Hyper Light Drifter (Special Edition) -  – TEST

Nicht nur die Grafik unterscheidet Hyper Light Drifter von anderen Action-Adventures, auch die Story wird auf völlig andere Weise erzählt als etwa bei neueren The-Legend-of-Zelda-Titeln oder Diablo III, nämlich ohne Worte, nur mit Bildern und Atmosphäre.


Alex Preston, der Gründer von Entwicklerstudio Heart Machine, hatte Hyper Light Drifter ursprünglich im Jahr 2013 als Kickstarter-Kampagne ins Leben gerufen. Sein ursprünglich angesetztes Finanzierungsziel von 27.000 US-Dollar wurde um das zweiundzwanzigfache übertroffen und brachte 600.000 US-Dollar ein. Das zeigte sehr deutlich, dass es einen Markt gab für ein solches Spiel, das spielerisch wie eine Mischung aus Diablo und The Legend of Zelda: A Link to the Past wirkt, während es optisch an Spiele wie die Erstveröffentlichungen von Monkey Island und Another World erinnert. Eigentlich für 2014 geplant, wurde Hyper Light Drifter Ende März 2016 für PC und Mac, später für PlayStation 4 und Xbox One, und 2018 für Nintendo Switch veröffentlicht.

Eine unerzählte Story

Hyper Light Drifter beginnt mit einer kurzen Darstellung des Hauptcharakters, der – wie wir nicht im Spiel erfahren – the Magician, also der Magier genannt wird. Wir sehen den Magier inmitten von Leichen stehen, bevor er Blut hustend zeigt, dass er an einer Krankheit leidet. Hier zeigt sich, dass das Spiel dezent autobiografisch ist, denn Erfinder Alex Preston selbst leidet an diversen Krankheiten, unter anderem Herzleiden, die jeden Moment sein Leben beenden könnten. Der Magier geht im Intro zunächst zu Boden, doch als schwarze Schatten auftauchen, zerlegt er sie gewandt und rasant mit seinem blauen Schwert. Eine große Explosion fetzt noch ohne Erklärung ein paar Riesen hinfort, bevor wir in die Unwissenheit entlassen werden. Wir beginnen unser Spiel mit dem Protagonisten aus der Vogelperspektive, an einem Lagerfeuer sitzend, von wo wir bald in die zentrale Siedlung des Spiels kommen.

Text gibt es im Spiel zwar, aber bis auf wenige Ausnahmen ist alle Schrift der Erklärung des Gameplays vorbehalten, nur sehr wenige Worte dienen der Story. Das macht diesen Titel so erfrischend wie besonders, denn weder der Magier noch alle Figuren, die er auf seinem Weg trifft, sprechen: Keine Sprachausgabe, keine Dialoge. Wenn andere Charaktere eine Geschichte zu erzählen haben, dann passiert das über jeweils bis zu drei Bilder, die deren Hintergründe beleuchten, aber uns Spielern einen sehr großen Interpretationsrahmen lassen, was wirklich passiert sein mag. Ebenso gilt das für die Welt, in der sterbende wie gestorbene Kolosse genau so zu sehen sind wie Shuriken-werfende Frösche, die humanoide Hasen aus dem Wasser fischen und enthaupten. Nichts davon wird näher erläutert, wir müssen uns unseren Teil denken. Dadurch, dass wir nicht alles wissen, wird das gesamte Spiel spannender, weil die Frage drängt, warum das alles passiert und wies es so weit gekommen ist.

Wege des Spielens

In der Welt von Hyper Light Drifter gibt es grob vier Arten von Tieren, die früher anscheinend alle zusammengearbeitet haben, um die mysteriöse pinke Energie zu verarbeiten, die in den futuristisch aussehenden Bereichen der Welt durch Leitungen fließt. Im Norden gibt es Vögel, im Westen Hasen, im Süden Echsen und im Osten Otter. Uns stehen diese Bereiche von der zentralen Siedlung aus mehr oder minder frei zu begehen zur Verfügung, so dass wir wie in The Legend of Zelda: A Link to the Past, eine der Inspirationen des Entwicklers, große Handlungsspielräume für Storyelemente und Nebenaufgaben haben und keinem linearen Weg folgen müssen.

Wir haben eine Lebensenergieanzeige, die durch gegnerische Schläge um einzelne Punkte herabgesetzt wird, und die wir mit Hilfe eines kleinen fliegenden unauffälligen Begleiters wieder aufladen können. Für die Aufladungen benötigen wir Zeit und Ruhe sowie eines von bis zu drei gleichzeitig tragbaren Lebensenergiepaketen, die wir zuhauf in der Welt finden. Obwohl das Ziel des Spiels nicht erklärt wird, beugt sich der Magier an manchen Stellen im Spiel vornüber und spuckt Blut, so dass uns klar wird, dass er eine Heilung braucht, was das primäre Ziel sein muss. Hierfür müssen wir die vier Bossgegner umlegen, die seiner Heilung im Weg zu sein scheinen. In jeder der vier Himmelsrichtungen gibt es einen davon, am Ende einer langen Wanderung voller Geschicklichkeitspassagen, die zum Teil echt knifflig sind.


Jäger und Sammler

Auf dem Weg zu den Bossen treffen wir zudem auf alle möglichen Widersacher, die wir in Diablo-Manier effizient und geschickt töten müssen. Hierfür haben wir das blaue Schwert als Nahkampfwaffe, aber auch auf Schusswaffen können wir zurückgreifen. Diese müssen allerdings über Gegnertreffer zunächst mit dem Schwert aufgeladen werden. Als Defensivmethode steht uns eine rasante Spurtbewegung zur Verfügung, deren Richtung wir, wie die Angriffe auch, über den rechten Analogstick punktgenau bestimmen können. Offensive und Defensive müssen wir geschickt kombinieren, um sowohl den Angriffen der meist in Scharen auftretenden Gegnern auszuweichen als auch ihnen tödliche Streiche und Salven zu verpassen.


An Sammelobjekten stehen uns insgesamt 186 Ausrüstungsteile zur Verfügung, die in der Welt zu finden sind, übrig geblieben von der überall anzufindenden antiken Technologie. Mit den Ausrüstungsteilen können wir, je vier von ihnen zu einem Paket zusammengefügt, für unsere Waffen, Bewegungen und Fähigkeiten Verbesserungen in der Siedlung erwerben. Dadurch bekommt das Spiel einen persönlichen Stil, denn wir können selbst entscheiden, ob wir etwa gegnerische Schüsse mit unserem Schwert abwehren oder lieber mehrere Spurts schneller hintereinander durchführen können wollen. Verschiedene Outfits geben uns Boni, ebenso können wir im Laufe des Spiels diverse Waffen finden, sogar ein Nintendo-Switch-exklusives zweites Schwert. Wir finden zudem sechzehn Schlüssel im Spiel, die wir für manche Türen benötigen. Manche der Geheimnisse des Spiels sind sehr gut versteckt, andere leichter zu finden. Eine Karte bietet uns zum Glück einen Überblick und die Möglichkeit über ein Schnellreisesystem an manche bereits bereiste Orte zurückzukehren.

Flair und Pixel

Wenn ein Spiel wie Hyper Light Drifter keine Texte für die Story bereitstellt, muss die Grafik prägnant und aussagekräftig sein. Das ist hier definitiv der Fall. Unvergleichlich ist der Stil von Hyper Light Drifter, erinnert er doch an Klassiker aus den 1990er-Jahren, bringt aber mit seinen modernen Effekten einiges an eigenem Geschmack mit. Dass die Grafik sehr grobpixelig ist, mag nicht jedem Spieler liegen, passt aber sehr gut zu diesem Titel, denn die geringe Auflösung lässt viel Spielraum für Interpretationen. Ob das Vieh, das uns ständig verfolgt und uns die Energie wieder auflädt, eine Elfe, eine Drohne oder ein Zauberwesen ist, lässt sich zum Beispiel nicht einfach erkennen.

Ebenfalls sehr zuträglich für die gelungene Atmosphäre aus Natur und Hochtechnologie sind der Soundtrack und die Geräuschkulisse. Tiere, Wind, Wasser, sonstige Umgebung: all diese lassen sich sehr gut erkennen und passen sehr gut. Gleiches gilt für die Kampfgeräusche, die uns keinen Moment an der Realität für diesen Magier in seiner Welt zweifeln lässt. Musikalisch wird das alles untermalt von an den FilmBlade Runner erinnernde Musik, die von ambient-ruhig über hektisch-aufpeitschend bis zu melancholisch alles zu bieten hat, was Hyper Light Drifter braucht: Komponist Disasterpeace, bekannt auch von Fez, Runner2 oder Mini Metro, hat hier ganze Arbeit geleistet.

Technik und Modi
Keine Ruckler, keine langen Ladezeiten und keine Probleme irgendeiner Art machen Hyper Light Drifter technisch zu einem sehr gelungenen Spiel. An der präzisen Steuerung gibt es ebensowenig auszusetzen wie an der gesamten Soundkulisse. Die Special Edition bietet auf der Switch einige Bonus-Inhalte, etwa ein neues Outfit, das Geheimnisse enthüllt, eine neue Frost-Schusswaffe oder eine neue Herausforderung. Mit dem New-Game-Plus-Modus können wir das Spiel in drastisch erhöhtem Schwierigkeitsgrad neu erleben, im Multiplayer-Modus spielen wir lokal mit einem Mitspieler mit jeweils einem Joy-Con. Abgerundet wird Hyper Light Drifter durch butterweiche sechzig Bildern pro Sekunde und eine Auflösung von 1080p im Dock-Modus, 720p im Handheld-Modus. Laut Entwickler Alex Preston ist die Variante auf der Switch die ultimative Version des Titels, dem können wir zustimmen.

Geschrieben von Arne Ruddat

Fazit:

Was an Hyper Light Drifter so fasziniert, ist die Art, wie es die Geschichte erzählt: Unaufdringlich, dezent, nicht über Textbausteine, sondern mit Grafiken und kleinen Details am Wegesrand. Hier bleibt es mir als Spieler selbst überlassen, ob ich mir dazu weitere Gedanken machen will oder nicht. Gameplay und Stimmung stehen dem gegenüber, denn hier ist sehr eindeutig, was der Entwickler will. Action und Gewalt passen zu dem melodisch-noir-igem Soundtrack und bieten mir die Chance, sehr cool zu wirken, wenn ich den gegnerischen Angriffen ausweiche, während ich meine Feinde erlege. Vor dem Hintergrund, dass das Spiel eine versteckte Autobiographie des Entwicklers Alex Preston ist, hat Hyper Light Drifter besonderen Tiefgang. Einzig die Grafik ist nicht ganz mein Fall und ich würde das Spiel daher nicht jedem empfehlen. Wer sich jedoch von dieser angesprochen fühlt, sei aber herzlich eingeladen, denn ansonsten gibt es abgesehen von der gehobenen Schwierigkeit nichts zu meckern.