Legacy of Kain: Ascendance – TEST

Je länger eine Videospielreihe nicht mehr fortgesetzt wird, desto unwahrscheinlicher wird es, dass sich Entwickler an sie erinnern. In den letzten Jahren wurde die Legacy-of-Kain-Reihe mit Neuauflagen alter Titel wiedererweckt. Mit Legacy of Kain: Ascendance erhielt sie Ende März 2026 sogar ein kanonisiertes Prequel, das beinharte Fans jedoch verschmähen dürften.


Zwanzig Jahre saßen Fans der Legacy-of-Kain-Reihe auf dem Trockenen. Selbst wer nur auf Nachschub auf Videospiele hoffte, die sich inhaltlich mit Vampiren beschäftigen, fand seit dem Jahr 2003 nur wenig brauchbares Material. Die bekanntesten Vertreter dürften wohl das 2004 veröffentlichte und zunächst mit Fehlern belastete Vampire the Masquerade: Bloodlines sein, dessen vom ursprünglichen Rollenspiel möglichst weit entfernten Nachfolger aus dem Jahr 2025, Vampyr von 2018, die drei Episoden von Castlevania: Lords of Shadows oder der zweite und dritte Teil der gerade in der RPG-Maker-Community beliebten Vampires-Dawn-Trilogie sein.

Nachdem mit Legacy of Kain: Soul Reaver 1 & 2 Remastered und Legacy of Kain: Defiance Remastered zunächst Neuauflagen bekannter Serienteile erschienen, veröffentlichte Crystal Dynamics Ende März 2026 mit Legacy of Kain: Ascendance tatsächlich eine neue Episode des wiedererweckten Franchises. Inhaltlich knüpft die kanonisierte Vorgeschichte an den grafischen Roman Legacy of Kain: Soul Reaver – The Dead shall rise aus dem Jahr 2025 an. Hier liegt auch schon die Krux begraben, denn Fans der um die Jahrtausendwende entstandenen Videospielserie sind nicht begeistert von den Story-Entwicklungen, die sowohl in der Graphic Novel als auch in Legacy of Kain: Ascendance stattfinden.

Vampirisches Dreigespann

Erzähltechnisch konzentriert sich das Actionspiel vor allem auf die neue Figur Elaleth, bei der es sich um die Schwester von Raziel handelt. Sie ist eine Vampirin, die ihren Bruder umbringen will, da dieser wiederum für den Tod ihres geliebten Mathias verantwortlich ist. Dies ist jedoch leichter gesagt als getan, denn durch einen Fluch wird sie ständig durch die Zeit gerissen und kommt ihrem Ziel nicht näher. Raziel ist darüber hinaus zu diesem Zeitpunkt noch als Inquisitor der Sarafan-Ritter tätig und macht Jagd auf die geflügelten Wesen der Nacht. Auch der titelgebende Vampirfürst Kain, der verwundert ist, dass er mit dem Soul Reaver genannten Schwert die rachsüchtige Elaleth nicht einfach umbringen kann, tritt dem Ensemble bei.

Alle drei Charaktere, die wir im Verlauf des grundsätzlich kurzweiligen Spiels verkörpern, spielen sich leicht unterschiedlich. Kain kann sich in der zweidimensional aufgebauten Spielwelt beispielsweise in Luft auflösen und durch Gitter in sonst verschlossene Bereiche vordringen. Raziel hat hingegen die Möglichkeit, mit Wurfgeschossen Brände zu verursachen, und Elaleth kann durch die Lüfte gleiten. Unterwegs gibt es dabei Wölfe, Fledermäuse, Menschen und Vampire zu töten, wobei das Gameplay einen starken Fokus auf Sprungmanöver setzt, die sich auch bei der Erkundung der schlauchartig gehaltenen Abschnitte widerspiegeln.

Unausgegorene Schwierigkeitsgrade

Leider spielt sich Legacy of Kain: Ascendance hierbei nicht sonderlich gut. Das an die frühen Serienteile der Castlevania-Reihe angelegte Gameplay enttäuscht gerade mit seiner Kampfmechanik, denn schon auf dem normalen Schwierigkeitsgrad ist das Spiel viel zu anspruchsvoll und stört mit Designkniffen, die unmöglich durch die Qualitätskontrolle hätten kommen dürfen. So benötigt Elaleth ständig Blutnachschub, indem sie getötete Menschen unverzüglich aussaugt. Hierbei erhält sie einen Bonus auf ihre Lebensenergie, die danach weiterhin kontinuierlich sinkt. Auf diese Weise stehen wir ständig unter Zeitdruck. Spielen wir hingegen auf dem leichten Schwierigkeitsgrad, fällt das zwar kaum mehr ins Gewicht, doch dann fühlen sich leider auch die Kämpfe wie ein Spaziergang an.

Kämpfen wir mit Raziel wiederum gegen Vampire, müssen wir diese unmittelbar in Brand stecken, da sie sonst nach ungelogen zwei Sekunden sofort wieder aufstehen. Gerade wenn wir gegen vier oder fünf dieser Biester gleichzeitig kämpfen, ist dies eine äußerst fummelige Angelegenheit, zumal uns die Feinde noch während oder kurz nach Ausführen unserer Brandaktion angreifen können. Ausweichen können wir dann oft nicht mehr, sodass wir dadurch häufig unnötige Tode sterben. Wir können uns nicht vorstellen, dass den Entwicklern dies beim Testen nicht aufgefallen sein soll.

Inkonsistenter Grafikstil

Außerdem ist das Moveset der Figuren in Legacy of Kain: Ascendance stark eingeschränkt, sodass wir bis auf Spezialangriffe, die auch nicht immer klappen, nur horizontal nach vorne angreifen können. Auch kann der Titel auf der visuellen Ebene nicht ganz punkten. Während die Charaktere und ihre Animationen einen Stil aufweisen, der an die Castlevania-Spiele der Game-Boy-Advance-Ära erinnert und immerhin noch für ein Schmunzeln sorgt, fallen die Umgebungsgrafiken absolut inspirationslos aus. Es gibt zwar unterschiedliche Szenarien wie eine Eishöhle oder eine Burg, aber die eigentliche Level-Architektur ist unfassbar langweilig gestaltet. Hinzu kommen wenige Szenen, die von der Pixel-Optik abweichen und zu einer inkonsistenten Polygongrafik wechseln, wie sie für die erste PlayStation bekannt ist.

Ein Blick auf die armselig animierten Charaktermodelle während der genreunüblich ausufernden Dialogzeilen macht deutlich, dass sich die Entwickler von Bit Bot Media auf keinen Grafikstil einigen konnten. Immerhin ist die Musik stimmig, die mit adrenalingeladenen oder mysteriös wirkenden Klängen stets für die passende Vampiratmosphäre sorgt. Bei den englischen Sprechern sind Michael Patrick Bell, Richard Doyle, Anna Kathryn Gunn und Simon Templeman, die schon bei den früheren Spielen dabei waren, zurückgekehrt und sorgen so zumindest für Fanservice, der das unterdurchschnittliche Legacy of Kain: Ascendance aber nicht rettet.

Geschrieben von Eric Ebelt

Fazit:

Eric Ebelt

Mit der Legacy-of-Kain-Reihe hatte ich bislang kaum Berührungspunkte. Tatsächlich habe ich erst mit Legacy of Kain: Soul Reaver 1 & 2 Remastered zum Franchise gefunden. Neugierig war ich auf die neue Episode Legacy of Kain: Ascendance dennoch, zumal es sich hierbei um eine Neuentwicklung und keinen Aufguss eines bereits bekannten Spiels handelt. Leider haben die Entwickler das Potenzial der Vampirvideospielreihe nicht ausgeschöpft. Storytechnisch liefert das Spiel ein plausibles Prequel ab, das jedoch die bedeutungsschwangeren Geschichten von Raziel und Kain ein wenig abwertet. Hinzu kommt ein altbackenes Gameplay, das in vergleichbaren Actionspielen aus den 1990er-Jahren abwechslungsreicher und vor allem besser spielbar ist. Selbst die grafische Gestaltung ist derart inkonsistent, dass ich mich ständig frage, welche visuelle Richtung die Entwickler ursprünglich überhaupt einschlagen wollten. Lediglich der Musik und der oft ganz angenehmen Synchronisation kann ich künstlerisch wertvolle Aspekte abgewinnen. Beinharte Fans kommen der Vollständigkeit halber womöglich nicht um Legacy of Kain: Ascendance herum, doch sollten sie im Klaren darüber sein, einem unterdurchschnittlichen Spiel zu begegnen, das den Klassikern in kaum einer Weise gerecht werden kann.