Arms -  – TEST

Mit Arms schafft Nintendo eine neue IP, die mit altbekannten und neuen Elementen zu punkten versucht. Im Vordergrund steht ganz klar die Bewegungssteuerung mithilfe der Joy-Con. Aber auch das Konzept weiß zu überzeugen.


Wer erinnert sich nicht an „Boxen“ in Wii Sports oder Super Smash Bros. auf diversen Nintendo-Konsolen. Mit Arms vereint Nintendo all die guten Elemente aus genannten und ungenannten Spielen und verknüpft sie zu einer neuen IP, die auf der Nintendo Switch erstmalig Einzug hält. Dies muss nichts Schlechtes bedeuten, wie wir bei Splatoon auf der Wii U sehen durften. Arms sieht sich selbst als Kampfspiel, unterscheidet sich aber dennoch von den klassischen a lá Wii Sports‘ Boxen.

Ready – Go!

Arms wertet das sonst recht öde Boxen etwas auf. So können wir beispielsweise unsere Arme ausfahren und den Gegner über weite Distanzen treffen, springen, sprinten und uns die Items, die immer wieder hereinschweben und uns helfen zunutze machen. Dabei finden sie sich in Form von Sprinklern, die wir von Splatoon bereits kennen, vor und heilen uns oder füllen die Spezialleiste auf. Daneben gibt es auch noch eine Stachelkugel, die wir auf den Gegner schießen können und dann explodiert und viel Schaden verursacht. Steuern können wir unseren Kämpfer, von denen insgesamt etwa ein Dutzend zur Auswahl stehen, dabei auf verschiedenste Weise. Entscheiden wir uns, klassisch wie damals bei Wii Sports, für die Bewegungssteuerung, benötigen wir beide Joy-Con; einen in jeder Hand. Nun bewegen unsere Arme die Arme des Kämpfers. Linken Arm nach vorne hauen bedeutet also, dass der Kämpfer ebenfalls seinen linken Arm nach vorne schießt. Durch neigen beider Joy-Con in eine Richtung bewegen wir uns seitlich fort. Um gegnerische Angriffe zu blocken, neigen wir die Joy-Con so, dass die Oberseiten zueinander zeigen. Wenn wir beide Arme gleichzeitig nach vorne werfen, greifen wir uns den Gegner und schleudern ihn von uns. Dabei können wir die Richtung, in die unsere Arme fliegen sollen, durch das Schlagen einer Kurve bestimmen. Also so, als wenn wir wirklich unserem Gegenüber einen Seitenhieb verpassen wollten. Sobald unsere Spezialattacken-Leiste, das kleine Dreieck neben der Lebensleiste, voll ist, können wir per Druck auf die ZL- beziehungsweise ZR-Taste eine starke Spezialattacke starten. Dabei gilt es, einfach so schnell wie möglich die Arme immer wieder auf den Gegner zu werfen, sodass dieser gar nicht erst die Chance hat, die Attacke zu blocken, denn sonst machen wir kaum Schaden.

Die Bewegungssteuerung funktioniert soweit auch sehr gut. Nur manchmal werden nacheinander nach vorne geworfene Arme als gleichzeitig erkannt und der Gegner gegriffen, anstatt dass die Arme nacheinander auf ihn zufliegen. Wem die Bewegungssteuerung nicht zusagt oder vielleicht auch nicht ausreichend Platz dafür hat, kann auch auf die gewohnte Steuerung per Controller zurückgreifen. Arms unterstützt dabei sämtliche Kombinationsmöglichkeiten, inklusive dem Pro Controller. Dabei ist die Steuerung ebenfalls so, wie sie zu erwarten ist. Per Stick bewegen wir unseren Kämpfer, mit X springen und Y springen wir. Die Fäuste schwingen wir mit den A und B Knöpfen oder wahlweise ZL und ZR, steuern können wir die Richtung ebenfalls mit dem Analog-Stick. Die Spezialattacke lösen wir mit L oder R aus.

Jeder der etwa ein Dutzend Kämpfer hat drei verschiedene Hände. Diese unterscheiden sich in den drei Gewichtsklassen Leicht, Mittel und Schwer, sowie in ihrer speziellen Fähigkeit und ihrer Funktion. So kann der eine Kämpfer aus seinem Arm drei Raketen losschicken, die ein etwas breiteres Feld abdecken, als es die normale Faust tun würde während die nächste Hand den Gegner paralysiert. Aber auch die Kämpfer selbst unterscheiden sich teilweise. Manche können ihre Lebenspunkte regenerieren während andere wiederum eigentlich sicheren Treffern noch ausweichen können und nochmal andere die Zeit verlangsamen. Bei vielen kommt es auf das richtige Timing an, was einiges an Übung bedarf, aber dank der breiten Auswahl dürfte jeder seinen Kämpfer finden.

Online, offline und unterwegs

Natürlich bietet uns Nintendo auch mit Arms genug Potenzial, um für Stunden unterhalten zu werden. Direkt zu Beginn, nachdem das Tutorial abgeschlossen wurde, stehen wir im Hauptmenü vor der Qual der Wahl. Das sinnvollste ist sicherlich, erst den Grand Prix einmal zu spielen, um die Steuerung etwas zu festigen, da das Tutorial recht sinnlos ist. Wer sich dennoch sicher genug fühlt, kann sich auch gleich in den Onlinekampf werfen. Dieser funktionierte in unserer Testphase erstaunlich gut und ohne Verzögerungen oder gar Abbrüche, weil die andere Konsole nicht antworten würde. Das Lobbysystem ist ebenfalls überdacht und funktioniert sehr gut. Das System paart zufällig die Spieler miteinander und entscheidet ebenfalls zufällig über Arena und Spielmodus. So spielt jeder mal gegen jeden und hat auch die Chance, alles zu spielen. Wenn neue Spieler dazu kommen, die alten aber noch mitten drin sind, paart das System die neuen direkt und lässt sie spielen. Somit muss niemand warten und Nintendo hat ein Problem, dass viele Spiele wie zum Beispiel Mario Kart plagt, nämlich das neue Spieler warten müssen bis die alten fertig sind, elegant gelöst.

Aber auch offline hat Arms mit Freunden einiges zu bieten. Bis zu vier Spieler können sich an einer Konsole die Birne einschlagen. Dabei benötigt jeder entweder zwei Joy-Con, was schnell ins Geld gehen kann, oder jeweils einen klassischen Controller. Hier ist nun frei wählbar, was gespielt werden soll. Die Auswahl reicht vom normalen Kampf, über Basketball bis Volleyball. Basketball wird hierbei allerdings ohne Ball gespielt; der Ball ist unser Gegner. Ziel ist es also, den Gegner zu greifen und in den Korb zu schleudern. Oder wir schlagen lang genug auf ihn ein, bis er von alleine in den Korb fällt. Bei Volleyball spielen wir mit der schon aus den Kämpfen bekannten Stachelkugel, die, wie es die Volleyballregeln besagen, nicht den Boden berühren darf, denn sonst explodiert sie und der Gegner bekommt den Punkt. Beide Spielmodi spielen sich ebenfalls sehr flüssig und intuitiv.

Wer auch einfach mal alleine spielen will, dem stehen neben dem Grand Prix, der zehn aneinandergereihte Kämpfe gegen den Computer bedeutet, auch weitere Spielmodi zur Verfügung. So können wir auch ohne besagten Grand Prix gegen den Computer in frei einstellbaren Optionen trainieren, Basketball oder Volleyball spielen. Oder wir versuchen uns im Zielscheiben-Schießen, was auch gegen den Computer im Wettkampf gespielt werden kann. Mitunter der interessanteste Modus ist der 1-gegen-100-Modus, in dem wir uns durch einhundert Gegner kämpfen müssen, was ziemlich nervenaufreibend sein kann.

Der nächste eSports-Titel?

Alles in allem fühlt sich Arms wundervoll an. Der Soundtrack passt stets und untermalt die wundervoll designten Arenen. Die Steuerung ist präzise, schnell und innovativ. Positiv fällt das Lobbysystem auf, das Wartezeiten vermeidet und dafür sorgt, dass jeder einmal gegen jeden alles spielen kann. Nintendo hat bereits verkündet, dass es, ähnlich wie bei Splatoon, im Laufe der nächsten Monate kostenlose Updates mit neuen Kämpfern und Arenen geben wird. Splatoon, das vor gut zwei Jahren auf der Wii U erschienen ist, hat letztes Jahr sogar die ESL, die Electronic Sports League, erreicht und Arms hat ebenfalls das Potenzial dazu. Es wäre nicht verwunderlich, wenn dieser Titel ebenfalls den eSports-Markt etwas auffrischen würde. Interessanter als manch ein Counter-Strike-Turnier wäre es sicherlich.

Geschrieben von Sebastian Klein

Fazit:

 

Schon auf dem Nintendo-Hands-On-Event in München Anfang des Jahres hat mir Arms sehr viel Freude bereitet. Dennoch teilte ich die Sorge, die einige in der Redaktion hatte: Dass der Titel einfach nicht genug bieten würde. Nun, nachdem ich die Möglichkeit hatte, den fertigen Titel zu spielen, sehe ich das wieder anders. Die Sorgen von damals waren nicht berechtigt, denn Nintendo liefert hier einen erstklassigen Titel, der vor allem mit Freunden Unmengen an Spaß bereiten wird. Und auch Online läuft es alles andere als befürchtet. Obwohl das System dasselbe ist wie bei den anderen Nintendo-Spielen, nämlich Peer-to-Peer, läuft alles flüssig, ohne Verzögerung oder Abbrüche und vor allem Wartezeit-frei. Aber auch die breite Auswahl an Spielmodi fällt positiv auf. Volleyball und vor allem Basketball macht sehr viel Spaß und sorgt auch bei dem momentan oft schlechten Wetter für Freude. Abzuwarten bleibt nur noch, wann und in welchem Umfang Nintendo Content-Updates liefern wird, mit Rückblick auf Splatoon sehe ich dieser Zukunft allerdings gelassen und vor allem vorfreudig entgegen.