Darkest Dungeon -  – TEST

Darkest Dungeon erschien schon im Frühjahr 2016, der finstere Dungeon-Crawler gibt aber auch zwei Jahre später dank der Nintendo-Switch-Mobilität eine sehr gute Figur ab. Damit werden auch die letzten Sadisten zufrieden gestellt.


Darkest Dungeon legt zwar keinen allzu großen Fokus auf Story und Erzählung, dennoch braucht es natürlich einen guten Grund, warum sich unsere Figuren den Schrecken und Qualen des Spiels stellen sollte. Wir kehren als Erbe zurück zum Anwesen eines längst vergessenen Herrenhauses, worunter sich allerdings ein uralter Dungeon voll von unaussprechlichem Grauen befindet. Unsere Aufgabe ist es, diese endlosen Tunnel voller grässlicher Kreaturen zu säubern. Zum Glück gibt es im nahegelegenen Dorf genug tapfere Recken, mit denen wir in vierkopfstarken Truppen die zufallsgenerierten Level erforschen. Als Belohnung winken eine Menge Schätze und Gold.

Das Grauen aus der Tiefe

Nach nur wenigen Minuten in den Labyrinthen wird uns klar, dass das Abenteurer-Leben in Darkest Dungeon absolut kein Zuckerschlecken ist. Schon die ersten Gegner bieten eine echte Herausforderung, zusätzlich birgt auch die geistige Verfassung unserer Mitstreiter eine Gefahr. Umso tiefer wir uns hinunterwagen, desto höher steigt der Stress-Level unserer Figuren. Zu viel Stress führt zu negativen Ticks – Zustandsveränderungen wie Paranoia, Egomanie oder Phengophobie – alles Begriffe, die für reduzierte Statuswerte und andere Malusse stehen. In kritischen Situationen kann auch ein Herzinfarkt unseren stärksten Ritter dahinraffen. Falls eine Figur stirbt, bleibt sie tot – gefallene Helden können wir nur noch auf dem Friedhof besuchen.

In Darkest Dungeon führen wir einen ständigen Kampf gegen eine recht aussichtslose Situation, in der wir stets bemüht sind, das beste aus der misslichen Lage zu machen. Paradoxerweise macht das aber eine Menge Spaß. Die Expeditionen in den Dungeon dauern zwar nur wenige Minuten an, innerhalb diesen wollen aber alle Handlungen wohl überlegt sein und jeder Besuch im Dorf, der Hub-Welt, gut vorbereitet. Als Belohnungen winken dann Gold, Erfahrungspunkte sowie Ressourcen, die wir in das Verbessern der Dorf-Einrichtungen investieren können. Das ist auch bitter nötig, denn neben den Schätzen schleppen unsere Figuren nicht nur ihren Stress-Wert, sondern auch Krankheiten und ihre gefährlichen Ticks mit an die Oberfläche. Diese werden im Sanatorium, dem Kloster oder durch ein Besäufnis in der Bar behandelt – das Ganze ist sehr teuer und frisst uns ein großes Loch in die Geldbörse. Nachdem auch gut gelevelte Figuren nach nur wenigen Treffern niedergestreckt werden, sind diese Gebäude-Verbesserungen eine angenehme Konstante und ein klar erkennbarer Spielfortschritt.

Retten, was nicht mehr zu retten ist

Frischfleisch mit neuen, naiven Abenteurern kommt praktischerweise nach jeder Expedition per Kutsche ins Dorf, deren Level und Ausrüstung kann natürlich nicht mit den erfahrenen Helden mithalten, sodass es sich durchaus lohnt, auf unsere Figuren gut acht zu geben. Wer allerdings zu anhänglich wird, dem wird der Verlust eines guten Kämpfers besonders frusten. Glücklicherweise können wir einen Dungeon auch mitten in einer Mission verlassen und behalten dabei die bisher gesammelte Items. Damit wissen wir aber auch, dass es immer unsere Schuld ist, wenn wir wieder mal einen Raum zu viel erkunden wollten. Die Missionsziele, meist das erkunden aller Räume oder Besiegen aller Gegner, laufen uns nämlich nicht davon.

Gekämpft wird in simplen Rundenkämpfen, die einen angenehm-leichten Tiefgang besitzen. So müssen wir stets auf die Positionierung unserer Einheiten achten, die je nach Klasse besser auf den hinteren oder vorderen von insgesamt vier Positionen aufgehoben sind. Während der Okkultist die Mächte des Bösen aus den hinteren Plätzen auf die Gegner hetzt, setzt die Pestdoktorin auf Vergiftungen und Betäubungen, die es Kreuzfahrern und Waffenknechten aus der ersten Reihe einfacher machen, schweren Schaden zu verursachen.

Darkest Dungeon gelingt durch den Mindesteinsatz von Animationen einen sehr stielsicheren visuellen Auftritt. Zwar bieten die Dungeons keine große Abwechslung, der verrottete Comic-Look, getränkt in den schwarzen und tiefroten Farben des Abgrunds, schafft es dennoch eine sehr bedrohliche Stimmung aufzubauen. Diese wird durch den betrübten Erzähler unterstützt, der uns auf Schritt und Tritt begleitet und stets einen zynischen Spruch auf Lager hat. Nicht unerwähnt bleiben darf die restliche Klangkulisse, die vom wuchtigen Trefferfeedback in Kämpfen bis hin zur beruhigenden Melodie im Dorf die ganze Breite der Stimmungen im Spiel sehr gut einfängt.

Die Steuerung des Spiels hat es zur Aufgabe, eine Menge komplexe Entscheidungen unsererseits mit wenigen Tastenklicks umzusetzen. Dabei wirkt sie leider etwas störrisch und hakelig. Die Nintendo-Switch-Version erlaubt dazu eine Bedienung über den Touchscreen. Das Item- und Party-Management funktioniert auf dem Bildschirm gut, allerdings wandelt die recht kleine Schriftgröße an der Grenze des ertragbaren. Abseits dessen ist die Spielerfahrung im mobilen Modus insgesamt tadellos.

Wer alles in Darkest Dungeon sehen will, wird mehrere Dutzend Stunden beschäftigt sein. Das Spiel bietet darüber hinaus für Leute, die es wirklich wissen wollen, noch weitere Schwierigkeitsgrade. Ab einem gewissen Punkt, stellte sich zwar eine gewisse Gameplay-Monotonie ein, bestehend aus der Vorbereitung und anschließendem Bekämpfen des nächsten Endgegners. Das Leveln und Zusammenstellen unserer Party machte trotzdem immer Spaß und jeder Trip in den Dungeon blieb aufgrund vieler Zufallsvariablen und dem hohen Maß an Anspruch stets aufregend.

Geschrieben von Jonas Maier

Fazit:

 

Das Konzept, dass die Psyche selbst und nicht immer das große haarige Monster um die Ecke unser größter Gegner ist, hat mir in Darkest Dungeon besonders gefallen. Leider weiß ich auch, dass viele Spieler trotz der Wahl zwischen drei Schwierigkeitsgraden von den ganzen Spielelementen, die auch benutzt und verstanden werden müssen, und der Skrupellosigkeit des Spiels, frustriert werden. Wer damit zurecht kommt und auch keine Schäden davonträgt, wenn der beste Soldat vom einem zum anderen Moment am Abgrund des Todes steht, darf sich mit Darkest Dungeon auf eine Menge Spaß einstellen. Auch das Management der Rollenspielsysteme ist äußerst befriedigend und motiviert uns immer wieder, die Dungeons unsicher zu machen. Eine Empfehlung für alle Masochisten und welche, die es noch werden wollen!