The Caligula Effect 2 – TEST

The Caligula Effect 2 ist inhaltlich wie spielerisch eine konsequente Fortsetzung des ersten Teils. Das innovative Kampfsystem und die ungewohnte Prämisse konnten im ersten Caligula Effect über viele Schwächen hinwegtragen, der zweite Teil hat diesen neuartigen Bonus nun nicht mehr.


Direkt von Beginn an fühlt sich in The Caligula Effect 2 vieles bekannt an. Wir übernehmen die Rolle eines neuen Schülers, der wie im ersten Teil in eine simulierte Welt abtaucht, die der echten Welt zum Verwechseln ähnlichsieht. Diese Simulation namens Redo wurde vom Virtualdoll Regret erschaffen – ihr Name ist Programm, denn diese fiktive Realität erlaubt es den Bewohnern ihre realen Probleme hinter sich zu lassen. Diese Realitätsflucht mag Heilung bieten, ist aber keine langfristige Lösung. Im ersten Teil konnten wir uns entscheiden, auf welche Seite wir uns stellen und ob wir den Herrscher dieser Welt anfechten wollen und dafür Schüler in unsere Reihen rekrutieren. Der zweite Teil spielt in einer anderen Simulation, trotzdem bleibt vieles bekannt. Das gilt natürlich auch für die Vocaloid-Stimmung, denn die Musik ist in The Caligula Effect 2 Teil der Story und das Mittel zum Zweck der Gegner, die Leute in Redo zu halten.

Viele Déjà-vus

Zwischen uns und unserem Ziel stehen zahllose korrumpierte Schüler und NPCs, die die ansonsten sterile Welt bevölkern. Unsere Charaktertruppe bedient alle bekannten Typen zeitgenössischer japanischer Rollenspiele und hat ein blankes Anime-Charakterdesign. Besonders sind aber die kleinen negativen Facetten, denn viele Figuren sehen trotz Anime-Ästhetik krank aus. Ein schöner Kontrast zur ansonsten bekannt-bunten Idol-Ästhetik des Spiels. Ansonsten ist The Caligula Effect 2 ein weiteres zeitgenössisches japanisches Rollenspiel und reit sich hinter Spiele wie Persona, Tokyo Xanadu oder Tokyo Mirage Sessions #FE ein.

So besteht der erste Dungeon aus den U-Bahn-Tunneln der kleinen abgesteckten Stadtumgebung. Selbstverständlich kann von Beginn an die Highschool sowie der Einkaufs-Plaza in der Stadt erkundet werden. Diese kleinen Gebiete sind vollgestopft mit NPCs, die wie im Vorgänger alle Namen und Beziehungen zu anderen Figuren haben. Etwas besser als im ersten Teil sind die Dungeon-Umgebungen. Zwar handelt es sich hierbei eigentlich nur um Gänge- und Räume voller Gegner, ein versteckter Schlüssel links oder rechts sowie die für dieses Budget gesehenen nett gestalteten Umgebungen sind ganz ansehnlich. Das gilt aber nicht für die teils lächerlich steifen und teils übergestikulierten Charakteranimationen. Technisch bewegt sich Caligula Effect 2 bestenfalls auf dem Niveau eines frühen PlayStation-3-Spiels, die Animationen sind schon angefangen bei der Laufanimation sehr schwach.

Fans japanischer Rollenspiele legen ihren Fokus aber auf andere Dinge. Zum Beispiel auf das Kampfsystem oder die Progressionssysteme. Minütlich finden wir in The Caligula Effect neue Ausrüstungsgegenstände, die unsere Gruppenmitglieder kontinuierlich verbessern. Darunter befinden sich auch Items, die erst nach dem Meistern (nach einigen Kämpfen) passive Skills für unserer Figuren freischalten. Solche Elemente motivieren zum Weiterspielen und bieten die Möglichkeit, die Figuren etwas zu individualisieren. Das ist im Vergleich zum Vorgänger auch endlich nötig, denn der Schwierigkeitsgrad wurde deutlich angehoben. Im Notfall gibt es noch einen sehr leichten Schwierigkeitsgrad, aber ohne Grind und ohne Kämpfe von Boss zu Boss zu rennen ist wie im ersten Teil nicht möglich.

Der Blick in die Zukunft

The Caligula Effect 2 KampfsystemDer Kampf ist im Grunde rundenbasiert. Wie gewohnt wählen wir pro Runde für unsere Figuren Angriffe, Spezialfähigkeiten oder Items aus, die eingesetzt werden sollen. Die Aktionen werden aber nicht direkt in die Tat umgesetzt, zuvor sehen wir in einer Vorschau wie sich die Angriffe in Echtzeit gegenüber unseren Gegnern entfalten. Anhand eines Zeitstrahls können wir die Reihenfolge der Angriffe aufeinander abstimmen, sodass gewisse Kombo-Effekte in Kraft treten. Zum Beispiel ist es für unseren Protagonisten ein leichtes, Gegner in die Luft zu schleudern. Anschließend sollte der fliegende Gegner durch einen Fernkämpfer für Extraschaden unter Beschuss genommen werden.

Während der Vorschau sehen wir auch die Aktionen der Gegner und können unserer Bewegungen und Angriffe darauf abstimmen. Fast schon unfair, wenn ein Gegner zum starken Angriff ansetzt und wir bereits den richtigen Konter ausgewählt haben. Trotzdem werden die Kämpfe nicht anspruchslos, denn auch wir können in unseren Angriffen unterbrochen werden – und sind wir einmal aus dem Rhythmus und liegen am Boden, kann das Ganze schnell vorbei sein.

Auf jeden Fall ist dieses dynamische Kampfsystem ein Highlight von The Caligula Effect 2. Die Kämpfe gestalten sich sehr flott, ansonsten ist die Switch-Version noch einmal technisch schwächer, als das ohnehin technisch schon ziemlich schwache Spiel. Der sichere, bunte Stil macht einiges Wett, dennoch wird uns bei den flimmernden Kanten und schwachen Animationen fast schon schwindelig. Einen gewissen Ausgleich schafft die nette elektronische Musik mit viel japanischem Gesang. Positiv überraschend ist auch die große Textmenge, die auf Japanisch vertont wurde. Wie schon im ersten Teil müssen wir in The Caligula Effect 2 aber mit englischen Texten vorliebnehmen.

Geschrieben von Jonas Maier

Fazit:

Tatsächlich hatte ich mich im Vorhinein auf The Caligula Effect 2 gefreut. Den ersten Teil hatte ich durchgespielt, trotz sehr vieler Schwächen mochte ich das Kampfsystem und die inhaltliche Ausrichtung – jetzt im zweiten Teil kann der Innovationsbonus dieser Elemente bei mir nicht mehr zünden. Auch die Figuren haben mir im ersten Teil noch mehr zugesagt, dennoch sehe ich natürlich die klaren Verbesserungen. Die Progressionssysteme machen Spaß und das Spiel ist nicht mehr viel zu einfach. Trotzdem ist The Caligula Effect 2 auch in den besten Momenten weit von den Genre-Highlights entfernt, auch ohne die durchwachsene Technik.