Bayonetta Origins: Cereza and the Lost Demon – TEST

Am 17. März erschien mit Bayonetta Origins: Cereza and the Lost Demon ein Spin-Off der Bayonetta-Reihe exklusiv für die Nintendo Switch, in dem wir ein zauberhaftes Abenteuer aus der Kindheit der bekannten Umbra-Hexe erleben. Gemeinsam mit dem Dämonen Cheshire erkunden wir in dem prächtig im Bilderbuchstil illustrierten Action-Adventure von PlatinumGames den verwunschenen Wald von Avalon und lösen mit vereinten Kräften knifflige Rätsel und kämpfen gegen fiese Feen.


Als Bayonetta 3 am 28. Oktober 2022 nach einer langen Wartezeit von knapp fünf Jahren erschien, löste das Spiel unter Fans der Reihe einige Kontroversen aus. Zwar bot das Spiel die für die Serie bekannte fantastische Spielbarkeit und abgefahrene Action-Setpieces, aber die Story sorgte für reichlich Diskussions-Stoff. Auch die Zukunft der Reihe stand dank einiger kryptischer Aussagen von Serienschöpfer Hideki Kamiya, der langen Entwicklungszeit des dritten Serienteils und dessen Ende in den Sternen. Somit überraschte es umso mehr, dass PlatinumGames nur etwas mehr als einen Monat später auf den Game Awards am 8. beziehungsweise 9. Dezember ein Spin-Off von Bayonetta präsentierte, in dem wir die Umbra-Hexe in ihrer Jugend begleiten. Spielerisch geht Bayonetta Origins: Cereza and the Lost Demon andere Wege als die Hauptserie mit ihren rasanten Kämpfen. Rückwirkend betrachtet kündigte sich das Spin-Off allerdings schon in Form eines versteckten Bonus-Levels in Bayonetta 3, in dem wir bereits eine der ersten Gegenden spielen konnten, an.

Märchenhaftes Abenteuer im verwunschenen Wald von Avalon

Die Geschichte von Bayonetta: Origins entführt uns in die Kindheit beziehungsweise frühe Jugend der Umbra-Hexe. Noch bevor sie sich unter dem Namen Bayonetta einen Namen machte und sowohl in Paradiso als auch in Inferno gefürchtet wurde, war Cereza eine schüchterne Hexenschülerin. Hervorgegangen aus der verbotenen Liebe zwischen einer Umbra-Hexe und einem Lumen-Weisen war Cereza schon seit je her eine Ausgestoßene. Ihre Mutter wurde wegen der verbotenen Liebesbeziehung in einen tiefen Kerker gesperrt und sie selbst zog es zu der Hexe Morgana in die Lehre. Cereza träumte davon, eine starke und selbstbewusste Hexe zu werden und ihre Mutter aus dem Kerker befreien zu können. Auch die Hexe Morgana ist eine Ausgestoßene, welche in der Nähe des verbotenen Zauberwaldes von Avalon lebt. Die strenge Morgana warnt Cereza davor, den Wald zu betreten, denn viele Hexen haben sich dort schon verirrt und nie wieder herausgefunden. In einem Traum begegnet Cereza ein geheimnisvoller Junge, der ihr offenbart, dass die Kraft, ihre gefangene Mutter zu befreien tief im Wald von Avalon verborgen liegt. Aus diesem Grund wagt sich die junge Hexe gemeinsam mit ihrem Stofftier trotz der Warnungen und Verbote in den verwunschenen Wald.

Als sie sich ihren Weg durch das Dickicht bahnt, wird unsere junge Hexe schon bald von garstigen Feen attackiert. Dabei handelt es sich allerdings nicht um die freundliche Märchen-Variante, sondern um Feen aus der Mythologie, welche Kinder entführen und auch sonst nicht immer unbedingt freundlich gesonnen sind. Beim Versuch, sich gegen die Feen zu verteidigen, beschwört Cereza, einen Dämonen. Dies geht aber gründlich schief, und der Bewohner Infernos fährt in die Stoffkatze der kleinen Hexe. Von Cereza Cheshire genannt, geht der Dämon eher widerwillig eine Allianz mit unserer Protagonistin ein, um einen Weg zurück nach Inferno zu finden. Gemeinsam versuchen die Beiden ungleichen Verbündeten einen Weg durch den trügerischen Zauberwald zu finden und stellen sich den unbekannten Gefahren und Mysterien in dem undurchdringlichen Dickicht.

Teamwork ist alles

Optisch präsentiert sich Bayonetta Origins: Cereza and the Lost Demon in einer leicht isometrischen Draufsicht. Wir steuern Cereza und erforschen mit ihr die unterschiedlichen Gebiete des Waldes. Das Besondere dabei ist jedoch, dass wir Cereza und Cheshire gleichzeitig steuern müssen. Mit dem linken Joycon steuern wir die junge Hexe, mit dem rechten den Dämonen, wobei die jeweiligen Schultertasten, das Steuerkreuz und die Buttons dem jeweiligen Charakter zugeordnet sind. Am Anfang wirkt diese Steuerung etwas ungewöhnlich und gewöhnungsbedürftig und erfordert etwas an Konzentration. Wenn wir sie aber erst einmal etwas verinnerlicht haben, macht es durchaus Spaß, die beiden ungleichen Protagonisten zu steuern, obwohl sie bis zum Ende hin nie hundertprozentig funktioniert. Cheshire selbst hat dabei zwei verschiedene Modi. Im Knuddelmodus ist Cheshire als Plüschtier in Cerezas Armen und kann lediglich mit dem rechten Analgostick ausgestreckt werden, um weiter entfernte Gegenstände oder Objekte zu greifen, damit Cereza weiter springen und zum Beispiel tiefe Abgründe überwinden kann.

Im Bestienmodus springt Cheshire von Cerezas Armen und kann in Bestiengestalt unabhängig von der jungen Umbra-Hexe mit dem rechten Analogstick gesteuert werden. In dieser Gestalt kann Cheshire auch Hiebe austeilen und kämpfen, was auch bitter notwenig ist, da Cereza als unbedarfte Hexenschülerin noch nicht ihre bekannten Pistolen und anderen Waffen aus der Hauptreihe besitzt. Am Anfang kann sie lediglich einen Zauberspruch sprechen, mit dem sie Gegner für kurze Zeit mit der Hilfe von Ranken festhalten kann, damit Cheshire sie verdreschen kann. Auch in den Kämpfen ist Teamwork also überlebenswichtig. Sterben kann Cheshire allerdings nicht, geht seine Energie zuneige, verwandelt er sich wieder in das Stofftier und kehrt in Cerezas Arme in den Knuddelmodus zurück. In dieser Form muss Cheshire dann so lange bleiben, bis sich seine Energie wieder aufgefüllt hat, was Cereza umso verwundbarer macht.

Später erweitert sich unser Repertoire in den Kämpfen. Mit Elementarkernen, die wir im Laufe des Spiels finden, kann Cheshire unterschiedliche Formen annehmen, die ihm neue Fähigkeiten bescheren. So erhält er beispielsweise in der Holz-Form eine lange Zunge aus Ranken, mit denen er einigen besonders gut geschützten Schild-tragenden Feen desselbige aus den Händen reißen kann, um sie verwundbar zu machen. Die Stein-Form wiederum ermöglicht dem Stofftier-Dämon, mit einem Stampfer durch Energie-Barrieren geschützte Feen verwundbar zu machen. Diese Elementarformen müssen wir in den Kämpfen immer wieder variieren, um verschiedene Feen-Typen ausschalten zu können. Das bringt etwas Abwechslung in die Kämpfe, die jedoch aufgrund des moderaten und des jederzeit einstellbaren Schwierigkeitsgrades und diversen Spielhilfen nie wahnsinnig herausfordernd werden.

Rätseln und Erforschen im Teamwork

Auch außerhalb der Kämpfe können Cereza und Cheshire unabhängig voneinander gesteuert werden. Dabei müssen wir jedoch darauf achten, dass sich der Dämon nicht allzu weit von Cereza entfernt, denn ansonsten geht seine Energie zur Neige und er muss in den Knuddelmodus zurück, um sich zu regenerieren. Das Erforschen des verwunschenen Waldes ist am Anfang noch recht linear gestaltet, öffnet sich aber später, wenn wir neue Fähigkeiten wie die bereits erwähnten Elementarkerne gefunden haben und bekommt einen leichten Metroidvania-Einschlag. Auch ein Vergleich mit anderen Action-Adventures wie der The-Legend-of-Zelda-Reihe ist nicht von der Hand zu weisen, lässt sich doch die Lebensenergie von Cereza durch jeweils fünf gefundene Blütenblätter steigern, nicht unähnlich den Herzteilen in Nintendos Vorzeige-Serie. Beim Erforschen des Waldes stoßen die Beiden auch öfters auf Hindernisse und Rätsel, für deren Überwindung Teamwork und etwas Hirnschmalz gefordert ist. So gibt es immer wieder Stellen, wo unsere beiden ungleichen Protagonisten unterschiedliche Wege gehen und sich gegenseitig helfen müssen, um weiterzukommen. So mag Cheshire als Dämon Rosmarin nicht, weshalb die Wege, auf denen dieser wächst, lediglich von Cereza genutzt werden können, während Cheshire einen Umweg finden muss. Dabei kann der Dämon in der Bestienform beispielsweise auch höher gelegene Ebenen erreichen, die für Cereza unerreichbar sind. Zudem kann er bestimmte Ranken mit einem Hieb seiner Tatzen aus dem Weg räumen, während Cereza mit einem kleinen Rhythmus-Geschicklichkeitsspiel bestimmte Blüten öffnen kann, um neue Wege zu öffnen. Die beiden Protagonisten ergänzen sich also und kommen ohne den anderen gar nicht aus.

Teamwork ist auch in den Tír na nÓg genannten Mini-Dungeons gefragt. Diese nach einem Ort in der irischen Mythologie benannten Abschnitte sind vergleichbar mit den Schreinen in The Legend of Zelda: Breath of the Wild oder den Muspelheim-Herausforderungen in Bayonetta 2. Viele der Tír na nÓg Abschnitte müssen während der Story absolviert werden um weiterzukommen, andere wiederum sind ganz optional und locken am Ende mit einer großen Schatztruhe, die beispielsweise ein Blütenblatt zur Erhöhung der Lebensenergie enthalten kann. Die Herausforderungen in den Tír na nÓg Abschnitten sind dabei recht abwechslungsreich. Viele aber nicht alle dieser Mini-Dungeons bieten Kämpfe gegen die unterschiedlichsten Kombinationen an Feen-Gegnern, andere wiederum sorgen mit Rätseln und Hindernissen für qualmende Köpfe.

Märchenhafte Präsentation

Wie bereits eingangs beschrieben ist die märchenhafte Präsentation von Bayonetta Origins: Cereza and the Lost Demon ein echter Hingucker und wohl das herausstechendste Merkmal des Action-Adventures. Das Spiel ist wie ein Märchenbuch gestaltet und wir erleben das Spiel, als ob wir das Buch durchblättern. In den zahlreichen Zwischensequenzen werden zum Teil leicht animierte vertonte Standbilder gezeigt, per Knopfdruck blättern wir zur nächsten Seite um. Eine Erzählerin liest dabei den Text vor und übernimmt den Sprech-Part von Cheshire.

Die Grafik wirkt dabei wie ein Aquarell-Gemälde und zeichnet sich durch die Tatsache, dass das Abenteuer fast ausschließlich im Wald von Avalon spielt, hauptsächlich durch Naturtöne aus. Wer aber meint, dass Bayonetta Origins durch das Setting eintönig sei, irrt gewaltig. Immer wieder überrascht uns das Spiel mit zauberhaften Panoramen. So erwartet uns neben einem satt grünen Blätterdach beispielsweise auch ein Abschnitt mit dorniger Vegetation, ein verzauberter schimmernder See oder ein Zirkus. Für die nötige Atmosphäre sorgt ein passender Soundtrack, der die zauberhafte Präsentation zusätzlich unterstreicht.

Geschrieben von Markus Schoenenborn

Fazit:

Als Bayonetta-Fan der ersten Stunde hat mich der dritte Serienteil letztes Jahr etwas zwiegespalten zurückgelassen. Zwar ist meine Kritik an dem Spiel Meckern auf recht hohem Niveau, aber das Ende des Spiels und die Aussagen von Schöpfer Hideki Kamiya haben mich etwas sorgenvoll zurückgelassen, was die Zukunft der Reihe angeht. Umso überraschter und froher bin ich, dass wir mit Bayonetta Origins: Cereza and the Lost Demon schon so schnell mit Spielefutter aus der Welt der beliebten Umbra-Hexe versorgt werden, und das gleich mit so einem schönen Spiel. Cereza and the Lost Demon hat mir von der ersten Minute sehr viel Spaß gemacht. Da ist erst einmal die unglaublich hübsche Präsentation des Spiels, welche dem Abenteuer eine ganz eigene Note gibt. Auch das von der irischen Mythologie inspirierte Setting des Waldes von Avalon hat mir sehr gut gefallen und erweitert das Bayonetta-Universum sinnvoll. Das von der Hauptreihe losgelöste Action-Adventure-Gameplay ist sehr gut gelungen und auch die verschiedenen Rätsel, welche nur durch das geschickte Teamwork von Cereza und Cheshire gelöst werden können, sind sehr clever designt. Der Schwierigkeit bleibt dabei während der gesamten Spielzeit sehr moderat und macht das Spiel sehr zugänglich. Auf der anderen Seite dürften sich einige Spieler dadurch aber vielleicht etwas unterfordert fühlen. Auch die Steuerung bekam ich während der gesamten, circa fünfzehn-stündigen Spielzeit nie hundertprozentig in den Griff. Zwar ist die gleichzeitige Steuerung von zwei Charakteren eine gute Idee und ist durch die Tatsache, dass jedem der beiden Joycons ein Charakter zugeordnet ist sehr clever, aber in der Praxis ist die Koordination während des Spiels manchmal recht schwer. Gerade wenn Cereza und Cheshire auf dem Bildschirm die Plätze tauschen, merke ich, wie meine beiden Gehirnhälften Probleme bekommen. Insgesamt macht Bayonetta Origins: Cereza and the Lost Demon jedoch eine Menge Spaß. Gerade durch die ungemein charmante Präsentation, dem ungleichen Protagonistenpaar und der schön präsentierten Geschichte konnte mich das Spiel bis zum Ende begeistern. Von mir gibt es eine klare Empfehlung, und wer dennoch unsicher ist, sollte es zumindest einmal in der kostenlosen Demo-Version anspielen.