SteamWorld Quest: Hand of Gilgamech -  – TEST

Image & Form Games schickt uns nach dem Bergbau im Wilden West und der strategischen Piraterie im Weltall mit SteamWorld Quest: Hand of Gilgamech in ein rundenbasiertes Fantasy-Rollenspiel. Mit unserer dampfbetriebenen Roboter-Gruppe haben wir den Kampf gegen eine finstere Macht angetreten und uns dabei köstlich amüsiert.


Die SteamWorld-Reihe hat sich in der Vergangenheit bereits in verschiedenen Genres bewiesen. Tower Defense, Bergbau-Action-Adventure oder rundenbasierte Strategie zeichnen die bisherigen Spiele von Image & Form Games aus. Verbindendes Element dabei stets die von dampfbetriebenen Robotern bewohnten Spielwelten und die starken Steampunk-Anleihen. Egal ob im Wilden Westen oder in Raumschiffen im Weltall. SteamWorld Quest: Hand of Gilgamech schlägt ein neues Kapitel auf und präsentiert eine dampfig-maschinelle Fantasy-Welt. Als Erzählung eines Vaters ist das Rollenspiel passend in mehrere Akte und Kapitel eingeteilt. Die Geschichte folgt einer kleinen Gruppe eher normaler Roboter, die sich einer großen Aufgabe annehmen und das Böse bekämpfen.

Dampfige Fantasy

Ganz so simpel ist die im Kern recht typische Fantasy-Story allerdings nicht. Wie so oft beginnt alles recht einfach. Das Zeitalter der Helden ist schon lange vorbei, der große Gilgamech, der die Welt einst vor dem Behemoth gerettet hat, gerät immer mehr in Vergessenheit. Armilly, die sich zum Ziel gesetzt hat als Ritterin Heldentaten zu vollbringen und Gildenmitglied zu werden, folgt jedoch noch immer den Lehren des Heldenhandbuchs und ist eine große Verehrerin jedweder Person, die Großes vollbracht hat. Gemeinsam mit ihrer Alchemisten-Freundin Copernica kehrt sie nach der Pilzsuche im Wald in ihr Dorf zurück und findet dieses brennend wieder. Eine unbekannte, finster Armee, die dem dunklen Lord folgt, hat angegriffen und alle Gildenhelden gefangen genommen. Nachdem sich noch der Mechaniker Galleo angeschlossen hat, machen sich die Drei auf, die Verschleppten zu retten.

Obwohl die Geschichte Fantasy-Standards folgt und bewusst einige Klischees verwendet, wird das Spiel spannend erzählt und kann mit ein paar gelungenen Wendungen aufwarten. Weitaus stärker profitiert SteamWorld Quest aber von der Heldentruppe, die im Laufe des Spiels noch weiter anwächst. Doch bereits Armilly, Copernica und Galleo beweisen den großartigen Humor des Spiels. Immer wieder haben uns die amüsant geschriebenen Dialoge zum Schmunzeln gebracht. Genau hier verstehen es die Entwickler mit den Genre-Klischees zu spielen, diese überzeichnet darzustellen und auf diese Weise witzig ins Spiel einzubinden. Doch auch die Charaktere selbst wissen zu überzeugen. Etwa Galleo, der als begabter Mechaniker noch immer im Keller seiner Mutter wohnt oder Armilly, die in ihrer blinden Heldenverehrung die Handlungen der Gruppe möglichst episch nacherzählt. Einfach köstlich.

Ebenfalls überzeugen kann das Gameplay. SteamWorld Quest: Hand of Gilgamech wird aus der Seitenansicht präsentiert. Die schön gestalteten Figuren können sich frei, also auch in die Tiefe in den schicken und abwechslungsreichen Umgebungen bewegen. An Übergängen wechseln wir den Abschnitt und erkunden auf diese Weise die Level. Alternative und versteckte Abzweigungen führen uns zu Schätzen, ansonsten ist SteamWorld Quest rein linear gestaltet. Das kommt vor allem der Geschichte zu Gute und motiviert die gesamte Spielzeit von zehn bis fünfzehn Stunden.

Die Macht der Lochkarten

Zu verdanken ist das auch dem interessanten Kampfsystem, das den Großteil des Gameplays ausmacht. Häufig treffen wir auf die verschiedensten Gegner und stellen uns ihnen in rundenbasierten Kämpfen. Aktiv können drei Charaktere an den Konfrontationen teilnehmen. Allerdings heißt das nicht, dass auch jeder unserer Akteure in jeder Runde agiert. Statt auf einen Zug pro Kampfteilnehmer zu setzen, hängen unsere Aktionen von den Lochkarten ab, die wir einsetzen. Jedes Mitglied unserer Heldentruppe hat ein Kartendeck von acht Karten. Weniger oder mehr sind nicht erlaubt. Im Laufe des Spiels können wir insgesamt über einhundert Karten erhalten, weshalb wir unsere Decks regelmäßig anpassen. Zu Beginn eines Kampfes ziehen wir sechs Karten und wählen drei davon aus. Diese stellen die Aktionen dar, die wir in dieser Runde ausführen. Dabei können wir entweder jeden Charakter einmal oder einen Helden dreimal agieren lassen.

Natürlich sind hierbei nicht nur die zufällig gezogenen Karten wichtig, sondern auch taktische Überlegungen. So führt ein Held nach drei aufeinanderfolgenden Aktionen eine von der ausgerüsteten Waffe abhängige Sonderfähigkeit aus, also ein möglicher vierter Angriff, zusätzliches Heilen und ähnliches. Ebenfalls können bestimmte Karten Kombos auslösen, wenn sie vor oder nach der Karte eines speziellen anderen Helden gespielt werden. Dazu kommt die Dampfkraft. Mit jeder einfachen Aktion sammeln wir einen Punkt auf der Dampfkraft-Anzeige. Diese werden wiederum benötigt, um stärkere Karten ausspielen zu können. Entsprechend taktisch müssen wir unsere Züge planen und auch unser Deck gestalten. Schließlich bringt es uns nichts, wenn wir nur starke Karten mit in den Kampf nehmen, diese aber nicht nutzen, weil wir keine Dampfkraft erzeugen können. In jeder Runde ziehen wir standardmäßig drei neue Karten und dürfen bis zu zwei Karten ablegen, um diese gegen andere auszutauschen. Gespielte Karten wandern zurück auf den Stapel, so dass wir immer Nachschub aus unserem vierundzwanzig Karten starken Gesamtdeck haben. Auch nach mehreren Stunden können die Kämpfe noch motivieren und tragen viel zum Spielspaß bei.

Wie bereits erwähnt, kann sich SteamWorld Quest: Hand of Gilgamech optisch sehen lassen. Schicke Charaktermodelle, tolle Gegnerdesigns, abwechslungsreiche Umgebungen und ein flüssiger Spielablauf wissen genauso wie der stets passende, gelungene Soundtrack zu überzeugen. Abgerundet wird das Rollenspiel durch eine Arena, die uns nach einiger Zeit über die Kapitelauswahl zur Verfügung steht. Darin treten wir in mehreren Kämpfen hintereinander an, erhalten Belohnungen und eine zusätzliche Möglichkeit mittels Erfahrungspunkten unsere Charaktere aufzuleveln. Eine wirklich schöne Ergänzung.

Geschrieben von Alexander Geisler

Fazit:

Mit den SteamWorld-Spielen hat Image & Form Games eine tolle Spielereihe geschaffen. Alleine die Verknüpfung verschiedener Szenarien mit den dampfbetriebenen Robotern und der Steampunk-artigen-Technologie ist großartig. Nach Wildem Westen und Weltraum brilliert auch der erste Fantasy-Streich an diesem Punkt. Dazu gesellt sich ein motivierendes kartenbasiertes Rundenkampfsystem, humorvolle Dialoge, hervorragend geschriebene Charaktere und eine durchaus spannende, Genre-Klischees bewusst nutzende Geschichte. Die nicht ganz fünfzehn Stunden, die ich mit SteamWorld Quest: Hand of Gilgamech verbracht habe, haben mir sehr viel Spaß gemacht. Rollenspiel-Fans sollten genauso wie Anhänger der SteamWorld-Spiele zugreifen.