Super Bomberman Collection – TEST

Bomberman zu spielen führte schon früher immer zu dem Moment, in dem aus einem gemütlichen Abend plötzlich ein Wettstreit wurde. Super Bomberman Collection holt sieben Klassiker zurück und verpackt sie charmant wie eine kleine, lebendige Museums-Vitrine. Nostalgie trifft Komfort, und mittendrin entsteht genau das schnelle, laute Chaos, das die Reihe seit Jahrzehnten ausmacht. Auch Boss Rush sorgt für Druck.


Wenn ein Partyspiel einen Zweck hat, dann einen Raum so schnell zum Lachen, Rufen und Mitfiebern zu bringen wie Bomberman. Auf Switch 2 stellt sich dieses vertraute Gefühl sofort ein: vier Ecken, wenige Sekunden bis zur Explosion, und plötzlich zählt jede Bewegung. Wir legen Bomben, sprengen Blöcke frei, greifen nach Reichweite und Geschwindigkeit, und schnell wird klar, wie gnadenlos das Rasterdesign bleibt. Ein falscher Schritt, ein zu früher Kick, ein Blick in den falschen Korridor: Schon steht ihr lachend über eure eigene Trotteligkeit in eurer eigenen Explosion. Super Bomberman Collection nutzt diese Einfachheit konsequent und macht aus sieben Klassikern wieder einen Abendfüller, der Neulinge abholt und Veteraninnen und Veteranen direkt zurück in den alten Bann zieht. Schon im ersten Duell reichen wenige Sekunden, damit ein Raum voller Menschen wieder laut wird.

Sieben Spiele stecken im Paket, dazu insgesamt zwölf Fassungen aus Japan, Europa und den USA. Im Zentrum stehen Super Bomberman 1 bis 5, ergänzt um Bomberman und Bomberman II als historische Zugabe. Gerade Teil 4 und 5 waren lange an Importhürden gescheitert und erscheinen hier erstmals offiziell außerhalb Japans mit einer englisch lokalisierten Variante. Die Kampagnen entwickeln zwar keine epische Geschichte, doch kleine Storyrahmen reichen aus, um Figuren wie Mr. Karat, Dr. Mukk, Professor Bugler oder Terrorin als wiederkehrende Motive zu etablieren. Entscheidender bleibt das Spieltempo: Frühe Teile sind direkter, einfacher; spätere erweitern das Geschehen um zusätzliche Items, Kreaturen und neue Arenaideen, ohne den Kern zu verändern. Im Battle-Modus gilt weiterhin: Schon kleine Fehler entscheiden über Sieg oder Niederlage, weshalb jede Partie von Planung, Timing und schnellen Reaktionen lebt.

Archiv und Hintergrund

Konami tritt als Publisher auf, während Red Art Games die Umsetzung für moderne Systeme übernimmt und damit ein weiteres Beispiel aktueller Retro-Editionen schafft. Der Ursprung der Reihe liegt im Hudson-Soft-Katalog der 80er und 90er Jahre, und genau dieser Hintergrund prägt die Sammlung spürbar. Der Fokus liegt weniger auf technischer Überarbeitung, sondern auf Erhalt und Zugänglichkeit. Switch 2 hat, wie die Switch erster Generation, eine eigene Version der Sammlung, die technisch sauber und ohne Meilensteine läuft. Eine erste Veröffentlichung gab es digital, während physische Varianten später limitiert folgten und gezielt Sammlerinnen und Sammler ansprechen.

Schon das Menü des Titels offenbart, dass uns hier mehr geboten wird als eine einfache ROM-Sammlung. Virtuelle Spielschachteln können geöffnet werden, Module als 3D-Modelle rotieren, und sogar Handbücher sind digital durchblätterbar. Ergänzt wird das durch eine umfangreiche Galerie mit Artworks und Archivmaterial aus der Entwicklungszeit sowie BOMB-Radio als Musikmodus mit zahlreichen Serienstücken. Verschiedene Bildschirmfilter und Darstellungsoptionen ermöglichen eine Anpassung zwischen scharfem Pixelbild und weicherem Retro-Look, sodass ihr euch passend zu eurem Nostalgieverständnis euer Setup an eure Runde gestalten könnt. Insgesamt ist es eine klar gestaltete Sammlung mit erkennbarem Anspruch an eine gute Kuration.

Bomben, Items, Eskalation

Im Zentrum steht weiterhin ein einfaches, präzises Prinzip: Bomben platzieren, Wege abschneiden, vorausdenken und im richtigen Moment zuschlagen. Zerstörbare Blöcke bestimmen die Anfangsphase jeder Runde, danach öffnet sich das Spielfeld und richtiges Timing entscheidet über den Ausgang. Spätere Serienteile erweitern das bekannte Grundprinzip um zusätzliche Items und Varianten der Arenen. Reittiere und Spezialfähigkeiten eröffnen neue Möglichkeiten, etwa durch Bombenkicks, Sprünge über Hindernisse oder zusätzliche Trefferpunkte. Trotz dieser Erweiterungen bleibt das Spiel übersichtlich, weil das feste Raster bleibt und jede neue Idee eingrenzt. Die Kampagnen setzen auf kurze Level, klare Ziele und gelegentliche Schaltermechaniken, bevor kompakte Bosskämpfe folgen. Neu: Speicherstände und eine Zurückspulen-Funktion reduzieren den Frust früherer Versionen, ohne die eigentliche Herausforderung zu verwässern.

Mehrspielerpartien im lokalen Modus bleiben der wichtigste Bestandteil von Bomberman und sorgen für chaotische Couch-Duelle. Direkt im Duell entfaltet sich die größte Stärke der Reihe: schnelle Runden, unmittelbare Reaktionen und ständig wechselnde Situationen. Lokal sind schon vier bis fünf Mitspielende gleichzeitig möglich. Zusätzlich erlaubt GameShare gemeinsame Partien auch ohne mehrere Spielkopien. Klassische Online-Lobbys fehlen jedoch vollständig, was gerade bei einem so timing-abhängigen Spiel auffällt. Technisch stabil gibt es kurze Ladezeiten, doch es können leichte Eingabeverzögerungen auftreten. Besonders empfindliche Spielerinnen und Spieler sollten das Timing daher im eigenen Setup prüfen.

Sound, Bild und Switch 2 Technik

Klar strukturierte Pixelgrafik und prägnante Soundeffekte sorgen weiterhin für sofortige Wiedererkennung. Das BOMB-Radio erweitert das Paket sinnvoll, indem ihr zwischen zahlreichen Musikstücken der Spiele wechseln, Favoriten sortieren und eigene Playlists erstellen könnt. Die erwähnten Bildschirmfilter bieten zusätzliche Optionen für unterschiedliche Darstellungsstile, von klassisch weich bis klar und scharf. Einige neue Zusatzmodi setzen gezielte Schwerpunkte, vor allem Boss Rush als durchgehende Herausforderung gegen die Bossgegner der Kampagnen.

Gerade hier sind Zurückspulen sowie Speichern und Laden deaktiviert, sodass der Modus bewusst auf eine eigene Art von Stress setzt. Der Speicherbedarf bleibt überschaubar, Menüs reagieren schnell und zuverlässig. GameShare über GameChat erfordert passende Online-Voraussetzungen. Eine Unterstützung für den Kamera-Modus gibt es nicht. Insgesamt ist die Super Bomberman Collection in der Switch 2 Edition eine technisch unauffällige, stabile Umsetzung, die den Fokus konsequent auf das eigentliche Spiel legt: schnelle Entscheidungen, direkte Reaktionen und dieses besondere Chaos, das Bomberman seit jeher prägt.

Geschrieben von Arne Ruddat

Fazit:

Arne Ruddat

Ich mag an der Super Bomberman Collection, dass sie ihre Vergangenheit feiert. Sieben Spiele, zwölf regionale Fassungen und zwei lange vermisste Super-NES-Teile ergeben auf Switch 2 eine echte Zeitkapsel, die das Serienprinzip unverändert belässt: präzise, schnell verständlich und gnadenlos, sobald auf dem Sofa jemand die Muster durchschaut. Speicherstände und Zurückspulen-Funktion machen die Kampagnen deutlich zugänglicher. Der Boss Rush hingegen bleibt genau dort knackig, da es kein Speicher-Polster gibt. Besonders schön fand ich die charmante Präsentation mit virtuellem Auspacken der Spiele, Handbücher, einer Galerie und dem BOMB-Radio. Das würdigt die Klassiker sichtbar und zeigt die Wertschätzung der Entwickler. Eine Kritik bleibt dennoch: dass nämlich klassisches Online-Matchmaking fehlt. Da helfen GameShare und GameChat nur bedingt. Wer maximale Reaktionsschärfe sucht oder vor allem online gegen Unbekannte antreten möchte, sollte eher zu modernen Ablegern greifen. Alle anderen, die Retro schätzen, die Serie nachholen wollen oder wieder chaotische Mehrspielerabende auf einer Konsole suchen, erhalten hier eine Sammlung, die deutlich mehr bietet als eine Liste von bekannten Spielen.