Chicken Wiggle – TEST

Chicken Wiggle ist ein kurzweiliges und nicht sonderlich schwieriges Jump ’n’ Run. Wer sich auf den Titel einlässt, kommt jedoch in den Genuss einiger lustiger Spielideen und noch dazu in den eines umfangreichen Level-Editors, der die kurze Spielzeit erheblich strecken kann.


Im Hüpfspiel Chicken Wiggle schlüpfen wir in die Rolle eines nicht näher bestimmten, dafür titelgebenden Kükens. Unsere gefiederten Freunde wurden von einer bösartigen Hexe entführt, sodass wir auf jedwede Hilfe angewiesen sind – Unterstützung erhalten wir direkt zu Beginn des auf circa drei Stunden ausgelegten Abenteuers ironischerweise von einem kleinen Wurm. Wirklich tiefgründig wird die Story selbst für Jump-’n’-Run-Verhältnisse nie. Auf Dialoge oder ähnliches verzichtet der Titel nämlich weitgehend, sodass das Gameplay seitens der Entwickler in den Vordergrund gerückt wird. Kaum haben wir den Wurm aufgelesen, nimmt dieser in unserem Rucksack Platz und wartet nur darauf, als Enterhakenersatz hervorgekramt zu werden.

Zusammen mit Hühnchen und Wurm durchstreifen wir aus der zweidimensionalen Seitenansicht acht Türme mit jeweils sechs Levels, die wir stets unbeschadet beenden müssen. Unser Heldenduo, das uns hin und wieder an Bär Banjo und Breemöwe Kazooie aus der Banjo-Kazooie-Reihe erinnert, hält nämlich nur einen Treffer aus. Sollten wir also mit einem Gegner kollidieren oder von Stachelkugeln aufgespießt werden, müssen wir am Anfang des Levels oder beim Kontrollpunkt wieder ins Geschehen einsteigen. Da die Levels klein und der Schwierigkeitsgrad selten hoch ist, fällt diese Design-Entscheidung nicht so stark ins Gewicht.

Typisches Jump-’n’-Run-Gameplay

Hinzu kommt, dass wir über einen unbegrenzten Vorrat an Versuchen verfügen, sodass wir jedes Level in Ruhe erkunden können. In jedem Spielabschnitt verstecken sich nämlich zwei Sorten von Collectibles. Das wären zum einen drei Buchstaben, die zusammen das englische Wort Fun ergeben. Das erinnert zwar ein wenig an die Donkey-Kong-Country-Reihe mit den Kong-Buchstaben, doch ganz so wertvoll sind die Fun-Buchstaben nicht, was vielleicht auch daran liegen mag, dass die Verstecke der Buchstaben in fast allen Levels an ähnlichen Stellen positioniert sind. Ebenso sinnfrei sind die einhundert Edelsteine, die in jedem Level quasi wie Brotkrumen bis ans Ziel verstreut sind.

Warum wir die Collectibles sammeln sollten, wissen wir nicht – eine Belohnung blieb uns zumindest in der Testversion verwehrt. Dafür kann das Gameplay des Spiels auf verschiedene Art und Weise entschädigen. Die acht Türme sind verschiedenen Themen wie einer Wolkenlandschaft, einer verschneiten Gegend oder einem mystischen Tempel zugeordnet. Das merken wir nicht nur in ihrer äußeren Erscheinungsform, sondern auch in der Art der Level-Architektur. Mal müssen wir über Laufbänder rasen und dabei Morgensternen ausweichen und mal müssen wir durch leckere Geleeblöcke schwimmen. Noch dazu schöpft das Spiel aus einem kleinen Fundus an Gegnern, die uns auflauern wollen.

Kreativer Level-Editor

Haben wir das Spiel durchgespielt und immer noch Lust, weitere Abenteuer mit Küken und Wurm zu erleben, können wir entweder vom Entwickler erstellte Levels herunterladen oder selbst Spielabschnitte erstellen und sie online mit der Welt teilen. Was Super Mario Maker for Nintendo 3DS unverständlicherweise versäumt hat, holt Chicken Wiggle nach. Der Editor ist im Grunde kinderleicht zu bedienen. Allerdings muss man sich erst ein wenig in die Struktur des Programms einarbeiten. Das liegt daran, dass Hilfestellungen ausbleiben und manche Objekte erst nach dem Versuch-und-Irrtum-Prinzip verständlich sind.

Ist diese Hürde aber erst einmal genommen, macht auch das Level-Basteln sehr viel Spaß, zumal es auch neue Objekte wie Teleporter zu entdecken gibt, die im normalen Spiel keinen Platz gefunden haben. Sogar verschiedene Abschlussbedingungen lassen sich hier einstellen – andere Publisher dürfen sich hieran gerne ein Beispiel nehmen. Grafisch orientiert sich der Titel an Jump ’n’ Runs der 8- und 16-Bit-Ära. Der Soundtrack passt in der Regel gut zum Geschehen, doch fragen wir uns, warum man an Umgebungsgeräuschen gespart hat. Viele Gegner geben keinen Mucks von sich und torpedieren so die Atmosphäre. Wer seiner kreativen Ader gerne freien Lauf lässt und auch frische Level-Ideen von anderen Spielern ausprobiert, sollte sich daran aber nicht stören lassen und bei Chicken Wiggle zugreifen!

Geschrieben von Eric Ebelt

Fazit:

Das Kernspiel von Chicken Wiggle ist eine kleine, aber feine Aneinanderreihung von einigen witzigen Spielideen und abwechslungsreichen Gameplay-Elementen. Da kann ich auch gerne darüber hinwegsehen, dass die Story des Titels kaum existent ist. Jede Spielwelt basiert auf eigenen Themenwelten mit individuellen Mechaniken, die in späteren Levels sogar hin und wieder aufgegriffen und mit neueren Mechaniken kombiniert werden. Langzeitspaß bietet das Kernspiel zwar nicht, doch dafür entschädigt der wirklich tolle und kinderleicht zu bedienende Level-Editor. Hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt, da er sogar noch mehr Möglichkeiten zulässt, als im Spiel selbst vorkommen. An diverse Abschlussbedingungen haben die Entwickler ebenfalls gedacht, sodass ich die Spielfiguren nicht zwangsläufig bis zum Level-Ende führen muss. Es reicht auch schon aus, wenn ich alle Gegner besiege oder bestimmte Collectibles einsammle. Habe ich gar keinen Nerv, selbst kreativ zu sein, kann ich auch immer noch neue Levels vom Entwickler und anderen Spielern herunterladen. Jump-’n’-Run-Fans dürfen bei Chicken Wiggle gerne nicht nur einen Blick riskieren!