Soma – TEST

Simon Jarrett erwacht im albtraumhaften Unterwasserlabor PATHOS-II und muss sich der Frage stellen, was einen Menschen wirklich ausmacht. Das Sci-Fi-Horrorspiel Soma schickt uns tief unter den Atlantik und konfrontiert uns dort nicht nur mit schleifenden Metallmonstern, sondern auch mit unserem eigenen Bewusstsein. Uns erwartet beklemmende Gänsehaut auf mehreren Ebenen.


Inhaltshinweis: In diesem Spiel geht es um Suizid.

Wir finden uns in Soma zunächst in der Rolle von Simon im Jahr 2015 wieder, wo ein experimenteller Hirnscan schiefläuft – und öffnen plötzlich die Augen an einem vollkommen fremden Ort. Zehn Jahre nach seiner Erstveröffentlichung entführt uns Entwickler Frictional Games nun endlich auch auf der Switch in diese düstere Welt. Unterstützt vom spanischen Publisher Abylight Studios wurde das Survival-Horror-Abenteuer aus dem Jahr 2015 technisch fit gemacht, um uns auch mobil das Fürchten zu lehren.

Stärker als die Schockmomente wirkt in Soma der philosophische Druckkessel: Audio-Logs, Terminals und Begegnungen mit Maschinen treiben uns Fragen ein, die lange nachhallen. Wann bin ich noch ich? Zählt Identität als Kontinuität oder als Momentaufnahme? Wie wichtig für meine Identität ist mein Körper? Was macht meine Person aus? Soma stellt solche Dilemmata schrittweise dar, wir handeln und merken erst später die Konsequenzen. Entscheidungen reiben sich an Ethik zwischen Fürsorge und Nützlichkeit, an Motiven wie dem Schiff des Theseus und dem Teleportationsproblem. Auch ohne Details der Handlung zu verraten: Wir erleben Horror durch Ideen, nicht nur durch Monster.

Gameplay & Rätsel

In der Ego-Perspektive erkunden wir die klaustrophobischen Korridore der Tiefsee-Station und lösen dabei vielfältige Rätsel. Zahlenkombinationen für Codes entdecken wir etwa in Notizen oder an Wänden – diese Detektivarbeit im Leveldesign lässt uns immer wieder zufrieden nicken, wenn sich eine hartnäckig verriegelte Tür endlich öffnet. Kämpfen können wir in Soma hingegen nie. Stattdessen schleichen wir an entstellten Robotern vorbei oder rennen in Panik durch die Flure, sobald uns die Kriechgeräusche im Rücken zu nah kommen. Diese Hilflosigkeit erhöht die Spannung enorm und passt perfekt zur verzweifelten Stimmung.

Allerdings stolpern wir dabei gelegentlich über die Spielsprache der Levels. Trotz des linearen Aufbaus ist nicht immer klar, wo es weitergeht. Ungewöhnlich grelle Lichtquellen entpuppen sich manchmal als Sackgassen, während der rettende Ausgang im Halbdunkel liegt – ein unübliches Design, das uns mehr verwirrt als herausfordert. Ein besonders ärgerlicher Patzer zeigt sich gleich zu Beginn: Wir sollen mit einem Objekt eine Scheibe einschlagen, doch wenn wir alle greifbaren Gegenstände versehentlich in einen Müllschacht werfen, haben wir kein Werkzeug mehr. Die Scheibe bleibt heil, unser Fortschritt stagniert: Das nennt sich Deadlock, der nur durch Laden eines früheren Spielstands zu lösen ist, und gehört nicht in ein gutes Spiel.

Atmosphäre & Inszenierung

Soma erschafft eine dichte Horror-Atmosphäre, die unter die Haut geht. Das verfallene Unterwasserlabor ist in ewige Dunkelheit gehüllt und wird nur gelegentlich durch wenige zuckende Lampen erhellt. Die Grafik entlarvt zwar mit groben Texturen und detailarmen Modellen das Alter des Spiels, doch die beklemmende Inszenierung fesselt uns trotzdem. Die Sichtweite ist stark eingeschränkt – helle Lampen sind oft schon aus zehn Metern Entfernung nicht erkennbar. Was technisch enttäuscht, ist beim Spielen allerdings ein effektives Stilmittel, denn die erdrückende Finsternis vor unseren Augen steigert unser Gefühl der Isolation und Ungewissheit beträchtlich.

Akustisch glänzt Soma ebenfalls und zieht uns noch tiefer in den Abgrund. Dumpfes Donnern des Ozeans, metallisches Ächzen der Station und das verzweifelte Stöhnen der Kreaturen bilden einen Soundteppich, der uns frösteln lässt. Hinzu kommen gelungene (englische) Sprecher, die den letzten verbliebenen Bewohnern von PATHOS-II authentisches Leben einhauchen. Wenn verzerrte Stimmen aus defekten Terminals hallen oder ein verstörender Funkspruch abbricht, läuft uns ein kalter Schauer über den Rücken – hier stimmt die Atmosphäre bis ins kleinste Geräuschdetail. Wir empfehlen zum Spielen Kopfhörer, eine dunkle Ecke und alle anderen Lampen im Raum zu löschen.

Technik & Modi

Auf der Switch zeigt Soma seine ursprünglichen PC-Wurzeln mit gemischten Ergebnissen. Die Leistung der ersten Switch-Generation zwingt das Spiel zu Kompromissen: niedrigere Auflösung, lange Ladezeiten und eben jene kurze Weitsicht, die dunkle Areale nur zögerlich ausleuchtet. Der Titel läuft stabil, doch optisch müssen wir Abstriche in Kauf nehmen. Sehr positiv fällt der zeitgemäße Safe-Mode auf: Wer den Horror ohne Frust erleben möchte, kann diesen Modus aktivieren, damit die Monster zwar präsent bleiben, aber nicht mehr tödlich zuschlagen. Dieser optionale Modus unterstreicht die zugrunde liegende Philosophie, weil dadurch eine Art Horror zwar abnimmt, aber das eigentliche Grauen in den Fragen nach Menschlichkeit und Verantwortung bestehen bleibt.

Auch sonst merken wir dem Spiel das Alter an – im Guten wie im Schlechten. Einerseits beeindruckt uns die fast schon klassische Physik-Interaktion: Wir heben Gegenstände auf, drehen sie neugierig in der Hand und schleudern sie durch die Gegend. Das verleiht den Schauplätzen eine greifbare Authentizität. Andererseits hätten wir uns an manchen Stellen modernere Komfortfunktionen gewünscht. So fehlt etwa eine Zielhilfe oder Markierung für interaktive Objekte, was gelegentliches Herumirren zur Folge hat. Insgesamt präsentiert sich Soma aber auch auf Nintendos Hardware als solide portiertes Stück Horrorgeschichte, das durch seine narrative Stärke besticht.

Switch 2 Update

Für alle, die Soma auf der neuen Switch-Generation spielen, gibt es gute Nachrichten: Ein kostenloser Patch nutzt die zusätzliche Power der Switch 2 und poliert das Erlebnis sichtbar auf. Auf Nintendos neuer Konsole erstrahlt das Spiel in höherer Auflösung und mit schärferen Texturen. Vor allem im Handheld-Modus wirken die Details deutlich klarer. Die Bildrate bleibt auch in hektischen Momenten stabil, und nervige Ladepausen fallen spürbar kürzer aus. Mit diesen Verbesserungen nähert sich Soma auf der Switch 2 der Qualität der ursprünglichen PC-Version an und lässt uns noch tiefer in seinen beklemmenden Albtraum eintauchen. Laut Entwickler sind sogar weitere exklusive Optimierungen für die Switch 2 in Arbeit, was uns hoffen lässt, dass dieses Unterwasser-Abenteuer künftig noch reibungsloser über die Bühne geht.

Geschrieben von Arne Ruddat

Fazit:

Horror ist noch immer nicht mein Lieblingsgenre, ich mag aber Unterwasser-Szenarien. Auf klare Empfehlung hin habe ich mir das Spiel mit dem griechischen Wort für Körper als Titel vorgenommen. Soma hat mich sehr zum Nachdenken gebracht. Die Reise durch PATHOS-II mit all seinen Stationen ist Nervenkitzel, sie ist Philosophie und sie ist Albtraum, der lange nachhallt. Trotz kleiner Frustmomente und der einen oder anderen technischen Schwäche auf der Switch habe ich jede Stunde in dieser düsteren Tiefe genossen. Soma zeigt, dass Videospiele große Fragen stellen können: Was macht uns menschlich? Was ist Identität, besonders, wenn der Körper nicht mehr zählt? Für Fans von Story-getriebenem Horror ist Soma ein Muss. Wer simpler Schockeffekte wegen spielt, könnte von dem langsam erzählten, aber intensiven Erlebnis überrascht werden. Mich hat Soma jedenfalls eiskalt erwischt, nicht nur mit seinen Schockmomenten, und nachdenklich zurückgelassen. Ein weiterer Beweis dafür, wie fesselnd und tiefgründig Videospiele sein können. Vorsicht, nichts für Zartbesaitete, für alle mit harten Nerven aber eine Empfehlung.