Doom: Games as a Service seit 1993 – SPECIAL
Am 30. Oktober erscheint die Doom Collection für Evercade. Kurz nach dem Vorbestellungsstart war die passende, limitierte Nexus-Konsole im Dämonen-Look bereits ausverkauft. Warum taugt ein Spiel von 1993 als Sammlerstück? Vielleicht, weil es immer weiterwächst. Seit 33 Jahren bekommt Doom neue offizielle Inhalte, auch auf Nintendo-Konsolen. Ist Doom also, ganz ohne Abo, das älteste Live-Service-Spiel der Welt?
Shareware hat Doom groß gemacht. 1993 durften wir die erste Episode ganz offiziell kopieren und weitergeben. Wer mehr wollte, kaufte die beiden anderen Episoden bei id Software nach. Wichtiger als der Vertriebsweg war eine Entscheidung im Code: John Carmack trennte die Engine strikt von den Inhalten. Level, Grafiken und Sounds stecken in eigenen WAD‑Dateien. Austauschen ließen sie sich also von Anfang an, denn Doom war zum Umbauen gedacht. Genau deshalb ist es nie fertig geworden, bis heute kommen ganze Kampagnen dazu. Im Grunde ist das Games as a Service, nur ohne Shop und ohne Battle Pass.
Fans im Laden, Doom im Modul
Schon 1995 legte id selbst nach. The Ultimate Doom ergänzte eine vierte Episode. Wenn ihr das Original besaßt, konntet ihr kostenlos per Patch nachrüsten. Kurz darauf erschienen die Master Levels für Doom II: 21 Karten von externen Leveldesignern, ebenfalls offiziell von id veröffentlicht. Final Doom ging 1996 noch weiter. TNT: Evilution stammt vom Fan-Kollektiv TeamTNT, The Plutonia Experiment von den Brüdern Dario und Milo Casali. Ein Fan-Produkt im Laden, das war neu. Damals kamen Hobby-Level sonst kaum in den Handel, hier stand der Name Doom auf der Packung. Ego-Shooter hießen in den Neunzigern übrigens allesamt Doom-Klone, so groß war das Spiel!
Auf Nintendo-Konsolen ging Doom eigene Wege. 1995 lief es auf dem Super Nintendo, möglich nur mit dem Super-FX-2-Chip im Modul. Es brachte also seine eigene Hardware gleich mit. Dass dies überhaupt ging, war ein wichtiges Feature der Konsole. Doom 64 war 1997 keine Umsetzung mehr, sondern ein eigenes Spiel mit über dreißig neuen Leveln. Es war dunkler und unheimlicher als das Original, das zieht sich durch die Geschichte von Doom. Auf dem Game Boy Advance folgten Doom und Doom II, direkte Ports. 2020 erschien Doom 64 – ebenfalls als Port – auf der Switch, mit den Lost Levels als zusätzlichem Kapitel.

Nachschub ohne Ende
Zwischen den Folgeteilen der Hauptreihe lagen lange Pausen. Doom 1 und 2 selbst ruhten sich dagegen nie aus. Quelloffene Ports und engagierte Entwicklerinnen und Entwickler brachten sie auf fast jedes Gerät mit Bildschirm. Auch Level baute die Community zu Tausenden. Im Jahr 2010 gab es mit No Rest for the Living wieder offiziellen Nachschub: eine neue Episode von Nerve Software für die Xbox-360-Fassung von Doom II. Neun Jahre später kamen Neuauflagen der Klassiker. Sie bekamen als Bonus einen eingebauten Katalog mit kuratierten Zusatz-Episoden, kostenlos und direkt im Spiel. Damit hatte das Weiterbauen erstmals eine richtige Service-Struktur. Für den Online-Modus verlangte Bethesda allerdings einen eigenen Account.

Auch John Romero hängt an seinem Spiel. Zum 25. Geburtstag veröffentlichte er 2019 mit SIGIL, eine fünfte Episode, erst inoffiziell, inzwischen fester Teil der offiziellen Fassungen. Ende 2023 folgte SIGIL II. Bis 2024 waren Doom und Doom II zwei getrennte Spiele. Dann legte Nightdive Studios sie zu Doom + Doom II zusammen, auch für die Switch, mit allen Erweiterungen in einem Menü. Wer eins der beiden schon besaß, bekam das Paket kostenlos als Update. Und siehe: Darin steckt der bislang größte Nachschlag. Legacy of Rust ist eine komplett neue Kampagne von id Software, Nightdive und MachineGames, mit neuen Waffen und Monstern, 31 Jahre nach dem ersten Teil.
Und die Hauptreihe? Panic Button portierte Doom 3, den Neustart Doom (2016) und Doom Eternal erstaunlich gut auf die Switch. Chapeau! Auf Nintendo-Konsolen fehlt bislang nur Doom: The Dark Ages. Im Mai 2025 erschienen, erzählt der jüngste Hauptteil die Vorgeschichte des Doom Slayers und verlegt die Kämpfe in ein düsteres Mittelalter. Über drei Millionen Menschen spielten es in den ersten Tagen. Laut id war es damit der erfolgreichste Start der Firmengeschichte. Inzwischen hat Doom: The Dark Ages mit Revelations sogar eine Story-Erweiterung bekommen. Eine Switch-2-Fassung ist bislang nicht angekündigt. Schade.

Doom zum Anfassen
Bleibt noch Blaze Entertainment mit dem Evercade, das wir euch 2023 schon in einem eigenen Special vorgestellt haben. Auf ein einziges Modul packt die Doom Collection neun Inhalte: Doom, Doom II, TNT: Evilution, The Plutonia Experiment, die Master Levels, No Rest for the Living, SIGIL, SIGIL II und ein Deathmatch-Paket für lokale Duelle. Einzig Legacy of Rust ist nicht dabei. Bahnbrechend ist, dass die Spiele nativ auf der Hardware laufen. Normalerweise emuliert Blaze die alten Systeme, für Doom gibt es dagegen eine eigene Umsetzung. Da ist richtig viel Arbeit hineingeflossen. Mit der Auflösung und den vielen Steuerungsoptionen könnte das die beste Doom-Fassung sein, die es derzeit gibt. Habt ihr keine der 3.000 Nexus Doom Editions abbekommen, läuft das Modul auch auf den anderen Evercade-Geräten, inklusive dem heißen, neuen, regulären Evercade Nexus.
Kennt ihr Doom noch von der Shareware-Diskette, bekommt ihr mit der Evercade Doom Collection die ganze Geschichte von Doom und Doom II auf einem Modul, samt Fan-Kampagnen und Romeros SIGIL-Episoden. Auf der Switch gibt es ebenfalls reichlich Doom: Doom + Doom II, hier auch mit Legacy of Rust, Doom 64, Doom 3, Doom (2016) und Doom Eternal. Für den Einstieg eignet sich Doom + Doom II am besten, dort steckt der größte Teil dieser 33 Jahre drin. Und ihr? Greift ihr zu Evercade Nexus mit seiner physischen Doom Collection oder bleibt ihr bei der Switch?
Geschrieben von Arne Ruddat








