Disgaea 1 Complete -  – TEST

Pünktlich zum Jubiläums-Jahr kehrt das erste Disgaea als Complete-Edition am 12. Oktober zurück. NIS America hat dem Seriendebüt eine Neuauflage spendiert, die nicht nur alle Inhalte der bisherigen Versionen vereint, sondern endlich auch grafisch sichtbar aufgehübscht wurde. Das Gameplay zeigt sich im Test allerdings noch immer als gnadenlos schwer und grindlastig.


Erstmals ist Disgaea: Hour of Darkness im Januar 2003 für Playstation 2 in Japan erschienen. Im Laufe der Jahre gab es Portierungen für die PSP, Nintendo DS und den PC. Wurden diese Versionen grafisch kaum angepasst, zeigt sich Disgaea 1 Complete bereits auf den ersten Blick mit einer sichtlich besseren HD-Optik. An die Technik des fünften Serienteils, der 2017 ebenfalls für Nintendo Switch erschienen ist, angelehnt, überzeugt die Portierung mit schicken Charaktermodellen, ansehnlichen Effekten und ordentlichen Umgebungen. Unterstrichen wird das zudem von einer hervorragenden Musikuntermalung. Herausstechend sind bei Disgaea aber weiterhin das fordernde Gameplay und die abgedreht-witzige Geschichte.

Dämonenprinz mit Ansprüchen

In Disgaea 1 Complete schlüpfen wir in die Rolle von Dämonenprinz Laharl. Rüde von der Dämonin Etna geweckt, müssen wir feststellen, dass wir zwei Jahre geschlafen haben. King Krichevskoy, Herrscher über die Netherworld und unser Vater ist kurz nachdem wir eingeschlafen sind gestorben. Mittlerweile kämpfen zahlreiche Dämonenadelige um den Thron. Das passt Laharl natürlich überhaupt nicht, schließlich ist er als Erbe von Krichevskoy der rechtmäßige Dämonenkönig. Kurzerhand beschließen wir also die Adeligen zu bekämpfen und unser Geburtsrecht einzufordern. Die Geschichte von Disgaea ist mit reichlich Humor angereichert und konfrontiert uns mit allerlei verrückten, skurrilen und abgedrehten Charakteren und Situationen. Es ist schwer nicht zu lachen, wenn das naive und herzensgute Trainee-Engel-Mädchen Flonne versucht Laharl Liebe und Mitgefühl beizubringen oder wenn sich die pinguinartigen Prinnys beschweren, weil sie arbeiten sollen. Verpackt ist der Humor in außergewöhnlich gut geschriebenen Dialogen, die den Figuren hohe Individualität verleihen. Zusätzlich unterstützt wird das von der grandiosen englischen Synchronisation.

Spielerisch ist Disgaea 1 Complete ein taktisches Rollenspiel, das beim Gameplay etwa an Final Fantasy Tactics erinnert. Auf überschaubaren Karten ziehen wir rundenweise mit bis zu zehn unserer Charaktere gegen allerlei Feinde in den Kampf. Dabei stehen uns neben normalen Angriffen auch Zauber und Spezialattacken zur Verfügung. Alles ist das aber noch nicht. Disgaea ist mit zahlreichen Möglichkeiten vollgepackt, die taktisches Geschick erfordern und uns verschiedene Wege eröffnen. Freunde oder Feinde hochheben und werfen? Kein Problem. Dazu kommen spezielle, von Orbs gestärkte Felder, die sowohl uns als auch den Gegnern Boni gewähren. Bis alle Elemente, die in einem ordentlichen Tutorial zumindest oberflächlich erklärt werden, in Fleisch und Blut übergehen, kann einige Zeit vergehen. Disgaea 1 Complete bietet keinen einfachen Einstieg, nimmt uns nicht an der Hand oder geht zimperlich mit Neulingen um. Eher im Gegenteil. Bereits zu Beginn des Spiels steigt der Schwierigkeitsgrad von Mission zu Mission rapide an. Scheitern ist ohne Vorkenntnisse kaum zu vermeiden und häufiges Grinding zwingend erforderlich. Von Anfang an ist es erforderlich bereits absolvierte Level wieder und wieder zu spielen, um unsere Kämpfer aufzuleveln und Geld für bessere Ausrüstung zu verdienen. Das kann mitunter frustrierend sein, besonders wenn wir nur die Geschichte erleben wollen.

Umfangsmonster

Damit richtet sich Disgaea 1 Complete klar an Spieler mit hoher Frustresistenz, die sich gerne in ein Spiel einarbeiten und kein Problem mit stundenlangem Grinding haben. Wer sich aber darauf einlässt, bekommt einen gigantischen Umfang geboten. Das gilt nicht nur für die durchaus ordentlich lange Geschichte mit mehreren Enden, sondern auch für die spielerischen Möglichkeiten. Neue Kämpfer rekrutieren wir etwa im Laufe der Handlung. Alternativ können wir auch Diener selbst erschaffen. Dafür stehen uns zahlreiche Klassen, Unterklassen und Spezialisten-Klassen zur Verfügung, von denen wir viele erst im Laufe unseres Abenteuers freischalten. Doch damit noch nicht genug. Die Levelgrenze für jeden Charakter liegt bei 9999(!). Außerdem können wir unsere Kämpfer wieder auf Level 1 zurücksetzen lassen, um diese anschließend mit verbesserten Werten neu aufzuleveln. So lässt sich sogar ein Charakter erstellen, der über alle Fähigkeiten und Zauber verfügt. Beim Dark Assembly, einer Art Unterweltsenat, können wir Anträge und dauerhafte Änderungen einbringen. Um diese durchzusetzen greifen wir auf Bestechung oder Waffengewalt zurück. Außerdem lassen sich in der Item-World, in der wir nacheinander in zufallsgenerierten Leveln kämpfen, unsere Ausrüstung und andere Gegenstände bis zu Level 100 verbessern. Abgerundet wird der enorme Umfang von allen bisherigen Zusatzinhalten wie Bonus-Bossen oder dem Etna-Modus. Wie der Name von letzterem bereits sagt, spielen wir darin mit Etna statt Laharl als Hauptfigur in einer alternativen Version der Geschichte des Spiels. Quasi also eine andere Variante von Disgaea 1 Complete, womit die Spielzeit nochmal verdoppelt wird. Wahnsinn.

Geschrieben von Alexander Geisler

Fazit:

Disgaea 1 Complete ist nicht einfach zu bewerten. Schwierigkeitsgrad, Lernkurve und Frustmomente sorgen schnell dafür, dass meine Motivation verloren geht. Trotzdem habe ich mich immer wieder an den herausfordernden Missionen versucht, meine Charaktere aufgelevelt, ihnen bessere Ausrüstung gegeben und schließlich Erfolge erzielt. Das wird dann auch meistens mit witzigen und hervorragend geschriebenen Dialog-Zwischensequenzen belohnt, die die interessante und amüsante Geschichte weitererzählen. Gerade hier verbirgt sich für mich die größte Stärke: Laharl, Etna, Flonne und allerlei andere Figuren sind so genial, dass ich sie gerne auf ihrem Abenteuer begleite. Außerdem weckt die Geschichte meine Neugier ausreichend, um mich zum Weiterspielen zu animieren. Dadurch sind die spielerischen Hürden jedoch umso frustrierender, weshalb ich mir einen einfachen Modus für das bloße Story-Erlebnis gewünscht hätte. Wer jedoch herausfordernde Spiele mit enorm steiler Lernkurve mag, sich nicht an exzessivem Grinding stört und Frustresistent ist, sollte sich Disgaea 1 Complete nicht entgehen lassen.