeder Welt übrigens vier Stück. Drei davon sind ganz gewöhnliche Quest-Abschnitte, der vierte fungiert dann als Boss Level. Ihr werdet hierbei recht linear durch die Abschnitte geführt und müsst hin und wieder Aufgaben bestreiten, welche meist daraus bestehen einen Schalter zu finden um ein Tor zu öffnen. Gefüllt sind die Level mit allerhand Kisten und Fässern zum zerstören – für mehr Loot – sowie zahlreichen Gegnern, welche thematisch ebenfalls schön angepasst sind. Bei Spongebobs Welt bekommt Ihr es mit Haifischen und Quallen zu tun, bei den Turtles geht’s dann in der Kanalisation gegen Roboter Hunde und fliegende Gehirne. Gernetypisch vermischen sich die Gegnertypen beim weiteren Voranschreiten, was etwas schade ist, denn Quallen und Haifische sind jetzt nicht die optimalen Gegner in der Welt von Avatar: Der Herr der Elemente. Das war es dann im Großen und Ganzen auch schon.

Aus dem Knoten heraus ergibt sich vornehmlich ein Questgegenstand wie. z. B. Misses Puffs Klemmbrett, welches Ihr finden und zurückbringen müsst. Hin und wieder werden die Level durch Herausforderungen aufgelockert. Hierbei müsst Ihr in einem abgegrenzten Raum eine Horde von Gegnern besiegen. Erschwert wird dies durch ein vom Würfel bestimmtes Ereignis, wie z. B. Feuer, welches auf euch herab regnet oder stärkere Schilde, welche die Gegner um sich haben. Wirklich schwierig wird dies jedoch nie, da euch das Spiel neben unendlich viel Loot auch alle 2 Meter mit Heiltränken bombardiert. Selbst auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad, von dem Ihr einen von drei bei jedem Level neu wählen könnt, ist das Spiel keine große Herausforderung, weder für Jung noch Alt. Und das bleibt über die Dauer der Spielzeit von 6 bis 8 Stunden so. Mehr bietet euch das Spiel nämlich nicht. Keinerlei Bonusinhalte oder dergleichen.

Bosskämpfe wie in einer Bullethell

Habt Ihr es dann durch die 3 Abschnitte einer Welt geschafft, wartet ein Boss auf euch. Doch vor ihm liegt ein eigenes Level, welches eigentlich nicht als Level bezeichnet werden kann. Es ist immer ein langer, meist sogar sehr gradliniger Schlauch mit jeder Menge, wie könnte es auch anders sein, Loot und einem Dimensionstor am Ende, welches euch zum Boss führt. Diese Abschnitte hätte man sich auch sparen und dafür direkt den Boss einläuten können. Die Bosse könnten kaum unterschiedlicher zum restlichen Gameplay sein. Euch erwartet hier teilweise eine Bullethell an Projektilen und Feuerwänden die es in sich haben. Hier solltet Ihr stets eure Lebensleiste im Blick halten und von euren Spezialfähigkeiten Gebrauch machen. Jede eurer Figuren schaltet im Laufe des Spieles weitere Spezialangriffe frei. Dabei leveln alle Charakter gleichzeitig, egal für wen Ihr Euch entscheidet. Diese Spezialangriffe sind nicht nur witzig gemacht – wenn sich Cosmo und Wanda z. B. In eine riesige Kanone verwandeln oder es über dem Gegner plötzlich Pilze regnet – sondern auch vollkommen overpowerd. Das einzige, was euren Gegner daran hindert, sofort das Zeitliche zu segnen, ist die unglaubliche Geschwindigkeit, mit der sich einige Bosse fortbewegen. Hierbei kann euch eine helfende Hand guttun.

Couch-Koop wie dafür gemacht

Nicktoons & The Dice of Destiny verfügt nämlich über einen Koop-Modus für vier Spieler den Ihr gemeinsam auf der Couch genießen könnt. Nicht online, reines Offline-Vergnügen alter Schule. Bedenkt aber, wenn vier Spieler gleichzeitig aktiv sind, dann erscheinen auch vier Anzeigen an Lebens- und Manabalken sowie eine permanente Übersicht aller vier Spezialangriffe eurer Figuren. Immerhin lässt sich das Questbuch ein- und ausschalten. Und ja, das Spiel ist einfach, eventuell zu einfach und ja, es ist teilweise so wiederholend im Leveldesign, dass es auch einem 10-jährigen auffällt, doch gerade der Koop-Modus macht eine Menge Spaß. Wenn Ihr hier als Familie oder mit Freunden gemeinsam durch die Lande zieht, dann bleibt kein Stein mehr trocken, zumindest solange Ihr Katara die Wasserbändigerin in eurem Team habt. Gemeinsam Lootet Ihr was das Zeug hält, metzelt euch (familienfreundlich) durch Gegnerhorden und schaltet so weitere Figuren und neue Welten frei.

Technik mit kleineren Mängeln

Wenn Ihr den Publisher GameMill Entertainment kennt, dann sind euch sicherlich auch solche Technikgranaten wie Big Riggs Over the Road Racing oder Skull Island: Rise of the Kong ein Begriff. Von diesen Totalausfällen ist Nicktoons & The Dice of Destiny zum Glück weit entfernt. Das, was uns im Test am meisten aufgefallen ist, waren Lücken im deutschen Untertitel. Das Spiel kommt zu 100 % synchronisiert daher, wobei hier die Originalsprecher der Serien mit an Bord sind. Leider ist dies nur auf Englisch, das Spiel bietet euch jedoch deutsche Untertitel. Umso verwirrender ist es dann, wenn diese plötzlich spanisch angezeigt wird oder euch beim aufsammeln eines Gegenstandes auf einmal eine englische Beschreibung erwartet. Auch weiß das Spiel nicht so recht, ob es jetzt von den „Dice of Destiny“ spricht oder den „Dice of Power“. Doch das sind in Summe nur Kleinigkeiten und das Spiel braucht sich technisch nicht zu verstecken. Alle Figuren sind liebevoll designt und so animiert, wie sie auch in den Serien vorkommen. Lediglich der Gesichtsausdruck in den Dialogsequenzen passt nicht immer so ganz zu den Charakteren, die währenddessen weiterhin im Hintergrund zu sehen sind. Aber auch hier, wie bereits erwähnt, Kleinigkeiten.

Die große Frage nach der Zielgruppe

Ist nun Nicktoons & The Dice of Destiny das richtige Spiel für Euch? Diese Frage lässt sich leider nicht so leicht beantworten. Erwartet Ihr hier ein Diabolo mit euren liebsten Zeichentrickfiguren, so werdet Ihr vermutlich enttäuscht werden. Wollt Ihr Euch aber besonders mit euren Kindern oder euren Eltern gemeinsam in die Schlacht werfen, dann ist das Spiel bestimmt einen Blick wert. Ihr könnt mit dem Spiel euren Spaß haben, wenn die Erwartungen allerdings nicht bei einem waschechten Action-RPG liegen. Wählt eure Figur aus, haltet stets die B-Taste zum Angreifen gedrückt und erfreut euch an der sehr charmanten und witzigen Story.

Geschrieben von Kim Kaiser

Fazit:

Kim Kaiser

Mehrfach habe ich bereits im Regal vor dem Spiel gestanden und mir überlegt, ob ich es mir kaufen soll. Abgeschreckt wurde ich immer wieder nur davon, dass es sich um eine Game-Key-Card handelt. Jetzt habe ich das Spiel auf zwei Arten erleben dürfen: Solo und gemeinsam mit meinem Sohn. Was soll ich sagen, alleine war das Spiel charmant und witzig, aber auch langweilig und uninspiriert. Gemeinsam als Familie hatten wir allerdings den Spaß unseres Lebens. Gemeinsame Stunden zu verbringen, die nicht mit Mario, Pokémon oder Minecraft gefüllt sind, war ein richtig tolles Erlebnis. Das Spiel selbst bietet, so für sich gesehen, faktisch keinen Wiederspielwert, doch wenn ich zum 50. mal die gleiche Strecke in Mario Kart fahren kann, dann kann ich auch gemeinsam mit meinen Kindern nochmal in die Kavernen von Nicktoons & The Dice of Destiny abtauchen. Und genau das ist die Stelle, an der das Spiel punkten kann: Familien mit Kindern zwischen 8 und 12 Jahren. Wir sind mit dem Spiel durch, doch ich bin mir sicher, dass es immer mal wieder im Modulschacht landen wird. Zumindest so lange die Interessengebiete der jüngeren Generation noch nicht gänzlich „herausgewachsen“ sind.