Prince of Persia: The Lost Crown – TEST

Zehn Jahren war es still um die Action-Adventure-Reihe Prince of Persia. Seit längerem warten wir auf das The-Sands-of-Time-Remake, doch nun werden wir mit Prince of Persia: The Lost Crown überrascht.


Prince of Persia: The Lost Crown ist ganz sicher nicht die erste Wunschvorstellung, wie ein neues Prince of Persia aussehen kann: 2D-Side-Scrolling, ein neuer Hauptcharakter und eine Inszenierung, die an Comics erinnert. Gleichzeitig ist Prince of Persia: The Lost Crown ein Metroidvania, das eindeutig nicht ganz oben in der Budget-Liga von Ubisoft mitspielt. Wie sich beim Spielen herausstellt, spricht aber nichts davon gegen die Qualität des Spiels.

Verrat in Persien

Wir übernehmen die Rolle von Elitekämpfer Sargon, der zusehen muss, wie sein Vertrauter und gleichzeitig Prinz von Persien Ghassan von Verrätern entführt wird. Das Spiel braucht am Anfang nur zwanzig Minuten, um Prolog, Protagonist, Antagonist, Setting und Motivation für uns Spieler einzuführen. Das Ganze ist mit ansehnlichen Zwischensequenzen und viel Vertonung umgesetzt. Zwar sind Handlung und Figuren nicht komplex, aber moderne Spiele Verbrauchen in der Regel deutlich mehr Zeit, um weniger auszusagen.

So sind wir schon nach kurzer Zeit direkt im Spiel und erklimmen den Berg Qaf auf der Suche nach unserem Prinzen. Das riesige Gebiet ist abwechslungsreich gestaltet, punktet mit bewegungsreichen Hintergründen und beinhaltet verlassene Stadtanlagen, Tempel, Höhlengebiete und vieles mehr als Grundlage zur Erkundung. Wie es sich für ein Metroidvania gehört, treffen wir schon früh auf Verzweigungen und Sackgassen, die erst nach einem Upgrade für Sargon passierbar werden. Die neuen Wege öffnen sich uns in der Regel nicht umsonst, sondern verlangen anspruchsvolle, aber faire Platforming-Passagen. Upgrades betreffen sein Bewegungspotential mit Klassikern wie Luft-Dashes, in der Spielwelt verteilt sind aber auch viele Ressourcen und Erweiterungen für seine Spezialangriffe, sodass sich das Erkunden auch ohne RPG-Elemente stets lohnt und befriedigend anfühlt. Das erledigen von Gegnern bringt dazu Zeitkristalle, von denen wir nie genug haben können und sie gegen wertvolle Verbesserungen wie Lebenspunkte-Upgrades bei den verstreuten Händlern eintauschen.

Schnelles Kampfsystem

Das motiviert ungemein, denn neben dem Erkunden sieht sich Sargon einer ganzen Menge kompetenter Feinde gegenüber. Der Schwierigkeitsgrad ist nicht von schlechten Eltern, kann aber flexibel in Menüs angepasst werden. Aus der Seitenansicht behacken wir die Gegner mit Sargons Doppelschwertern und feuern Standardkombos, am Boden, in der Luft sowie Spezialmanöver ab. Ganz wichtig sind die Ausweich- und Blocktasten. Besonders letztere öffnet Gegner für Konter und werden bei den knackigen Bossen zum Pflichtprogramm. Das Kampfsystem geht gut von der Hand und bietet fetzige Animationen und Trefferfeedback. Neben Standardsoldaten treten uns pro Abschnitt unterschiedliche mythologische Wesen Persiens und fiese Tiergestalten gegenüber, die alle ihre eigenen Stärken und Schwächen mitbringen – diese sollten wir uns auf jeden Fall einprägen.

Werden wir besiegt, starten wir am letzten goldenen Waq-Waq-Baum, an dem sich auch unsere Gesundheit und spärlichen Heiltränke auffüllen. So haben wir zu Teilen einen größeren Laufweg zum letzten Ort des Ablebens, diesen bewältigen wir aber in der Regel immer schneller, da wir uns Gebiete und Gegnerverhalten Stück für Stück automatisch einprägen. Prince of Persia: The Lost Crown teilt sich viele Stärken mit Genre-Spitze Hollow Knight, verliert aber in punkto Stimmung und Atmosphäre knapp. Dafür sind die einzelnen Gebiete sagenhaft detailliert gestaltet und bieten großartige Hintergründe voller Bewegung. Die Inszenierung der Story erinnert an Kampf- oder gar Animespiele. Da passt es auch, dass sich Prince of Persia nicht in einen realistischen Stil lehnt, sondern Comic- und Cel-Shading-Elemente kombiniert, um diese lebendige Vision Persiens zu kreieren. Mit vollem Erfolg!

Geschrieben von Jonas Maier

Fazit:

 

Tatsächlich ist Prince of Persia: The Lost Crown der erste Teil der Reihe, den ich gespielt hab. Ich denke aber, es geht vielen Leuten so, vernünftige neue Ableger gibt es schon länger nicht mehr und so ist es gar nicht dumm von Ubisoft, mit The Lost Crown auch einmal andere Gewässer auszuprobieren. Viele Parallelen zu Genre-Highlights der letzten Jahre sind vorhanden (Hollow Knight), trotzdem bietet Prince of Persia mit seinem einzigartigen Setting und vielen besonderen Spielmechaniken eine besondere Erfahrung unter den Metroidvanias. Dieses hat auch mich, einen Neuling der Reihe und nicht unbedingt Fan von Spielen dieser Art, komplett abholen können. Nicht ganz unbeteiligt ist auch das tolle Leveldesign, das schnelle Kampfsystem und der gewisse Anspruch, der mir immer wieder gezeigt hat, was in diesem Genre noch alles möglich ist.