Blutsbande – Die Geschichte von Diablo IV – SPECIAL
Habt ihr Diablo IV bisher primär für Beute gespielt? Dann ist euch womöglich entgangen, wie viel Blizzard im Hauptspiel und in den Erweiterungen Vessel of Hatred und Lord of Hatred erzählt. Wir folgen Lilith, Mephisto und den letzten Horadrim durch die ganze Saga bis zu ihrem aktuellen Ende. Ahnt ihr schon, wem Sanktuario am Schluss danken muss?
Spoilerwarnung: Wir erzählen die Handlung von Diablo IV, Vessel of Hatred und Lord of Hatred vollständig.
In den Sümpfen von Hawezar durchsuchen drei Schatzjäger eine verfallene Kapelle. Auf dem Boden liegt ein Toter, offenbar von Ghulen zerrissen. Einer der drei entdeckt eine Inschrift und liest sie laut vor, und der Tote steht auf. Elias heißt er, ein abtrünniger Horadrim, und sein Tod war nur gespielt. Er tötet die beiden anderen und zwingt den Vorleser, weiterzulesen. Aus dem Blut der beiden Schatzjäger steigt Lilith empor, Tochter Mephistos, eines Herrschers der Hölle, und Mutter der Menschheit. Fünfzig Jahre sind vergangen, seit am Ende von Diablo III: Reaper of Souls der Schwarze Seelenstein zerbrach. Dort endet unser Special zur Geschichte von Sanktuario. Seitdem sind Mephisto, Diablo, Baal und die vier Niederen Übel wieder frei. Während Lilith aufersteht, kämpft sich fernab in den Bergen eine Fremde durch den Schneesturm der Zersplitterten Gipfel. Ihr Pferd bricht zusammen, und mit letzter Kraft schleppt sie sich in eine Höhle. Dort bewahrt sie ein Wolf vor dem Erfrieren, ein Wolf ohne Gesicht.

Blut im Schnee – Diablo IV
Wer die Fremde ist, verrät das Spiel nie. Sie ist unser Charakter, die Wanderin, und kann ebenso gut ein Wanderer sein. Einfachheitshalber bleiben wir bei „sie“. Im Bergdorf Nevesk liegt in einem Schuppen Iosef, ein Mönch aus Kyovashad, der hier nach dem verschwundenen Dorfpriester suchen wollte. Gefunden hat er nur dessen Leiche. Danach hat er von den Speisen des Dorfs gegessen und faselt von Dämonen. Am Abend feiert das Dorf ein Fest, und wir trinken in der Taverne mit. Kurz darauf wird uns schwarz vor Augen, und wir erwachen gefesselt in einer Scheune. Ein Mann aus dem Dorf flößt uns Blütenblätter ein, getränkt mit dem Blut der Mutter, wie die Dorfleute Lilith nennen. Da schleicht Iosef herein, wieder bei Sinnen, und erschlägt ihn mit einer Eisenstange. Anschließend steckt Iosef die Kapelle in Brand, von der aus Lilith Nevesk verdorben hat.
Weiter hilft uns Lorath Nahr, ein Einsiedler in den Bergen. Als er von der Jagd heimkommt und uns in seiner Hütte vorfindet, tischt er uns ein Abendessen auf. Wer Reaper of Souls gespielt hat, kennt ihn als jungen Horadrim, einen der wenigen, die Malthael überlebt haben. Inzwischen hat er dem Orden abgeschworen und trinkt mehr, als ihm guttut. Ein Artefakt der Horadrim zeigt uns, was Lilith vorhat. Sie holt die Niederen Übel aus der Hölle nach Sanktuario zurück, damit die Menschheit im Kampf gegen diese Dämonen stark wird. Danach will sie ihren geschwächten Vater verschlingen und selbst über die Hölle herrschen. Als Erste kehrt Andariel zurück, die Jungfrau der Qual, im Leib einer Hexe. Wie schon in Diablo II fällt sie, dieses Mal unter unseren Hieben.

Lehrling und Sohn – Diablo IV
Mit Elias hat Lorath eine eigene Rechnung offen. Elias war sein Lehrling, einer, dem kein Preis zu hoch schien, um Sanktuario vor der Hölle zu schützen. Lorath zog eine Grenze, Elias verließ den Orden. Sein Wissen holte er sich danach im Sumpf von Hawezar, beim Flüsternden Baum. In dessen Ästen hängen Köpfe, und der Baum beantwortet jede Frage. Als Preis holen seine Raben die Köpfe der Fragenden, sobald sie sterben. Elias stirbt nicht. Als Lorath ihn niedersticht, steht er wieder auf. Sein Leben hat er an eine seiner Fingerspitzen gebunden und sie in einem Tempel unter den Wellen versteckt. Wir bergen sie und werfen sie ins Lagerfeuer, und beim nächsten Kampf bleibt Elias liegen. Kurz darauf landet ein Rabe neben ihm. Lorath weiß also, was ihn erwartet, als er den Baum nach dem Tor zur Hölle fragt. Es liegt unter der Stadt Caldeum.
Lilith hat derweil einen zweiten Feind. Inarius, der Engel, mit dem sie vor Urzeiten Sanktuario erschuf, verbannte sie später in die Leere. Danach saß er lange als Gefangener in Mephistos Kerkern. Heute lässt er sich in Kyovashad in seiner Kathedrale des Lichts verehren. Er glaubt, Liliths Tod öffne ihm wieder die Tore der Hohen Himmel. An unsere Seite tritt Neyrelle, eine junge Gelehrte, deren Mutter Lilith verfiel. Sie führt uns zu Rathma, dem Sohn von Lilith und Inarius, der einen Schlüssel zur Hölle hütet. Rathma verweigert ihn dem eigenen Vater, und Inarius erschlägt ihn dafür. Lilith nimmt den Schlüssel an sich.

Die Kathedrale des Hasses – Diablo IV
Bei Donan, einem alten Ordensbruder Loraths, finden wir eine letzte Hoffnung. Er arbeitet einen Seelenstein so um, dass der Stein Lilith fassen kann. Damit ziehen Lorath, Neyrelle, Donan und wir nach Caldeum, wo Lilith das Tor mit Rathmas Schlüssel geöffnet hat. Davor wartet Duriel, der Herr des Schmerzes aus Diablo II, und auch er fällt. Inarius folgt uns mit seinen Gläubigen. In der Hölle durchbohrt ihn Lilith mit seinem eigenen Speer, reißt ihm die Flügel aus und tötet ihn. Auch Donan wird tödlich verwundet, und Lorath bleibt bei ihm. Neyrelle nimmt den Stein an sich.
In der Kathedrale des Hasses kauert dann ein alter Bekannter, abgemagert und voller Blut. Es ist der Wolf aus dem Schneesturm. Hinter ihm steckt Mephisto, der Herr des Hasses und Ältester der drei Großen Übel. Er versteckt sich vor der eigenen Tochter und bietet uns einen kürzeren Weg zu ihr an, wenn wir ihn dafür in Ruhe lassen. Neyrelle trägt den Stein, also liegt die Wahl bei ihr. Sie kann sich an Donans Plan halten, Mephisto ziehen lassen und den Stein für Lilith aufheben. Oder sie fängt den Herrn des Hasses, solange er geschwächt vor ihr liegt. Neyrelle traut ihm nicht und sperrt ihn in den Stein. Damit ist das Gefängnis für Lilith verloren, und wir müssen sie töten. Im Sterben warnt sie uns, ohne sie werde es keinen Sieg über die Großen Übel geben.
Ein Stein voller Hass – Diablo IV: Vessel of Hatred
Zurück in Sanktuario ist Neyrelle mit dem Stein in einem Boot verschwunden. Für Lorath hat sie einen Brief hinterlassen. Sie will Mephisto allein bannen. Mit Diablo IV: Vessel of Hatred folgen wir ihr in den Dschungel von Nahantu. Wo sie hintritt, breitet sich schwarzer Schleim aus, und aus dem Stein flüstert Mephisto ihr Tag und Nacht ins Ohr. Eru, ein alter Geistgeborener, begleitet uns. So heißen die Krieger Nahantus, die sich mit Tiergeistern verbinden. In Travincal bei Kurast finden wir Neyrelle in den Kerkern unter dem Tempel, dort, wo Mephisto in Diablo II fiel. Hier ringt sie mit dem Stein und verliert. Wie sie sich von ihm löst, weiß ausgerechnet der Geist Akarats. Er gründete die Zakarum-Kirche, die Mephisto später über Jahrhunderte von innen zerfressen hat.
Akarats Geist weist uns den Weg zu seinem Grab auf dem Grund eines Sees. Dort soll sich Neyrelle von Mephisto lösen können. Wir heben die Gruft aus dem Wasser, und Neyrelle kappt endlich ihre Verbindung zum Seelenstein. Genau darauf hat Eru gewartet. Er reißt den Stein und den Leichnam des Propheten an sich, denn heimlich hat er mit Mephisto einen Handel geschlossen. Der Dämon soll freikommen und dafür Nahantu verschonen. Uns schickt Eru in die Hölle, wo der Herr des Hasses in Wolfsgestalt auf uns wartet. Gegen ihn bestehen wir nur, weil Akarats Geist seine Seele für uns opfert. Besiegt ist Mephisto damit nicht. Kurz darauf erhebt er sich unter Travincal aus schwarzem Schleim, mit Krone und Schwert und im Körper Akarats. Für den Rest von Sanktuario gilt Erus Handel nicht.

Der falsche Prophet – Diablo IV: Lord of Hatred
Diablo IV: Lord of Hatred beginnt in Neyrelles Bibliothek. Sie forscht nach einem Weg, Mephisto zu vernichten, als er ihr in Akarats Gestalt erscheint. Neyrelle hält ihm eine Prophezeiung Rathmas entgegen. Ein Speer des Lichts werde das Herz des Hasses durchbohren. Mephisto tötet sie im Zorn, und ihre Bibliothek geht in Flammen auf. Lorath und wir finden nur noch ihre Leiche. Ihre Notizen aber hat Neyrelle vorher mit einem Botenvogel verschickt, und sie führen uns nach Skovos, auf die Inseln der Amazonen. Dort predigt Akarat Erlösung vom Hass, gesprochen vom Herrn des Hasses persönlich. Dreister geht es kaum. Mephisto redet so lange auf Lorath ein, bis der die Königin der Amazonen beinahe tötet. Vor versammeltem Volk heilt Akarat sie wieder, und Lorath steht als Attentäter da.
Dieses Mal zeigt uns das Artefakt der Horadrim die eigene Seele, und dort wartet Lilith. Seit den Blütenblättern von Nevesk lebt die Mutter in uns fort. Liliths Blut ist auch Mephistos Blut, und so blicken wir über dieses Band in seine Erinnerungen. Er will die Pools der Schöpfung vergiften, aus denen Lilith und Inarius einst die ersten Menschen hervorbrachten. Lilith kennt auch den Speer aus der Prophezeiung. In Wahrheit ist es ein Dolch aus einem ihrer Knochen, und Rathma hat ihn vor langer Zeit zerbrochen. Nur mit diesem Knochendolch lässt sich Mephisto in die Leere verbannen. Mit jeder anderen Waffe besiegt, erstünde er in der Hölle neu.

Bei der Suche nach den Teilen begegnet Lorath Tyrael. Der einstige Erzengel der Gerechtigkeit hat die Horadrim gegründet und ist heute ein Sterblicher. Lorath steht damit vor dem Gründer jenes Ordens, dem er vor Jahren abgeschworen hat. Tyrael führt uns in das erste Gewölbe des Ordens. Dort fügt ein Horadrischer Würfel den Knochendolch zusammen, so wie in Diablo II den Stab der Horadrim. Dann greift Mephisto über das Blutband nach unserer Seele. Lilith zieht uns zurück und zerreißt das Band, das uns seit Nevesk an sie bindet. Weil sie sich damit auch von uns löst, stirbt sie. Die Dämonin, die uns in einem verschneiten Dorf vergiften ließ, opfert sich am Ende für uns. Als wir wieder zu uns kommen, ist Lorath fort. Er wollte Hilfe holen.
Der Preis – Diablo IV: Lord of Hatred
Wir finden Lorath tot am Berg Hefaetrus, erschlagen von der Königin der Amazonen, die Mephisto inzwischen verdorben hat. Wieder landet ein Rabe, und dieses Mal holt er Loraths Kopf, den Preis für die Frage nach dem Tor. Tyrael öffnet uns den Weg zu den Pools der Schöpfung. Dort verwunden wir Akarat mit dem Knochendolch und zwingen Mephisto in seine wahre Gestalt. Am Ende stoßen wir ihm den Dolch ins Herz und verbannen ihn in die Leere. Liliths letzte Warnung hat sich erfüllt: Ohne sie wäre das nie gelungen. Danach reisen Tyrael und wir nach Hawezar und brennen den Flüsternden Baum nieder. Loraths Geist kommt frei und mit ihm alle Seelen, die der Baum gesammelt hat. Und der Wolf, der uns im Schneesturm vor dem Erfrieren bewahrt hat? Der sitzt jetzt in derselben Leere, in die Inarius einst Lilith verbannt hatte. Eine Frage bleibt offen. Hätte sich Neyrelle in der Kathedrale des Hasses an Donans Plan halten, Mephisto ziehen lassen und Lilith in den Stein sperren sollen? Schreibt es uns in die Kommentare.
Geschrieben von Arne Ruddat









