Metroid Prime 4: Beyond – TEST

Metroid Prime 4: Beyond hat sehr lange auf sich warten lassen. Das Spiel nutzt die technischen Möglichkeiten der Nintendo Switch 2, ist aber ansonsten in vielen Punkten nicht nur eine Kopie der bisherigen Metroid-Prime-Teile.


Videospielentwicklung ist hart. Viele Spiele werden nach jahrelanger Entwicklung eingestellt, verändern ihre Ausrichtung oder wechseln wie im Falle von Metroid Prime 4: Beyond den Entwickler und werden damit noch einmal komplett von vorne begonnen. In der Regel bekommen wir als Spieler so etwas nicht mit. In diesem Fall war es etwas Besonderes, als sich Nintendo 2019 an die Öffentlichkeit wandte und verkündete, dass das 2017 angekündigte Metroid Prime 4 aufgrund von nicht erreichten Qualitätszielen komplett von vorne entwickelt werden sollte. Verantwortlich ist nun einmal mehr Retro Studios, das zwar für die ursprüngliche Metroid-Prime-Trilogie verantwortlich war, aber auch seit über fünfzehn Jahren kein Spiel dieser Art entwickelt hat.

Das ewige Hin und Her

Das fällt beim Starten von Metroid Prime 4: Beyond aber gar nicht auf. Samus Aran ist zurück und liefert sich auf dem Planeten Tanamaar mit den von Sylux angeführten Weltraumpiraten einen Kampf um ein Artefakt. Blöderweise wird dabei unsere liebste Kopfgeldjägerin vom Artefakt unwissentlich auf den abgelegenen Planeten Viewros teleportiert, wo sich ihr neues Abenteuer entfalten soll. Zwar gibt es auf diesem Planeten auch einmal mehr eine längst vergessene Alien-Zivilisation und einige düstere Geheimnisse, aber eigentlich will Samus nur an die fünf Teleport-Schlüssel heran, um zurück in die Heimat reisen zu können.

Zunächst erinnert alles an früher. Wir erkunden aus der Egoperspektive eine fremde Welt und schießen dabei mit Power Beam und Missiles die heimische Flora und Fauna zu Asche. Hindernisse überwinden wir mit den klassischen Metroid-Upgrades wie Doppelsprung, Morph Ball oder neuen Waffen-Typen, die wir natürlich erst sukzessive freischalten. Schnell fällt aber auf, dass einige Dinge anders laufen: Metroid Prime 4 ist deutlich linearer und einfacher strukturiert, als seine Vorgänger. Es gibt immer den einen richtigen Pfad, den Samus nehmen muss. Upgrades wie die sehr belohnenden Energiecontainer und Munitionsupgrades liegen auch meist auf diesem Pfad und werden uns einfach so präsentiert. Oder wir erhalten sie als Belohnung durch stupides Hin und Her laufen. Spannendes Leveldesign, das die einzelnen Abschnitte organisch oder spielerisch sinnvoll verbindet, suchten wir vergebens. Trotz der Linearität steht unglaubliches Backtracking auf der Tagesordnung.

Dazu kommt ein wüster neuer Open-World-Abschnitt, der die einzelnen Levelabschnitte zusammenhält. In dieser Wüste bewegt sich Samus auf ihrem neuen Bike namens Vi-O-La. Designmäßig top fährt es sich auch gut, doch leider wird uns schnell klar, dass unsere Motorrad-Fahrskills in der leeren weiten Welt kaum abgerufen werden. Die Spielstruktur von Metroid Prime 4 ist eine bittere Enttäuschung für all diejenigen, die sich eine Zurückbesinnung auf die ersten beiden Metroid-Prime-Spiele erhofft haben. Aber auch als lineare Erfahrung funktioniert es nur mäßig, da wir viel zu oft zurück in alte Gebiete geschickt werden und dabei ständig die Wüste durchqueren müssen. Zum Schluss zerstört eine Sammelmission das Pacing noch einmal mehr.

Technischer Meilenstein

Es ist aber nicht alles schlecht. Die einzelnen Gebiete haben manchmal wirkliche Hingucker und auch wenn die Themen sehr klassisch sind (Wald-, Feuer- und Eisgebiet) zeigt Retro Studios was in der Nintendo Switch 2 alles drinsteckt. Schon zu Beginn entscheiden wir zwischen einem Qualitätsmodus (4K/60fps) und einem Performance-Modus (1080p/120fps), was wir von Nintendo auch in Zukunft bestimmt nicht so oft erwarten dürfen. Die Designer haben dazu wirklich erinnerungswürdige Momente geschaffen, mit einprägsamen Aussichten; zum Beispiel mit einer riesigen Turmkonstruktion im Vulkangebiet oder einer bedrohlichen Alien-Architektur bei Blitz und Donner. Wenn dann noch die klassische Metroid-Prime-Musik anfängt, kommt richtig Stimmung auf. Richtig gut gelungen sind auch die meisten Bosskämpfe. Dort bekommen wir schön designte Kämpfe mit einer knackigen Herausforderung.

Die guten alten Zeiten

Das Spiel wirkt teilweise etwas aus der Zeit gefallen – im positiven Sinne. Es gibt viele neue Psy-Fähigkeiten, die uns an die Wii-Ära erinnern. So können wir mit dem Control Beam per Bewegungssteuerung einen Schuss zielgenau durch den Raum lenken. Anderswo müssen wir mit kleinen Motion-Control-Gimmicks Türen öffnen. Trotz dieser kleinen Momente bleiben kluge Verstecke und interessante Rätsel weiter Mangelware. Beim Thema Spielerführung und NPC-Einbindungen wünschten wir uns, das Spiel würde sich mehr an alte Zeiten orientieren. In jedem Gebiet treffen wir auf verbündete Soldaten, denen wir aus der Patsche helfen müssen. Das beinhaltete Escort Missionen, mäßige Dialoge und Missionsbriefings wie wir sie in „modernen“ Shootern leider zu Hauf sehen. So länger wir Metroid Prime 4: Beyond spielen, umso mehr hatten wir wieder Lust die alten Spiele einzulegen.

Geschrieben von Jonas Maier

Fazit:

Jonas Maier

Endlich hat das Warten ein Ende. Metroid Prime 4: Beyond ist leider nicht ganz das Spiel geworden, dass ich mir erhofft hatte. Positiv überrascht war ich von der Technik und manchen visuellen Designs. Ansonsten fand ich es manchmal richtig langweilig. Schockiert war ich auch von den sinnlosen Backtracking-Passagen, währenddessen ich viel zu oft vor Türen stand, wo mir noch die passenden Upgrades fehlen. Das Kämpfen und die Bewegung in der Welt macht trotzdem immer noch Laune. Aber die großen Stärken der Vorgänger waren für mich immer die spannende Erkundung gepaart mit der einzigartigen Stimmung der Isolation. Beides suche ich hier Vergebens.